Dark | John Sinclair - Folge 0080 | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 80, 64 Seiten

Reihe: John Sinclair

Dark John Sinclair - Folge 0080

Augen des Grauens
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-8387-2834-6
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Augen des Grauens

E-Book, Deutsch, Band 80, 64 Seiten

Reihe: John Sinclair

ISBN: 978-3-8387-2834-6
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1980 - 1989! Augen des Grauens. Wir wussten längst, dass wir auf der Abschussliste der Dämonen ganz oben standen. Dafür hatten wir ihnen zu viele Niederlagen beigebracht. Fortwährend suchten sie nach neuen Tricks, um uns zu erledigen. Und sie fanden wieder eine Schwachstelle. Sheila Conolly. Auf raffinierte Weise wurde sie entführt. Aber ihr Mann Bill gab nicht auf. Er suchte und fand sie. Doch Sheila waren die Augen des Grauens zum Verhängnis geworden. Sie war erblindet ... John Sinclair - der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit!

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Clark Benson wollte sich umbringen!

Seine kräftigen Finger umspannten die Henkersschlinge. Sie bestand aus bestem Hanf und war dreifach geknotet. Benson hatte die Schlinge so vor sein Gesicht erhoben, dass er hindurchschauen konnte und sein Blick auf das Stahlgerüst der Hungerford Railway Bridge fiel.

Die Brücke sollte sein Todesplatz werden.

Und nichts würde ihn mehr davon abhalten, sich umzubringen. Er musste dem Befehl gehorchen.

Langsam ging er weiter. Seine Füße knickten das Gras des gepflegten Parks, der die Royal Festival Hall am oberen Themseknick umgab. Durch den Park führte die Eisenbahnlinie zur Waterloo Station, aber dieser große Bahnhof lag in Bensons Rücken. Er interessierte ihn auch nicht, für ihn war die Brücke wichtig.

Sie lag zwischen der Westminster Bridge und der Waterloo Bridge und war längst nicht so berühmt wie ihre beiden Schwestern. Es kam auch daher, dass über die Brücke kein Autoverkehr führte. Nur Eisenbahnen rollten von einem Stadtteil in den anderen.

Das Gelände stieg leicht an.

Clark Benson musste eine Böschung hochklettern und stand nach wenigen Minuten schwer atmend auf dem Bahndamm.

In der Kühle der Nacht schimmerten die Schienen feucht. Von der Oberfläche des Flusses stiegen immer Nebel hoch, dampften schlierengleich der Brücke entgegen und legten sich als feuchter Film auf die Gleiskörper.

Auf den Schwellen schritt Clark Benson weiter.

Er hatte keine Angst, dass ihn ein fahrender Zug von den Schienen fegen würde, um diese Zeit – es war drei Uhr morgens – ruhte der Verkehr nahezu. Benson brauchte sich um eine exakte Durchführung seines Vorhabens keine Sorge zu machen.

Vor ihm wuchs das hohe Stahlgerüst in den dunklen Nachthimmel. Die handgroßen Nietenköpfe blinkten im fahlen Mondlicht, und unter dem einsamen Selbstmörder gurgelte das Wasser der Themse.

Es sah schwarz aus.

Kein Schiff durchschnitt die Wellen, kein Vergnügungsdampfer fuhr mehr, und kein Container wurde abgeschleppt.

London holte Atem für einen neuen Tag.

Unbeirrt ging Clark Benson weiter. Seine Schritte klangen monoton. Zielsicher traf er jedes Mal eine Schwelle. Es war ein gleichmäßiges Gehen, und der Atem des Mannes stand als Nebelwolke vor seinen Lippen.

Vier Gleisstränge führten über die Brücke. Der Geruch von Öl, Nässe und fauligem Wasser stieg Clark Benson in die Nase. Hoch oben auf dem Stahlgerüst hockten zahlreiche Möwen. Auch ihr Schreien war verstummt. Die Vögel schliefen.

Clark Benson schaute nach vorn. Ein Drittel der Brückenlänge lag hinter ihm. Er konnte bis zum Trafalgar Square schauen und sah dort die bunten Lichter. Sie erloschen nie.

Doch um Benson herum herrschte eine bedrückende Stille. Manchmal hatte er das Gefühl, dass die Schienen singen oder summen würden, aber das war wohl nur eine Einbildung, ebenso wie das Summen der gewaltigen Stahlträger.

Das Henkersseil war ziemlich lang. Clark Benson hatte es sorgfältig zusammengelegt und über seine Schulter geworfen. Das Gewicht drückte schwer, doch der Selbstmordkandidat spürte nichts.

Unbeirrt ging er seinen Weg. Sprang von Schwelle zu Schwelle, wobei seine Füße kein einziges Mal den Schotter berührten.

Er blieb stehen.

Clark Benson hatte jetzt die Mitte der Brücke erreicht und befand sich neben dem Pfeiler, den er sich als Standpunkt für seinen Selbstmord ausgesucht hatte.

Benson verließ den Bahnkörper und trat direkt an das Eisengitter heran, wobei er seine Hände auf den Handlauf legte. Er schaute nach Norden.

Der Fluss wirkte wie ein gewaltiges, dunkles, gekrümmtes Band, das ein Häusermeer durchschnitt, in dem Millionen Menschen lebten.

Menschen!

Bitter lachte Benson auf. Sie waren ihm seit zwei Tagen gleichgültig. Seit er die Augen gesehen und erlebt hatte, war er in deren Bann geraten.

Die Augen!

Er hatte sich in den Pupillen gesehen. Sein Schicksal war darin vorgezeichnet, wie er von der Brücke sprang, wie er am Strick hing, wie sich sein Gesicht verzerrte und das Leben aus dem Körper strömte.

Doch er konnte nichts ändern!

Sein Tod war eine beschlossene Sache. Die Augen hatten es ihm vorgeschrieben.

Er musste gehorchen!

Schräg wuchs neben ihm der Stahlträger nach oben. Schon in Kopfhöhe begann die erste Querstrebe, wiederum durch dicke Nieten mit dem Träger verbunden.

Clark Benson überlegte, ob er am Träger hochklettern sollte, doch er entschied sich für die einfachere Möglichkeit. Gelassen, wie ein Mensch, der sich an seine tägliche Arbeit macht, ließ er sein Seil von der Schulter rutschen und rollte es auf.

Als er das andere Ende in der Hand hielt, drehte er es um das Geländer der Brücke, machte einen Dreifachknoten und prüfte durch Zurren die Festigkeit.

Er nickte zufrieden.

Der Knoten würde halten …

Dann bückte er sich und nahm die Schlinge. Das Seil war durch die Feuchtigkeit klamm geworden, doch das störte ihn nicht.

Clark Benson streifte sich die Schlinge über den Kopf. Sie passte genau, er hatte es schon zu Hause ausprobiert.

Das klamme Seil scheuerte am Hals, die Fasern waren aufgeraut, und die Haut begann sehr schnell zu jucken. Clark Benson prüfte noch einmal den Sitz des Knotens und stieg dann auf das handbreite Geländer der Brücke.

Es war schwierig, die Balance zu halten, doch der Selbstmordkandidat pendelte sein Gleichgewicht gut mit den Armen aus.

Ein letztes Mal schaute er über den Fluss. Doch der breite Strom verschwamm sehr schnell vor seinen Augen und machte einem Gesicht Platz, dessen Anblick, bei Benson Selbstmordgedanken auslöste.

Das Gesicht war uralt, aber es hatte so etwas Zwingendes an sich, strahlte solch eine Autorität aus, dass Clark Benson gar nicht anders konnte, als zu gehorchen.

Vor allen Dingen waren es die Augen, die ihm den stummen Befehl gaben.

>Spring!< forderten sie.

»Ja!«, hauchte Clark Benson. »Ja, ich werde springen! Ich komme, ich folge dem Ruf!«

Der Mann knickte leicht in den Knien ein und stieß sich dann kraftvoll ab.

Den Bruchteil einer Sekunde schwebte er in der Waagerechten, dann folgte er den Gesetzen der Erdanziehung und fiel nach unten.

Das auf der Brücke liegende Seil rollte sich auf, rutschte über das Geländer, erzeugte dabei ein sirrendes Geräusch und straffte sich.

Clark Benson spürte noch den ungeheuren Ruck – und dann nichts mehr.

Wenig später schwang sein lebloser Körper etwa zwei Yards über dem Wasser der Themse …

*

Und doch gab es Boote, die auch noch nachts unterwegs waren.

Zu ihnen gehörte das Polizeiboot >Flying Dutchman<. Es war ein kleines Patrouillenboot mit nur zwei Mann Besatzung. Die Wasserpolizisten hatten vor allen Dingen die Aufgabe, in Ufernähe Schiffe zu kontrollieren, die ihnen verdächtig vorkamen. Obwohl der Kahn nur eine geringe Größe besaß, war er doch mit zahlreichen technischen Raffinessen ausgerüstet. Dazu gehörte Radar, eine Maschinenpistole als Bewaffnung, mehrere winzige Kojen, Telefon und Funk. Eingebaut in die Kajüte war eine kleine Sanitätsstation.

Das Patrouillengebiet umfasste die Strecke zwischen der Vauxhall und Tower Bridge. Sie fuhren die Runde mehrmals in der Nacht. Zuerst von der Vauxhall Bridge am rechten Ufer hoch, um dann am Tower zu drehen und die gleiche Strecke nur seitenverkehrt zurückzufahren.

Immer das Gleiche.

Aber der Dienst wurde nie eintönig. Zuviel ereignete sich in diesem Gebiet. Die Polizisten waren schon Dieben, Schmugglern und Dealern auf die Spur gekommen, und manches Mal hatte es einen heißen Kampf gegeben.

Doch diese Nacht versprach ruhig zu werden.

An den feuchten Uferstreifen hatte sich der Nebel verdichtet und war dabei, langsam aber sicher den Fluss zu überqueren. Lautlos glitten die trägen Schwaden über das gurgelnde Wasser.

Längst hatten die beiden Polizisten ihre Nachtsichtgeräte in Betrieb. Larry Holder hielt sein Glas gegen die Augen gepresst, während sein Kollege Burt Portobello das Steuer umfasste.

»Diese Nacht kommt mir ungeheuer lang vor«, murrte der jüngere Larry Holder.

Portobello lachte. Er war ein alter Fuchs und schon über zwanzig Jahre im Polizeidienst. »Die Nacht ist nicht länger als alle anderen auch«, erwiderte er, und ein Lächeln zuckte um seine Mundwinkel. »Sie kommt dir nur so vor, weil du dich morgen verloben willst.«

Larry wurde noch rot, und sein älterer Kollege schlug ihm auf die Schulter.

»Lass gut sein, Larry, ich war auch mal jung. Da habe ich ebenso gedacht wie du. Aber jetzt?«

»Meine zukünftige Frau wird sich nie an den Nachtdienst gewöhnen«, sagte Larry.

Burt Portobello winkte ab. »Wenn ihr verheiratet seid, denkt sie anders darüber. Außerdem braucht ihr die Zulage. Für mich ist das Geld nicht mehr so wichtig, doch wenn man jung ist, braucht man die Moneten eben. Das war früher so, und das wird auch nie anders sein. Durchbeißen, mein Junge. Auch durch die Ehe.« Portobello strich über seinen Kugelbauch. »Mir haben die Jahre mit meiner Claudia ganz gut getan.«

Larry grinste. »Vor allen Dingen die Spaghettis.«

»Und wie«, antwortete Burt, der Nudelfan.

Sie näherten sich inzwischen der Waterloo Bridge. Burt Portobello steuerte das Boot mehr auf die Strommitte zu, da jetzt einige flache Inseln auftauchten, die dem Ufer vorgelagert waren.

Dahinter begann die breite Uferstraße, Victoria Embankment genannt. Hin und wieder rauschten Wagen über die Fahrbahnen. Durch den Ufernebel wirkten die hellen Scheinwerfer wie zerfaserte Augen. Den Polizisten kam es vor,...



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