E-Book, Deutsch, Band 7, 544 Seiten
Reihe: Die Fargo-Abenteuer
Cussler / Blake Die verlorene Stadt
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-641-19486-4
Verlag: Blanvalet
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
Ein Fargo-Roman
E-Book, Deutsch, Band 7, 544 Seiten
Reihe: Die Fargo-Abenteuer
ISBN: 978-3-641-19486-4
Verlag: Blanvalet
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
Die Salomon-Inseln sind berüchtigt. Immer wieder wird von Gräueltaten wie Entführungen durch Riesenkannibalen berichtet. Zahlreiche Reisende sind spurlos verschwunden. Die Salomonen sind verflucht, so heißt es. Doch andere sagen, der Schatz des König Salomo sei hier begraben. Da zieht eine versunkene Stadt die Schatzjäger Sam und Remi Fargo in ihren Bann. Die Suche der Fargos führt sie von den Salomonen über Australien bis nach Japan, und was sie schließlich entdecken ist wundervoll – und voller tödlichem Schrecken.
Archäologie, Action und Humor für Indiana-Jones-Fans! Verpassen Sie kein Abenteuer des Schatzjäger-Ehepaars Sam und Remi Fargo. Alle Romane sind einzeln lesbar.
Seit er 1973 seinen ersten Helden Dirk Pitt erfand, ist jeder Roman von Clive Cussler ein »New York Times«-Bestseller. Auch auf der deutschen SPIEGEL-Bestsellerliste ist jeder seiner Romane vertreten. 1979 gründete er die reale NUMA, um das maritime Erbe durch die Entdeckung, Erforschung und Konservierung von Schiffswracks zu bewahren. Er lebte bis zu seinem Tod im Jahr 2020 in der Wüste von Arizona und in den Bergen Colorados.
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1
Guadalcanal, Salomon-Inseln, 1170 n. Chr.
Das Morgenrot verlieh dem nahezu spiegelglatten Ozean einen unwirklichen Schimmer, während eine Gruppe von Inselbewohnern auf einem Dschungelpfad zur Küste wanderte. Ihr Ziel war die neue Stadt, die, wie man ihnen versichert hatte, auf dem Meer errichtet worden war.
Angeführt wurde die Gruppe von dem Oberpriester, der trotz der allgegenwärtigen Hitze mit einem farbenprächtigen Mantel bekleidet war. Seine Haut hatte die rötliche Farbe von Dörrfleisch, und ein glänzender Schweißfilm bedeckte sein Gesicht. Als einer der wenigen, die die Pilgerfahrt zu dem soeben erst fertig gestellten Palast an der westlichen Spitze von Guadalcanal bereits unternommen hatten, führte er seine Schutzbefohlenen dorthin. Er drehte sich um und ließ einen zufriedenen Blick über die Prozession schweifen – sie bestand aus den wichtigsten Männern des Königreichs, die er zu dieser Reise zusammengerufen hatte. Viele von ihnen stammten von den Inseln in der Umgebung und hatten sich erst vor kurzem anlässlich der Zeremonie und der anschließenden Festlichkeiten, die noch den ganzen Rest der Woche andauerten, eingefunden.
Vereinzelte Sonnenstrahlen drangen durch das dichte Laubdach der Urwaldbäume, während die Gruppe dem Wildpfad folgte, der nur undeutlich zu erkennen war und auf beiden Seiten von dichtem Unterholz gesäumt wurde. Obgleich von den Nachkommen melanesischer Seefahrer bewohnt, die bereits lange vor Christus den Archipel entdeckt und betreten hatten, waren die Inseln so gut wie unerschlossen geblieben. Die meisten auf Guadalcanal ansässigen Stämme lebten in Dörfern, die zumeist kaum einhundert Meter von den Stränden entfernt waren, und mieden die weiter landeinwärts gelegenen Gebiete, in denen es von wirklichen wie eingebildeten Raubtieren wimmelte. Legenden berichteten von riesigen, wilden Kreaturen, mehr als doppelt so groß wie jene Menschen, die in unterirdischen Höhlen und Tunneln hausten und ihre Gier nach menschlichem Blut stillten, indem sie die Unachtsamen und Sorglosen angriffen. Außerdem gab es keinen Grund, sich in unbekannte Gefilde im Innern der Insel vorzuwagen, solange man sich jederzeit ausgiebig von dem bedienen konnte, was der Ozean an Nahrung lieferte, und zwar im Übermaß.
Der Schamane blieb auf dem Gipfel einer Anhöhe stehen. Das Wunder in der Bucht war für alle zu sehen – Bauwerke, die aus dem Wasser ragten und von Wellen umspült wurden. Er deutete mit einer ausholenden Geste auf das unglaubliche Spektakel, das mit kunstvollen Reliefdarstellungen zahlreicher Gottheiten verziert war, und murmelte den Namen des Königs in einem Tonfall, der sonst nur für andächtige Gebete zu den Göttern reserviert war. Tatsächlich erschien der König auch wie ein vom Himmel herabgestiegenes Wesen und war den gewöhnlichen Menschen so weit entrückt, dass sich bereits zu Lebzeiten Sagen und Legenden um seinen Namen und sein Wirken rankten.
Dieses Bauwerk – König Locs bislang prächtigste Errungenschaft – stellte seine sämtlichen bisherigen Werke in den Schatten. Locs Vision von einem System künstlich angelegter Inseln war in der halbmondförmigen Bucht verwirklicht worden. Nach dem Abschluss der Feierlichkeiten sollten die Gebäude als königliche Residenz Verwendung finden.
In Anerkennung von König Locs göttlicher Erhabenheit betrachteten die Priester der Insel die Anlage als heilig. Ihre Erbauer hatten zehn Jahre gebraucht, um sie zu errichten. Zu Tausenden hatten Arbeiter in einem eigens zu diesem Zweck im Landesinnern angelegten Steinbruch geschuftet und das benötigte Baumaterial zur Küste transportiert. Nichts dergleichen war jemals geschaffen worden, nie hatte eines Menschen Auge auch nur etwas Ähnliches erblickt, und der König hatte seinen Beratern versichert, dass mit seiner Vollendung ein neues Zeitalter anbräche.
Niemand bezweifelte seine Worte – schließlich war Loc ein Herrscher, der seine Insel von einer bescheidenen Handelsstation in ein bedeutendes Königreich umgewandelt hatte, eine Inselnation, einzigartig im gesamten Archipel und mit sagenhaften Schätzen gesegnet. Indem er erste Bergbauversuche zur Förderung von Gold und Edelsteinen anregte, hatte er der Insel zu großem Reichtum verholfen. Was zuvor nicht mehr als ein unbedeutender Haltepunkt auf einer kaum frequentierten Handelsroute gewesen war, hatte sich inzwischen zu einem pulsierenden Geschäftszentrum entwickelt, dessen Ruf sich bis zu den fernsten Gestaden verbreitete.
Im Laufe der Jahre hatten die Inselbewohner die Möglichkeiten zu nutzen gelernt, die ihr Herrscher geschaffen hatte. Händler von anderen Inseln und sogar aus Japan fanden sich ein, um Waren gegen die Schätze zu tauschen, die die Eingeborenen aus der Erde holten. Gold war besonders wertvoll, und mittlerweile betrieben in den Bergen ganze Stammesgemeinschaften die systematische Goldförderung. Auf diese Weise waren sie, ermutigt und beschützt von ihrem mildtätigen Herrscher, zu einem ansehnlichen Wohlstand gelangt.
Der Schamane und seine Begleiter drängten sich heran, füllten die Lichtung auf der Hügelkuppe und umringten den Oberpriester unter ehrfürchtigem und ungläubigem Gemurmel. Ein Häuptling mit stämmiger Statur, der von der großen Insel im Süden herübergekommen war, trat neben den Schamanen und deutete auf eine erhöhte Rampe auf der kleinen Insel, die dem Ufer am nächsten lag. Dort traten gerade eben einige Gestalten aus einem mit kunstvollen Verzierungen geschmückten steinernen Tempel.
»Ist das Loc?«, fragte er und betrachtete mit zusammengekniffenen Augen den größten der Männer, dessen mit Edelsteinen und goldenem Schmuck besetzter Mantel im hellen Schein der Sonne funkelte.
Der heilige Mann nickte. »Ja, das ist er.«
»Der Tempel ist eine Pracht«, sagte der Häuptling. »Er symbolisiert auf angemessene Weise den Beginn der tausendjährigen Blütezeit, die uns in der Prophezeiung angekündigt wurde.«
Die Eingeborenen lebten in dem Glauben, dass Locs Regentschaft den Anfang einer goldenen Epoche für die Inseln markierte, eine Zeit, in der das Königreich zum Machtzentrum der Region aufstieg, von allen verehrt wurde und die der Weissagung zufolge zwanzig Generationen andauern würde. Die mündlichen Überlieferungen berichteten außerdem von einem mächtigen Zauber, der mit dem Erscheinen des »Auserwählten« einherging, einer Inkarnation himmlischer Macht. Dieses Wesen sollte Loc sein. Der riesige Goldschatz, den er hatte zusammentragen lassen, stärkte seine Stellung, als bestätige die Erde seine Vorherrschaft, indem sie dem neuen Meister gestattete, sich ihrer Reichtümer zu bedienen.
Der Häuptling nickte. Wer konnte bestreiten, dass dies kein gewöhnlicher Mensch war, wenn man seinen Weg seit dem Besteigen des Throns verfolgte. Sämtliche Zweifel, die der Häuptling gehegt haben könnte, verflogen angesichts des Anblicks, der sich seinen Augen bot. Wenn er auf seine Insel zurückkehrte, würde er den Angehörigen seines Stammes wunderbare Neuigkeiten berichten können.
Ein Vogelschwarm stieg unter heftigem Flügelschlagen in den Himmel hinauf. Schrilles Geschrei zerschnitt die morgendliche Stille und erfüllte den Regenwald. Der Schamane wandte sich mit verwirrter Miene zu der Versammlung um, und dann begann der Grund unter ihren Füßen zu zittern. Das Zittern wurde von einem dumpfen Grollen begleitet. Ihm stockte der Atem, als das Zittern weiter zunahm, und dann begann die Erde zu schaukeln wie das Deck eines Schiffes, das so sehr im Sturm hin und her geworfen wurde, dass er sich an einem Baumast festhalten musste, um nicht zu stürzen.
Ein Mann stieß einen Schrei aus, als das Erdreich unter ihm aufbrach und er in einem Spalt verschwand, aus dem eine Dampfwolke aufstieg. Seine Gefährten stoben auseinander, weitere Risse klafften in der Erdkruste. Die Welt schwankte, und der Schamane sank auf die Knie, während das Stoßgebot auf seinen Lippen einfror, als er dorthin blickte, wo eben noch die neue Stadt gestanden hatte.
Die kleine Insel und der Tempel, den Loc gerade verlassen hatte, waren verschwunden. Das Wasser hatte sich vom Ufer zurückgezogen, als wolle es jeden Hinweis auf die kümmerlichen Versuche des vermessenen Königs, die Natur zu beherrschen, aufs Meer hinausspülen. Was zehn Jahre in Anspruch genommen hatte, um errichtet zu werden, wurde in einem kurzen Moment ausgelöscht, als das Erdbeben seine größte Kraft entwickelte, und der gesamte Uferstreifen stürzte ins Nichts, indem der Grund der Bucht absackte.
Das nackte Grauen flackerte in den Augen des heiligen Mannes, während der Ozean heranrauschte, um den tiefen Schlund, der einst eine seichte Bucht gewesen war, zu füllen. Und dann war der Alptraum genauso schnell vorüber, wie er begonnen hatte. Die Insel kam zur Ruhe. Das Zischen der Dampfschwaden, die aus den frischen Spalten in der Erdkruste aufstiegen, war nun neben dem Stöhnen und Jammern der verwundeten und entsetzten Stammesvertreter das einzige Geräusch. Die Überlebenden kauerten auf den Knien und schauten Hilfe und Rat suchend zu dem heiligen Mann auf. Sein ungläubiger Blick schweifte über den Ozean, dann gab sich der Priester einen Ruck und zwang sich aufzustehen.
»Rennt. Sucht höher gelegenes Gelände auf. Beeilt euch«, rief er und eilte den Wildpfad so schnell hinauf, wie seine wackligen Beine ihn trugen. Er hatte von den Alten Geschichten von mächtigen Wänden aus Wasser gehört, als die Götter der Erde und der See um die Vorherrschaft gestritten hatten, und in irgendeinem Bereich seines Gehirns schlummerte die Erkenntnis, dass wenn der Ozean zurückkehrte – hineingesogen in dieses neue Becken –, er dies mit Macht tun würde.
Die Männer, verwirrt und zu keinem vernünftigen...




