Dark | John Sinclair - Folge 0450 | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 450, 64 Seiten

Reihe: John Sinclair

Dark John Sinclair - Folge 0450

Sukos Totenfeier (1. Teil)
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-8387-3210-7
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Sukos Totenfeier (1. Teil)

E-Book, Deutsch, Band 450, 64 Seiten

Reihe: John Sinclair

ISBN: 978-3-8387-3210-7
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1980 - 1989!

Sukos Totenfeier.

Als das Telefon schrillte, hörte sich das Geräusch an wie ein angsterfüllter Schrei.

Shao, die Chinesin, zuckte zusammen. Aus ihrem Gesicht wich die Farbe. Plötzlich begannen ihre Hände zu zittern, denn sie wusste genau, was das Läuten zu bedeuten hatte. Schon am Klang hatte sie es erkannt. Das war kein Anruf für ihren Partner Suko gewesen, nein, dieses schrille Geräusch galt ihr. Und sie riefen auch stets an, wenn Suko nicht im Haus war.

Wie an diesem Abend.

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

Dark John Sinclair - Folge 0450 jetzt bestellen!

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Er und sein Freund John Sinclair hatten eine Aufgabe zu erledigen. Shao wusste nur, dass sie auf der Suche nach einem Schreckgespenst waren. Suko hatte ihr gesagt, dass es spät, wenn nicht sehr spät werden konnte.

Nun war sie allein …

Und Shao wusste nicht, der wievielte Anruf es war, aber sie war sich sicher, dass der Letzte sie zu ihrem Ziel führen würde.

Hatte die Vergangenheit sie jetzt endgültig eingeholt?

Nach dem dritten Läuten stand sie auf. Shao musste sich an der Sesselkante festhalten, sonst hätten ihre Beine nachgegeben, und sie wäre gestürzt.

Dennoch zitterten ihre Knie, als sie auf den läutenden Apparat zuging. Wie eine Greisin tastete sie sich weiter. Als sie durch die Lichtkugel einer eingeschalteten Stehlampe schritt, wirkte auch der Blick ihrer Augen stumpf.

Beim fünften Läuten hatte sie den Apparat erreicht. Sollte sie überhaupt abheben? Es hätte nichts an den Tatsachen geändert, wenn sie anders reagiert hätte, deshalb hob sie ab.

Sie presste den Hörer gegen ihr Ohr und sagte nur ein Wort. »Ja …«

»Hattest du geschlafen, Shao?«

Es war die gleiche Stimme wie immer. Sie klang freundlich, glatt und auch kalt. Sie schien vom Mond zu stammen und hörte sich manchmal wiederum so nah an, als würde jemand aus dem Nebenzimmer anrufen.

»Ich war wach.«

»Schön, so muss das auch sein. Dann hast du dich wahrscheinlicht nicht getraut.«

»Es ist schon schlimm.«

Der Sprecher, dessen Namen Shao nicht kannte, lachte. »Du hast dich geirrt, Shao. Es ist nicht schlimm. Es war schlimm. Ja, es war schlimm, denn heute Abend musst du handeln. Hast du verstanden? Handeln.«

»Sicher. Aber wie …?«

»Hör zu, Shao«, die Stimme senkte sich zu einem Flüstern. »Hör genau zu …«

Und Shao hielt förmlich den Atem an, denn sie konnte dem Sprecher nichts abschlagen. Obwohl sie ihn nie gesehen hatte, besaß er große Macht über sie. Er konnte sie auf posthypnotischem Weg kontrollieren, sie wurde zu Wachs, wenn sie allein seine manchmal einschmeichelnde und dann wieder harte Stimme hörte.

Aber die legte eine Pause ein.

Ein anderes Geräusch drang durch die Leitung.

Dumpf, hämmernd, gleichzeitig drohend.

Trommeln …

Ein hallender Wirbel von Trommelschlägen. Jeder einzelne war von einem rollenden Echo begleitet, das wiederum in den nächsten Schlag überging.

Shao stand da, wie an den Boden geleimt. Sie hätte den Hörer am liebsten fortgeschleudert, dachte aber an den Befehl des Unbekannten und hörte weiter zu.

Die Schläge drangen durch den Hörer, aber die Echos hämmerten nach und erreichten ihr Gehirn. Sie hatte das Gefühl, eine Botschaft zu hören, die aus einer anderen Welt stammte, wo sich die Zeiten kreuzten und es weder Tag noch Nacht gab.

Dieser Trommelklang war mörderisch. Er durchdrang ihren gesamten Körper. Shao spürte das Vibrieren sogar in den Fingerspitzen, selbst die schienen unter den Echos zu zucken.

Auf ihrem Körper lag eine Gänsehaut, die nicht weichen wollte. Verursacht durch eine tiefsitzende Angst und das Geräusch der unheimlich klingenden Trommeln.

Sie stand da, starrte gegen die Wand, an der Federzeichnungen aus ihrer Heimat hingen, und hatte das Gefühl, dass sich die Wand bei jedem Schlag bewegte.

Wie lange dieses dumpfe Geräusch angehalten hatte, wusste sie nicht zu sagen. Shao hatte das Zeitgefühl verloren, aber irgendwann ging der Klang zurück. Er dröhnte nicht mehr so in ihrem Kopf. Als die Trommeln schließlich verstummten, hatte Shao dennoch keine Ruhe. Nach wie vor war ihr Kopf von diesen Klängen erfüllt, die sie inzwischen als Marter und Tortur empfand.

Shao verzog das Gesicht. Es waren keine körperlichen Schmerzen, die sie zu dieser Handlung zwangen, eher das seelische Leid und ihr Wissen, nichts gegen diesen bedrückenden Trommelzauber unternehmen zu können.

Plötzlich hörte sie wieder die Stimme.

Sehr leise, flüsternd fast, aber dennoch gut zu verstehen. »Hast du sie mitbekommen, Shao? Hast du jeden einzelnen Schlag gut gehört, meine Liebe?«

»Das habe ich.«

»Wunderbar. Es waren die Zeichen, und sie galten einzig und allein nur dir.«

»Und was soll das?«

»Frag nicht so naiv. Ich habe dir erklärt, dass die Anrufe vorbei sind. Es war mein letzter – und mein entscheidender«, fügte der unbekannte Sprecher schärfer hinzu. »Noch etwas will ich von dir wissen, meine Teure. Hast du es dir gekauft?«

Shao zögerte mit der Antwort. »Das … das Hemd …?«

»Ja, dein Leichenhemd!«

Sie nickte, obwohl der andere es nicht sehen konnte. »Sicher!«, hauchte sie schließlich. »Sicher, ich habe es mir besorgt, wie du es mir gesagt hast.«

»Weiß er davon?«

»Nein, ich habe es ihm nicht gesagt. Er … er weiß nichts. Das hatte ich dir versprochen.«

»Dann ist es gut, meine Liebe. Er darf nichts wissen. Das geht nur uns beide etwas an. Hörst du?«

»Natürlich.«

»Und jetzt wirst du genau das tun, was ich dir sage. Du gehst in dein Zimmer, ziehst dich aus und das neue Leichenhemd über. Es wird dir bestimmt gut gefallen, denn du bist ja die Hauptperson unserer Totenfeier. Streife es über, gewöhne dich an den herrlichen Stoff auf deiner glatten Haut. Danach wirst du ungesehen das Haus verlassen. Fahre mit dem Fahrstuhl bis in die Tiefgarage. Dort werden dich meine Freunde erwarten, hörst du?«

»Ja …« Dünn hatte die Antwort geklungen. »Woran erkenne ich deine Freunde?«

»Sie machen sich schon bemerkbar.« Ein leises Klacken in der Leitung zeigte an, dass der unbekannte Anrufer aufgelegt hatte.

Jetzt hätte Shao die Chance gehabt, alles hinzuwerfen, sich um 180 Grad zu drehen, doch sie tat es nicht. Sie legte zwar ebenfalls auf, aber sie schritt mit steifen Bewegungen der Schlafzimmertür entgegen und drückte sie auf.

Ihr Blick fiel auf das breite Bett. Es war kein eigentliches Doppelbett, man nannte es ein Französisches Bett. Dort schliefen Suko und sie. Nur flüchtig dachte sie an ihren Partner. Er war plötzlich so unwichtig geworden, für sie zählten andere Dinge.

Einen kurzen Blick warf sie aus dem Fenster. Über London lag noch nicht die Dunkelheit, aber ein grauer Himmel. Es war schwül geworden, und ein Gewitter braute sich zusammen.

Shao bückte sich, bis sie den Bettkasten erreichte und ihn aufzog. Sie hatte innerhalb der Öffnung nicht allein die Bettwäsche untergebracht, auch das Leichenhemd lag dort.

Suko wusste davon nichts. Heimlich hatte sie es besorgt, hob es hoch, faltete es auseinander und legte es vorsichtig auf das Bett, um es sich anzuschauen.

Es war schneeweiß, bestand aus einem teuren Material und besaß unterhalb des freizügigen Dekolletés eine Knopfleiste, die von Shao aufgeknöpft wurde.

Dann stieg sie aus ihrer Kleidung. Die gelbe Hose legte sie ebenso ab wie den grünen, locker fallenden Pullover. Einen BH trug und brauchte sie nicht. Den weißen Slip behielt sie an.

Shao warf ihre dunkle Haarflut zurück. So gut wie unbekleidet wirkte sie wie die Reinkarnation einer exotischen Göttin, was irgendwie auch stimmte, denn die Chinesin war die letzte Frau in der langen Ahnenreihe der Sonnengöttin Amaterasu.

An den Schultern hob Shao das Leichenhemd an. Sie dachte daran, wie erstaunt der Verkäufer geschaut hatte, als sie es in dem chinesischen Geschäft erworben hatte. Aber sie hatte von einer Verwandten gesprochen, die ums Leben gekommen war.

Shao streifte es über. Sie bewegte sich dabei grazil und mit einer Natürlichkeit, die angeboren war. Die kühle Seide hinterließ auf ihrer warmen Haut ein prickelndes Gefühl. Es passte eher zu einer erotischen Spannung, als zu dem, was sie vorhatte.

Es würde der letzte Weg in ihrem Leben werden, denn sie musste dem Schicksal Tribut zollen.

Das Leichenhemd reichte bis an die Waden. Shao suchte auch weiße Schuhe aus, die auf einem Schuhbrett im Schrank ihren Platz gefunden hatten und schmale Absätze besaßen.

Dann verließ sie das Schlafzimmer. Als die Tür mit einem entsprechenden Laut ins Schloss fiel, zuckte es um ihre Lippen, denn auch diese Tür würde sie nie mehr öffnen.

Wie eine Schlafwandlerin schritt sie durch den Raum. Sie sah die Möbelstücke, die sie und ihr Partner Suko gemeinsam erworben hatten, aber sie blickte einfach darüber hinweg. Die Chinesin hatte damit bereits abgeschlossen.

Dieses Kapitel gehörte der Vergangenheit an.

Bevor Shao die Tür zum Flur öffnen konnte, schrillte wieder das Telefon. Diesmal läutete es anders. Normal, wie sie meinte, trotzdem wollte sie nicht abheben.

Mit einem heftigen Ruck öffnete Shao die Tür zum Flur. Diese letzte Handlung hatte etwas Entschlossenes gehabt. Sie hatte sich einmal etwas vorgenommen, von dem sie auf keinen Fall abweichen würde. Sie musste den Weg gehen.

Der Flur war schmal. Eine Garderobe, bestehend aus einem Spiegel, der Ablagebank und Haken, passte soeben an die Wand, und es war auch noch genügend Platz vorhanden, dass sich jemand umziehen konnte. Ein sommerlich dünner Mantel hing wie eine matte Fahne nach unten. Ihre Hand zuckte zum Kleidungsstück, doch die Finger berührten es nicht einmal. Nein, sie wollte den Mantel nicht überstreifen. Das Leichenhemd musste reichen.

Shao öffnete die Wohnungstür. Der Flur mit den zahlreichen Apartmenttüren lag leer vor ihr; obwohl es noch nicht so spät war, ließ sich keiner der Bewohner blicken.

Rechts besaß John Sinclair sein Apartment. Auch ihn würde Shao nicht mehr sehen. Für einen Moment empfand sie Bedauern, dann hob sie die Schultern und schritt auf eine Lifttür zu.

...



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