Dark John Sinclair - Folge 0468
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-8387-3237-4
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Grab-Phantome greifen an
E-Book, Deutsch, Band 468, 64 Seiten
Reihe: John Sinclair
ISBN: 978-3-8387-3237-4
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1980 - 1989!
Grab-Phantome greifen an.
Als das Rot der tanzenden Flammen in eine giftgrüne Farbe umschlug, wusste die Horde, dass sich der Götze zeigte.
Er hatte ihr Schreien, ihren Tanz und auch ihr Flehen erhört. Baal kam!
Geheimnisvoller konnte keine Nacht sein. Der Wind heulte, fuhr gierig in das Feuer und ließ die Flammen tanzen.
Die Horde, die seit Anbruch der Dunkelheit den Götzen beschworen hatte, kam zur Ruhe. Die mit Fellen und roh gegerbten Lederhäuten bekleideten Männer wurden still, als hätte sie die Ehrfurcht übermannt.
Das war ein Zauber, den sie nicht begreifen konnten. Doch sie wussten, dass er ihnen Macht gab. Und Kraft hatten sie bereits gebraucht, auf ihrem langen Weg von den Steppen und Wäldern des Ostens ...
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
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Grab-Phantome greifen an
Als das Rot der tanzenden Flammen in eine giftgrüne Farbe umschlug, wusste die Horde, dass sich der Götze zeigte.
Er hatte ihr Schreien, ihren Tanz und auch ihr Flehen erhört. Baal kam!
Geheimnisvoller konnte keine Nacht sein. Der Wind heulte, fuhr gierig in das Feuer und ließ die Flammen tanzen.
Die Horde, die seit Anbruch der Dunkelheit den Götzen beschworen hatte, kam zur Ruhe. Die mit Fellen und roh gegerbten Lederhäuten bekleideten Männer wurden still, als hätte sie die Ehrfurcht übermannt.
Das war ein Zauber, den sie nicht begreifen konnten. Doch sie wussten, dass er ihnen Macht gab. Und Kraft hatten sie bereits gebraucht, auf ihrem langen Weg von den Steppen und Wäldern des Ostens …
Raubend, plündernd und mordend hatten sie sich ihren Weg gesucht und waren in den Teil des karolingischen Reiches eingefallen, der sehr dünn besiedelt war. Ihr Götze hatte ihnen befohlen, eine Opferstelle zu errichten. Mitten im Wald, auf einer kleinen Lichtung, wo auch der schmale Bach herfloss, der ihnen Wasser gab.
Manchmal beugten sich die Zweige der Bäume unter den heranjagenden Windböen. Sie schüttelten sich, Blätter wirbelten durch die Luft und gleitten taumelnd zu Boden.
Das Gras zeigte bereits die herbstliche Färbung. Es wuchs nichts mehr, der Sturm und die Kälte hielten Einzug, und die Menschen würden bald Schutz vor dem Winter suchen.
Als sie aus dem fernen Land aufgebrochen waren, hatten sie die doppelte Anzahl gezählt. In zahlreichen Kämpfen und wilden Schlachten hatten sie sich behaupten müssen, jetzt zählten sie nur noch fünfzehn Krieger.
Ihr Anführer hieß Turga. Er war groß, hager, bestand nur aus Muskeln und Sehnen, ein zweibeiniger Steppenwolf, wild und grausam. Er kannte nur das Gesetz des Stärkeren. Seine Waffen waren das Schwert, der Bogen und die Axt.
Viel Blut floss, wenn er mit seinen Gegnern kämpfte. Manche hielten ihn für unbesiegbar, denn er hatte behauptet, ein Sohn des Götzen zu sein. Er war größer als die anderen, sein fettes Haar, pechschwarz wie das Gefieder eines Raben, baumelte zu Zöpfen geflochten, links und rechts des Kopfes. Es berührte die breiten, eckig wirkenden Schultern des Kriegers. Wenn er sich drehte, wurden die Zöpfe hochgewirbelt wie der Rock eines Mädchens.
Turga war dicht an das Feuer herangetreten. Es brannte nicht auf dem Waldboden, sondern auf dem Altar, den die Horde aus schweren Steinen errichtet hatte.
Der Götze brauchte eine Opferstätte, und die wollten ihm die Krieger geben, denn er sollte sich unter ihnen wohl fühlen.
Turga fiel auf die Knie. Er beugte seinen Oberkörper dabei zurück, hob die Arme an, und es sah so aus, als wollte er die ganze Welt umarmen.
Es war für ihn eine Symbolik, und es schien einen Moment später so, als wollten ihm die grünen Flammen gehorchen. Sie bewegten sich auf ihn zu.
Die anderen Krieger sahen es und hielten dies für einen Zauber. Sie warfen sich zu Boden und pressten ihre Gesichter gegen den weichen, feuchten Untergrund.
Nur Turga blieb knien.
Er sprach zu dem Götzen mit einer rau klingenden Stimme. Dabei funkelten seine dunklen Augen, und in den Pupillen spiegelte sich der tanzende Schein des grünen Feuers wider.
Turga spürte etwas in sich, für das er keine Erklärung wusste. Er bezeichnete es als die Kraft des Götzen, und er beugte den sehnigen Oberkörper so weit vor, dass er mit der Stirn den Boden berührte. Ein Zeichen seiner Dankbarkeit.
Der Götze lebte in den Flammen. Sie rollten über den krummen Rücken des Wilden, verletzten ihn aber nicht.
Turga blieb in dieser Haltung. Er zeigte Demut, denn Baal war der einzige, vor dem er sich beugte. Kein anderer hatte das je erlebt. Da griff dieser zweibeinige Steppenwolf lieber zu den Waffen, um den umzubringen, der eine solche Geste von ihm gefordert hätte.
Als sich die Flammen wieder auf die Altarplatte zurückzogen, richtete auch er sich auf. Sein Gesicht wurde grünrot angestrahlt. Der Widerschein ließ es wie eine schillernde Maske aussehen. Die Züge wirkten unbeweglich, eingefroren. In den Augen nistete ein dämonischer Ausdruck. Ein Beweis dafür, dass der Götze sich ihm offenbart hatte. Turga wusste nun, was er tun musste.
Er stand breitbeinig vor dem Feueraltar, verbeugte sich noch einmal und drehte sich dann um.
Turga schaute auf seine Horde. Die Geste wirkte ärgerlich, als er den Kopf schüttelte. Dann ging er mit wuchtigen schritten auf sie zu.
Jedem Krieger trat er in die Seite. Er scheuchte sie hoch und begleitete seine Tritte mit rauen Worten.
Die Krieger verstanden.
Sie standen auf, schauten ihn an und bildeten einen Halbkreis vor ihm. Es war kalt geworden. Vor ihren rauen Lippen dampfte der Atem, und sie erkannten sofort, dass Turga mit dem Götzen in Kontakt gestanden hatte. Er nickte.
Dann sprach er mit ihnen. Er redete von der Macht des Götzen und davon, dass Baal ein Opfer verlangte.
»Eine Frau!«, rief er.
Die Meute johlte und schrie. Sie wussten genau, was sie zu tun hatten, denn die Frau hatten sie schon längst geraubt. Zwei von ihnen nahmen Fackeln hoch und drangen über einen schmalen Pfad in den naheliegenden Wald ein.
Sehr weit brauchten sie nicht zu gehen. Nur bis zu einem bestimmten Baum, an den sie die Frau gebunden hatten. Sie befand sich in einem erbarmungswürdigen Zustand. Ihre Kleidung war zerrissen. Sie zitterte vor Kälte und Angst.
Als sie die beiden Wilden auf sich zukommen sah und in die Gesichter der Männer schaute, wusste sie, was ihr bevorstand. Sie hatte immer wieder versucht, die Fesseln zu lockern. Das Gegenteil war eingetreten. Die aus Pflanzenstielen bestehenden Stricke schnitten noch tiefer und fester in ihre Haut.
Die Männer hatten sie einfach geraubt. Ihr Gatte war getötet worden. Er lag auf dem Brunnenrand. Sein Körper war von schweren Wunden gezeichnet. Und auch die beiden Kinder hatten die Mörder rücksichtslos niedergemacht.
Nur sie lebte noch.
Ihre Eltern hatten ihr den Namen Ruth gegeben. Beide waren sehr gläubig gewesen, und auch Ruth vertraute auf Gott, trotz der schrecklichen Lage, in der sie sich befand.
Man hatte ihr Gewalt angetan. Es war schlimm gewesen. Wenn sie daran dachte und die Augen schloss, standen die schlimmen Bilder wieder vor ihr.
Jetzt hielt sie die Augen offen und schaute in die grausamen Gesichter der beiden Krieger.
Einer zog ein Messer und trat dicht an die Gefangene heran. Deren Herzschlag beschleunigte sich, als die gefährliche Klinge in Augenhöhe an ihr vorbeiwischte.
Aber der Krieger löste nur die Fesseln. Bisher hatten die Bänder die Frau gehalten, nun aber sackte sie zusammen, da sie sich aus eigener Kraft nicht mehr auf den Beinen halten konnte. Der Mann, der auch ihr Fesseln aufgeschnitten hatte, stieß ein grunzendes Geräusch aus und bückte sich.
Mit einer Hand fasste er sie unter und zog sie in die Höhe. Wie ein Paket klemmte er sie unter den Arm und ging davon. Der zweite Krieger folgte ihm.
Die anderen Wilden hatten schon auf ihre Artgenossen gewartet. Sie traten respektvoll zur Seite, als Turga sich den Weg bahnen wollte. Er blieb vor der Frau stehen.
Sein Blick war grausam und stechend. Mit schmutzigen Fingern fasste er unter ihr Kinn und hob den Kopf an.
Das Gesicht war schmutzig. Tränen hatten feuchte Spuren hinterlassen. Verdreckt und verfilzt klebten die Haare zusammen, und die Lippen zitterten vor Angst und Kälte.
»Das Feuer des Götzen wird dich verschlucken!«, sagte er, aber die Frau verstand ihn nicht, weil er in einer völlig fremden Sprache redete. Aber er hatte seinen Kopf gedreht und auf den Feueraltar geschaut, sodass die Frau Bescheid wusste.
Ruth verkrampfte sich vor Angst. Sie kannte den Begriff des Feueropfers, man hatte ihr davon erzählt, denn schon im Alten Testament war darüber geschrieben worden.
Aber Menschen verbrennen?
Turga lachte laut, griff zu und erwischte ihre Haare, sowie auch eine Schulter. Es war ein Klammergriff. Ruth hatte keine Chance, sich zu befreien. Zwar stemmte sie die Beine in den weichen Boden, aber der Kraft des Wilden war sie nicht gewachsen. Turga schleifte sie wie ein Stück Holz auf den Flammenaltar zu, begleitet von den Blicken und den heiseren Schreien seiner Freunde.
Ruth starrte in die Flammen. Grün, manchmal auch rötlich schillernde wuchsen vor ihr wie eine Wand hoch. Sie glaubte auch, eine schreckliche Fratze darin tanzen zu sehen. Das Gesicht des Götzen.
Und auch Turga sah es.
Laut rief er den Namen Baal, und seine Stimme hallte durch den finsteren Wald.
Baal erhörte sein Flehen. Er zeigte sich seinem Diener als Feuerfratze in der Flammenwand.
Turga schüttelte sich. Er hatte den Ruf gehört. Der große Götze war da, um sie zu beschützen und er sollte das bekommen, was man ihm schon in frühbiblischer Zeit dargebracht hatte.
Ein Menschenopfer!
»Dein Opfer, Baal!«, brüllte Turga in seiner Sprache, die Ruth nicht verstand. Sie konnte sich allerdings vorstellen, dass sie mit diesen Worten gemeint war und dass ihr Schlimmes bevorstand.
Die Krieger kamen näher. Sie schlichen von drei Seiten heran. Demutsvolle Haltungen, die Furcht vor dem Götzen und dem Feuer hielt sie gefangen. Auf ihren wilden, bärtigen Gesichtern lag zumeist ein lauernder Ausdruck. Ein Zeichen der Spannung, die sie gefangen hielt.
Turga war nicht nur der intelligenteste Kämpfer unter ihnen, auch der kräftigste. Mit einer spielerisch anmutenden Leichtigkeit hob er die Frau an und stemmte sie über seinen Kopf. Mit beiden Händen hielt er sie fest. Die Handteller...




