Dark John Sinclair - Folge 0358
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-8387-3119-3
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Das Gespenst aus dem Hexenforst
E-Book, Deutsch, Band 358, 64 Seiten
Reihe: John Sinclair
ISBN: 978-3-8387-3119-3
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1980 - 1989!
Das Gespenst aus dem Hexenforst.
Ein Hubschrauber wird in der Luft von einer Art Blitz angegriffen. Die Maschine explodiert und rast als leuchtende Fackel in die Tiefe. In einem Wald schlägt sie auf und brennt aus, begleitet von einem grausamen Lachen. Die Insassen finden den Tod.
Kein leichter Auftrag für John Sinclair, denn das Gespenst aus dem Hexenforst hat ganze Arbeit geleistet. Suko und Will Mallmann werden den sympathischen Oberinspektor von Scotland Yard nach Kräften unterstützen ...
John Sinclair - der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit!
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Das Gespenst aus dem Hexenforst
»Da stimmt doch was nicht«, sagte Captain Blecker.
»Wieso?«, fragte sein Nachbar, ein hoher NATO-General aus Deutschland und zu Besuch auf der Insel.
»Entweder ist der Pilot, entschuldigen Sie, besoffen oder eingeschlafen. So, wie der die Kiste fliegt, steuere ich sie noch mit achtzig. Moment mal, Sir.« Captain Blecker drückte sich aus dem Sitz und legte die Entfernung zum Cockpit mit zwei Schritten zurück.
Der General schaute aus dem Fenster.
Er sah unter sich eine düstere Fläche in der Dämmerung. Ein unheimlich wirkendes Waldgebiet, das sie überflogen. Im Volksmund wurde es Hexenforst genannt. Obwohl man den Monat Dezember schrieb, sahen die Bäume grün aus.
Blödsinn, dachte der General. In diesem Augenblick traf ihn das eiskalte Entsetzen …
Vor uns stand ein Mann, der selbst in der ziemlich gefüllten Abflughalle des Heathrow Airports auffiel, weil er die meisten Menschen überragte. Schuld daran trug auch der weiße Turban, der kunstvoll geschlungen war und sein lackschwarzes Haar bedeckte.
Dieser Mann stammte aus Indien und hieß Mandra Korab. Er war unser Freund.
Suko und ich hatten es uns nicht nehmen lassen, ihn zum Flughafen zu begleiten. Die Passagiere der Maschine nach Bombay waren schon aufgerufen worden, und Mandra Korab stand vor uns, wobei das Lächeln in seinem dunklen Gesicht ein wenig traurig wirkte.
»Ja, jetzt müssen wir Abschied nehmen«, sagte er, »aber nicht für immer, meine Freunde.« Er ging zuerst auf Suko zu und umarmte ihn. Dann war ich an der Reihe.
Nur ich vernahm die Worte, die er in mein Ohr flüsterte. »John, ich danke dir noch einmal. Wärst du nicht gewesen, würde ich jetzt noch in dieser Planke stecken.«
»Hör auf mit dem Unsinn! Wir haben es alle geschafft, auch Myxin und Kara.«
»Ich weiß. Trotzdem …«
In der Tat war es uns nach einem fast wahnsinnigen Kampf gelungen, Mandra Korabs monatelange Gefangenschaft in einer alten Schiffsplanke zu beenden. Dabei hatten wir auch Macha Rothaar, Myxins Mutter, kennengelernt, eine Dämonin, die von ihrem eigenen Sohn zweimal getötet werden musste, damit ihr Schicksal besiegelt war und sie kein Unheil mehr anrichten konnte. Dass wir dabei noch Mandra Korab hatten befreien können, war natürlich mehr als fantastisch. 1
Ich drückte ihn von mir. »So, mein Freund, dann gib mal acht, dass man dir die fünf Dolche nicht wieder abnimmt. Ansonsten wünsche ich dir alles Gute. Hoffentlich steht dein Haus noch so, wie du es damals verlassen hast.«
»Ich habe treue Freunde und Mitarbeiter.«
»Das ist heute selten.« Ich schlug ihm auf die Schultern. »Jetzt dampf ab, sonst bleibst du noch länger in London.«
»Okay, Freunde, wir hören wieder voneinander.« Er nahm seine Reisetasche, winkte uns zu und verschwand durch die schmale Sperre. Ich zündete mir eine Zigarette an, blies den Rauch zu Boden und schaute ihm nachdenklich hinterher.
Suko begann leise zu lachen. »Was ist los mit dir, John? Du kommst mir so entgeistigt vor.«
Ich hob die Schultern. »Das bin ich nicht gerade, aber ich habe nachgedacht. In der letzten Zeit hat sich einiges geändert. Wir haben Mandra befreien und die meisten Großen Alten vernichten können. Bleibt noch das große Problem Jane Collins.«
»Du sagst es.«
»Ewig wird sie sich auf den Würfel nicht verlassen können. Das muss irgendwann mal schiefgehen. Lass nur mal den Spuk so richtig zuschlagen, dann ist alles vorbei.«
»Bis dahin müssen wir eine Lösung gefunden haben. Denk an das Kunstherz, John.«
Ich stäubte die Asche in einem Standaschenbecher ab. »Na ja, so überzeugt bin ich davon nicht. Aber lassen wir das. Schauen wir lieber nach, wie die Maschine startet. Ich bin erst beruhigt, wenn sie in den Wolken verschwunden ist.«
Wir gingen zu der großen Panoramascheibe, die ihren Anfang an der Decke genommen hatte und mit dem Ende bis zum Boden reichte. Durch die Scheibe fiel unser Blick auf das Rollfeld. Der Asphalt glänzte regennass. Es herrschte ein dunstiges Wetter in London. Zum Glück hatte sich der Nebel der letzten Tage verflüchtigt, sodass auch der Flugbetrieb wieder aufgenommen werden konnte.
Die Maschine rollte bereits der Startbahn entgegen. Ihre Positionsleuchten waren wie auf- und zuklappende Augen, die eine rote Füllung besaßen. Mandra Korab sahen wir natürlich nicht. Vielleicht hatte er auch keinen Fensterplatz bekommen.
Er würde nach Indien fliegen, wir blieben zurück im nasskalten London, und ich dachte daran, dass wir in einigen Tagen Weihnachten hatten und ich noch immer ohne ein Geschenk dastand. Wenigstens für Glenda wollte ich eine Kleinigkeit besorgen. Shao sollte ebenfalls etwas bekommen. Suko und ich schenkten uns unser gegenseitiges Vertrauen.
Das war auch schon etwas.
Zudem war mir dieser Weihnachtsrummel zuwider. Alles drehte sich nur um das Geschäft. Nichts war mehr wie früher, als die Menschen noch über den wahren Sinn des Weihnachtsfestes nachdachten.
Ich wäre gern über die Feiertage weggefahren. Als ich den Conollys diesen Vorschlag unterbreitete, war der Prostest groß gewesen. Sheila wollte nicht mehr mit mir sprechen, und auch Bill zog ein langes Gesicht.
»Mit wem soll ich denn dann einen zur Brust nehmen?«, hatte er gefragt.
Ich beugte mich der Mehrheit, zumal ich noch der Patenonkel des kleinen Johnny war.
»Träumst du?« Sukos Stimme unterbrach meine Gedanken. Mit dem Zeigefinger stieß mich mein Freund an.
»Ja«, erwiderte ich. »Von Weihnachten.«
Der Inspektor lachte. »Denke nur nicht, dass ich dir etwas schenke.«
»Da ich deinen Geiz kenne, rechne ich erst gar nicht damit. Mir geht es um etwas anderes.«
»Ja, ich weiß. Um die Feier bei den Conollys. Da bekommst du sowieso ein Geschenk, wie ich mir habe sagen lassen.«
»Und was?«
»Soll ich dir nicht …«
»Mensch, sei kein Frosch. Verrate das schon.«
»Es ist ein Scheck von Bill. Ausgestellt für UNICEF. Du sollst ihn einem Vertreter der Organisation überreichen. Der Spender selbst will im Hintergrund bleiben.«
Davon hatte ich nichts gewusst. Deshalb war ich auch so überrascht. »Ehrlich?«
»Ja«.«
Ich lachte. »Dann feiere ich gern Weihnachten.«
Das Thema war beendet. Wir verfolgten, wie die Maschine allmählich in die Höhe stieg. Sie glitt in die Dunstwolken hinein. Wir sahen noch einmal ihren silbrigen Rumpf aufblitzen, dann war sie unseren Blicken entschwunden.
»Das hätten wir also«, meinte mein Freund und wandte sich zum Ausgang.
Ich blieb noch stehen.
»Was ist los?«, fragte Suko.
»Ich überlege die ganze Zeit über, ob ich nicht jetzt schon die paar Geschenke kaufe.«
Mein Freund grinste von Ohrläppchen zu Ohrläppchen. »Die Idee ist ausgezeichnet, wirklich. Da mache ich mit.«
»Und dem Alten erzählen wir, uns hätte ein Verkehrsstau aufgehalten.«
Begeistert nickte Suko. Wir beide freuten uns wie die Kinder. Rasch durchquerten wir die Halle und traten ins Freie.
Dort erwartete uns der Nieselregen. Ich stellte den Kragen meines Burberry hoch, damit mir das Wasser nicht in den Nacken lief. Bis zum Parkplatz mussten wir einige Schritte laufen.
Zahlreiche Menschen kamen uns entgegen. Die meisten schleppten Koffer, denn die große Winter-Reisezeit hatte längst begonnen. Viele Menschen flohen vor dem feuchtkalten Wetter in den Süden oder flogen auch in den Schnee, wo sie einen Ski-Urlaub verbrachten. Wenn ich an meinen Urlaub dachte, den ich noch zu bekommen hatte, wurde mir ganz anders. Deshalb hatte ich beschlossen, mich zwischen den Jahren einige Tage zu erholen. Ich wollte gammeln, lesen, ins Kino gehen oder mal am Nachmittag im Pub ein Bier trinken.
Ich wollte alles machen, mich nur nicht mit irgendwelchen Dämonen herumschlagen.
In der letzten Zeit war zu viel geschehen, und die Ereignisse hatten an meinen Nerven gezerrt.
Wir erreichten den Silbergrauen, über dessen Karosserie eine Schicht aus Feuchtigkeit und Tropfen lag. Sie gab dem Bentley ein nahezu trauriges Aussehen.
»Beeil dich mal«, sagte Suko. Er deutete schräg auf die Scheibe. Jetzt sah auch ich, dass die Blinklampe am Telefon aufflackerte.
»Wer will denn da was von uns?«
»Heb ab.«
Zuerst schloss ich auf, entriegelte auch Sukos Tür und nahm den Hörer. Ich kam nicht dazu, meinen Namen zu sagen, denn unser gemeinsamer Chef, Sir James, stöhnte: »Endlich erreiche ich Sie.«
»Sie wussten doch, Sir …«
»Ja, ja, schon gut …«
Der alte Knabe hatte mal wieder miese Laune. Ich warf Suko einen bezeichnenden Blick zu, und mein Freund verzog das Gesicht, als müsste er Essigwasser trinken.
»Worum geht es, Sir?«
»Sie sind wahrscheinlich noch am Airport, nicht wahr?«
»In der Tat.«
»Dann bleiben Sie auch dort.«
Ich war überrascht. »Wieso denn das?«
»In gut einer Stunde wird Ihr Freund Mallmann aus Frankfurt eintreffen.«
Ich lachte auf. »Möchte er uns über Weihnachten einen Besuch abstatten?«
»Nein, der Besuch gilt nicht dem Weihnachtsfest. Er ist rein dienstlich. Machen Sie sich auf einen neuen Fall gefasst.«
»Und worum geht es da, Sir?«
»Das wird Ihnen Kommissar Mallmann selbst sagen. Sie kommen am besten sofort nach der Landung in mein Büro.«
Da hatten wir den Salat.
Suko grinste schief. »War wohl nichts mit deinen Weihnachtsgeschenken, oder?«
»Mit deinen auch nicht«, gab ich bissig zurück.
»Ich habe...




