Dark John Sinclair - Folge 0687
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-8387-3417-0
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Sie sind wieder da (3. Teil)
E-Book, Deutsch, Band 687, 64 Seiten
Reihe: John Sinclair
ISBN: 978-3-8387-3417-0
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1980 - 1989!
Sie sind wieder da (3. Teil).
War das unser Ende?
Urplötzlich war das Monster erschienen und auf das Flugzeug zugerast. Es war aus dem Himmel gekommen, eine gefährliche Mischung aus Riesenvogel und Saurier. Sein garagentorweit aufgerissenes Maul tanzte vor dem Cockpit. Die Besatzung und ich warteten darin auf das endgültige Aus. Wenn das Monster zubiss, würde die Kanzel des Jets unter dem Druck zerknacken wie eine Nuss ...
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
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Sie sind wieder da (3. Teil)
»Dein Essen, Stepanic!«
Der Wärter stellte das Tablett neben die Pritsche und wartete. Stepanic reckte sich und schaute den Wärter an. In den Augen des Gefangenen lag ein Glanz, der dem Mann Furcht einjagte. Er räusperte sich, um dieses Gefühl zu unterdrücken. »Iß endlich, verdammt noch mal!«
Stepanic schaute auf die Schale, in der sich Eintopf befand. Irish Stew. Eine Mischung aus Bohnen, Kartoffeln und Hammelfleisch. Jeden zweiten Tag bekam er das Zeug.
»Ich will es nicht.«
»Dein Bier, Stepanic. Aber ich sage dir eines: Du wirst bald noch Heißhunger darauf haben. Bisher hockst du nur in Untersuchungshaft. Bald wird dir der Prozess gemacht, dann ist es vorbei mit dem guten Essen. Dann schaffen sie dich in ein Zuchthaus, und dort sieht es dann böse aus. Da werden selbst die Härtesten weich.«
»Vom Essen?«
»Nein.«
Stepanic legte sich wieder auf den Rücken. Er verschränkte die Arme hinter dem Kopf und schaute die Decke an, als gäbe es dort etwas Besonderes zu sehen. Sie schimmerte wie ein gelbes Viereck. Sekunden vergingen. Der Wächter hätte eigentlich verschwinden müssen, aber er blieb in der Zelle. Den Grund kannte er selbst nicht. Da war eine Kraft, die ihn davon abhielt, den kahlen Raum zu verlassen.
Überhaupt jagte ihm dieser Gefangene Furcht ein. Randall, der Justizangestellte, wusste nicht genau, was dieser Mann alles auf dem Kerbholz hatte, aber er gehörte zu den Schwerverbrechern. Es ging da um eine sehr spezielle Tat. Um Mord und Tod und – so jedenfalls flüsterte man sich zu – um lebende Tote.
Was Stepanic, der Arzt, genau damit zu tun hatte, war Randall auch nicht bekannt, aber dieser Mann war eben nicht so wie die übrigen Gefangenen. Da verwettete er seinen Hut.
Dann fing er an zu singen. Zuerst summte er nur vor sich hin. Kinderreime ohne Text, nur eben das Summen mit geschlossenen Lippen. Später sang er die ersten Worte.
Kinderreime, die auch Randall noch kannte. Irgendwann hatte er sie einmal gehört, sie auch selbst gesungen, aber nicht als Erwachsener.
Ohne es eigentlich zu wollen, lauschte er dem Singsang. Stepanic hatte sogar die Stimme erhoben und ihr einen anderen Klang gegeben. Viel höher, fast wie bei einem Kind.
»Und ich wandere über die Wiese mit den Blümelein, ich werde gleich bei Muttern sein und bring ihr ein Geschenk mit heim, die wunderbaren Blümelein …«
Randall bekam eine Gänsehaut. Er erlebte die Furcht, die ihn wie ein Nagel traf. Sie bohrte sich tief in sein Fleisch, als wollte sie seine Seele zerstören. So nett und lächerlich die Reime für einen Erwachsenen auch klangen, Randall hatte mehr das Gefühl, dass sie zu einem schrecklichen Text geworden waren. Dass sie sich aus Hohn und Spott zusammensetzten, um ihn hart zu treffen. So harmlos der Text auch klang, da steckte mehr dahinter. Da war etwas, dass Randall nicht begriff, das tief zwischen den Zeilen lauerte. Etwas Unheimliches, Böses, nichts Hörbares, aber etwas, das den Text überlagerte.
Was nur …?
Der Gefangene sang noch weiter. Seinen Kopf hatte er zur Seite gedreht, weil er Randall dabei anschauen wollte. Und aus seinem Gesicht war eine böse Fratze geworden, eine Larve, die etwas widerspiegelte, was sich in seinem Innern befand.
Die Hölle!
Ja, dieser Mensch war nicht normal. Er besaß Höllenkräfte. Sie lauerten in seinem Innern, sie wühlten ihn auf, dass sie sich auf seinem Gesicht zeigten. Höllenkräfte. Grausam und gemein.
Randall ging zurück. Diese Fratze machte ihm Angst. Seine Versprechen waren furchtbar, die Augen lagen darin wie Kugeln, die jemand blank geputzt hatte.
»Hör auf zu singen, verdammt!«
Stepanic hörte tatsächlich für einen Moment auf. Aber er begann wieder. Und diesmal mit einem anderen Text, den Randall zuerst nicht glauben wollte.
Der Mann sang von den Toten!
»Sie werden bald kommen und mich befreien. Sie sind bereit, die Gräber zu verlassen, um sich in der Welt der Menschen umzusehen. Ja, sie sind schon unterwegs. Sie sind wieder da …«
Randall war wie vor den Kopf gestoßen. Er hörte die Worte zwar, folgen konnte er ihnen nicht, noch nicht. Je mehr Stepanic den Text wiederholte, umso klarer wurde ihm, dass doch einiges dahintersteckte, dass dieser Text längst nicht so harmlos war, auch wenn der andere ihn sang. Es war eine Drohung, was der andere da aussprach. Eine finstere, grausame Drohung, an Bösartigkeit kaum zu übertrumpfen, ein finsteres Versprechen von Grauen und Mord.
Kalter Horror, hochgepeitschte Angst, aufgewühlte Gefühle bei dem Zuhörer.
Er richtete sich auf. Das Gesicht mit einem ungewöhnlichen Glanz belegt, einen Blick in den Augen, der in weite Ferne hineinreichte, um dort etwas zu erkennen, was nur er sehen konnte. Ein furchtbares Bild musste das sein, das Grauen schlechthin, wie das Jüngste Gericht, wo die Toten auch die Gräber verließen, um sich an den Lebenden zu rächen. Ein Versprechen, wie es auch der Teufel hätte geben können.
Stepanic saß jetzt auf der Pritsche. Sehr langsam drehte er sich um, weil er Randall anschauen wollte.
Der wich unwillkürlich zurück.
Der Arzt hob eine Hand. Er breitete die Finger aus; dann krümmte er sie, damit die Hand eine Klaue bildete. Diese Bewegung, untermalt von den gesungenen Versprechen, jagte eine Gänsehaut über den Rücken des Wächters. Dr. Stepanic kam ihm mit seinen dunklen Haaren vor wie ein Abziehbild des Teufels. Fehlten nur mehr die beiden Hörner und der verdammte Klumpfuß.
»Hör auf!«, keuchte Randall. »Hör auf, verdammt noch mal! Was soll dieser Irrsinn?«
Stepanic ließ sich nicht beirren. Er sang weiter, leise und leiernd, immer denselben Text. Die lebenden Toten schienen es ihm besonders angetan zu haben. Er wollte sie nicht mehr in den Gräbern sehen, sondern im Freien, damit sie über die Menschen herfallen und sie zerfleischen konnten.
Er sang von fressen und gefressen werden. Er lobte die Nacht, er lobte die Hölle und den Teufel. Er war einfach nicht mehr zu bremsen, und sein Gesicht zeigte einen Ausbund von Freude, den Randall auch nicht als normal ansah.
Es war eine widerliche, eine wissende und auch diebische Freude, die sich auf seinen Zügen ausgebreitet hatte. Die Freude, andere leiden und tot zu sehen.
Das Grauen kroch mit Eisenfingern in den Körper des Mannes hinein. Kalt und schlangenhaft, einfach furchtbar.
»Na, wie hat dir das gefallen, Randall?«
Der Wächter brauchte eine Zeit, um herauszufinden, dass er gemeint war. Die Worte hatten ihn wie aus einem tiefen Tunnel hervorgeholt, und er bekam plötzlich Furcht.
Es war die kalte, drückende Angst um sein Leben. Randall wusste plötzlich, dass ihm mit dieser Person ein teuflisches Kuckucksei ins Nest gelegt worden war.
Dr. Stepanic saß zwar in der Zelle, aber diese Tatsache gab keine Sicherheit. Er war furchtbar, und er machte den Eindruck, als könnten ihn weder Gitter noch Wände aufhalten. Das war wie ein Bohrer, der immer tiefer drang.
»Hast du gehört, Randall? Hast du es gehört?«
Der Wärter gab keine Antwort. Die Luft war ihm zu stickig geworden, die Zelle hatte sich zu einem Grab verändert. All die fürchterlichen Worte des Singsangs kamen ihm in den Sinn. Er sah nur eine Chance, um sich davon zu befreien.
Weglaufen, einfach abhauen. Nur nicht länger in diesem verdammten Raum bleiben.
Über zehn Jahre tat Randall bereits seinen Dienst. Noch nie zuvor hatte er die Zelle eines Gefangenen so fluchtartig verlassen wie an diesem Tag.
Er rannte hinaus, donnerte die Tür hinter sich zu, und das hässliche Lachen des Gefangenen verstummte.
Aus, vorbei …
Ein Albtraum war beendet. Er hatte ihn hinter sich. Endlich brauchte er nichts mehr zu hören, sich keine Kinderlieder mehr anzuhören, sich nicht mehr …
Und doch war es nicht verschwunden. In seinem Hirn echote es noch nach. Da waren wieder diese verdammten Verse zu hören wie ein höhnischer Gruß, der einfach nicht abklingen wollte.
Er dachte auch an die Versprechen des Mannes. Die waren einfach schlimm gewesen. Er hatte von Toten geredet, die aus ihren Gräbern zurückkehrten, um die Lebenden zu vernichten. Er hatte immer wieder dasselbe gesungen, um dieses finstere furchtbare Versprechen zu geben, diesen Gruß aus der Hölle.
Himmel, was war das nur!
Wie blind taumelte Randall den Gang hinab. Er kannte nicht den genauen Hintergrund des Gefangenen, er wusste nur, dass dieser ein schrecklicher Verbrecher war und Dinge getan hatte, die kaum zu beschreiben und zu bgreifen waren.
Furchtbare Taten …
Als er den Raum erreichte, den er mit einem Kollegen teilte, schaute dieser vom Überwachungsmonitor hoch und schüttelte den Kopf. »Was ist denn mit dir los? Ist dir der Leibhaftige begegnet?«
Randall lachte und keuchte zugleich. »So ungefähr, Mann, so ungefähr. Es war Stepanic.«
»Der Arzt?«
»Klar. Wer sonst?«
»Der ist doch immer ruhig.«
Randall starrte den Kollegen an, als müsste er erst über die Antwort nachdenken. »Ruhig war er bisher. Aber das hat sich geändert. Er … er sang zuerst Kinderreime.«
Der Mann musste lachen.
Kurze Zeit später lachte er nicht mehr. Da hatte er gehört, was hinter Randall lag, und sein Lachen endete in einem dumpfen Gurgeln. Aber er hatte auch eine Idee.
»Du musst das melden, Randall. Ja, du musst das melden. Das geht nicht mit rechten Dingen zu.«
Randall hob die Schultern.
Sein Kollege sprach weiter. »Aber nicht irgendjemand melden, mein Freund. Du musst den beiden Leuten Bescheid...




