Dark | John Sinclair - Folge 0464 | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 464, 64 Seiten

Reihe: John Sinclair

Dark John Sinclair - Folge 0464

Gemälde des Grauens
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-8387-3225-1
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Gemälde des Grauens

E-Book, Deutsch, Band 464, 64 Seiten

Reihe: John Sinclair

ISBN: 978-3-8387-3225-1
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1980 - 1989!

Gemälde des Grauens.

>>Vernichten!<<, keuchte der Mann. >>Ich muss dieses verdammte Bild vernichten. Es macht mich verrückt.<< Der Maler verstummte und lehnte sich gegen die Tür. Sein Gesicht war schweißnass. Er wusste, was er tun musste. Einfach nur in das Zimmer gehen und aus dem Kamin das Feuer holen.

Aber zerstörte man etwas so leicht? Schließlich war das Bild ein Kind von ihm. Das Motiv war seiner Fantasie entsprungen. Er hatte alles so wunderbar nachvollzogen, und sicherlich würde das Gemälde in der Zukunft einen gewissen Wert bekommen.

Stattdessen wollte er es vernichten.

Im Laufe der Nacht war ihm dieser Gedanke gekommen. Eine Eingebung, irgendwoher, aber durchaus verständlich, denn wenn das Bild noch länger in seinem Atelier stand, würde es noch die Gewalt über ihn bekommen. Und wer ließ sich schon gern von diesen widerlichen Gruseltypen kontrollieren?

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

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Gemälde des Grauens


»Vernichten!«, keuchte der Mann. »Ich muss dieses verdammte Bild vernichten. Es macht mich verrückt.« Der Maler verstummte und lehnte sich gegen die Tür. Sein Gesicht war schweißnass. Er wusste, was er tun musste. Einfach nur in das Zimmer gehen und aus dem Kamin das Feuer holen.

Aber zerstörte man etwas so leicht? Schließlich war das Bild ein Kind von ihm. Das Motiv war seiner Fantasie entsprungen. Er hatte alles so wunderbar nachvollzogen, und sicherlich würde das Gemälde in der Zukunft einen gewissen Wert bekommen.

Statt dessen wollte er es vernichten.

Im Laufe der Nacht war ihm dieser Gedanke gekommen. Eine Eingebung, irgendwoher, aber durchaus verständlich, denn wenn das Bild noch länger in seinem Atelier stand, würde es noch die Gewalt über ihn bekommen. Und wer ließ sich schon gern von diesen widerlichen Gruseltypen kontrollieren?

Dabei war er so stolz auf sein Werk gewesen …

Der Maler strich über seine Stirn. Seine Mutter fiel ihm ein. Sie war eine fantastische Frau gewesen, sie hatte ihn immer beschützt, vor dem Vater und den Brüdern. Ihr hatte er auch sein erstes Bild gewidmet, ein Stilleben mit herrlichen Rosen. Auf der Leinwand sahen sie aus wie frisch gepflückt. Die Mutter hatte sich über das Bild gefreut und ihm eine große Zukunft als Maler vorausgesagt.

Ja, er hatte weitergemalt. Keine Rosen mehr, überhaupt keine Blumen, andere Dinge.

Düstere Landschaften, oft monströs und bedrückend, angefüllt mit grauvioletten Schatten, durchflossen von Flüssen mit blutrotem Wasser. Albtraum-Visionen eines Menschen, der tief mit seinem Innern verwurzelt war, dessen Seele fast als Monstrum bezeichnet werden konnte.

Vargas wusste dies. Er wischte über sein braunes Haar. Es war verklebt. Die Strähnen gingen zusammen. Sie fielen lang bis in den Nacken. Sein Gesicht war blass, obwohl er von Natur aus einen bräunlichen Teint besaß. In Vargas’dunklen Augen loderte ein Feuer. Es zeugte davon, dass der Maler innerlich brannte.

In der Tat steckte Vargas voller Ideen. Er hätte sich sofort hinsetzen und zu Pinsel und Farbe greifen können, er tat es nicht. Statt dessen wollte er sein Bild vernichten.

Noch trennte ihn die Tür von seinem Atelier, aber das Feuer brannte bereits. Er sah dessen Schein, als er sich einen innerlichen Ruck gab und die Tür aufstieß.

Der Kamin lag ihm gegenüber. Der Durchzug griff in die Flammen und bewegte sich.

Sie bestanden aus langen, gierigen Armen, die sich innerhalb des Kamins verteilten, in die Höhe zuckten und auch wie heiße Finger in die verschiedenen Richtungen griffen.

Für Vargas bedeutete Feuer etwas Wunderbares. Gleichzeitig Leben und auch Tod.

Auch seine Gestalt wurde angestrahlt, als er sich über die Schwelle begab und mit zitternden Schritten in den Raum hineinschritt. Es war das typische Arbeitszimmer eines Malers. Unter dem Dach lag es. Eine Wand war schräg. Durch sehr große Fenster konnte Tageslicht in den Raum fallen und ihn ausfüllen.

Jetzt aber war es dunkel. Da zuckte der Widerschein geisterhaft über Wände und Scheiben. Antonio Vargas machte kein Licht. Ihm reichte das Feuer.

Er blieb stehen und starrte in die Flammen. Sein Gesicht war zu einer schweißnassen Grimasse geworden, über die dunkle Schatten tanzten. Er schaute nicht nach links, wo das Bild stand, das er vernichten wollte. Es kam ihm vor, als hätte er ein schlechtes Gewissen, aber er musste es tun.

Wenn nicht, lud er Schuld auf sich.

Sein Kreislauf war nicht mehr in Ordnung. Vargas spürte, dass er taumelte, und er hatte auch das Gefühl, als würden ihn die Flammen regelrecht anziehen.

Vor dem Kamin stand der eiserne Korb mit dem Holz. Die zurechtgeschnittenen Kloben hatte er sorgfältig gestapelt. Das Holz war trocken und brannte wie Zunder.

Er öffnete den Mund. Über seine Lippen drang kein Schrei. Ein stöhnendes Geräusch, als würde er unter großem Druck stehen. Einige Minuten dachte er nach, dann drehte er sich abrupt nach links. Einen letzten Blick wollte er auf das Bild werfen. Es war ihm von allen am besten gelungen. Seine sämtlichen Werke zeigten die Angst des Menschen vor dem Grauen, dem Tod, dem Unfassbaren.

Nur hatte er sie sonst immer besser verpackt. In Stimmungen, in Landschaftsbildern, aber sein letztes Werk war eben anders geworden. So furchtbar direkt, so echt und unheimlich. Vier Personen waren darauf zu erkennen.

Keine Menschen, sondern das, vor dem die Menschen eine so furchtbare Angst hatten.

Monster!

Vargas schlich auf sein Werk zu. Bei jedem Schritt nahm die Gänsehaut auf seinem Rücken zu. So weit war es mit ihm schon gekommen, dass er Angst vor seinem eigenen Bild hatte. Mit dem Handrücken wischte er sich den Schweiß von der Stirn.

Dann schälte sich das Viereck der Leinwand aus der Dunkelheit.

Es stand noch auf einer Staffelei. Bisher hatte Vargas noch keinen passenden Rahmen gefunden, den brauchte er auch nicht mehr. Dieses Bild sollte niemand zu sehen bekommen.

Vielleicht wollte er es dem großen Dichter und Schriftsteller Edgar Alan Poe zeigen. Ihn hatte er einmal kennengelernt und zwei Tage sowie Nächte mit ihm zusammengesessen und über schreckliche Visionen gesprochen. Aber Poe war alt geworden. Er würde das nächste Jahr bestimmt nicht überleben.

Vargas’Gedanken brachen ab. Er stand jetzt vor seinem Werk und nahm den dreiarmigen Kerzenleuchter an sich, der auf einem kleinen Tisch direkt daneben seinen Platz gefunden hatte.

Mit zitternden Fingern zündete Antonio Vargas die Dochte der Kerzen an. Die Flammen fraßen sich in die Höhe, und ihr Licht traf auch die bemalte, viereckige Leinwand.

Es schien, als tauchten die Geschöpfe aus dem Tunnel einer anderen Zeit auf.

Sie waren furchtbar, hässlich anzusehen und gleichzeitig steckte in ihnen eine kaum beschreibliche Faszination. Vargas hatte sie so gemalt, als würden sie leben. Er hatte sich damals in einem wahren Rausch befunden. Die Ideen waren nur so gesprudelt, und manchmal hatte er auch den Eindruck gehabt, als würden die Geschöpfe, die aus seiner Hand stammten, irgendwann einmal leben oder Wirklichkeit werden.

Es zeigte vier Gestalten.

Die vier klassischen Gruselmonstren überhaupt.

Links oben der schreckliche Vampir mit weit aufgerissenem Maul und spitzen Blutzähnen, die wie kleine Messer hervorschauten. Die Haut war von Vargas aschbraun gemalt worden, und die Augen lagen unter einem Blutrand verborgen.

Neben dem Vampir sah er das Gesicht einer Mumie. Eingefallen, kerbig, verzerrt, aber mit Augen, die dennoch böse blickten und das Wissen der Jahrtausende gespeichert zu haben schienen.

Unterhalb der Mumie hatte ein furchtbarer Werwolf sein Gebiss gefletscht. Das Monstrum sah aus, als wollte es dem Betrachter des Bildes im nächsten Augenblick die Zähne in den Hals schlagen.

Und noch ein viertes Geschöpf zeigte die Leinwand. Es war von Vargas links in die Ecke gequetscht worden. Sein Gesicht war leichenblass. Antonio hatte lange die Farben mischen müssen, um diesen Farbton zu bekommen. Es war ihm schließlich gelungen, und so war dieser kantige Schädel mit der hohen Stirn entstanden, den der Maler als den Kopf des künstlichen Menschen bezeichnete.

Er stand da und betrachtete es. Seine Gedanken wanderten wieder. Vargas war durcheinander. Er wusste nicht, ob er sich mit der Zukunft oder der Vergangenheit befasste. Plötzlich kam alles zusammen. Die Monstren schienen auf einmal zu leben, und im gleichen Moment hatte er eine Vision. Irgendjemand sagte ihm, dass die Geschöpfe zwar seiner Fantasie entsprungen waren, dass sie aber dennoch einmal so aussehen und leben würden, wie er sie gemalt hatte.

Vielleicht war er auch etwas Besonderes. Ein Mensch, der in die Zukunft blicken konnte, ohne es zu wissen. Diese Gabe existierte. Weshalb sollte er nicht zu denjenigen Personen gehören, die damit ausgestattet waren.

»Ihr seid meine Monstren«, flüsterte er gegen die Flammen der drei Kerzen, die sich daraufhin zur anderen Seite hin neigten. »Meine Geschöpfe, die ich erfand. Vielleicht werdet ihr der Welt noch einmal das Fürchten lehren. Ja, das glaube ich sogar. Aber ich darf es nicht soweit kommen lassen. Nein, ich muss mich dagegen wehren. Ich kann der Welt dies nicht zumuten. Ihr dürft nicht leben, ihr müsst sterben. Ihr müsst eingehen in andere finstere Reiche. Was meine Seele mir vorgeschrieben hat, darf in euch nicht so grausam existieren.«

Nach diesen Worten trat er noch einen Schritt näher an das Bild heran, sodass die drei Flammen es anleuchten konnten.

Die vier Monstren rührten sich nicht. Dennoch hatte Vargas das Gefühl, als würden sie leben. Es war kein normales Leben, nein, tief in ihrem Innern spielte sich etwas ab, das er mit Worten nicht erklären konnte. Da lauerte das Grauen.

Vargas zog sich zurück. Je länger er das Bild betrachtete, umso mehr hatte er den Eindruck, als würde es Macht über ihn bekommen. Er bekam auch den Eindruck, dass noch etwas mit diesem Gemälde war. Hinter ihm, nicht sichtbar für menschliche Augen, musste ein schrecklicher Geist stehen. Einer, der alles beherrschte, auch die Menschen.

Vargas schüttelte sich, als hätte jemand Wasser über ihn gekippt. Sein Gesicht war schweißbedeckt. Die dicken Lippen lagen fest aufeinander, ein Zeichen der Entschlossenheit.

Er hatte es sich einmal vorgenommen und würde es auch bis zum bitteren Ende durchführen.

Antonio Vargas trat an den eisernen Holzkorb heran, suchte einen Augenblick und hatte sich dann entschlossen, ein bestimmtes Stück Holz an sich zu nehmen.

Es war nicht so klobig wie die anderen. Dafür...



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