Dark | John Sinclair - Folge 0695 | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 695, 64 Seiten

Reihe: John Sinclair

Dark John Sinclair - Folge 0695

Blut an bleichen Lippen
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-8387-3425-5
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Blut an bleichen Lippen

E-Book, Deutsch, Band 695, 64 Seiten

Reihe: John Sinclair

ISBN: 978-3-8387-3425-5
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1980 - 1989!

Blut an bleichen Lippen.

Joey und Calvin hatten bei Frauen keine Chancen, deshalb versuchten sie es mit Gewalt. Sie überfielen die hübsche Lilian und rissen ihr gierig die Kleider vom Leib, in eindeutiger Absicht. Niemand kam dem Mädchen zu Hilfe, und die beiden Kriminellen glaubten schon, leichtes Spiel zu haben. Dabei waren sie es eigentlich, die einen Schutzengel brauchten. Beim Küssen kam die Wende. Joey glaubte, dass eine unbekannte Kraft dabei war, ihm die Lippen abzureißen. Auf Lilians Mund sah er Blut, sein eigenes, dann sank er zu Boden. Lilian hatte ihr erstes Opfer gefunden.

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

Dark John Sinclair - Folge 0695 jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Blut an bleichen Lippen


Nichts, aber auch gar nichts wies auf das herannahende Grauen hin. Es war einfach zu friedlich, und der kleine Teich badete im ersten Licht der Dämmerung. Die Schatten des einsetzenden Abends bewegten sich geräuschlos heran. Sie zeigten eine graue Farbe, vermischten sich mit dem Grün der Bäume und legten ihren Schleier auf die türkisfarbene Wasserfläche nieder, die dadurch einen tiefgrünen Schleier bekam, als wäre das Gewässer ein altes Rätsel, auf dessen Grund sich ein verwunschenes Reich befand.

In der Tat mieden zahlreiche Menschen den Teich. Um ihn rankten sich viele Geschichten, und die Bäume am Ufer sahen manchmal so aus, als würden sie sich mit ihren Ästen und Zweigen vor dem Wasser verbeugen.

Zu dieser Zeit überwog das Grün! Und die Stille!

Nur hin und wieder wurde sie unterbrochen, wenn die Insekten summten. Von der Westseite des Teiches her, wo um diese Zeit stets ein dünner Dunstfilm aufstieg und das Ufer wie mit einem hellen Bart umgab, löste sich ein Boot.

Es war ein dunkel gestrichener Ruderkahn, in dem eine einzige Person saß.

Sie hieß Lilian Demarest, und sie gehörte zu den Menschen, die sich vor dem Teich und auch vor der Dämmerung nicht fürchteten. Sie liebte die stillen Abende auf dem Wasser, wo sich der Tag verabschiedete, um dem Abend und der folgenden Nacht Platz zu schaffen.

Dann wurde die Welt anders.

Geheimnisvoller, unschärfer. Da hatte das Restlicht des Tages Farbe bekommen, die an einen Schleier erinnerte, der sich weich über das Wasser und die Uferregionen legte und die Natur wie ein dünner Mantel umgab.

Es war die berühmte Stunde zwischen Tag und Traum, wo plötzlich eine Zwischenzeit existierte, die zwar nicht zu sehen, aber dennoch zu fühlen war.

Lilian Demarest hütete sich davor, die Ruder zu hart in das grüne Wasser zu tauchen. Jedes laute Plätschern hätte sie gestört und auch die Stille zu hart unterbrochen. Das leise Plätschern aber passte sehr gut zu dieser gesamten Atmosphäre, in der ein Mensch wie ein Störfaktor wirkte, wenn er sich nicht an gewisse Regeln hielt.

Lilian hatte die Uferregion schnell verlassen. Sie trug ein helles Kleid und wirkte in ihrem Boot wie ein fahrender Geist. Das dunkle Haar hatte sie zurückgekämmt, im Nacken wurde es von einer weißen Schleife gehalten.

Das Gesicht der jungen Frau zeigte eine vornehme Blässe, in der die dunklen Augen besonders auffielen. Sie lagen in den Höhlen wie zwei überreife Kirschen:

Die Schatten der heranziehenden Dämmerung machten ihr nichts. Viele fürchteten sich davor, sie aber fühlte sich von ihnen umfangen wie von ihrer Kleidung. Manchmal waren sie auch wie Beschützer.

Sie ruderte stets dieselbe Strecke. Immer nur bis zur Mitte des Sees, wo sie dann die Stangen einholte und sich einfach treiben ließ. Noch einmal kräftig durchziehen, einmal tief ein- und ausatmen, dann hatte sie es geschafft.

Sie lauschte dem leisen Klatschen der Wellen, holte die Ruder ein und blieb für einen Moment sitzen, um eins zu werden mit einer Natur, deren weiche Linien sie umgaben.

Auch das Plätschern der Wellen verging, ihr Kahn schaukelte noch einige Male, dann bewegte er sich nur noch, als sich Lilian nach hinten lehnte, wo sie das große Kissen aufgestellt hatte, um ihrem Kopf und auch einem Teil des Rückens einen weichen Halt zu geben.

Die Haltung liebte sie. Es war genau der Sichtwinkel, der es ihr ermöglichte, gegen den immer dunkler werdenden Himmel, aber auch gegen die Bäume des Ufers zu blicken und vor sich hinzuträumen.

Dass sie sich nicht allein auf dem See befand, war ihr noch nicht aufgefallen. Sie konnte die beiden Männer auch nicht sehen, die sich am dichten Ufergestrüpp lautlos hatten ins Wasser gleiten lassen und getaucht waren, um in der grünen Tiefe weiterzuschwimmen.

Sie gehörten zu denjenigen, die Lilian schon seit Tagen beobachtet hatten. Sie wussten genau, wann sie auf den kleinen See hinausfuhr, und sie gehörten zu denjenigen Personen, die unbedingt eine Frau wollten.

Natürlich eine wie Lilian. So unschuldig wirkend, so schön, aber sie waren fest davon überzeugt, dass eine Person wie sie Feuer im Leib hatte. Und das wollten sie löschen.

Lilian ahnte nichts.

Noch immer saß und lag sie halb, schaute gegen den Himmel, sah die scharf konturierten Ränder der Wolken und lauschte dem leichten Wind, der ihren Körper liebkoste und mit dem Stoff des dünnen Kleides spielte. Es war weit geschnitten. Wenn sie tanzte, würde der Rock eine große Glocke bilden. In diesem Kleid hatte sie mal einen Maler inspiriert und gleichzeitig fasziniert. Er war von ihr so begeistert gewesen, dass er es sich nicht hatte nehmen lassen, sie auf eine Leinwand zu bannen.

Manchmal war das Leben wunderbar, so wie jetzt, wo sie sich in alte Märchen und Sagen hineinträumen konnte, denn dafür war die Landschaft wie geschaffen.

Die Schatten des herannahenden Abends legten sich von oben über sie und das Gewässer. Aber sie schienen auch aus dem Wasser zu steigen und bildeten einen geheimnisvollen Mantel, der nicht nur sie umgab, sondern auch die Geheimnisse des Wassers und der Umgebung einhüllte, damit sie nicht sichtbar wurden.

Für Lilian waren sie vorhanden.

Wenn sie die Augen halb schloss, glaubte sie, die wispernden Stimmen der fremden Wesen zu hören. Da hatte sie den Eindruck, einfach weggetragen zu werden, hinein in eine fremde Welt, die jenseits der sichtbaren lag, wo sich Geister und andere Wesen tummelten, um mit den Menschen ihren Spaß zu haben.

Der größte Teil der Wasserfläche lag so unbeweglich, dass er schon an einen matten Spiegel mit grünlicher Ober fläche erinnerte. Nur an gewissen Stellen warf sie Wellen, und die wiederum konnten von Lilian nicht eingesehen werden.

Da erschienen zwei Köpfe!

Nasse Gesichter, Haare, die angeklatscht auf den Köpfen lagen, Münder, die weit offenstanden, damit die Männer genügend Luft holen konnten.

Sie schwammen weiter.

Durch Zeichen hatten sie sich untereinander verständigt. Sie waren ein gut eingespieltes Team. Jeder wusste genau, was der andere wollte. Sie konnten sich aufeinander verlassen.

Sie schwammen von verschiedenen Seiten auf das Boot zu. Jetzt nicht mehr unter Wasser, zumindest schauten die oberen Hälften ihrer Gesichter aus dem grünen See hervor.

Lilian war ahnungslos – und glücklich. Ihre Lippen hatten sich zu einem Lächeln verzogen, sie wollte auch noch die nächsten Minuten genießen und war dermaßen tief in ihrem Tagtraum verstrickt, dass sie die Berührung an der Steuerbordseite zuerst nicht bemerkte.

Beim zweiten Zufassen der Hände fiel ihr das unmotivierte Schaukeln auf.

Sie schaute nach rechts!

Zwei nasse Hände umklammerten den Rand. Normale Hände; auch dieser Anblick trieb den Schrecken in Lilian hinein wie eine heiße Messerklinge, die den Körper ausbrennen wollte.

Geister und andere Wesen tummelten,

Wer war das?

Die nächste Bewegung spürte sie an der Backbordseite. Auch dort wurde das Boot gezogen und gedrückt.

Wieder zwei Hände!

Sie erstarrte.

Und plötzlich kam die Angst. Zugleich mit den Gesichtern der Männer, die sich abgestemmt hatten, um den Kahn zu entern. Das Boot schwankte gewaltig. Lilian schrie leise auf, sie breitete die Arme aus, um den nötigen Halt zu finden, und ihr Gesicht schien nur mehr aus Augen zu bestehen, so weit waren sie aufgerissen.

»Jetzt gehörst du uns!«

Einer hatte nur gesprochen, der andere aber nickte, und auf seinem Gesicht erschien ein faunisches Grinsen. Beide strömten den Geruch des alten Wassers ab.

Ein wenig faulig und morbide …

Lilian wollte etwas sagen, aber sie kam nicht dazu. Immer wieder musste sie die Männer anschauen.

Sie hatte sie noch nie gesehen, doch das dreckige Grinsen der Kerle sagte mehr als alle Worte.

Sie wollten ihr etwas antun!

Schnell fühlte Lilian sich bedrängt. Einer hockte sich vor ihr nieder, der andere war in ihren Rücken gelangt, und sie spürte plötzlich dessen nasse Hände auf ihren Schultern, die den grünen Stoff direkt an die Haut klatschten.

Dann wisperte eine Stimme direkt an ihrem rechten Ohr. »Jetzt gehörst du uns, Kleine. Und zwar ganz …«

Sie wusste, was diese Worte zu bedeuten hatten, wagte aber nicht, daran zu denken.

Der Mann hinter ihr sprach auch nicht weiter, denn er handelte. Seine kräftigen Finger packten zu, und Lilian hörte ein ihr sehr bekanntes Geräusch, das immer dann entsteht, wenn Stoff reißt. Sie verlor fast ihren rechten Ärmel, saß dabei steif wie ein Eisgebilde und konnte nur flüstern: »Bitte nicht … bitte nicht …«

Der Mann vor ihr lachte. Er hatte sich einen dunklen Bart wachsen lassen, der um seinen Mund hing wie das nasse Fell einer Wasserratte. Auch von seinen Händen mit den schmutzigen Fingernägeln tropfte das Wasser, als er

»Jetzt!«, sagte er und riss.

Das Geräusch ging Lilian durch Mark und Bein. Er hatte so etwas Schreckliches, Endgültiges an sich. Ihr war, als würde sie nun alles verlieren, auf das sie stolz war.

Kälte ließ einen Schauer auf ihrer Haut entstehen. Der Kerl vor ihr glotzte gierig auf das Unterzeug. Sie trug ein Hemd, und es war als Bustier geschnitten.

Der Ansatz ihres kräftigen Busens machte den Kerl vor ihr fast verrückt. Er griff nach ihr.

Wieso Lilian reagierte, was plötzlich über sie kam, wusste sie nicht zu erklären.

»Ich will dich küssen!«, hörte sie ihn noch keuchen, aber sie war schneller als er.

Ihre Hand schoss ebenfalls vor. Die Finger waren dabei gespreizt, sie...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.