Daniel | Der Nacht den Schrecken nehmen | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 168 Seiten

Daniel Der Nacht den Schrecken nehmen

Albträume verstehen und bewältigen
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-8436-0426-0
Verlag: Patmos Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Albträume verstehen und bewältigen

E-Book, Deutsch, 168 Seiten

ISBN: 978-3-8436-0426-0
Verlag: Patmos Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Albträume können erheblich belasten. Wer durch sie geweckt wird, kann nicht mehr einschlafen und liegt häufig lange wach. Doch Albträume beeinträchtigen nicht nur den Schlaf, sondern mitunter auch den folgenden Tag und rufen Ängste, Gereiztheit oder depressive Stimmungen hervor. Was hilft, vom nächtlichen Spuk weniger gequält zu werden? Die Botschaft der Albträume zu verstehen, ist ein erster Schritt zur Entlastung. Denn die nächtlichen Bilder können als drängende Anfragen aus der Tiefe der Seele verstanden werden. Die erfahrene Psychotherapeutin Renate Daniel zeigt: Wenn es gelingt, passende Antworten zu finden, kann der Schrecken der Nacht bewältigt werden. Oftmals eröffnen sich dann auch neue Perspektiven für den Alltag.

Dr. Renate Daniel, Fachärztin für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychoanalyse, Lehranalytikerin am C. G. Jung-Institut in Zürich, ist seit über 15 Jahren als Psychotherapeutin in eigener Praxis tätig. Autorin von 'Nur Mut! Die Kunst, schwierige Situationen zu meistern' (Patmos 2011).
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1. Was sind Träume? Von Wachwelten, Schlaf- und Traumwelten


»Einen Traum kann man nicht bauen, ein Traum baut sich.«3 Mit dieser Aussage weist Friedrich Weinreb auf ein zentrales Merkmal von Träumen hin. Träume sind nämlich unserem Willen entzogen. Unabhängig davon, ob wir Träume schätzen oder es bevorzugen, von ihnen verschont zu bleiben – wir haben es nicht in der Hand, ob sie kommen. Sie tauchen auf, wann sie wollen, und erzählen, was sie wollen.

Wachwelt und Schlafwelt


Wachen und Schlafen sind qualitativ völlig verschiedenartige Welten in unserem Ich-Erleben. Im Wachzustand hat unser Ich Zugang zu einem reflexiven Bewusstsein und verfügt über gewisse Entscheidungs- und Handlungsräume. Diese erlauben uns, das Leben willentlich und mehr oder weniger aktiv zu gestalten. Doch unser Wille versagt bereits an der Schwelle zum Schlaf. Wer unbedingt schnell einschlafen will, um am nächsten Tag besonders gut ausgeruht zu sein, liegt häufig lange wach. Wer krampfhaft zu schlafen versucht, wälzt sich nicht selten angespannt und unruhig von der einen auf die andere Seite.

Schlafen können wir erst, wenn wir loslassen, wenn wir zulassen, dass unser Ich ins Unbewusste eintaucht. Das setzt voraus, dass unser Ich auf Kontrolle verzichtet. Menschen, die aus welchen Gründen auch immer Angst haben, die Kontrolle über ihr Leben zu verlieren, haben oft Mühe mit dem Einschlafen. Im Grunde ist eine solche Angst vor Kontrollverlust plausibel, denn im Schlaf sind wir schutzlos und ausgeliefert. Gefahr droht zunächst einmal von der Außenwelt. Deutlich wird das an der Situation von Tieren, die in der freien Wildnis schlafen. Ihr Schlafverhalten muss sich am Feind orientieren. Ohne Feinde lässt es sich prinzipiell zu jeder Zeit und überall sorglos schlafen. Doch das ist in der Natur nur wenigen Tieren vergönnt. Die meisten Tiere haben Feinde und benötigen entweder einen sicheren Schlafplatz oder müssen in der Lage sein, rasch zu erwachen, um sich verteidigen oder flüchten zu können. Solange das gewährleistet ist, kann eine Art überleben.

In der frühen Menschheitsgeschichte waren die Menschen wohl in einer vergleichbaren Situation. Die Natur war bedrohlich und dies ganz besonders während des Schlafs. Sobald wir schlafen, können wir unsere Umwelt nicht mehr sinnlich wahrnehmen. Wir hören oder sehen nicht, wenn sich uns ein Mensch oder ein Tier in feindlicher Absicht nähert. Wir riechen nicht, wenn gefährliche Dämpfe unsere Atemluft vergiften. Auch eine bedrohliche Kälte spüren wir nicht unbedingt. Deshalb erfrieren noch heute obdachlose Menschen in eiskalten Nächten. Im Schlaf sind sie vor den tiefen Temperaturen nicht ausreichend geschützt. Die Menschheit wäre wahrscheinlich schon längst ausgestorben, wenn es ihr nicht gelungen wäre, für den Zustand des Schlafes spezifische Schutzvorkehrungen zu treffen. Manche Historiker gehen davon aus, dass für größere Menschengruppen ein langer tiefer Schlaf erst möglich wurde, als die Städte durch Stadtmauern und Nachtwächter genügend abgesichert waren.

Bis heute benötigen wir einen solchen sicheren Ort, um ohne Angst vor Übergriffen schlafen zu können. Selten machen wir uns bewusst, dass unser Schlafzimmer ein sicherer Ort ist, den in der Regel eine fremde Person nicht ungefragt betreten wird. Wer einmal von einem Einbrecher im Schlaf überrascht worden ist, weiß, wie lange es dauern kann, bis sich wieder das notwendige Geborgenheitsgefühl einstellt, ohne das an Schlaf nicht zu denken ist. Manche Menschen brauchen nach einem nächtlichen Überfall einen Wohnungswechsel, weil der Eindringling die Empfindung von Sicherheit in den eigenen vier Wänden völlig zerstört hat. Solche Erlebnisse lassen erahnen, wie schwer es ist, sich in Kriegsgebieten oder an Orten, die Naturkatastrophen ausgesetzt waren, schlafen zu legen. Das Vertrauen auf eine ungestörte Nachtruhe geht verloren, und es fällt schwer zu glauben, dass man wieder heil aufwachen wird.

Doch der schlafende Mensch ist nicht nur von außen bedroht. Das im 19. Jahrhundert von Johannes Brahms komponierte Wiegenlied »Guten Abend, gute Nacht« erinnert mit seinem Refrain »Morgen früh, wenn Gott will, wirst du wieder geweckt« die Menschen daran, dass es nicht in ihrer Hand liegt, ob sie wieder aufwachen werden. Gläubige Menschen, aber auch Atheisten wissen, dass die Kernbotschaft des Refrains stimmt: Es ist möglich, im Schlaf zu sterben, sei es, weil man einen Herzinfarkt erleidet oder weil die Organe aus anderen Gründen versagen. Im Schlaf kann man in den Tod hinübergleiten. In der Antike galten der Schlaf »Hypnos« und der sanfte Tod »Thanatos« als Brüder. Und diese prinzipielle Nähe zwischen Schlaf und Tod, ihre schicksalhafte Verbindung, greift das alte Wiegenlied auf. Doch es vergisst nicht, dem Kind einen seligen Schlaf mit süßen Träumen zu wünschen.

Schöne Träume sind eine gute Ausgangsbasis für einen friedlichen und erholsamen Schlaf. Hingegen können Albträume den Schlaf empfindlich stören. Ihre Bilder bedrohen uns von innen her. Nicht nur lebendige Einbrecher, die nachts in unsere Wohnung einsteigen, können uns in Panik versetzen, sondern auch die Räubergestalten in unseren Träumen. Die unmittelbaren körperlichen und seelischen Reaktionen bei einer solchen Gefahr in der Realität oder im Traum sind sehr ähnlich. Wer an Einbrecherbildern aufwacht, wird sich häufig ausgeliefert und schutzlos fühlen. Diese Gefühle sind ganz real, obwohl wir beim Aufwachen rasch erkennen, dass uns lediglich Traumräuber bedroht haben. Manchmal verleiten uns solche Traumräuber sogar zum Handeln: Wir kontrollieren, ob Fenster oder Türen wirklich gut verschlossen sind, damit wir die Gewissheit haben, dass tatsächlich niemand ungebeten bei uns eindringen kann. Allein die Gewissheit, dass es sich um einen Einbrechertraum handelt und die Einbrecher sich lediglich in unserem Kopf breitgemacht haben, reicht nicht immer aus, um uns wieder zu beruhigen.

Bewusstsein, Unbewusstes und Unbewusstsein


Unsere Erlebnisse im Schlaf nennen wir Traum. Doch diese Definition greift zu kurz und ist wenig präzise, denn im Wachzustand kennen wir etwas Ähnliches: den Tagtraum. Träumen ist also nicht auf den Schlaf beschränkt. Und wir bezeichnen jene Menschen als Träumer, die sich tagsüber gerne in ihre Phantasien versenken und von inneren Bildern forttragen lassen, anstatt sich der äußeren Realität zuzuwenden. Tagträumerei wird nicht immer gern gesehen. Speziell Eltern und Lehrer reagieren besorgt, wenn ein Schüler, eine Schülerin sich zu wenig auf die Anforderungen im Unterricht konzentriert, weil die Phantasiewelt ihn oder sie von den Aufgaben ablenkt und zum Trödeln verleitet. Was ist das Gemeinsame dieser Tagträume und der Träume der Nacht und was unterscheidet sie?

Der Antwort kommen wir ein Stück näher, wenn wir den Unterschied zwischen Bewusstsein und Unbewusstsein näher betrachten. Wenn Sie sich auf diese Zeilen konzentrieren, gelingt das nur, weil Sie wach und bewusst sind. Wachsein und Bewusstsein gehören also zusammen. Da Wachsein eine unabdingbare Voraussetzung für die hier gemeinte Bewusstheit ist, spricht man auch von Wachbewusstsein. Das Bewusstsein könnte man bildlich gesprochen mit einem Lampenlicht vergleichen. Im Wachen hat unser Ich sozusagen eine Lampe in der Hand und kann ihr Licht gezielt auf etwas richten. Das kann die Welt um uns herum sein, aber auch unser Körper oder unser Seelenleben. Bewusst ist all das, was im Lampenlicht sichtbar wird. Bewusstsein hat also mit Klarsicht und Erkenntnismöglichkeit zu tun. Dank dem Bewusstsein wissen wir, dass wir existieren. Wir wissen zudem, wer wir sind, wo wir sind, und können uns Datum und Uhrzeit vergegenwärtigen. Bewusstsein befähigt uns zu Orientierung in Zeit und Raum. Das Bewusstsein erlaubt uns weitere komplexe Fähigkeiten: Wir sind in der Lage, uns zu konzentrieren oder aufmerksam zu sein, logisch zu denken, Situationen zu beurteilen und überlegt zu handeln, um nur einiges zu nennen.

Doch die Bewusstseinslampe hat nur eine begrenzte Reichweite, sie kann nie alles ausleuchten, und deshalb bleiben grundsätzlich gewisse Areale im Dunkeln. Und diesen gesamten dunklen Bereich nennen wir in der Tiefenpsychologie das Unbewusste. Einige dieser dunklen Bereiche können wir relativ mühelos mit unserer Lampe erhellen. Wenn wir beispielsweise versuchen, uns zu erinnern, richten wir das Licht unserer Lampe aktiv auf unseren Gedächtnisspeicher, der im Unbewussten liegt. Sobald es uns beispielsweise gelingt, einen Namen zu erinnern, haben wir ihn ins Bewusstseinslicht geholt. Unsere Fähigkeit zur Erinnerung beweist, dass Erlebnisse oder Fakten, die uns in der Vergangenheit bewusst waren, ins Unbewusste hinabsinken und dort aufbewahrt werden. Vieles davon können wir wieder aktiv hochholen und uns vergegenwärtigen, anderes bleibt, selbst wenn wir uns anstrengen, im Dunkeln und kann nicht mehr explizit angeschaut werden.

Explizites Erinnern bezeichnet den bewussten Erinnerungsvorgang. Doch auch wenn wir eine Erfahrung nicht mehr explizit erinnern, also nicht mehr bewusst machen können, ist sie nicht gelöscht oder verschwunden. Sie bleibt aufbewahrt und ist wirksam über das sogenannte implizite Gedächtnis. Der Unterschied zwischen explizitem und implizitem Gedächtnis wird besonders deutlich an Menschen, die ihre Fähigkeit des expliziten Erinnerns verloren haben und nur noch implizit erinnern können. So hat der französische Neurologe Édouard Claparède 1911 von einer hirngeschädigten Patientin berichtet, die das jeweils aktuell Erlebte sofort vergaß. Jedes Mal, wenn er sie...


Dr. Renate Daniel, Fachärztin für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychoanalyse, Lehranalytikerin am C. G. Jung-Institut in Zürich, ist seit über 15 Jahren als Psychotherapeutin in eigener Praxis tätig. Autorin von "Nur Mut! Die Kunst, schwierige Situationen zu meistern" (Patmos 2011).



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