Dark John Sinclair - Folge 0512
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-8387-3282-4
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Hard-Rock-Zombie
E-Book, Deutsch, Band 512, 64 Seiten
Reihe: John Sinclair
ISBN: 978-3-8387-3282-4
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1980 - 1989!
Hard-Rock-Zombie.
Er war plötzlich da, und in Soho begann das große Zittern. Wer seine höllische Musik hörte, geriet in den Bann des Teufels.
Er war schon gestorben, aber er hatte den Sarg verlassen, um das Grauen zu verbreiten.
Ein alter Stadtteil sollte unter seiner Knute zittern, und er fand auch die richtigen Helfer - Skinheads. Sie hatten schon lange nach einem wie ihm gesucht, und sie gaben ihm den Namen Tiger Diabolo, der Hard-Rock-Zombie.
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
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Hard-Rock-Zombie
Auch für mich war es nicht alltäglich, durch ein herbstlich stilles, von dünnen Nebelschwaden durchzogenes Soho zu gehen und den Abend zu genießen.
Gerade wegen der Ruhe machte es so viel Spaß. Keine Hektik, keine schrillen Musikfetzen, die über die Straße wehten, kaum Mädchen, die auf Kunden warteten, nicht das Schreien der Anreißer vor bestimmten Nepplokalen – nur die Ruhe.
Natürlich nicht die, die auf dem Friedhof herrscht. In Soho ist immer was los. Egal, ob die Nebel wallen oder der Schnee eine Höhe von einem Yard erreichte, dieser Stadtteil ist nie still. Es fehlte ihm jedoch die sommerliche Hektik.
Ich wohne ja am Rande von Soho, war von der Fahrt vom Büro nach Hause früher ausgestiegen, um den Rest zu Fuß zu laufen. Der Dienstrover steckte in der Inspektion, zudem tat es auch mal gut, mit der U-Bahn zu fahren.
Suko war noch zum Training gegangen. Es ging da um neue asiatische Kampfsportarten, die er sich anschauen wollte und die von den Koreanern entwickelt worden waren.
Ich hatte die Hände in den Taschen meines Trenchs vergraben. Der Kragen stand hoch. Hätte ich noch einen Hut aufgehabt, hätte ich ausgesehen wie Humphry Bogart.
Der Sommer war vorbei.
Herbstliche Melancholie zeichnete jetzt das Straßenbild des Stadtteils Soho.
Viel Nebel und abgefallenes Laub, das im Rinnstein lag. Feuchte, dünne Tücher, die sich in den Schein der Laternen hineindrehten oder an den Fassaden der oft alten Häuser hochkrochen.
Soho hatte sich auch in den letzten Jahren gemacht. Imagepflege, heißt so etwas.
Es gab inzwischen Restaurants der Superklasse, man konnte wieder nett ausgehen und landete nicht nur in halbvermoderten Striptease-Schuppen, wo man sich schon selbst als Gruftie fühlte. Die waren natürlich auch noch vorhanden und zogen entsprechend viele Gäste an.
An diesem Tag hatte mich eine herbstliche Stimmung überfallen, ich brauchte den Spaziergang einfach. Möglicherweise lag es auch an dem letzten Fall, der hinter uns lag. Er hatte uns in einen kleinen Ort geführt, wo wir am Begräbnis eines Kollegen hatten teilnehmen wollen und sich herausgestellt hatte, dass dieser Kollege scheintot gewesen war. Ein Fall, der mir unter die Haut gegangen war, eben wegen seiner menschlichen Tragik. Das Wetter war in Rippon so gewesen wie hier, nur mit noch etwas dichterem Nebel.
Die Temperaturen lagen ungefähr fünf Grade über dem Gefrierpunkt. Ein feuchtes, ein nasskaltes Wetter, das nur wenige Spaziergänger ins Freie lockte.
Wer mir begegnete, wohnte zumeist in Soho. Viele Touristen mieden herbstlich stille Abende wie diesen.
Natürlich hatten sich die Straßenmädchen nicht völlig zurückgezogen. Sie mussten ja verdienen. Eine sah ich im Schein der alten Laterne stehen. Auf moderne Leuchtstofflampen hatte man in gewissen Teilen von Soho verzichtet, die alten, nachgebauten Laternen passten besser. Sie vermittelten einen Hauch von Nostalgie, besonders jetzt, wo der Nebel in den Schein hineinwaberte und auch die Gestalt des Mädchens streifte, das den Kopf drehte, weil sie meine Schritte gehört hatte.
Augenblicklich änderte sich ihre Haltung. Sie schaute mich an und lächelte.
Ich war kein Kunde, obwohl ich sehr langsam über den Gehsteig schlenderte.
Ein Wagen passierte mich. Wie ein dunkler Schatten huschte er an der Laterne vorbei.
»Na?«, fragte die Kleine.
Ich blieb stehen. Nicht, dass ich mit ihr in ein Zimmer gehen wollte, ich hatte einfach Lust, ein paar Worte mit ihr zu wechseln.
»Du bist allein?«
»Natürlich.«
»Ich auch«, sagte sie. »Vielleicht könnten wir uns die nächste Stunde gemeinsam vertreiben.«
Ich schaute sie an. Sie sah nicht einmal übel aus. Und irgendwie passte sie auch zu dieser Gegend und in die gesamte Stimmung hinein. Sie kam mir nostalgisch vor. Das Gesicht war ziemlich hell geschminkt, nur die Ränder der Augen besaßen einen dunklen Hauch, der sich als Streifenmuster bis oben in die Stirn hinzog. Wegen der Kühle hatte sie einen langen Mantel übergestreift. Er reichte bis zu den Waden. Sie öffnete ihn nicht, darunter trug sie bestimmt nicht viel. Irgendwie schien sie das Gefühl zu haben, dass ich nicht der richtige Kunde für sie war.
Die Lippen waren sehr scharf nachgezeichnet worden. Die Farbe glänzte wie roter Lack. Sie kam mir vor wie ein verstoßener Engel und tat mir leid.
»Nein, ich möchte nicht mit dir aufs Zimmer gehen.«
»Ich bin aber gesund!« Fast trotzig trat sie mit dem Fuß auf.
»Das hat mit AIDS nichts zu tun, Mädchen. Mir geht es einfach ums Prinzip.«
»Du schläfst nicht mit jeder?«
»So ist es.«
Sie nickte. Es kam mir traurig vor. »Ein beschissener Abend ist das«, sagte sie und strich durch die feuchten Locken. »Da steht man sich die Beine in den Bauch.«
»Im Sommer läuft es besser, nicht?«
»Und wie.«
»Schaffst du allein an?«
»Was meinst du damit?«
»In die eigene Kasse. Oder hast du einen, der hinter dir steht und abkassiert?«
Sie wurde misstrauisch und ging einen kleinen Schritt zurück. »Weshalb interessiert dich das?«
»Nur so.«
Das Mädchen ließ sich Zeit mit seiner Antwort. Da kein weiterer Kunde kam, war die Unterhaltung mit mir für sie eine Abwechslung. »Du bist ein Bulle, wie?«
Meine Lippen zuckten, als ich lächelte. »Sehen so die Bullen aus?«
»Eigentlich nicht.«
»Na bitte.«
Sie holte eine Zigarette aus der Manteltasche. Ich gab ihr Feuer. Das Mädchen blies den Rauch in den Nebel, dann lachte sie.
»Was belustigt dich so?«
»Ich weiß es nicht«, sagte sie. »Vielleicht liegt es an der Stimmung, am Nebel, aber irgendwie gefällst du mir. Obwohl uns wahrscheinlich Welten trennen, kommst du mir irgendwie so vor, als wären wir auf gewisse Art und Weise Geschwister. Ich habe auch nicht immer angeschafft, habe mal studiert, doch das ist lange her. Das Geld reichte nicht, du verstehst.«
»Ja.«
»Erst ging ich nur am Wochenende auf die Straße, jetzt stehe ich jeden Tag hier.«
»Und der Sprung zurück?«
»Den habe ich verpasst«, sagte sie hart, warf die Zigarette zu Boden und trat die Glut mit einer wütenden Bewegung aus. »Den habe ich verpasst«, wiederholte sie noch einmal.
»Kannst du nicht aussteigen, oder willst du nicht?«
»Beides.«
»Wer hindert dich daran?«
»Ich selbst und …« Sie winkte ab, als hätte sie zu viel gesagt. »Das ist nicht dein Problem.«
»Der Zuhälter!«
Sie schaute mich an. »Geh lieber und nimm dich in acht.«
»Vor wem?«
»Hier in der Gegend stimmt nicht alles. Ich gebe dir einen guten Rat. Pass auf und renn weg, wenn du plötzlich Musik hören solltest. Dann nimm die Beine in die Hand.«
Ich musste lachen. »Musik hat mich eigentlich immer interessiert.«
»So?« Sie starrte mich aus großen Augen an.
»Ja. Ich heiße übrigens John.«
»Kannst mich Kitty nennen.«
»Okay, Kitty. Was ist nun mit der Musik?«
Sie schaute sich vorsichtig um. Erst als sie sicher war, nicht beobachtet zu werden, kam sie näher. Ich roch ihr Parfüm. Es umschwebte mich als süßliche Duftwolke. »Hast du schon mal etwas von einer Höllenmusik gehört?«, fragte sie.
»Nein!«
»Das habe ich mir gedacht. Es ist aber die Musik aus der Hölle, die hier erklingt.«
»Und wer ist der Musiker?«
»Ein Dämon«, wisperte sie. »Niemand kennt ihn. Er ist gefährlich und verbreitet Terror. Er ist der Anführer einer brutalen Bande. Die Bullen wissen nichts davon. Viele hier sind informiert. Sie können nur nichts unternehmen.«
»Hat er keinen Namen?«
»Doch. Er nennt sich selbst Tiger. Wir aber haben ihm einen anderen Namen gegeben: Hard-Rock-Zombie!«
»Tatsächlich?«
»Ich lüge nicht.«
»Wo tritt er auf?«
Kitty ging wieder zurück und lehnte sich gegen die Laterne. »Überall, John. Er ist plötzlich da. Wenn du dann die Musik hörst, musst du fliehen, sonst bist du verloren. Sie macht dich an, sie reißt dicht mit … in die Hölle.« Als sie mein Lächeln sah, zog sie die nachgepinselten Augenbrauen zusammen. »Du … du glaubst mir nicht – oder?«
»Es fällt mir schwer.«
»Glaubst du nicht, dass es einen Teufel oder eine Hölle gibt?« Sie lachte. »Hast du eine Ahnung. Da sind Dinge passiert, von denen du dir keine Vorstellung machen kannst.«
»Welche denn?«
»Das kann ich nicht sagen«, flüsterte sie.
»Ich lachte. »Erst machst du mich neugierig, dann kommt der große Rückzieher.«
»Weil es gefährlich ist.«
»Auch das Reden darüber?«
Kitty nickte heftig. »Ja, denn er hat seine Ohren überall. Er ist ein Dämon. Plötzlich entsteht er. Das ist, als würde er aus dem Nebel erscheinen oder aus einer Schwefelwolke. Wie der Teufel.« Sie schluckte und fügte noch leiser hinzu: »Vielleicht ist er sogar der Teufel. Man kann ja nie wissen.«
»Wie sieht er denn aus?«, fragte ich.
»Furchtbar.«
»Das kann ich mir zwar vorstellen, ist aber keine Antwort, wie du zugeben musst.«
»Stimmt.«
»Beschreibe ihn.«
Kitty hob unruhig die Schultern. »Du verlangst viel. Ich habe ihn einmal nur gesehen.«
»Wenn er so ungewöhnlich ist, wie du gesagt hast, musst du ihn auch in Erinnerung behalten haben.« Allmählich begann mich die Sache zu interessieren. Ich hatte das Gefühl, am Beginn einer gefährlichen Spur angelangt zu sein.
»Ja, ich kann ihn beschreiben«, sagte sie leise. »Er …...




