Dark John Sinclair - Folge 0103
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-8387-2857-5
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Asmodinas Todesengel
E-Book, Deutsch, Band 103, 64 Seiten
Reihe: John Sinclair
ISBN: 978-3-8387-2857-5
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1980 - 1989!
Asmodinas Todesengel.
Den Schwarzen Tod gibt es nicht mehr!
In einem nervenaufreibenden Kampf hat John Sinclair mit seinen Verbündeten den Herrscher der Finsternis besiegt.
Wie wird sich Asmodina, seine Nachfolgerin, verhalten? John Sinclair weiß es nicht. Er befürchtet aber, dass sie mit ihren Dämonenarmeen ebenso Angst und Schrecken verbreiten wird wie ihr mächtiger Vorgänger.
Da treffen die Gegner aufeinander ...
John Sinclair - der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung.
Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit!
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Man hatte ihn und seinen Meister entführt. Plötzlich waren sie aus dem grauen Himmel gekommen. Frauen mit großen, schwarzen Flügeln, brandroten Haaren und starken magischen Kräften. Myxin, sein Meister, hatte vergeblich versucht, sich gegen die anderen zu wehren.
Sie entführten ihn in eine Welt, die er noch nie gesehen hatte. Und dann kam er in ein Verlies, nachdem man Myxin von ihm getrennt hatte.
Da lag er nun. Angekettet.
Goran, der Riesenvampir, konnte nicht einmal seine Flügel ausbreiten, dazu war das Verlies zu klein. Ein Kettenring umschloss dicht unter seinem Gebiss den dürren Hals, zwei andere seine Füße. Wenn er sich bewegte, klirrten die einzelnen Glieder aneinander.
So wartete er auf den Tod!
Sie hatten angekündigt, ihn zu pfählen. Wahrscheinlich sollte sogar Asmodina kommen und diese Aufgabe selbst übernehmen. Sie war jetzt, wo es den Schwarzen Tod nicht mehr gab, die große Herrin im Reich der Finsternis.
Sie verbreitete nun Angst und Schrecken, und ganze Armeen von Dämonen hörten auf ihr Kommando.
Ihre persönlichen Leibwächter waren diese Todesengel mit den roten Haaren.
Halb Mensch – halb Bestie, eine grausame Mischung. Und eine tödliche. Goran hatte sie kämpfen sehen, sie waren stärker als er, sie hatten ihn auch am rechten Flügel verletzt, als er einen Fluchtversuch wagte.
Goran horchte auf.
Er hatte Stimmen vernommen.
Frauenstimmen …
Jetzt kamen sie!
Wieder riss Goran an seinen Ketten. Er schaffte es nicht, sie zu lösen. Sie waren zu fest in der dicken Wand verankert. Resigniert sank der Vampir wieder zusammen. Er sah keine Chance mehr. Er wusste nicht einmal, wo er sich befand, aber sein Tod war beschlossene Sache.
Goran dachte zurück an den Kampf der Vampire gegen die Skelette des Schwarzen Todes. In seinem Reich hatten viele Vampire ihr Leben lassen müssen. Sie waren gestorben unter der Sense des Dämons.1 Er war dort einfach zu stark. Auch Myxin und er wären dem Tod nicht entronnen, doch da kamen zwei Todesengel und entführten beide in diese unbekannte Dimension.
Warum?
Weshalb hatte man ihn und Myxin nicht vernichtet? Es wäre doch so einfach gewesen.
Die Gedanken des Blutsaugers wurden unterbrochen, als die beiden Todesengel das Verlies betraten.
Von draußen her fiel ein violetter Lichtschein in das Gefängnis, sodass der Vampir die beiden Dämoninnen erkennen konnte.
Sie hatten sich nicht verändert, trugen noch immer ihre Lederkleidung. Sie bestand aus einem knappen Oberteil, das die üppigen Brüste bedeckte, und aus einer engen Hose. Zwischen Oberteil und Hose schimmerte eine rötlich weiße Haut.
Zu beiden Seiten der Tür blieben sie stehen. Unentwegt starrten sie Goran an.
Dann fragte die linke: »Hast du Angst, Blutsauger?«
Goran schwieg.
Natürlich hatte er Angst, aber das brauchte er den Todesengeln nicht zu sagen.
Sie kamen näher.
Und jetzt sah der Vampir auch die beiden Eichenpfähle in ihren rechten Händen.
Es wurde ernst …
Goran wich zurück. Diesen Spielraum ließen ihm die Ketten. Er konnte soweit gehen, bis er die raue Wand des Kerkers in seinem Rücken spürte.
Er fauchte. Weit öffnete er sein Maul. Die spitzen Eckzähne blitzen. In den kleinen Augen jedoch nistete die Angst.
Einen Schritt vor dem Vampir blieben die Todesengel stehen.
»Hast du Angst?«
»Ja!«, fauchte Goran.
Die weiblichen Monster lachten. Sie hoben die Arme. Die Spitzen der Pfähle zitterten vor den Augen des Vampirs, senkten sich dann und zielten auf seine Brust.
Gorans Fratze schien zu erstarren. Die Angst vor der Vernichtung stand in seinen grausamen Zügen zu lesen. Doch die Todesengel stießen nicht zu.
Sie gingen wieder zurück.
Was sollte das? Goran wunderte sich. Er sollte doch sterben, hatte schon mit seinem untoten Leben abgeschlossen, und nun zögerte man. Wollte man ihn quälen, unnötig demüten?
Eine der Frauen trat vor und schloss seine Ketten auf. Das Eisen am Hals fiel, dann die beiden Ringe, die die Fußgelenke umklammert hielten.
Goran war frei.
Die Todesengel traten zurück.
Der Vampir begriff nicht. »Was soll das?«, ächzte er. »Warum vernichtet ihr mich nicht?«
»Weil Asmodina Gnade vor Recht hat ergehen lassen. Sei ihr dankbar, nur ihr. Und beweise ihr auch deine Dankbarkeit.«
»Was soll ich machen?«
»Du wirst deine Freiheit zurückerhalten und einem Mann einen Besuch abstatten.«
»Welchem Mann?«
»Das werden wir dir noch alles sagen!«
Goran nickte. Er war bereit, alles zu tun, nur damit man ihm die Freiheit gab.
Er würde jeden verraten.
Auch seinen Meister …
Sie führten ihn durch eine nebelhafte Welt, in der es keine Sonne gab.
Und dann erklärten sie ihm ihren Plan …
*
Peter Ball war dreißig Jahre alt, und er lebte nach der Maxime »nur nichts anbrennen lassen«.
Das besonders bei den Damen. Und immer waren es Ladys aus der High Society, die einem Abenteuer durchaus nicht abgeneigt waren. Vor allen Dingen, wenn dies mit einem Mann geschah, der einen so aufregenden Beruf hatte.
Peter war Fluglehrer.
Und fliegen wollten viele. Vor allen Dingen Frauen, die das langweilige Leben satt hatten und von ihren Männern kaum etwas sahen, weil diese immer unterwegs waren.
So kam Peter ganz gut über die Runden.
Zudem sah er noch gut aus, war weltgewandt, konnte sich fantastisch unterhalten, und das wussten natürlich die Frauen zu honorieren.
Sein Lehrflugzeug war eine zweimotorige Maschine, die er sich selbst gekauft hatte. An diesem Abend allerdings flog er allein. Und er war sauer, denn er wollte vor dem Dunkelwerden noch in London sein, weil dort jemand auf ihn wartete. Dieser Jemand hatte lange blonde Haare und besaß in der City einen gut florierenden Frisiersalon. Peter hatte sie kennengelernt, als er sich die Haare schneiden ließ. Ein paar Blicke genügten, dann kümmerte sich die Chefin persönlich um ihn. Und sie schnitt ihm nicht nur die Haare.
Für den Abend wollten sie in Kultur machen und zu einer Opernpremiere gehen.
Die würde nun ins Wasser fallen, weil Peter sich verspätet hatte. Seine Schülerin, eine Lady aus der Grafschaft Kent, hatte ihn nicht eher gehen lassen und seine Dienste noch mit einem saftigen Trinkgeld vergoldet.
»Man hat’s schon schwer«, murmelte Peter, bevor er zum zehnten Mal versuchte, London-Tower zu erreichen.
Endlich bekam er Antwort.
»Hier X 25-3«, sagte er und gab seine Position durch. »Erbitte Anflug auf Bahn acht.«
Bahn acht lag auf einem Nebenfeld, wo die kleinen Privatmaschinen landeten.
Er bekam eine positive Antwort.
»Roger«, bestätigte Peter und unterbrach die Verbindung. Das klappte ausgezeichnet. Zudem kannte man ihn auf dem London-Airport. Er hatte dort viele Freunde und schon manche Party gegeben, über die man lange sprach.
Längst brannten die Positionsleuchten an der Cessna. Vom Westen her kam die Dämmerung. Graue, lange Schatten, die wie riesige Ungeheuer über den Himmel krochen.
Peter flog direkt in die Schatten hinein. Locker und entspannt saß er auf seinem Pilotensitz und beobachtete die Instrumente. Sie arbeiteten einwandfrei. Der matte grüne Schein im Cockpit wirkte beruhigend.
Achthundert Fuß Höhe, keine Wolken. Rechts von ihm, also aus Norden kommend, näherte sich eine Passagiermaschine. Sie hatte Vorrang. Peter hoffte, kurz nach ihr landen zu können.
Wieder dachte er an seine Freundin. Hoffentlich konnte er sie dazu überreden, mit ihm essen zu gehen, wo doch der Opernbesuch ins Wasser fiel.
Peter beschäftigte sich nur mit Problemen, die das Leben schrieb.
An den Tod dachte er nicht, hatte er noch nie gedacht, und er ahnte auch nicht, wie nahe ihm der Tod bereits war.
Denn Goran war unterwegs.
Und der Vampir lechzte nach Blut.
Er kam mit der Dämmerung, verschwand im Grau des Himmels, wurde kaum gesehen, aber er sah.
Unter anderem die einsam fliegende Cessna.
Und den Piloten.
Er sollte sein Opfer sein.
Man hatte ihn aus einer grausamen Welt entlassen, um eine Botschaft zu überbringen, doch niemand hatte ihm gesagt, dass er seinem ureigensten Trieb nicht nachgehen durfte.
Der Sucht nach Menschenblut.
Von all diesen Gedanken ahnte Peter Ball nichts. Er dachte an die nahe Zukunft, während er die Instrumente beobachtete, die zu seiner vollsten Zufriedenheit arbeiteten.
Tief unter ihm verschwand der Boden im Grau der Dämmerung. Die Sicht war ziemlich klar, und Peter sah weit im Westen einen hellen Schein am dunkler werdenden Himmel.
Da lag London, die Millionenstadt, sein Ziel.
Die Passagiermaschine, die seinen Kurs für kurze Zeit begleitet hatte, war längst verschwunden. Ruhig liefen die Motoren. Die Schnauze der Cessna senkte sich langsam dem Erdboden zu. Peter wollte in den Sinkflug gehen, um dann zu landen.
Goran war schon hinter ihm.
Der Vampir hatte seine gewaltigen Schwingen ausgebreitet, das Maul aufgerissen und die Zähne gefletscht. Die Gier leuchtete in seinen kleinen Augen, vor sich sah er das Leitwerk der Maschine, sah die Positionsleuchten und flog jetzt schneller.
Es war erstaunlich, dass der Vampir die Geschwindigkeit der Maschine halten konnte, seine Flugeigenschaften waren ausgezeichnet, und als er sich über dem Pilotencockpit befand, blieb er mit der Cessna auf gleichem Kurs.
Jetzt hatte der Pilot nur noch ein paar Minuten zu leben. Der Tod schwebte in seiner unmittelbaren Nähe, und Peter Ball war...




