Dark | John Sinclair - Folge 0053 | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 53, 64 Seiten

Reihe: John Sinclair

Dark John Sinclair - Folge 0053

Die Geisterhand
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-8387-2807-0
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Die Geisterhand

E-Book, Deutsch, Band 53, 64 Seiten

Reihe: John Sinclair

ISBN: 978-3-8387-2807-0
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1978 - 1979! Die Geisterhand. Sein Spiel verzauberte Tausende! Sie nannten ihn den Meister am Piano oder den Mann mit den Goldenen Händen. Wenn er spielte, vergaßen seine Zuhörer die Welt und ließen sich gefangen nehmen von einem Rausch an Klängen und Melodien. Antonio Scaramanga! Dieser Name ließ die Musikwelt aufhorchen. Doch niemand ahnte, dass seine Genialität nicht angeboren war. Er hatte sie gekauft, vom Satan ... John Sinclair - der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit!

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Allmählich wurde es dunkler. Es war wie im Kino, kurz vor dem Film. Spannung und Nervenfieber hatten den kleinen Kreis der Auserwählten ergriffen. Denn sie warteten auf ihn – auf den Meister.

Dunkelheit.

Stille.

Nur hier und da ein unterdrücktes Hüsteln, ein schwerer Atemzug. Der kleine Theaterraum war bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Luft war schlecht. Zu wenig Sauerstoff, dafür Parfümwolken, die unsichtbar unter der stuckverzierten Decke schwebten.

In den vorderen Reihen war es ein wenig kühler. Hin und wieder fächerte dort ein Luftzug vorbei.

Im Orchestergraben stand niemand. Denn derjenige, der heute auftrat, brauchte keine untermalende Begleitung. Er war Künstler genug.

Künstler? Nein, seine Anhänger bezeichneten ihn als Genie, als absoluten Top-Star, als jemand, dem niemand zuvor das Wasser reichen konnte.

Der schwarze Vorhang war mehr zu ahnen als zu sehen. Wenn an ihm der Luftzug vorbeistrich, bewegten sich die Stoffwellen wie bei einem Meer.

Der Meister ließ sich Zeit.

Die Spannung wuchs.

Flüstern. Dann eine zischende Stimme: »Ruhe! Sie verderben ja alles!«

Das Flüstern verstummte.

Wann endlich trat der Meister auf?

Da! Der Vorhang raschelte. Deutlich war es zu hören. Dann fuhren die beiden Hälften auseinander.

Zwei Punktstrahler durchschnitten die Dunkelheit. Ihr Ziel befand sich auf der Bühne und riss zwei in weißen Handschuhen steckende Hände aus der tintigen Schwärze.

Zehn Finger!

Finger, die sich bewegten, die kreisten, zeigten, aufforderten, und die dem Willen eines dämonischen Befehlshabers folgten.

Die Hände glitten in die Höhe, die Spotlights folgten, begleiteten sie, ließen sie nicht einen Augenblick los und machten das Spiel der Finger zu einer wahrhaft faszinierenden Schau.

Zwei Hände!

Teufelshände? Normale Hände? Hände eines Genies – oder alles zusammen …?

Ein Tusch!

Laut hallte er durch das kleine Theater. Die Zuschauer zuckten zusammen.

Lichterflut. Urplötzlich, übergangslos. Sie riss die Bühne aus der anonymen Schwärze, fast explosionsartig und schockierend.

Im Mittelpunkt stand der Meister.

Strahlend, lächelnd, sich seines Sieges und der Ovationen jetzt schon bewusst.

Beifall brandete auf. Die Zuschauer sprangen hoch, klatschten und trampelten mit den Füßen. Beifall und Trampeln steigerte sich zu einem wahren Orkan, der gegen die Decke des kleinen Theaters stieg.

Der Meister wusste, dass er gern gehört wurde. Sein Name war weltbekannt. Er war es, der die Herzen der Musikliebhaber hatte höher schlagen lassen. Ein Meister auf dem Klavier, ein Tasten-Virtuose, der Mann mit den Wunderhänden.

So hatte man ihn genannt.

Ihn – Antonio Scaramanga!

In Siegerpose stellte er sich auf und ließ den Beifall an sich vorüberrauschen. Die Arme hatte er hochgestreckt und die Hände über seinem Kopf zusammengelegt. Ein strahlendes Siegerlächeln zeichnete sein asketisch schmales Gesicht, doch die Augen erreichte das Lächeln nicht. Sie blieben kalt, wie dunkle Murmeln, die ihm jemand in die Augenhöhlen gesetzt hatte.

Doch das bemerkte keiner der Anwesenden. Denn die, die gekommen waren, glaubten an ihn. Sie wollten ihn sehen und spielen hören. Sie waren ihm hörig.

Der Dämon am Flügel, so hatte ihn einmal eine Zeitung genannt. Und das war nicht übertrieben, denn wenn er spielte, drang seine Musik in die Seelen der Menschen ein und verzauberte sie.

Schon als Kind erhielt er den Beinamen ›der Wunderknabe‹. Das Klavierspielen war ihm mit in die Wiege gelegt worden. Er brauchte keinen Lehrer, er setzte sich hin und spielte.

Er gab Konzerte in allen Hauptstädten Europas. Als Zwanzigjähriger erlebte er den Ausbruch des Krieges mit und verschwand in der Versenkung.

Niemand wusste, wo er geblieben war. Nach dem Krieg tauchte er hier und dort wieder auf. Aber er trat nie mehr in öffentlichen Konzerten auf. Wenn er sich an den Flügel setzte, dann sammelte er einen kleinen Kreis Zuhörer um sich und berauschte sie mit seiner Musik.

Antonio Scaramanga war da und verschwand ebenso rasch.

Keiner wusste, wo er wohnte. Bis auf einen ständigen Begleiter hatte er keinen Freund.

Sein Diener, Leibwächter und Sekretär war ein Türke, taub von Geburt an und dem Meister absolut ergeben. Er begleitete ihn auf jedem Konzert.

Langsam verebbte der Beifall.

Der Meister trat zurück und gab ein Zeichen. Der große Lichtkreis wanderte weiter, bis er auf einem schwarzglänzenden Flügel hängenblieb.

Der Deckel war hochgeklappt. Ein Stab hielt ihn aufrecht. Das Licht wurde von dem glänzenden schwarzen Lack des Flügels reflektiert. Die weißen Tasten leuchteten wie Knochenfinger.

Antonio Scaramanga trat auf den kleinen Drehhocker zu. Geschickt warf er die langen Frackschöße zurück und nahm Platz. Sekundenlang blieb er in seiner leicht gebückten Haltung sitzen, und seine Finger in den weißen Handschuhen schwebten über der Klaviatur. So wie er da saß, wirkte er wie ein Kurzstreckenläufer am Start. Das weiße Gesicht mit dem scharfen Raubvogelprofil gab ihm eine ungeheuer männliche Note. Die Lippen waren zusammengepresst. Hart und eckig sprang das Kinn vor.

Ein letzter Atemzug, dann fielen die Hände nach unten.

Antonio Scaramanga begann zu spielen …

*

Ted Kronos bezeichnete sich selbst als Menschenjäger.

Er nahm jeden Job an. Wollte ein Gangsterboß einen unliebsamen Konkurrenten aus dem Weg haben, wandte er sich an Kronos. Brauchte eine Versicherung Informationen, die nur auf einem illegalen Weg beschafft werden konnten, bekam Kronos den Job. Und suchte irgendein obskurer Geheimdienst einen Mietkiller, der keine Fragen stellte, wurde Kronos. gerufen.

Sein Vater war Grieche, die Mutter Schottin. Er wuchs in Athen und Glasgow auf, doch inzwischen war sein Arbeitsgebiet die ganze Welt geworden.

Und nun war er hinter Scaramanga her.

Im Auftrag eines Multimillionärs suchte er den Klavierspieler. Sein Klient gab Scaramanga die Schuld am Tode seiner Tochter und hatte Kronos angewiesen, Beweise und Scaramanga selbst zu beschaffen.

Hunderttausend Dollar sollte der Job bringen.

Die Hälfte war bereits überwiesen.

Kronos hatte Scaramangas Spur gefunden. In einem kleinen Privattheater im Londoner Stadtteil Soho trat er an diesem Abend auf. Kronos wollte die Gelegenheit nutzen, um in die Garderobe des Meisters einzudringen. Sicherlich bewahrte er dort belastendes Material auf. Falls er keins fand, würde er sich an Scaramanga persönlich halten. Seine Methoden waren international bekannt. Um Aussagen von jemandem zu bekommen, kannte Kronos keine Skrupel.

Bewaffnet war er mit einem Colt Ruger und einem Stilett.

Das Theater lag in einer Seitenstraße, in der Nähe der Kingsly Street.

Der Stuckfassade nach schien es aus der Jahrhundertwende zu stammen. Über eine Mauer musste Kronos klettern, um in den schmalen Hinterhof zu gelangen.

Dort presste er sich an die Wand und blieb erst einmal stehen.

Es war dunkel. Nicht einmal eine Laterne brannte, und Kronos wartete, bis sich seine Augen an die Finsternis gewöhnt hatten.

Er war ein knochiger Typ mit leicht hervorquellenden Augen und einem eckigen Gesicht. Das Haar trug er links gescheitelt. Es fiel halb über die Ohren.

Bekleidet war er mit einem Jackett und einer engsitzenden Cordhose. Vor der Hintertür blieb er stehen, holte seine Punktleuchte hervor und besah sich das Schloss.

Ein geringschätziges Lächeln flog über sein Gesicht, als er erkannte, wie einfach es sein würde, das Schloss zu knacken. Mit einem Griff hatte er das hierzu erforderliche Werkzeug gefunden, ließ einen schmalen Stab teleskopartig ausfahren und werkelte einige Sekunden lang im Türschloss herum.

Es schnappte auf.

Kronos nickte befriedigt und drückte die Tür nach innen auf. Das war geschafft.

Der Killer hatte sich vorher genau über den Grundriss des kleinen Theaters informiert. Es machte ihm deshalb nichts aus, plötzlich in einem stockfinsteren Gang zu stehen. Er wusste genau, wo er langging.

Kronos ließ hin und wieder seine kleine Lampe aufblitzen, erreichte eine Treppe und schlich auf Zehenspitzen die Stufen hoch. Er glaubte, die Klaviermusik zu hören. Aber das konnte auch Einbildung sein. Er konzentrierte sich auf die Geräusche um ihn herum.

Still war es nicht.

Überall knackte und raschelte es. Das alte Haus lebte, das Holz arbeitete. Es bewegte sich, wie die Stufen unter den Füßen des sich anschleichenden Killers.

Die Garderoben lagen in der ersten Etage des Theaters. Winzige Räume, kalt und feucht.

Man brauchte keinen Wert mehr auf Image zu legen. Wer hier gastierte, der hatte sowieso kaum eine Chance, einmal nach ganz oben zu kommen.

Es wurde viel Experimentiertheater gespielt. Für bestimmte Gruppen von Zuschauern, die so etwas toll fanden.

Umso erstaunlicher war es, dass Antonio Scaramanga in diesem Theater auftrat.

Dafür musste es keinen Grund geben.

Und Ted Kronos war entschlossen, ihn herauszufinden. Außerdem lockten noch weitere Fünfzigtausend. Und die waren nicht zu verachten. Er erreichte die erste Etage.

Der Lampenschein huschte für einen Moment an der Wand entlang, und Kronos sah einen Pfeil, der in Richtung Bühne wies. Er schlug den entgegengesetzten Weg ein.

Dorthin, wo die Garderoben lagen.

Die Mauer des Ganges war nicht mehr neu verputzt worden. Das alte Zeug war abgeblättert und lag auf dem Boden herum. Es knirschte, wenn Kronos darüber schritt.

Er war sicher, dass man ihn...



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