Dark John Sinclair - Folge 0828
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-8387-3558-0
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der Henker des Herzogs (2. Teil)
E-Book, Deutsch, Band 828, 64 Seiten
Reihe: John Sinclair
ISBN: 978-3-8387-3558-0
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1990 - 1999!
Der Henker des Herzogs (2. Teil).
Es war dunkel geworden!
Und mit der Dunkelheit war bei Bea Quentin die Angst gewachsen. Das blanke Entsetzen vor dem, was in ihrem Haus lauerte. Sie wusste, dass sie eigentlich allein war, aber sie war es trotzdem nicht, denn das unheimliche und rätselhafte Etwas war vorhanden. Nur zeigte es sich nicht, lauerte tief im Schoß der Dunkelheit verborgen.
Sie selbst stand im Licht. Ihr Körper und auch ihr Gesicht waren schweißnass. Das Haus wirkte auf Bea wie eine große Falle. Sie rechnete damit, dass jeden Augenblick die Wände um sie herum zusammenbrechen und sie unter sich begraben würden ...
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
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Der Henker des Herzogs (2. Teil)
Es war dunkel geworden!
Und mit der Dunkelheit war bei Bea Quentin die Angst gewachsen. Das blanke Entsetzen vor dem, was in ihrem Haus lauerte. Sie wusste, dass sie eigentlich allein war, aber sie war es trotzdem nicht, denn das unheimliche und rätselhafte Etwas war vorhanden. Nur zeigte es sich nicht, lauerte tief im Schoß der Dunkelheit verborgen.
Sie selbst stand im Licht. Ihr Körper und auch ihr Gesicht waren schweißnass. Das Haus wirkte auf Bea wie eine große Falle. Sie rechnete damit, dass jeden Augenblick die Wände um sie herum zusammenbrechen und sie unter sich begraben würden.
Ihr Blick fiel auf das Telefon. Sie hatte telefoniert, um Hilfe gebeten. Keine Polizei, die Beamten hätten sie nur ausgelacht. Bekannte, nicht einmal entfernte Freunde, sollten ihr helfen. Sie würden kommen, darauf konnte sie sich verlassen.
Mit leisen Schritten bewegte sich Bea Quentin auf die Haustür zu. Vielleicht war es besser, wenn sie im Freien wartete, obwohl draußen die Temperatur gegen den Nullpunkt hin sank.
Auf dem Weg blieb sie stehen.
Sie hatte etwas gehört.
Dumpfe, unheimlich klingende Schläge.
In diesem Moment wusste sie endgültig, dass sie nicht allein in ihrem Haus war.
Und ihre Angst nahm zu.
*
Die Erleichterung stand in Bea Quentins Gesicht geschrieben, als sie die beiden Conollys ins Haus bat. »Sie ahnen nicht, wie glücklich ich bin, dass Sie bei mir bleiben wollen. Allein wäre ich verrückt geworden.«
Sheila war stehen geblieben und zog den Mantel aus. Über ihr an der Decke streckten vier helle Finger wie eine Spinne ihre Beine aus. Nur gaben diese Finger Licht und waren dicker. »Ich bitte Sie, Bea, das war doch selbstverständlich.«
»Tatsächlich?«
»Sicher. Wenn ich das sage, spreche ich auch für meinen Mann.« Sheila legte der Frau ihre Hand gegen den Rücken und schob sie auf die offene Tür des Wohnraums zu. »So, meine Liebe, jetzt werden wir erst mal miteinander reden.«
Bill hatte das Zimmer bereits betreten. Er stand am Fenster und nickte den beiden Frauen zu.
»Darf ich Ihnen einen Schluck Rotwein anbieten?«
»Ein Glas kann nicht schaden«, erwiderte Bill.
»Moment, ich hole ihn.« Die Hausherrin verschwand in Richtung Küche und ließ die Conollys zurück.
»Welchen Eindruck macht sie auf dich?« fragte Sheila.
Der Reporter hob die Schultern an. »Ich kann es nicht sagen. Bea Quentin scheint unter Druck zu stehen.«
»Ja und noch mehr.«
»Wieso?«
»Ich glaube, dass sie sich bedroht fühlt. Mit dem Verschwinden ihrer Tochter Iris ist der Fall für sie noch längst nicht erledigt. Da ist sicher noch etwas. Hätte sie uns sonst angerufen und hergebeten?«
»Kann sein.«
Bea kehrte zurück. Ihre Besucher schwiegen. Bill übernahm es, die Flasche zu öffnen. Seidenweich zog er den Korken hervor. Bea und Sheila hatten auf der schwarzen Ledercouch Platz genommen. Bill schenkte den Wein in die passenden Gläser, nahm ebenfalls Platz und prostete den Frauen zu, die ihm gegenüber saßen.
Sheila und er tranken langsam, aber Bea nahm einen langen Schluck, bevor sie das Glas vor sich auf den Tisch stellte. Es war ihr anzusehen, wie nervös sie war, denn die Hand mit dem Glas zitterte beträchtlich.
Da Sheila ihrem Mann zugenickt hatte, übernahm er die Befragung. »Es hatte doch sicherlich einen schwerwiegenden Grund, dass Sie uns hergebeten haben, Bea.«
»Da haben Sie recht.«
»Hängt es mit Ihrer Tochter zusammen?«
»Indirekt.«
»Hat sie sich inzwischen schon gemeldet?«
»Nein«, erwiderte Bea leicht stöhnend. »Und das macht mich ja gerade so depressiv. Ich habe damit gerechnet, von Iris etwas zu hören. Es ist nicht geschehen, ich sitze hier und warte, aber deshalb habe ich Sie beide nicht hergebeten. Es gibt einen anderen Grund.« Sie sprach weiter, weil Bill sie auffordernd angeschaut hatte. Mit leiser Stimme sagte sie: »Ich habe Ihnen nie die ganze Wahrheit gesagt.«
»Das dachten wir auch«, erwiderte Sheila.
Bea war erstaunt. »Wieso dachten Sie das? Sind Sie jetzt nicht wütend auf mich?«
»Warum sollten wir?«
»Wenn ich Sie doch angelogen habe.«
»Es war uns klar. Sie haben einfach zu wenig Informationen an uns weitergegeben, obwohl Sie, wenn man alles in Betracht zieht, mehr hätten haben müssen.«
Bea Quentin senkte den Kopf. »Ja, und dafür schäme ich mich. Aber ich war in einer Lage, die ich nicht überblicken konnte«, murmelte sie und war kaum zu verstehen. »Ich wollte eben alles tun, um meine Familie zu retten. Ich habe gehandelt wie eine Mutter und Ehefrau.«
»Es macht Ihnen niemand einen Vorwurf«, sagte Bill.
»Danke.« Bea griff wieder nach dem Glas und trank. Sie hatte die Stirn gerunzelt und suchte nach den passenden Worten. »Es ist so«, murmelte sie, »bisher sind Sie beide davon ausgegangen, dass es nur um Iris, meine Tochter, geht, aber das ist ein Irrtum. Es geht noch um eine Person.«
»Um Ihren Mann«, sagte Sheila.
Bea Quentin saß für einen Moment steif auf dem Fleck. »Ja, es stimmt, mein Mann. Aber woher …«
»Wir dachten es uns. Sie haben ihn immer aus dem Spiel gelassen. Sie redeten um dieses Thema herum, wenn darauf die Sprache kam. Er befindet sich nicht auf einer Geschäftsreise, wie ich annehme?«
»Nein.«
»Was ist mit ihm passiert?«
Bea starrte gegen ihre Knie. »Tja, was ist passiert? So genau kann ich es nicht beantworten, aber meine Tochter war nicht die Einzige, die hoch zur Ruine ging. Harold ist ihr gefolgt. Er wollte sie nicht allein lassen, und sie kehrten auch gemeinsam zum Hotel zurück.«
»Was geschah dort?« fragte Bill.
»Nichts, gar nichts. Es passierte erst, als wir wieder hier in London waren.« Sie brach wieder in Schweiß aus. »Da ist dann Iris zu einem kleinen Monster geworden. Da hat sich ihr Gesicht so schrecklich verändert, aber das wissen Sie ja.«
»Und Harold?«
Bea Quentin hob die Schultern. »Auch mit ihm muss etwas vorgegangen sein. Er verschwand.«
»Einfach so?«
»Ja, Bill, einfach so. Er war plötzlich weg. Als hätte er sich aufgelöst. Es gab nichts. Keinen Gruß, keinen Abschiedsbrief, einfach nur die Leere des Hauses, in dem ich nun allein lebe.«
»Haben Sie nach ihm gesucht?«
»Das habe ich nicht, weil ich voll und ganz mit dem Schicksal meiner Tochter beschäftigt war, wie Sie sich bestimmt vorstellen können. Ich – ich – bin stark gewesen, was sie betrifft, aber ich habe mich nicht mehr um Harold kümmern können.« Sie rang nach Atem und setzte sich kerzengerade hin, den Kopf angehoben, sodass sie schon steif wirkte. So schaute sie auf das gegenüberliegende Fenster. »Seit kurzem aber glaube ich nicht mehr daran, dass Harold verschwunden ist. Ich – ich – will es einfach nicht wahrhaben. Er muss doch hier sein.«
»Im Haus?« flüsterte Sheila.
»Ich glaube ja.«
»Wieso nehmen Sie das an?« wollte Bill wissen.
»Zuerst war es nur ein Gefühl.« Bea strich durch ihr dunkles Haar, das im Nacken noch immer einen Knoten bildete. »Dann aber wurde mehr daraus. Ich kann Ihnen nicht sagen, wieso es sich zur Gewissheit auswuchs, aber auf einmal war sie vorhanden. Ich glaubte plötzlich daran, nicht mehr allein im Haus zu sein. Ich habe fest damit gerechnet, dass Harold zurückgekehrt ist oder gar nicht erst weg war.«
»Und?« fragte Bill. »Ist er hier?«
Bea musste schlucken. »Das weiß ich eben nicht genau. Ich habe mich nicht getraut, nachzusehen. Aber ich hörte Geräusche, fremde Geräusche, wobei ich nicht weiß, ob ich sie als menschlich oder unmenschlich einstufen soll. Sie waren jedenfalls vorhanden.«
»Nachgeschaut haben Sie aber nicht?«
»Nein, um Himmels willen. Ich hatte nicht den Mut dazu. Ich spürte nur, dass meine Angst wuchs und wuchs. Bis sie schließlich so stark war, dass ich mir nicht mehr zu helfen wusste und Sie beide deshalb anrief. Ich möchte Sie bitten, mich zu unterstützen. Ich fürchte mich davor, das Haus allein zu durchsuchen. Es ist ein alter Bau, dabei voll unterkellert, und ich habe Angst, diese gefährlichen und düsteren Räume allein zu betreten.«
Sheila nickte. »Das kann ich voll und ganz verstehen. Mir wäre es ebenso ergangen.«
Bill lächelte über den Tisch hinweg. »Aber zu dritt fürchten Sie sich nicht, denke ich.«
»So ist es.«
Der Reporter legte die Stirn in Falten. »Haben Sie sonst noch irgendwelche Beweise für eine Rückkehr Ihres Mannes?«
»Keine.«
»Er hat sich also nicht mehr gemeldet?«
»Richtig.«
Bill deutete mit dem ausgestreckten Zeigefinger zu Boden. »Und Sie gehen davon aus, dass er sein Versteck irgendwo in den düsteren Kellerräumen gefunden hat?«
»Ja.«
Der Reporter stand auf und nickte seiner Frau dabei zu. »Was soll das ganze Reden? Wir schauen am besten einmal nach.«
»Halt«, rief Bea Quentin. »Sie wollen einfach in den Keller gehen, Bill?«
»Warum nicht?«
»Aber Sie wissen doch gar nicht, was Sie erwartet …«
Conolly winkte ab. »Ich gehöre zu den Menschen, die Kummer gewöhnt sind.« Er lächelte breit. »Außerdem – so ganz wehrlos bin ich auch nicht, liebe Bea.«
Sie traute dem Braten nicht und wollte von Sheila wissen, ob das auch stimmte.
»Sie können sich darauf verlassen, was Bill sagt. So leicht sind wir nicht zu erschüttern.«
»Na ja, wenn Sie meinen …« Jetzt stand auch Bea auf. Zusammen mit Sheila ging sie auf den an der Tür wartenden...




