Dark | John Sinclair - Folge 0504 | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 504, 64 Seiten

Reihe: John Sinclair

Dark John Sinclair - Folge 0504

Lorna, die Löwenfrau
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-8387-3274-9
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Lorna, die Löwenfrau

E-Book, Deutsch, Band 504, 64 Seiten

Reihe: John Sinclair

ISBN: 978-3-8387-3274-9
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1980 - 1989!

Lorna, die Löwenfrau.

>>Sie heißen?<<, fragte der Staatsanwalt mit ruhiger Stimme.

>>Das wissen Sie doch<<, gab die langmähnige Schönheit frech zurück.

>>Ich will es aber von Ihnen hören.<<

Die Frau nickte. >>Ich heiße Lorna Delaney.<<

Und dann sprach der Staatsanwalt die Anklage, die die Zuhörer im Gerichtssaal verstummen ließ. >>Lorna Delaney, ich klage Sie des Mordes an Ihrem Ehemann Daniel Delaney an.<<

Der Prozess gegen Lorna, die Löwenfrau hatte begonnen.

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

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Lorna, die Löwenfrau


»Sie heißen?«, fragte der Staatsanwalt. Er war ein korpulenter Mann mit Halbglatze und einer Brille mit dunklem Horngestell, die dicke Gläser aufwies. Die Augen dahinter wirkten übergroß, auch irgendwie hungrig. Sie zeigten, dass der Mann nach Sensationen gierte.

»Das wissen Sie doch, Attorney.

McCloud lächelte maliziös. »Ich will es aber von Ihnen hören.« Die Frau nickte. »Ich heiße Lorna Delaney.«

»Warum nicht gleich so?« McCloud entspannte sich und lehnte sich zurück. Jetzt lächelte er breit. Aus seiner sicheren Position heraus sprach er den nächsten Satz. »Lorna Delaney, angeklagt wegen Mordes an ihrem Ehemann Daniel Delaney.« Im Gerichtssaal wurde es still. Niemand wagte auch nur ein leises Hüsteln. Die Augen der Anwesenden waren auf Lorna Delaney gerichtet, auf eine Mörderin und eine faszinierende Frau.

Sie war überdurchschnittlich groß, dabei nicht mehr schlank, sondern kräftig gebaut. Manche hätten ihre Gestalt schon als Männerfigur bezeichnet. Die Haare bildeten eine gewaltige Mähne. Und sie besaßen auch die mattgelbe Farbe einer Löwenmähne. Selbst die Haut schimmerte in diesem Ton. Dafür schimmerten die Augen im Glanz von Bernstein.

Selbst in ihrem unmodern geschnittenen, grauen Kostüm fiel sie positiv auf. Diese Frau besaß Persönlichkeit, selbst als Mörderin. Es war nicht die Hauptverhandlung, außerdem hatte Lorna drei Wochen zuvor im Krankenhaus gelegen, sie benötigte jetzt eine gewisse Erholung, was der Staatsanwalt nicht einsah.

Er blätterte in seinen Unterlagen. Dann schaute er auf. »Sie haben ausgesagt, dass Sie Ihren Ehemann nicht getötet haben. Das entnehme ich dem Protokoll. Aber alles spricht gegen Sie, jedes Indiz. Man hat sie neben der fürchterlich entstellten Leiche gefunden. Sie waren blutbespritzt, Sie …«

»Ich habe ihn nicht getötet!«

»Fallen Sie mir nicht ins Wort, Angeklagte.« Der Staatsanwalt spielte jetzt den scharfen Hund. »Wer sollte es denn Ihrer Meinung nach gewesen sein?«

»Ich nicht!«

»Kennen Sie dann den Mörder?«

»Einspruch!«, rief der Pflichtverteidiger. »Das lasse ich nicht zu. Suggestivfragen sind nicht gestattet.«

Der Untersuchungsrichter nickte. »Einspruch stattgegeben!«

McCloud lächelte. »Es ist gut. Ich fasse noch einmal zusammen. Sie haben Ihren Mann Daniel nicht getötet …«

»So ist es!«

»Wie kommt es dann, dass die Beamten Blutspuren an ihrem Körper gefunden haben, Hautreste Ihres Mannes unter den Fingernägeln, das alles weist auf Sie als Täterin hin. Und Sie bestreiten noch immer alles? Ich kann es nicht begreifen.«

»Ich habe ihn nicht getötet!«

»Sie wissen, dass man Sie anschließend in ein Krankenhaus gebracht hat, wo Sie drei Wochen verbrachten!«

»Ja!«

»Der Gutachter schrieb, dass Sie nervlich soweit hergestellt seien, um einer Verhandlung beiwohnen zu können. Ich brauche also keine Rücksicht zu nehmen und kann Sie befragen wie jeden normalen Angeklagten.«

»Tun Sie das!«

McCloud legte die Hände gegeneinander. »Ich möchte noch einmal auf Ihre Zeit im Krankenhaus zurückkommen«, sagte er. »Man hat mir berichtet, dass Sie sich ungewöhnlich verhalten haben.«

»Inwiefern!«

»Ein Psychologe kam nicht klar mit Ihnen, Mrs. Delaney. Sie sprachen von Dingen, die auch mir unbegreiflich sind. Wollen Sie jetzt darüber reden?«

»Wie meinen Sie das?«

»Nun, Sie hatten nichts dagegen, in Hypnose versetzt zu werden. Man wollte ihre Seele erkunden, und es sind Dinge zutage gefördert worden, die ich als sehr interessant bezeichnen möchte.«

Der Verteidiger sprang auf. »Wieder Einspruch, Euer Ehren. Das gehört nicht in diese Untersuchung. Wir befinden uns nicht in der Hauptverhandlung. Wenn der Staatsanwalt das bitte auch zur Kenntnis nehmen würde.«

»Einspruch stattgegeben!«, erklärte der Richter.

McCloud verzog das Gesicht, protestierte aber nicht. Er hielt sich an die Regeln.

Lorna Delaney saß unbeweglich auf ihrer Bank. Ihr Blick war nach innen gerichtet. Sie machte einen geistesabwesenden Eindruck.

McCloud suchte nach einer neuen Formulierung. Er schüttelte dabei den Kopf und sagte: »Ich möchte trotz allem noch einmal auf Ihren Krankenhausaufenthalt zu sprechen kommen. Für mich und für die Fortführung der Verhandlung bedeutet er viel, da können Sie sich nicht von freisprechen. Die Ärzte haben …«

»Hören Sie auf, McCloud!«

Der Staatsanwalt schrak zusammen. Er verstummte tatsächlich. So einen Ton war er nicht gewohnt, kein Angeklagter hatte je in diesem Tonfall mit ihm gesprochen.

Er sah auch nicht, dass Lorna Delaney dabei war, die Handtasche zu öffnen, die auf ihren Knien lag. Ihre Finger verschwanden im Innern der Tasche. »Was erlauben Sie sich? Sie haben nicht das Recht, mir ins Wort zu fallen!«

Lorna stand auf. »Jetzt reicht es«, sagte sie.

»Setzen Sie sich wieder hin, Sie …!«

Da zog Lorna die Waffe. Es war eine Pistole, deren Mündung plötzlich auf den Staatsanwalt wies, der völlig konsterniert war und nicht einmal den kleinen Finger bewegte.

»Wenn sich einer von Ihnen hier rührt, werde ich schießen!«, drohte die Frau mit ruhiger Stimme. »Haben Sie mich verstanden?«

Der Richter nickte, nur Lornas Verteidiger mischte sich ein. »Machen Sie keinen Unsinn, Lorna! So kommen Sie hier nie raus. Glauben Sie mir!«

Lassen Sie das nur meine Sorge sein. Ich weiß genau, was ich zu tun habe!«

Sie konnte mit einer Waffe umgehen, und sie besaß starke Nerven, denn die Hand zitterte nicht. Nach wie vor war die Mündung auf den Staatsanwalt gerichtet, der bleich geworden war. Auf seiner hohen Stirn glänzten die Schweißperlen.

Es befanden sich nicht viele Menschen im Gerichtssaal. Der Richter, der Staatsanwalt, der Verteidiger, ein Beamter der Justizverwaltung, natürlich die Angeklagte, und an der Tür stand ein Uniformierter, der Lorna auch hergeschafft hatte.

Er aber mischte sich nicht ein, weil er keinesfalls das Leben des Staatsanwalts riskieren wollte.

Sie alle warteten ab.

Die Spannung hatte sich verdichtet. Selbst lautes Atmen wurde als Störung empfunden.

Auf der Bank, auf der Lorna gesessen hatte, hätten noch vier weitere Personen ihre Plätze finden können. Sie aber hatte allein dort gehockt und trat jetzt zur Seite. Sie schob sich an der Kante der Sitzfläche entlang, nahm in ihrem Rücken ein Geräusch war und zuckte herum.

Ihr Verteidiger starrte plötzlich in das dunkle Loch der Mündung. »Keine Bewegung, habe ich doch gesagt. Das gilt auch für Sie!«

»Ja, schon gut!« Der Verteidiger hob sogar die Hände. Um Lornas Lippen zuckte ein verächtliches Lächeln.

Schritt für Schritt ging sie weiter. Sie ließ die Bank hinter sich und betrat den Gang, der zwei fast leere Sitzreihen teilte.

Lorna war zufrieden, »So ist es gut«, erklärte sie. »Wirklich gut. Ihr seid fantastisch.« Sie ging noch einen Schritt, dann den nächsten und näherte sich der Tür.

Jetzt griff der Richter mit Worten ein. »Sie haben keine Chance, Mrs. Delaney, geben Sie auf.«

»Nein!«

Die Antwort klang fast entschlossen. Dann sprach sie den Polizisten an der Tür an. »Gehen Sir zur Seite, stellen Sie sich an die Wand und heben Sie die Hände!«

Der Mann gehorchte nicht.

»Soll ich dem Richter ein Loch zwischen die Augen schießen?«, fragte Lorna. Ihre Stimme klang noch immer ruhig.

»Okay, ich gehe schon.«

»Das ist auch gut so.«

Lorna bewegte sich ebenfalls auf die Tür zu. Sie hatte dabei einen Winkel eingenommen, der es ihr erlaubte, die Anwesenden im Auge zu behalten.

Niemand rührte sich. In der Stille hätte man das Fallen einer Stecknadel hören können.

An der Tür blieb Lorna stehen. »Ich würde Ihnen raten, keine Verfolgung aufzunehmen. Ich werde mir den Weg freischießen!«

Der Richter schüttelte den Kopf. Er war schon älter und hatte in den langen Berufsjahren viel erlebt. Deshalb verlor er auch nicht die Nerven. »Sie haben keine Chance, Mrs. Delaney. Wie wollen Sie aus dem Gerichtsgebäude fliehen?«

»Das lassen Sie mal meine Sorge sein.«

»Sie machen alles noch schlimmer!«

Lorna lachte auf. »Noch schlimmer machen? Ich bin doch für euch eine Mörderin. Ihr habt mich abgestempelt, aber ich bin keine Killerin, so wie ihr es euch denkt. Das ist ein Irrtum. Wenn ihr allerdings die starken Männer spielen wollt, ich hindere euch nicht daran, in den Tod zu gehen. Alles klar?«

»Sicher!«

Lorna tastete nach der Türklinke und drückte sie nach unten. Verschlossen war die Tür nicht. Es steckte auch kein Schlüssel im Schloss. Niemand würde eine Verhandlung stören!«

Lorna hielt noch immer die Waffe in den Saal gerichtet, als sie die Schwelle übertrat. Die Männer saßen wie auf dem Sprung, auch der Polizist bewegte sich jetzt, weil er, von Lorna aus gesehen, im toten Winkel stand.

Er schlich auf Zehenspitzen zur Tür, sein Gesicht war angespannt.

Lorna besaß genau den richtigen Instinkt. Plötzlich trat sie wieder vor, schwenkte die Pistole herum – und schoss.

Der Polizist schaute noch in die blasse Mündungsflamme. Im gleichen Moment spürte er den unheimlichen harten Schlag in der Körpermitte. Seine Uniform hatte ein Kugelloch bekommen, das sich mit einer roten Flüssigkeit füllte.

Lorna aber knallte die Tür zu und sprang in den breiten Gang, den sie durchlief …

*

Ihr Anwalt war der Erste, der aufsprang. Er rannte auf den Polizisten zu, der noch nach links gekippt war...



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