Cowell | Drachenzähmen leicht gemacht (1) | E-Book | sack.de
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E-Book, Deutsch, 200 Seiten

Cowell Drachenzähmen leicht gemacht (1)

E-Book, Deutsch, 200 Seiten

ISBN: 978-3-401-80643-3
Verlag: Arena
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Auweia! An Thors Tag müssen alle Wikingerjungen die Reifeprüfung zum „Drachenmeister“ ablegen, doch Hicks sieht schwarz für sich und seinen widerspenstigen Drachen Ohnezahn. Wird er nun aus dem Stamm der Räuberischen Raufbolde verbannt? Doch dann platzt mitten in die Feierlichkeiten ein monströser Seedrache, der imstande wäre, die gesamte Insel zu vernichten. Auf einmal verlassen sich alle auf Hicks, der als Einziger die Drachensprache spricht und mit der Bestie verhandeln soll ...
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1. ZUERST FÄNGT JEDER SEINEN DRACHEN Vor langer Zeit auf der wilden und stürmischen Insel Berk stand ein kleiner Wikinger mit einem unglaublich langen Namen bis zu den Knöcheln im Schnee. Hicks der Hartnäckige vom Hauenstein der Dritte, die Hoffnung und der Erbe des Stammes der Räuberischen Raufbolde, hatte sich, schon seit er am Morgen aufgewacht war, nicht besonders gut gefühlt. Zehn Jungen, einschließlich Hicks, hofften, vollwertige Mitglieder des Stammes zu werden, indem sie die Reifeprüfung zum »Drachenmeister« ablegten. Sie standen auf einem öden, kleinen Strand an der ödesten Stelle der ganzen öden Insel. Und es fiel dichter Schnee. »AUFGEPASST!«, schrie Grobian der Rülpser, der für die Reifeprüfung verantwortliche Krieger. »Dies wird eure erste militärische Operation sein und Hicks wird die Mannschaft anführen.« »Oh nein, nicht Hicks«, stöhnten Stinker der Dussel und die meisten der anderen Jungen. »Ihr könnt Hicks nicht die Leitung übertragen, Kommandant, er ist total NUTZLOS!« Hicks der Hartnäckige vom Hauenstein der Dritte wischte sich kläglich mit dem Ärmel über die Nase. Er sank ein wenig tiefer in den Schnee. »JEDER wäre besser als Hicks«, höhnte Rotznase Rotzgesicht großspurig. »Sogar Fischbein wäre besser als Hicks.« Fischbein hatte einen Sehfehler, der ihn so blind machte wie eine Qualle, und außerdem war er allergisch gegen Reptilien. »RUHE!«, röhrte Grobian der Rülpser. »Der Nächste, der noch einen Ton sagt, bekommt drei Wochen Napfschnecken vorgesetzt.« Sofort herrschte absolute Stille. Napfschnecken schmecken schlimmer als Würmer und Rotz zusammen. »Hicks führt euch an, und das ist ein Befehl!«, donnerte Grobian in seiner üblichen Lautstärke. Er war ein zwei Meter großer Riese mit einem verrückten Funkeln in seinem einzigen guten Auge und einem Bart, der aussah wie ein explodierendes Feuerwerk. Trotz der bitteren Kälte trug er Pelzshorts und eine winzig kleine Weste aus Wildleder, die seine krebsrote Haut und seine starken Muskeln zeigte. Mit einer seiner Pranken hob er eine Fackel in die Höhe. »Hicks wird euer Anführer sein, obwohl er zugegebenermaßen völlig nutzlos ist, aber Hicks ist der Sohn des HÄUPTLINGS und so ist es eben bei uns Wikingern. Was glaubt ihr denn, wo ihr seid, in der RÖMISCHEN REPUBLIK? Aber egal, das ist heute noch euer kleinstes Problem. Ihr seid hier, um euch als heldenhafte Wikinger zu beweisen. Und es ist eine überlieferte Tradition des Stammes der Raufbolde, dass ihr« – Grobian machte eine dramatische Pause – »ZUERST EUREN DRACHEN FANGT!« Ohhh, sabbernder Seetang!, dachte Hicks. »Unsere Drachen sind das, was uns auszeichnet!«, bellte Grobian. »Normale Menschen richten Falken für die Jagd ab oder Pferde zum Reiten. Nur die HELDENHAFTEN WIKINGER wagen es, die wildesten und gefährlichsten Wesen auf Erden zu zähmen.« Grobian spuckte bedeutungsvoll in den Schnee. »Die Reifeprüfung ›Drachenmeister‹ besteht aus drei Teilen. Der erste und gefährlichste Teil ist eine Prüfung eures Mutes und eurer Geschicklichkeit beim Stehlen. Wenn ihr richtige Mitglieder des Stammes der Räuberischen Raufbolde sein wollt, dann müsst ihr zuerst euren Drachen fangen. Und das ist der Grund«, fuhr Grobian in voller Lautstärke fort, »weshalb ich euch zu diesem idyllischen Plätzchen gebracht habe. Seht euch jetzt das Kliff der Wilden Drachen an!« Die zehn Jungen legten die Köpfe in den Nacken. Das Kliff ragte in schwindelerregender Höhe über ihnen auf, dunkel und unheimlich. Im Sommer konnte man das Kliff selbst kaum sehen, weil Drachen aller Größen und Arten es belagerten, nacheinander schnappten oder bissen und einen solchen Lärm veranstalteten, dass er auf der ganzen Insel zu hören war. Aber im Winter hielten die Drachen Winterschlaf und am Kliff war es still, bis auf ihr unheimliches, tiefes Schnarchen. Hicks konnte die Vibration noch durch die Sohlen seiner Sandalen hindurch spüren. »Also«, sagte Grobian, »seht ihr die vier Höhlen ungefähr auf halber Höhe des Kliffs, die so ähnlich ausschauen wie die Löcher eines Totenkopfs?« Die Jungen nickten. »In der Höhle, die aussieht wie das rechte Auge, ist die Kinderstube der Drachen, wo in diesem Augenblick dreitausend junge Drachen die letzten Wochen ihres Winterschlafes verbringen.« »OOOHHH«, seufzten die Jungen aufgeregt. Hicks schluckte schwer. Zufällig wusste er beträchtlich mehr über Drachen als alle anderen. Von klein auf war er von diesen Wesen fasziniert. Er hatte insgeheim viele Stunden mit der Beobachtung von Drachen verbracht. (Drachen-Beobachter wurden als weltfremde Streber betrachtet, deshalb war es notwendig, das geheim zu halten.) Und was Hicks über Drachen gelernt hatte, sagte ihm, dass nur ein Verrückter sich in eine Höhle mit dreitausend Drachen wagte. Niemand sonst schien jedoch allzu besorgt zu sein. »Jeder von euch nimmt nachher einen dieser Körbe und klettert das Kliff hinauf«, kommandierte Grobian der Rülpser. »Am Höhleneingang angelangt, seid ihr auf euch gestellt. Ich bin zu groß, um mich da reinzuquetschen. Ihr müsst die Höhle LEISE betreten – das gilt auch für dich, Warzenschweini, außer du willst die erste Frühjahrsmahlzeit für dreitausend hungrige Drachen werden, HA, HA, HA!« Grobian lachte herzlich über seinen kleinen Scherz, dann fuhr er fort. »So kleine Drachen sind normalerweise ziemlich harmlos für Menschen, aber in dieser Menge würden sie sich wie Piranhas auf euch stürzen. Nicht einmal von einem Fettsack wie dir, Warzenschweini, würde etwas übrig bleiben – nur ein Haufen Knochen und dein Helm. HA, HA, HA! Also seid lieber LEISE in der Höhle! Jeder von euch wird EINEN schlafenden Drachen stehlen. Hebt den Drachen VORSICHTIG von seinem Platz und legt ihn in euren Korb. Noch irgendwelche Fragen?« Keiner hatte irgendwelche Fragen. »In dem unwahrscheinlichen Fall, dass ihr die Drachen DOCH aufweckt – und dazu müsstet ihr schon ziemlich BLÖDE sein –, rennt, so schnell ihr könnt, hinaus. Drachen mögen keine Kälte und der Schnee wird sie wahrscheinlich abschrecken.« Wahrscheinlich?, dachte Hicks. Tja, das ist wirklich sehr beruhigend! »Nehmt nicht irgendeinen Drachen. Es ist wichtig, dass er die richtige Größe hat. Das soll schließlich der Drache sein, der für euch Fische fängt und Wild erlegt. Ihr wählt den Drachen, der euch einmal in die Schlacht begleiten soll, später, wenn ihr älter und Krieger des Stammes seid. Also, wenn ihr ein ordentliches Tier wollt, wählt einfach das größte, das in euren Korb passt. Lungert nicht zu lange in der Höhle herum ...« Herumlungern?, dachte Hicks. In einer Höhle mit dreitausend schlafenden Drachen? »Ich muss euch wohl nicht sagen«, fuhr Grobian fröhlich fort, »dass ihr OHNE einen Drachen überhaupt nicht mehr zurückzukommen braucht. Jeder, der bei dieser Aufgabe versagt, wird sofort ausgeschlossen. Der Stamm der Räuberischen Raufbolde hat keine Verwendung für VERSAGER. Nur die Starken gehören zu uns.« Unglücklich blickte Hicks sich um. Nichts als Schnee und Meer, so weit das Auge reichte. Ein Leben außerhalb des Stammes sah auch nicht allzu verlockend aus. »Also«, sagte Grobian entschieden. »Jeder Junge nimmt einen Korb für seinen Drachen und wir machen uns auf den Weg.« Die Jungen eilten aufgeregt zu den Körben. »Ich werde mir eines dieser Monster mit extra ausfahrbaren Klauen schnappen, vor denen jeder Angst hat«, gab Rotznase an. »Ach, halt doch die Klappe, Rotznase, das darfst du gar nicht«, sagte Fausti. »Nur Hicks darf einen Riesenhaften Albtraum haben. Dazu muss man schließlich Häuptlingssohn sein.« Hicks’ Vater war Haudrauf der Stoische, der Furcht einflößende Häuptling des Stammes der Räuberischen Raufbolde. »HICKS?!«, höhnte Rotznase. »Wenn der beim Drachenstehlen genauso nutzlos ist wie beim Bummsball, kann er froh sein, wenn er überhaupt einen Einfachen Braunen bekommt.« Die Einfachen Braunen waren der verbreitetste Typ von Drachen, ein nützliches Tier, aber nichts Besonderes. »RUHE JETZT und stellt euch auf, ihr jämmerlichen Kröten!«, schrie Grobian der Rülpser. Mit den Körben auf den Rücken eilten die Jungen auf ihre Plätze und stellten sich auf. Grobian schritt die Reihe ab und entzündete mit seiner großen Fackel die kleineren der Jungen. Seine Stimme bebte mit fürchterlichem Enthusiasmus. »In einer halben Stunde werdet ihr heldenhafte Wikinger sein, jeder mit seinem Reptil an der Seite oder ihr frühstückt mit Wodan in der Walhalla und habt Drachenzähne in eurem Hintern!« »Ruhm oder Tod!«, schrie Grobian. »Ruhm oder Tod!«, schrien acht Jungen fanatisch zurück. Tod, dachten Hicks und Fischbein...


Clara Vath arbeitet seit 2012 als freie Illustratorin. Sie illustriert Bücher, Magazine und andere Produkte und bewegt sich dabei oft in abenteuerlichen und fantastischen Themenwelten.www.vath-art.deFoto © privat


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