Dark John Sinclair - Folge 0155
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-8387-2914-5
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Die Teufelsuhr
E-Book, Deutsch, Band 155, 64 Seiten
Reihe: John Sinclair
ISBN: 978-3-8387-2914-5
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1980 - 1989!
Die Teufelsuhr.
In zahlreichen Legenden und Sagen wird berichtet, dass der Teufel in der Hölle lebt. Dem kann man zustimmen oder auch nicht. Ich jedenfalls bin der Meinung, dass der Teufel überall lauert. Er sucht sich Verstecke und schlägt zu, wenn der Zeitpunkt günstig ist. Diese Erfahrung musste ich machen, als mich ein Fall, der so harmlos begann, nach Wales führte. Denn dort lernte ich eine neue Variante der Hölle kennen. Da haust der Teufel in einer alten Uhr!
John Sinclair - der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit!
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Als das erste Kind verschwand, ahnte noch niemand etwas Böses. Die Leute im Dorf waren zwar irritiert, die Eltern der Kleinen am Boden zerstört, aber man beruhigte sich nach einigen Wochen wieder.
Dann verschwanden die beiden nächsten Kinder. Ein Geschwisterpaar. Und plötzlich war die Hölle los.
Jeder verdächtigte jeden. Man schaute sich schief an, die Polizei ermittelte in den Wohnungen, durchsuchte die Häuser, aber sie fand nichts.
Nicht die geringste Spur war von den drei verschwundenen Kindern zu entdecken.
Aus dem fernen London reisten sogar Beamte von Scotland Yard an. Spezialisten, wie der Bürgermeister den aufgeschreckten Bewohnern versicherte.
Aber auch die Yard-Beamten waren machtlos. Sie fanden trotz intensiver Suche nicht heraus, wo die drei Kinder geblieben waren. Das Dorf Miltonburry, es lag eingebettet zwischen sanft gerundeten Hügeln, schien plötzlich ineinanderzuwachsen, als würde ein Fluch auf den ziegelroten Wänden und Hausdächern liegen.
Kein Kind lief mehr allein über die Straßen und Gassen. Die Eltern brachten ihre Sprößlinge in die Zwergschule und holten sie auch wieder ab.
Die Angst lauerte überall.
Menschen aus den Nachbarorten mieden Miltonburry. Abends, beim Schein der Petroleumlampen, berichteten sie ihren Freunden und Nachbarn, was in Miltonburry so alles vor sich gegangen war. Dass man dort nicht mehr hinfahren konnte.
Aus den Erzählungen wurden Gerüchte, aus den Gerüchten Übertreibungen und irgendjemand kam plötzlich damit heraus, dass die Kinder ja nicht so ohne Grund verschwunden wären. Hier müsse ein anderer seine Hand im Spiel haben.
»Ein anderer?«, wurde er gefragt.
»Ja, der Teufel!«
Jetzt war es heraus. In Windeseile verbreitete sich das Gerücht. Man hatte ja in den alten Geschichten gelesen, dass der Teufel die Kinder mitnehmen würde. Und so war es sicherlich auch in Miltonburry gewesen.
Jetzt wurde nicht nur der Ort gemieden, sondern auch dessen Bewohner. Niemand, der nicht aus Miltonburry stammte, kaufte von den Bauern oder Handwerkern etwas ab, man wollte mit den Verfluchten nichts zu tun haben.
In Miltonburry breitete sich ebenfalls die Angst aus. Ein kleines Wirtschaftsgefüge brach zusammen. Die Bauern blieben auf ihren Waren sitzen, sie konnten die Waren wegwerfen, weil ihnen keiner mehr etwas abnahm. Sogar bis zur nächsten Stadt hatte sich das Gerücht herumgesprochen, und die Einwohner aus Miltonburry trafen hier ebenfalls auf taube Ohren.
Der Bürgermeister rief eine Krisensitzung zusammen. Vier vertrauenswürdige Personen hatte er dazu auserwählt.
Den Pfarrer, den Lehrer, den Apotheker und den Dorfpolizisten. Alle, die sich im Wohnzimmer des Bürgermeisters bei geschlossenen Vorhängen versammelt hatten, waren sich einig, dass etwas geschehen musste. Über dem Ort lag ein Schatten, ein Fluch, und der musste von ihm genommen werden.
Aber wie?
Die Männer diskutierten hin und her. Sie kamen zu keinem Ergebnis. Sie kauten das noch mal durch, was auch die Beamten von Scotland Yard vorgemacht hatten.
Es nutzte nichts.
Niemand wusste, wie es weitergehen sollte.
»Sie sagen, dass die Kinder dem Teufel geweiht wären«, meinte der Pfarrer und nickte gedankenschwer. »Ich glaube nicht daran, denn wir haben nichts gefunden.«
Der Polizist schaute auf. »Und wer sollte so etwas Schreckliches tun?«
Der Pfarrer hob die Schultern. »Was weiß ich? Aber ich habe mir meine Gedanken gemacht.«
»Raus damit«, forderte der Bürgermeister und nahm einen Schluck von dem dunklen Bier.
»Aber es muss unter uns bleiben.«
»Natürlich, Herr Pfarrer. Wir sind doch keine Klatschweiber.«
»Ich bin von folgender Grundüberlegung ausgegangen«, begann der Geistliche. »Wer den Teufel liebt oder anbetet, der kommt nicht in die Kirche. Der würde Angst haben, sie überhaupt zu betreten. Er schafft es einfach nicht, einen Fuß über die Schwelle des Gotteshauses zu setzen. Habe ich recht?«
»Ja«, stimmte der Bürgermeister zu, und die anderen drei Männer nickten.
»Ich habe also immer nachgezählt und aufgeschrieben, wer in die Kirche gekommen ist«, redete der Pfarrer weiter. »Ihr seid fast immer dagewesen, andere im Dorf auch, aber einen, den habe ich nie in meinem Gotteshaus gesehen.«
Nach diesen Worten entstand eine Pause, die der Pfarrer erst wirken ließ. Er sah die gespannten Blicke der vier Männer auf sich gerichtet und merkte auch, wie nervös die Leute geworden waren.
Der Apotheker rutschte unruhig auf seinem Stuhl hin und her. Der Polizist kaute an seinen Schnurrbartenden, der Lehrer blinzelte mit den Augen, und der Bürgermeister trank hastig sein Glas leer. Als er es aufsetzte, war seine Geduld am Ende. »Sagen Sie endlich, wen Sie meinen, Herr Pfarrer.«
»Rick Holloway!«
Jetzt war es heraus. Der Pfarrer hoffte nur, dass die Männer genügend Courage haben würden, den Namen für sich zu behalten.
»Der alte Holloway?«, flüsterte der Bürgermeister.
»Ja, der.«
»Aber der verkauft doch nur Plunder. Alte Möbel und irgendwelchen Dreck …«
»Ich habe ihn nie in der Kirche gesehen«, hielt der Pfarrer entgegen. »Das kann viele Gründe haben, die völlig harmlos sind, oder aber einen bestimmten.«
Die Männer schauten sich an. Nicht nur einem lief ein kalter Schauer über den Rücken, und das Licht der Petroleumlampe ließ ihre Gesichter zum Teil im Halbdunklen, sodass sie einen fratzenhaften Charakter annahmen.
Im Ofen knackte das Holz, als es von den Flammen zerrissen wurde. Irgendwo in den Dachsparren verfing sich der Nachtwind und blies dort seine klagende Melodie.
»Rick Holloway«, murmelte der Bürgermeister. »Wer hätte das gedacht.«
»Noch ist nichts bewiesen!«, rief der Pfarrer schnell, dem diese Antwort nicht passte, weil sie die Gedanken der Männer in eine Richtung trieb, die der Pfarrer nicht wollte. »Ich habe es nur als eine Möglichkeit angedeutet.«
»Was wissen wir eigentlich von ihm?«, fragte der Apotheker, der bisher am schweigsamsten gewesen war.
»Ja, was wissen wir von ihm?«, wiederholte der Bürgermeister. »Soviel wie nichts.«
Die Männer schauten sich an. Ratlose Gesichter. Schulterzucken. Bis der Bürgermeister das Wort ergriff. Irgendwie fühlte er sich dazu verpflichtet.
»Er ist nicht in Miltonburry geboren«, sagte er. »Vor zehn Jahren ist er hergezogen. Er kam mit einem alten Wagen und hat sein Geschäft eröffnet.« Der Bürgermeister wies auf den Lehrer. »Sie müssten es doch am besten wissen. Sie wohnen schließlich nur drei Häuser weiter.«
»Ich habe mich um ihn nie gekümmert. Er lebt allein, hat keine Frau, keine Kinder …«
Bei dem letzten Wort stockte er und senkte den Kopf.
»Wie dem auch sei«, sagte der Pfarrer. »Ich bin dafür, dass wir ihn genau beobachten. Vielleicht fällt uns etwas an ihm auf. Kann ja sein, dass er sich verdächtig macht.«
Die anderen Männer waren ebenfalls der Meinung.
Mit diesem Ergebnis lösten sie ihre Zusammenkunft auf und gingen nach Hause.
Ihren Frauen erzählten sie wirklich nichts, und der Pfarrer betete in der Kirche für die verschwundenen Kinder.
Rick Holloway ahnte von alledem nichts. Aber die Männer waren immer in seiner Nähe. Auch nachts.
So verging der Winter.
Und eines Tages, kurz vor dem Osterfest, entdeckte der Lehrer im Stall des Mannes einen alten Karton. Holloway hatte ihn erst einen Tag zuvor dorthin gestellt.
Der Lehrer öffnete den Karton und wurde steif vor Entsetzen. Zusammengeknüllt lag dort Kinderkleidung. Es waren genau die Sachen, die die drei verschwundenen Kinder getragen hatten …
*
Irgendetwas braute sich gegen ihn zusammen. Das fühlte Rick Holloway, da war er sogar sicher. Er überlegte fieberhaft, was er unternehmen sollte.
Flucht?
Das kam infrage, aber wenn er floh, dann machte er sich erst recht verdächtig. Also im Dorf bleiben und alle Spuren verwischen. Was natürlich schwer sein würde. Aber er wollte es vor Ostern noch geschafft haben. Nur musste er zusehen, dass er irgendwie aus dem Haus kam, ohne dass man ihn bemerkte.
Sein Laden lag zwar für den Verkauf günstig, direkt an der Hauptstraße, aber hier konnte man ihn auch immer gleich sehen, was natürlich schlecht war.
An diesem Tag waren nur zwei Kunden in seinen Laden gekommen. Ältere Frauen, die irgendeinen Kram kauften. Nähgarn und Knöpfe. Davon konnte man nicht reich werden. Aber er wollte Geld.
Geld und Gold!
Und dafür tat er alles. Den Anfang hatte er gemacht. Als sich der Teufel ihm offenbarte, hatte er nicht eine Sekunde gezögert, sich auf den Pakt einzulassen.
Seelen sollte er ihm besorgen.
Seelen von jungen Menschen. Erst dann konnte der Satan sich wieder frei entfalten, denn er war eingesperrt in ein teuflisches Uhrwerk aus Silber und konnte nicht heraus.
Der Teufel in einer Uhr!
Das wollte Holloway nicht glauben. Bestimmt war es nicht der Teufel, sondern nur ein anderer Dämon. Aber das wollte er noch herausbekommen.
»Einen recht schönen Abend wünsche ich nicht, Mr. Holloway! Als der Kaufmann die Stimme hörte, zuckte er zusammen und wandte sich hastig um.
Der Pfarrer überquerte die Straße und lüftete höflich seinen dunklen Hut.
Holloway grinste. Er nickte nur und schaute dem Pfarrer nach. Auch einer von diesen Heuchlern, dachte er. Aber ein gefährlicher, das erkannte Holloway auch an.
Hastig schloss er die Tür und verzog sich wieder in seinen Laden, wo alles übereinander stand oder lag. Die dunklen Holzregale an den Wänden quollen fast über....




