E-Book, Deutsch, Band 10, 0 Seiten
Reihe: Dirk Pitt
Cussler Die Ajima-Verschwörung
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-641-15209-3
Verlag: Blanvalet
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
Roman
E-Book, Deutsch, Band 10, 0 Seiten
Reihe: Dirk Pitt
ISBN: 978-3-641-15209-3
Verlag: Blanvalet
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
Seit er 1973 seinen ersten Helden Dirk Pitt erfand, ist jeder Roman von Clive Cussler ein »New York Times«-Bestseller. Auch auf der deutschen SPIEGEL-Bestsellerliste ist jeder seiner Romane vertreten. 1979 gründete er die reale NUMA, um das maritime Erbe durch die Entdeckung, Erforschung und Konservierung von Schiffswracks zu bewahren. Er lebte bis zu seinem Tod im Jahr 2020 in der Wüste von Arizona und in den Bergen Colorados.
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6. August 1945
Shemya Island, Alaska
Der Teufel hielt mit seiner Linken eine Bombe umklammert, mit der Rechten eine Mistgabel und grinste spitzbübisch. Er hätte vielleicht drohend gewirkt, wenn da nicht die hochgezogenen Brauen und die Schlitzaugen gewesen wären. Sie verliehen ihm eher das Aussehen eines verschlafenen Koboldes als die satanische Miene, die man vom Herrscher der Hölle erwartete. Doch er trug den gewohnten roten Umhang, die vorschriftsmäßigen knospenden Hörner und einen langen gezackten Schwanz. Die klauenförmigen Zehennägel krampften sich seltsamerweise um einen Goldbarren, auf dem ›24 Karat‹ geschrieben stand.
Die schwarzen Buchstaben oberhalb und unterhalb der Figur auf dem Rumpf des B-29 Bombers bildeten die Worte Dennings’ Demons.
Das Flugzeug, nach Kommandeur und Mannschaft benannt, hockte wie ein trauriges Gespenst in den Regenschauern, die vom Wind der Bering See südwärts über die Inseln der Aleuten getrieben wurden. Eine Batterie transportabler Scheinwerfer beleuchtete den Platz unter dem offenen Bauch des Flugzeugs und warf die zitternden Schatten der Bodenmannschaft auf den glitzernden Aluminiumrumpf. Kurze Blitze, die in regelmäßigen Abständen das Dunkel über dem Flugfeld durchbrachen, verstärkten die Unwirklichkeit der Szene.
Major Charles Dennings hatte sich gegen die Zwillingsreifen des Steuerbordfahrwerks gelehnt, die Hände tief in den Taschen seiner ledernen Fliegerjacke vergraben, und beobachtete das Treiben rund um sein Flugzeug. Das gesamte Gebiet wurde von bewaffneter Militärpolizei und K-9 Patrouillen überwacht. Eine kleine Kameramannschaft filmte das Ereignis. Leicht beklommen beobachtete er, wie die dicke Bombe vorsichtig in den umgebauten Bombenschacht der B-29 gehievt wurde. Sie war zu groß für die Bodenfreiheit des Bombers, deshalb musste sie von einer Grube aus an Bord genommen werden.
In den zwei Jahren, die er als einer der erfolgreichsten Bomberpiloten mit über vierzig Einsätzen in Europa verbracht hatte, hatte er niemals ein derartig hässliches Ding gesehen. Die Bombe kam ihm vor wie ein gigantischer, zu prall aufgeblasener Fußball, der an einem Ende mit völlig unsinnigen Flossen versehen war. Der runde Mantel der Bombe war hellgrau gestrichen, und die Klammern, die ihn in der Mitte zusammenhielten, erinnerten an einen riesigen Reißverschluss.
Dennings hatte vor dem Ding, das er fast dreitausend Meilen weit transportieren sollte, Angst. Am Nachmittag des vorangegangenen Tages hatten die Wissenschaftler vom Los Alamos-Projekt, die die Bombe auf dem Rollfeld zusammengebaut hatten, Dennings und seine Crew über die Waffe informiert. Den jungen Männern war ein Film der Trinity-Test-Detonation vorgeführt worden, und fassungslos hatten sie dagesessen und die fürchterliche Detonation dieser Waffe mit angesehen, die in der Lage war, eine ganze Stadt auszuradieren.
Er stand noch eine weitere halbe Stunde da, bis schließlich die Bombenklappen zuschwangen. Die Atombombe war scharf und gesichert, das Flugzeug aufgetankt und startklar.
Dennings liebte sein Flugzeug. In der Luft wurde er mit der großen, komplexen Maschine eins. Er war das Gehirn, sie der Körper. Am Boden war das etwas anderes. Wie sie so dastand, im Schein der Lampen, vom eisigen Regen gepeitscht, sah er in ihr, in diesem wunderschönen, geisterhaften silbernen Bomber, sein Grab.
Dennings schob den morbiden Gedanken beiseite und rannte durch den Regen auf eine Wellblechbaracke zu, in der die letzte Einsatzbesprechung mit seiner Mannschaft stattfinden sollte. Er trat ein und nahm neben Captain Irv Stanton, dem Bordschützen, einem gut gelaunten, rundgesichtigen Mann mit mächtigem Schnauzbart, Platz.
Stanton gegenüber lümmelte sich mit ausgestreckten Beinen Captain Mort Stromp, Dennings Copilot, ein ruhiger Südstaatler, der sich mit der Behändigkeit eines dreizehigen Faultiers bewegte. Unmittelbar dahinter saßen Lieutenant Joseph Arnold, der Navigator, und Navy Commander Hank Byrnes, der Waffenmeister, der während des Fluges für die Bombe verantwortlich sein würde.
Die Einsatzbesprechung fing damit an, dass ein Offizier des Geheimdienstes eine Tafel enthüllte, an die Luftaufnahmen der Zielgebiete gepinnt waren. Das erste und eigentliche Ziel war das Industriegebiet von Osaka; zweites Ziel, im Falle dichter Bewölkung, bildete die historisch bedeutende Stadt Kyoto. Man empfahl den direkten Anflug, und Stanton machte sich in aller Seelenruhe Notizen.
Ein Offizier des meteorologischen Dienstes zeigte Wetterkarten und prognostizierte leichten Gegenwind und aufgelockerte Bewölkung über den Zielgebieten. Er warnte Dennings auch vor Turbulenzen, die über Nordjapan zu erwarten seien. Um ganz sicherzugehen, waren eine Stunde zuvor zwei B-29-Bomber gestartet, um auf der Flugroute das Wetter und über den Zielen die Wolkendecke zu beobachten.
Dennings übernahm, als die dunkel getönten Schweißerbrillen ausgegeben wurden. »Ich will euch keine Märchen erzählen«, sagte er und sah das erleichterte Grinsen auf den Gesichtern seiner Männer. »Wir haben in einem Monat das Training eines Jahres absolviert, aber ich weiß, dass wir diesen Einsatz durchziehen können. Nach meiner unmaßgeblichen Meinung seid ihr die verdammt beste Bombermannschaft der Air Force. Wenn wir unsere Sache gut machen, könnten wir dadurch den Krieg beenden.«
Dann nickte er dem Kaplan der Flugbasis zu, der ein Gebet für einen sicheren und erfolgreichen Flug sprach.
Während die Männer nacheinander hinaus- und auf die wartende B-29 zugingen, trat General Harold Morrison auf Dennings zu. Morrison war der Adjutant von General Leslie Groves, dem Leiter des Manhattan-Projekts .
Einen Moment lang betrachtete Morrison Dennings prüfend. In die Augenwinkel des Piloten hatte sich Müdigkeit eingegraben, doch die Augen selbst glühten erwartungsvoll. Der General streckte die Hand aus. »Viel Glück, Major.«
»Danke, Sir. Wir werden den Job erledigen.«
»Daran zweifle ich keine Sekunde«, erwiderte Morrison, merklich um einen zuversichtlichen Ton bemüht. Er wartete auf eine Erwiderung, doch der Pilot schwieg.
Nach einem Moment des Zögerns fragte Dennings: »Wieso gerade wir, General?«
Morrisons Lächeln war kaum zu bemerken. »Wollen Sie kneifen?«
»Nein, meine Mannschaft und ich werden die Sache durchziehen. Aber wieso wir?«, wiederholte er. »Entschuldigen Sie meine Frage, Sir, aber ich kann nicht glauben, dass wir die einzige Flugzeugbesatzung der Air Force sind, der man zutrauen kann, eine Atombombe quer über den Pazifik zu befördern, mitten in Japan abzuladen, um danach mit kaum mehr als ein paar Tropfen Benzin in den Tanks auf Okinawa zu landen.«
»Am besten ist, Sie wissen nur das, was man Ihnen gesagt hat.«
»Damit wir keine Geheimnisse verraten können, wenn wir gefasst und gefoltert werden?«, erkundigte sich Dennings unbewegt.
Der General sah ihn unwirsch an. »Ihre Mannschaft und Sie wissen Bescheid. Jeder hat eine Todeskapsel mit Zyanid erhalten.«
»Mund auf und runter damit, falls einer von uns den Absturz über feindlichem Territorium überleben sollte«, rezitierte Dennings kalt. »Warum nicht einfach die Bombe über dem Meer abwerfen? Dann hätten wir zumindest eine Chance, von der Navy aufgefischt zu werden.«
Morrison schüttelte ernst den Kopf. »Allein die Möglichkeit, dass die Waffe in feindliche Hände fallen könnte, ist ganz und gar undenkbar.«
»Verstehe«, murmelte Dennings. »Dann bestünde die einzige Alternative, falls wir über Japan von der Flak oder von Jägern getroffen werden, darin, den Vogel runterzubringen und die Bombe detonieren zu lassen, damit sie nicht verschwendet ist.«
Morrison sah ihn an. »Das hier ist kein Kamikazeangriff. Jede nur denkbare Maßnahme wurde getroffen, um Ihr Leben und das Ihrer Mannschaft zu schützen. Vertrauen Sie mir, mein Sohn. Der Abwurf von Mother’s Breath auf Osaka wird ein Kinderspiel sein.«
Dennings hätte ihm beinahe geglaubt; einen Augenblick lang hatte er sich von Morrison fast überzeugen lassen, doch dann entdeckte er die Sorge in den Augen und in der Stimme des Älteren.
»Mother’s Breath.« Dennings wiederholte die Worte langsam und tonlos wie einer, der unaussprechliches Grauen beschreibt. »Welches kranke Hirn hat sich nur einen dermaßen abartigen Codenamen für die Bombe einfallen lassen?«
Resigniert zuckte Morrison die Achseln. »Ich glaube, es war der Präsident.«
Siebenundzwanzig Minuten später starrte Dennings angestrengt an den hin- und herrasenden Scheibenwischern vorbei. Der Regen war stärker geworden, und er konnte durch den nassen Dunst hindurch nur knapp zweihundert Meter weit sehen. Beide Füße auf die Bremsen gestemmt, erhöhte er die Drehzahl auf 2200 Umdrehungen pro Minute. Flugingenieur Sergeant Robert Mosely meldete, dass Außenbordmotor Nummer vier fünfzig Umdrehungen zu wenig machte. Dennings beschloss, diese Meldung zu ignorieren. Zweifellos war die feuchte Luft für den leichten Abfall der Umdrehungszahl verantwortlich. Er zog die Gashebel zurück, die Motoren liefen im Leerlauf.
Mort Stromp, der rechts neben Dennings auf dem Platz des Copiloten saß, nahm die Starterlaubnis des Towers entgegen. Er senkte die Landeklappen. Die zwei Mann, die in den Rumpftürmen der Bordkanonen saßen, bestätigten, dass sich die Landeklappen gesenkt hatten.
Dennings schaltete die Bordsprechanlage ein. »Auf geht’s, Jungs.«
Er schob die Gashebel wieder vor, kompensierte das ungeheure Drehmoment, indem er die linken Motoren etwas mehr...




