Dark | John Sinclair - Folge 0793 | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 793, 64 Seiten

Reihe: John Sinclair

Dark John Sinclair - Folge 0793

Als der Engel Trauer trug
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-8387-3523-8
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Als der Engel Trauer trug

E-Book, Deutsch, Band 793, 64 Seiten

Reihe: John Sinclair

ISBN: 978-3-8387-3523-8
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1990 - 1999!

Als der Engel Trauer trug.

Manchmal passieren Dinge, die erschüttern einen Menschen bis in die Grundfesten.

Auch Suko und mir ist es so ergangen. Der Fall, von dem Sie hier lesen, hatte eine besondere Dimension erhalten, er reichte bis in den Ursprung der Zeiten zurück ...

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

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Als der Engel Trauer trug


Der Bau war klein, ziemlich flach und hatte nichts Modernes an sich. Es gab keine großen Fenster, dafür viel Backstein, kleine Fenster, und die waren zusätzlich noch von außen vergittert. Warum dies so war, wusste wohl niemand mehr, denn wer stieg schon in eine Leichenhalle ein?

Das hatte auch die einsame Gestalt nicht vor. Sie würde auf eine andere Art und Weise in die Leichenhalle gelangen, und zwar durch eine Tür und mithilfe eines Schlüssels.

Die Zweige kratzten an ihrem ebenfalls grauen Mantel, als sie sich um einen Busch wand und vor sich die Treppe mit den drei breiten Stufen sah, die zur Tür führte.

Der Eindringling ging auf Nummer Sicher. Bevor er die Treppe hinter sich ließ, schaute er sich um. Es war niemand zu sehen. Keiner war ihm gefolgt, und über die breiten Lippen huschte ein knappes Lächeln. Alles lief nach Plan, und er war sich auch sicher, die ›Beute‹ in der Leichenhalle zu finden.

Vor der Tür bückte sich die Gestalt. Den Schlüssel hielt sie bereits in der Hand. Das Schloss war normal. Wenn der Schlüssel zweimal gedreht worden war, würde es offen sein.

Auch jetzt war kaum ein Laut zu hören. Auch dann nicht, als die Tür geöffnet wurde und der typische Trauergeruch einer Leichenhalle an die Nase des Einbrechers wehte. Es roch nach irgendwelchen Desinfektionsmitteln, nach Pflanzen, auch nach Bohnerwachs sowie nach kalter Haut und Tränen, wie die Gestalt glaubte.

Vor ihr lag ein Flur.

Zu sehen war kaum etwas, nur hin und wieder das matte Spiegeln des blankgescheuerten Bodens, über den sich der Eindringling weiterbewegte und es nicht mal für nötig hielt, die kleine Taschenlampe hervorzuholen. Es war alles sehr gut durchgeplant worden, das Ziel war nahe.

Und das lag hinter einer braunen Tür, etwas abseits der eigentlichen Trauerhalle. Es war ein kleiner Raum, wo die Toten aufbewahrt wurden. Die Tür war nicht verschlossen, der Knauf brauchte nur gedreht zu werden. Ein leises Schnacken erklang, dann war der Weg frei.

Auch hier konnte der Einbrecher die Tür lautlos aufstoßen. Und nun griff er zur Taschenlampe. Da dieser Raum kein einziges Fenster aufwies, sickerte nicht mal graues Nachtlicht gegen den Gegenstand, der in der Mitte auf einem für ihn zu großen Sockel stand.

Es war ein Sarg!

Kein normaler großer, sondern ein kleiner und schneeweißer Kindersarg. Der Eindringling ging noch einen Schritt vor und blieb – das wusste er – an der unteren Seite des Sargs stehen. Er ließ den Lichtstrahl über ihn hinwegwandern. In seinem Gesicht zogen sich die Brauen zusammen, weil er sich darüber ärgerte, dass die Farbe nicht an allen Stellen gleichmäßig verteilt worden war. In der oberen Hälfte schimmerte sie dichter als am Fußende.

Der Sarg war verschlossen, aber vom Deckel her nicht zugeklemmt. Am nächsten Morgen würde die Beerdigung sein, und es gab Menschen, die das tote Mädchen noch einmal sehen wollten.

Die Gestalt lächelte, als sie sich bückte. Mit einer Hand schaffte sie es, den Deckel zur Seite zu schieben. Was bei vielen Menschen einen Schauer oder Angstgefühle sowie starke Beklemmungen ausgelöst hätte, nötigte dem Dieb nur ein triumphierendes Lächeln ab.

Der Deckel wurde zur Seite gelegt. Dann wanderte der Lichtstrahl wieder zurück – und er traf die Gestalt.

Das Mädchen sah aus wie eine Schlafende. Blonde Locken umrahmten ein rundes Puppengesicht. Das tote Kind trug ein weißes Kleid, es sah darin aus wie eine junge Braut, die allerdings dem Tod geweiht worden war. Wie es gestorben war, interessierte die Person nicht, auch der Name spielte bei ihrem Vorhaben keine Rolle. Sie wollte einzig und allein das Kind in ihren Besitz bringen.

Sie brauchte die Lampe nicht mehr. Als der Strahl verschwand, kehrte auch wieder die Finsternis zurück, die alles umhüllte. Die Gestalt bückte sich. Diesmal musste sie beide Hände zu Hilfe nehmen, und sie fand zielsicher den Sarg und damit auch den kleinen, kalten Körper des Kindes.

Sie hob ihn an.

Mit der Linken hielt sie das Kind fest und presste es gegen ihre Brust. Mit der Rechten streichelte sie über das blonde Haar, als wollte sie es noch im Tode trösten.

Plötzlich hatte die Gestalt viel Zeit. Aus ihrem geschlossenen Mund drang ein Summen, das Wiegelied für eine Tote. Etwa zwei Minuten ging sie mit dem Kind durch die stockdunkle Leichenhalle und schlug dann den Weg zur Tür ein.

Auch jetzt brauchte sie kein Licht. Die tastende Rechte erfühlte das Holz, sehr bald schon berührte sie den Knauf, und danach dauerte es nur Sekunden, bis die Tür offen war und die Gestalt den Raum verlassen konnte.

Im Flur blieb sie stehen, und wieder tätschelte sie das tote Mädchen, bevor sie ihr ein weiteres Wiegenlied summte. Dabei wandte sie sich schon dem Ausgang zu. Leichtfüßig schritt sie dahin, denn sie steckte jetzt voller Freude über ihre gelungene Tat. So etwas spiegelte sich auch in ihren Bewegungen wider.

Wenig später zog sie die Außentür auf und ließ den fremden Geruch hinter sich.

Der Nebel schien ihr noch dichter geworden zu sein. Zudem war es sehr kalt. Einige Bäume zeigten einen blassen Schimmer auf dem Geäst.

Die Person nahm nicht den Weg, den sie gekommen war. In die entgegengesetzte Richtung ging sie weg und erreichte einen kleinen Seiteneingang.

Niemand hatte sie gesehen, als sie den Friedhof betrat, und niemand sah sie, als sie ihn verließ.

Nur ein leerer Kindersarg war zurückgeblieben.

Wieder einmal …

*

Der Vertreter Pete Ashley ahnte noch nicht, welch eine Begegnung ihm in dieser Nacht bevorstand, als er nach drei Stunden Fahrt eine Pause einlegte.

Bis zu seinem Ziel hatte er es am Abend nicht mehr schaffen können, weil ihm der Nebel einen großen Strich durch die Rechnung gemacht hatte. Da er auch nicht durchfahren wollte, musste er sich irgendwo ein Quartier suchen.

Er hatte die Lichter eines Rasthauses von der Straße her schwach leuchten sehen und war mit seinem Opel Caravan abgebogen. Im Dunst erschien die Lücke in einer Steinmauer, die das Grundstück umfriedete, und Pete Ashley lenkte seinen Wagen auf einen kleinen Parkplatz vor dem breiten Haus. Er hielt erst an, als das Licht der Eingangsleuchte auf die Kühlerhaube fiel. Tief atmete Pete aus. Er schaute sich sein müdes Gesicht im Innenspiegel an. Es wurde Zeit, dass er sich irgendwo ein Zimmer suchte, und bis zur nächsten Ortschaft waren es nur fünf Meilen. Um sein Ziel zu erreichen, hatte er noch über hundert Meilen zurückzulegen. Dann hatte er die ersten Vororte von Bristol erreicht, wo hoffentlich zahlreiche Supermärkte darauf warteten, die neuen Milchprodukte seiner Firma abnehmen zu können. Jedenfalls konnte er mit Dumping-Preisen aufwarten, denn der deutsche Hersteller wollte unbedingt die Waren auf dem englischen Markt einführen. Die Vorbestellungen hatten sich gut angehört.

Als er ausstieg, nahm er seinen Aktenkoffer mit. Ein Blick auf die Uhr zeigte ihm, dass er noch mehr als eine Stunde bis zur Tageswende hatte. Zwei Tassen Kaffee würden ihm jetzt mehr als guttun. Er lockerte seine Krawatte, erhaschte einen Blick durch ein Sprossenfenster und stellte fest, dass der Gastraum leer war. Wenigstens aus seiner Perspektive. Das änderte sich auch nicht, als er ihn betreten hatte, denn er war um diese Stunden tatsächlich der einzige Gast.

Ob es die Wirtin oder Bedienung war, die mit einer müden Bewegung den Kopf hob, wusste er nicht. Jedenfalls sah die dunkelhaarige Frau mit den blonden Strähnen nicht ebenso aus, als würde sie sich über den Gast freuen. Selbst gähnend legte sie die Zeitung weg und erklärte Ashley, dass es um diese Zeit nichts mehr zu essen gab.

»Aber zu trinken.«

»Das ja.«

»Auch Kaffee?«

Die Frau zögerte einen Moment. »Wieviel denn? Für eine Tasse werfe ich die Maschine nicht an.«

»Nein, nein, eine Kanne.«

»Wird gemacht.« Die Frau schlurfte zum Tresen. Ashley, der sich gesetzt hatte, stellte fest, dass sie dicke Pantoffeln trug, wie sie vor Jahrzehnten modern gewesen waren. Auch das Kleid gehörte ins Museum. Der lange Rock war zwar bunt, doch die ziemlich dunklen Farben ließen ihn grau erscheinen. Eine schwarze Strickjacke hing über dem Rücken der Frau wie eine alte Gardine.

Mit seinen Fingern fuhr Ashley durch das braune Haar, schloss für eine Minute die Augen und sorgte für eine innere Entspannung. Es war wunderbar für ihn, mal nichts zu hören. Er fühlte sich wie auf Händen liegend, die ihn einfach davontrugen.

Im Gastraum war es warm. Der in einer Ecke stehende Ofen gab seine letzte Hitze ab. Als Ashley die Augen mühsam wieder öffnete, sah er über sich die schwarzen Balken. Sie sahen verschwommen aus, erst Sekunden später hatte er sich wieder zurechtgefunden. Ihm fiel ein, wo er sich befand.

Schritte und ein leises Lachen ließen ihn den Kopf drehen. Die Frau kehrte zurück. Sie trug ein Tablett, auf dem zwei Tassen so dicht zusammenstanden, dass sie gegeneinander klapperten. »So«, sagte sie, das Tablett auf den Tisch stellend. »Ich habe gleich zwei Tassen mitgebracht.« Sie strich eine graue Strähne aus der Stirn. »Eine Tasse kann ich mir auch gönnen. Oder haben Sie etwas dagegen, wenn ich mich zu Ihnen setze, Mister?«

»Ganz und gar nicht.«

»Das ist nett.« Sie lächelte und nickte ihm zu. »Der Kaffee ist gleich fertig. Ich hoffe, Sie mögen ihn stark.«

»Und wie. Er kann mir nicht stark genug sein.«

»Sehr müde?«

»Der Kaffee wird die Müdigkeit vertreiben.«

»Bestimmt.« Die Frau drehte sich und schaute gegen eines der kleinen Fenster. »Der Nebel wird immer...



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