Dark John Sinclair - Folge 0265
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-8387-3024-0
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Des Satans Tätowierer
E-Book, Deutsch, Band 265, 64 Seiten
Reihe: John Sinclair
ISBN: 978-3-8387-3024-0
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1980 - 1989!
Des Satans Tätowierer.
Atlantis lebte!
Das wussten wir, das wussten andere, daran war nichts zu ändern. Sein Erbe existierte im Verborgenen, es lauerte auf einen günstigen Zeitpunkt und streckte immer dann seine Fühler aus, wenn es etwas zu erreichen glaubte.
Wir erlebten dies auf eine schaurige Art und Weise. Und wir bekamen unsere Grenzen gesteckt.
Doch nicht nur Suko und ich. Auch Myxin und Kara wurden von der schrecklichen Vergangenheit eingeholt ...
John Sinclair - der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit!
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Des Satans Tätowierer
Der Tritt sprengte mit ungeheurer Wucht die Tür aus dem Schloss, schleuderte sie zurück und schmetterte sie gegen die Wand, von der sie abprallte und von einem hochgestellten Fuß gestoppt wurde.
Graues Dämmerlicht sickerte in den Raum, wo ein Mann vom Boden her in die Höhe schoss, seine Decke zur Seite schleuderte und zu seinem Revolver griff.
Es waren Reflexbewegungen, hundertmal eingeübt und einstudiert. Die Waffe deutete auf das Ziel und damit auf einen breitschultrigen Mann, der auf der Schwelle stand.
Er war waffenlos!
Und er trug nur eine lange Hose und ein paar Schuhe. Ansonsten war sein Oberkörper nackt.
Der Mann mit der Waffe schoss nicht. Er wartete lauernd ab und stützte sein rechtes Handgelenk. Bisher hatte er keinen Mord auf seinem Konto stehen, und für die Raubüberfälle auf die beiden Banken würde man ihn nicht lebenslänglich einbuchten. Zudem glaubte er, dass der andere kein Polizist war, die Bullen traten nicht mit bloßem Oberkörper auf, sondern stürmten in ihrer Berufskleidung heran.
»Bleib ja stehen!«, zischte Zack Ival, »und rühr dich nicht vom Fleck. Ich habe hier einen Bullenkiller auf dich gerichtet. Eine Kugel haut dich für immer von den Beinen!«
Der Ankömmling rührte sich nicht. Er bewegte nicht einmal die Augenbrauen. Breitbeinig stand er da, starrte in das Zimmer hinein und schien ins Leere zu blicken.
Zack Ival huschte einen Schritt zur Seite. Dann bückte er sich und raffte mit der freien Hand den Plastiksack in die Höhe. Das war seine wichtigste Beute, sie sollte ihm für die nächste Zeit ein sorgenfreies Leben verschaffen. 78.000 Pfund waren schließlich nicht zu verachten. Trotz dieser Bewegung hatte er den Eindringling nicht aus den Augen gelassen. Die Mündung zielte nach wie vor auf die nackte Brust, und als Ival genauer hinschaute, glaubte er in deren Mitte einen seltsamen Fleck zu erkennen.
Er dachte nicht weiter darüber nach. Wichtiger war seine Flucht, denn er hatte nicht damit gerechnet, dass man das Versteck so rasch entdecken würde.
Zack Ival gelang es, den Beutel an seinem Griffende um das Handgelenk zu wickeln. So hatte er einen sicheren Halt, und er bewegte blitzschnell die Waffe.
»Los, geh zur Seite!«
Der andere rührte sich nicht.
»Weg von der Tür, verdammt!«
Jetzt erst gehorchte der Eindringling. Er wandte sich nach rechts, musste dann stehen bleiben und sich umdrehen.
»Ich mache es jetzt wie die Bullen!«, flüsterte Zack Ival. »Einen Schritt zurück, die Arme hoch, und dann kannst du dich fallen lassen. Stütz dich an der Wand ab.
Der Mann gehorchte. Überhaupt tat er alles, was ihm Zack Ival befahl. Bei dem Bankräuber verschwand allmählich die Angst. Er schalt seinen ungebetenen Besucher sogar innerlich einen Trottel. Wie kam der Typ überhaupt auf die Idee, einfach in dieses Versteck einzudringen? Vielleicht suchte er selbst eins.
Als Zack daran dachte, begann er zu kichern. Ja, so musste es sein. Danach bewegte er sich mit schleichenden Schritten auf den Rücken des Mannes zu.
In die Augen des Bankräubers trat ein kaltes Leuchten. Was jetzt kam, musste sein. Daran führte kein Weg vorbei. Einen Schritt hinter dem Mann stoppte er und bedeutete ihm noch einmal, sich nicht zu rühren. »Was jetzt folgt, wird wahrscheinlich weh tun, Meister, aber du hast es dir selbst zuzuschreiben!«
Während dieser Worte noch hatte er seinen rechten Arm angehoben, um mit dem Waffenlauf zuzuschlagen. Er wollte den anderen ins Reich der Träume schicken.
Der Hieb kam.
Sogar ein pfeifendes Geräusch war zu vernehmen. Danach erfolgte ein dumpfer Schlag, als hätte jemand mit der Hand in eine weiche Knetmasse geschlagen.
Zack Ival sprang zurück. Er wollte sehen, wie der andere kippte. Und er bekam große Augen, als das nicht geschah.
Der Kerl mit dem blanken Oberkörper blieb stehen. Trotz des fürchterlichen Treffers.
Zack Ivals Gesicht verzerrte sich. Unglaube stahl sich in seine Augen. Er schüttelte den Kopf, als hätte er den Treffer abbekommen. Das war doch nicht möglich, das durfte es nicht geben, konnte einfach nicht wahr sein.
Ival war durcheinander. Der Kerl vor ihm stand wie ein Baum. Vorgebeugt, die Hände gegen die Wand gelehnt, er fiel einfach nicht um.
Zack überlegte, ob er einen zweiten Versuch wagen sollte. Es gab ja Typen, die konnten unheimlich viel einstecken, und bevor der Gedanke noch richtig Gestalt angenommen hatte, warf sich der Mann schon vor und hämmerte zu.
Diesmal von der Seite.
Wieder traf er genau.
Abermals hatte er das Gefühl, gegen eine Wand aus Gummi geschlagen zu haben. Der Typ wurde zwar durchgeschüttelt, er fiel jedoch nicht von den Beinen.
Zack hätte vor Wut heulen können. Er stierte auf den Waffenlauf, in seinem Kopf überschlugen sich die Gedanken, und plötzlich wurde ihm klar, dass er es bei dem Typen nicht mit einem normalen Menschen zu tun haben konnte.
Das war ein Roboter oder ein ähnliches Geschöpf. Man hörte und las ja schon so viel von einer Robot-Generation. Vielleicht hatte er hier einen Spezi vor sich.
Der Bankräuber hatte angenommen, sich den Eindringling vom Hals schaffen zu können. Nun war der umgekehrte Fall eingetreten. Ival war der Verlierer, der Geschockte.
Und er wollte weg!
Plötzlich zitterten seine Knie. Er merkte es, als er sich zurückzog. Auch die Hand mit der Waffe blieb nicht mehr ruhig. Ival empfand es als ein Wunder, dass sich der Schuss noch nicht gelöst hatte, wo er doch so bebte.
Er ging auf die Tür zu.
Der andere stand weiterhin an der Wand, ohne sich zu rühren. Seine vorgestreckten Hände schienen mit ihr verwachsen zu sein. Wie es aussah, würde ihn niemand da wegkriegen.
Selbst mit einer Kugel nicht.
Roboter konnte man damit nicht umlegen.
Kaum hatte Zack den Raum verlassen, als er sich über die verbarrikadierten Türen ärgerte. Bei seiner Ankunft hatte er das Versteck noch als ideal empfunden, nun kam er sich vor wie in einer Rattenfalle sitzend. Er musste den gleichen Weg zurück, den er auch gekommen war.
Über das Dach.
Das lag zwei Etagen höher. Es war ein Flachdach. Eine rostige Feuerleiter führte von seiner Kante an der Nordseite bis zu einem alten Schuppen hinunter, den Ivy springend erreichen konnte.
Er hastete durch das Treppenhaus. Überall zeigte sich der Verfall. Auf den Stufen, an den Wänden, die Decke war mit Rissen und Spalten übersät, Mauerwerk lag herum und bildete Stolperfallen. In wenigen Wochen wollten die Abrisskommandos kommen. Das Haus war einmal besetzt gewesen. Polizei hatte es räumen müssen.
In der letzten Etage stolperte er fast über das Becken einer Toilette. Man hatte es aus einer kleinen Kammer herausgeschleudert, wie auch das runde Handwaschbecken.
Noch ein Treppenabsatz.
Zack Ival keuchte. Er warf manchmal einen Blick zurück, doch der andere verfolgte ihn nicht.
Das war gut.
Er sah das Dach. Und gleichzeitig auch die Leiter, die bis zu der offenen Luke reichte. Man hatte die Decke kurzerhand mit einer Hacke eingeschlagen und somit eine Öffnung hergestellt.
Die Leiter hielt das Gewicht. Mit einer Hand nur konnte sich der Bankräuber festhalten, da er mit der anderen die wertvolle Beute an seinen Körper klemmte.
Hauptsache, sie erwischten ihn nicht. Wenn er das hier hinter sich hatte, konnte er aufs Land fliehen und sich in irgendeiner Hütte für eine Woche verstecken.
Sein Kopf stieß durch die Öffnung. Er schaute erst gar nicht in die Runde. Nur weg aus diesem verdammten Haus, wo ihm seiner Ansicht nach das Grauen begegnet war.
Dann kletterte er über den Rand, warf sich erschöpft zu Boden, blieb für einen Moment liegen, und stützte sich erst dann hoch.
Gleichzeitig hob er auch den Kopf.
Zack Ival sah die beiden Säulen schräg vor sich.
Zuerst glaubte er wenigstens an Säulen, bis er sie als die Beine eines Mannes identifizierte. Sein Blick wanderte höher, er sah einen nackten Oberkörper und auch ein Gesicht, das er sich noch vor Minuten genau angeschaut hatte.
Ein Eissplitter schien sich in seine Brust zu bohren. Der Mann vor ihm war derselbe wie aus dem Zimmer!
*
Wahnsinn, irre, verrückt!
Diese Begriffe schossen durch Zack Ivals Kopf. Das konnte nicht möglich sein. Er hatte bewusst auf Verfolger geachtet und keine gesehen. Und jetzt stand er vor ihm.
Spuk? Eine Geistererscheinung, Halluzination?
Ival konnte es nicht sagen. Er dachte auch nicht mehr an seinen Revolver, sondern bewegte sich zur Seite, um von diesem schrecklichen Kerl wegzukriechen.
Der ließ Zack in Ruhe.
Der Typ stand breitbeinig wie eine Gestalt, die in schlimmer Kälte eingefroren war. Nichts rührte sich bei ihm, nur der Wind spielte mit dem Stoff der Hosenbeine.
Jedenfalls machte der andere keinerlei Anstalten, Zack Ival anzugreifen, und das empfand der Bankräuber als günstig. Über die näheren Umstände wollte er erst gar nicht nachdenken. Gründe hätte er sowieso nicht benennen können, er nahm die Gestalt einfach hin und kroch vorsichtig zur Seite.
Auf dem Dach war es dunkel. Der Widerschein hoher Industrieleuchten reichte nicht einmal mit seinen Ausläufern bis an dieses Gebäude, sodass dieses Hausdach wie eine düstere Insel wirkte.
Zack Ival kam weg. Er selbst verursachte kaum ein Geräusch, dafür der Plastiksack mit der Beute, als er über das Dach schleifte. Der Bankräuber beobachtete die Gestalt mit dem nackten Oberkörper aus den Augenwinkeln.
Noch immer stand sie auf dem Fleck. Sie ähnelte tatsächlich dem...




