E-Book, Deutsch, Band 4, 358 Seiten
Reihe: Regency Brides
Coulter Regency Brides - Eine geheimnisvolle Lady
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-98690-799-0
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Roman, Band 4
E-Book, Deutsch, Band 4, 358 Seiten
Reihe: Regency Brides
ISBN: 978-3-98690-799-0
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Catherine Coulter wurde 1942 in Texas geboren. Schon früh begeisterte sie sich für die Regency-Bestseller von Georgette Heyer, die sie schließlich dazu inspirierten, selbst historische Liebesromane zu schreiben. Inzwischen ist Catherine Coulter erfolgreiche Autorin zahlreicher historischer und zeitgenössischer Liebesromane, sowie vieler Thriller, mit denen sie immer wieder auf der New-York-Times-Bestsellerliste stand. Die Website der Autorin: catherinecoulter.com/ Die Autorin bei Facebook: facebook.com/CatherineCoulterBooks/ Die Autorin auf Instagram: instagram.com/catherinecoulterauthor/ Bei dotbooks veröffentlichte die Autorin die historischen Liebesromane: »Regency Brides - Eine skandalöse Hochzeit, Band 1« »Regency Brides - Eine unerwartete Liebe, Band 2« »Regency Brides - Eine Lady auf Abwegen, Band 3« »Regency Brides - Eine geheimnisvolle Lady, Band 4« »Regency Games - Wie verzaubert man einen Earl? Band 1« »Regency Games -Wie küsst man einen Viscount? Band 2« »Regency Rebel - Wie verführt man einen Baron?«
Weitere Infos & Material
Kapitel 1
London 1811
14. Mai
Kurz vor Mitternacht
Abrupt blieb Lord Beecham stehen und wandte sich derart hastig um, dass er beinah eine große Topfpflanze in Mitleidenschaft gezogen hätte.
Er konnte kaum fassen, was er da eben gehört hatte. Suchend blickte er in die Richtung, aus der er die Stimme vernommen hatte.
Durch die Blätter der Topfpflanze starrte er angestrengt in die Bibliothek der Sanderlings, die lang, schmal und regalbehangen gleich hinter dem Ballsaal lag. Während die Bibliothek mit den dunklen Buchreihen und den Spinnweben nur von einigen flackernden Kerzen erhellt wurde, war der Ballsaal von unzähligen Lichtern erfüllt und mit Pflanzen geschmückt. Mindestens zweihundert Gäste pflegten tanzend und Champagner nippend ihre gesellschaftlichen Kontakte.
Erneut hörte er die Frau sprechen. Er trat noch einen Schritt näher an den schwach beleuchteten Raum heran. Die Stimme war wohlklingend und irgendwie auch verführerisch. Sie lachte. »Wirklich, Alexandra«, sagte sie, »wenn Sie nur daran denken und es langsam vor sich hin sprechen: Züch-ti-gung! Beschwört das nicht auch in Ihnen die herrlichsten Bilder von Macht und Unterwerfung herauf? Stellen Sie es sich vor. Sie sind von der Gnade einer anderen Person abhängig, die absolute Kontrolle über Sie hat. Sie können nichts dagegen ausrichten. Sie wissen, es wird etwas geschehen, Ihr Herz pocht und Sie haben Angst. Es ist eine köstliche Angst. Tief in Ihrem Inneren wissen Sie, dass Sie ersehnen, was kommen wird. Sie warten darauf. Alles, was Sie tun können, ist sich vorzustellen, was mit Ihnen passieren wird, und Ihre Haut spannt sich in Erwartung.«
Es wurde still.
Lord Beechams äußerst lebendige Vorstellungskraft erzeugte ein Bild, wie er über einer wunderschönen Frau kniete. Er lächelte sie an und band ihre Hände und die gespreizten Beine an die Pfosten eines Bettes. In nur wenigen Augenblicken würde er sie entkleiden. Ein Kleidungsstück nach dem anderen, langsam, sehr langsam, und ...
»Oh, mein Gott, Helen. Ich muss mir Luft zufächeln, mir ist ganz heiß. Sie zaubern mit Ihren Worten die eindrucksvollsten Bilder hervor. Was Sie beschreiben – es ist zugleich schrecklich und wundervoll. Ich bekomme fast Lust, es auszuprobieren. Allerdings klingt es, als ob dafür ein gehöriges Maß an Planung nötig wäre.«
»Ja, das stimmt. Perfekte Planung gehört dazu. Und Sie selbst sind Teil des Rituals – wenn Sie diejenige sind, die die Macht hat, sogar der wichtigste. Sie müssen sich von allen alten Gewohnheiten frei machen und immer wieder Neues erfinden. Bedenken Sie dabei stets, wie viel Kraft die angstvolle Erwartung von etwas nicht zu Berechnendem hat. Die Behandlung sollte abwechslungsreich sein und immer intensiver werden. Meist ist es äußerst wirksam, wenn Unbeteiligte als Zeugen dabei sind. Das macht den Unterworfenen noch ängstlicher, spannt seine Nerven zusätzlich an und lässt ihn noch empfänglicher werden. Es ist ein erstaunlicher Vorgang. Sie müssen es ausprobieren, auf beiden Seiten.«
Erneut wurde es still.
Es ausprobieren! Er wollte in den Raum stürzen, in diesem Augenblick, wollte alles ausprobieren, was er sich auch nur im Entferntesten vorzustellen vermochte. Seine Finger nestelten schon an seiner Krawatte, bereit, den Knoten zu lösen, um damit die Handgelenke dieser Frau über ihrem Kopf zusammenzubinden. Sie würde hilflos sein und ihn mit großen, Angst erfüllten Augen anblicken. Mit leicht geöffneten Lippen würde sie zitternd daliegen. Er hörte einen tiefen Seufzer.
»Das ist alles schön und gut, Helen, aber was ich benötige, sind bestimmte Maßnahmen, die ich durchexerzieren kann. Am besten eine ganze Liste, in der verschiedene beschrieben sind, von ganz milden Maßnahmen bis zu härteren.«
Plötzlich wurde Lord Beecham klar, dass er diese Stimme kannte. Gütiger Gott, es war die Stimme von Alexandra Sherbrooke. Er konnte es nicht fassen. Ihm fiel Douglas Sherbrooke ein. Ein großer, schroffer Mann, von dem man glaubte, dass er seine Frau seit nunmehr acht Jahren glücklich mache. Und diese Frau fragte soeben nach Züchtigungsmaßnahmen? Vielleicht um sie an ihrem Gatten auszuprobieren? Was für ein wunderbar delikater Gedanke.
Wer aber war diese Helen, mit der sie sprach?
»Was mich noch interessieren würde«, fuhr Alexandra kurz darauf fort, »ist, woher Sie überhaupt so viel über Züchtigungen wissen?«
»Ich habe jedes Buch, jeden Artikel gelesen, alles, was je darüber verfasst wurde. Und ich habe jedes Gemälde, jeden Stich und jede Skizze studiert, die Züchtigungen darstellen – aus aller Welt und allen Epochen – bei den Chinesen zum Beispiel. Das ist der Inbegriff von Einfallsreichtum. Ich hätte nie gedacht, dass sich Menschen so verbiegen können.«
Erneut wurde es einen Augenblick lang still. Dann sagte Alexandra mit gesenkter Stimme, als ob sie sich ihrer Gesprächspartnerin vertraulich näherte: »Helen, wahrscheinlich belächeln Sie meine Naivität. Ich glaube Ihnen ja, dass Sie alles über dieses Thema wissen, aber versuchen Sie doch bitte, meinen geringen Kenntnisstand zu berücksichtigen. Sie haben mir erzählt, wie Sie Ihr Personal züchtigen, Sie haben mir von diesem Ritual erzählt, und wie man es bis zum Höhepunkt treibt, wie man auch noch den letzten köstlichen Tropfen Angst und Aufregung hervorkitzeln kann.
Doch lassen Sie uns jetzt über das rauschende Ende des Rituals sprechen. Ich will genauere Einzelheiten. Ich denke an das physische Vergnügen, Helen. Was genau tun Sie, um den Mann an die Grenze des Wahnsinns zu treiben? Wenn Sie jedes Buch, das je über das Thema geschrieben wurde, gelesen haben, dann müssen Sie mir doch weiterhelfen können.«
Hätte sich in diesem Moment eine Frau nackt vor Lord Beecham ausgezogen und begonnen ihn zu küssen, es hätte ihn nicht gekümmert. Das war unglaublich. Alexandra Sherbrooke wollte herausfinden, wie sie Douglas, ihren Mann, an den Rand des Wahnsinns treiben könnte? Das war verrückt. Douglas an den Rand des Wahnsinns zu treiben dürfte diese Frau allemal nur zehn Sekunden kosten. Im Grunde genommen wäre jeder Mann, der auch nur eben noch atmen konnte, ein geeigneter Kandidat. Er selbst zum Beispiel.
Plötzlich wurde es Lord Beecham zu viel. Schwitzend und die Finger am Krawattenknoten stand er hinter einer Topfpflanze versteckt und belauschte zwei Damen bei einem Gespräch über Züchtigung. Er konnte nicht länger an sich halten. Es brach aus ihm heraus. Er lachte. Solche Ausbrüche vermied er in der Regel, immerhin war er ein Mann von Welt, dem ein müdes Nicken oder ein geringschätziges Lächeln eher zu Gesicht stand. Und so klang dann auch das, was aus seiner Kehle hervorbrach, eine Spur zu heiser, beinah wie eingerostet. Aber es war ein Lachen, und für einen Moment erschien es ihm, als könne er nie wieder aufhören.
Ihm wurde klar, dass die beiden Frauen ihn hören mussten. Er versuchte, das Lachen so angestrengt zu unterdrücken, dass er einen Schluckauf bekam. Mit vor den Mund gepressten Händen zog er sich hinter eine andere große Pflanze zurück – keinen Augenblick zu spät.
»Ich bin mir sicher, etwas gehört zu haben, Helen. Da war ein Männerlachen.«
»Herrje, Liebste, Sie glauben doch nicht etwa, dass es Douglas war?«
»Nein, Douglas würde geradewegs hereinkommen und uns ins Gesicht lachen. Dann würde er mich mit einem Lächeln in den Augen anschauen und mir sagen, dass ich mir diese Züchtigungsfantasien aus dem Kopf schlagen soll und dass er der Herr ist. Ich bin es leid, dass er über alles bestimmt. Acht Jahre sind eine lange Zeit, Helen. Ein einziges Mal möchte ich es sein, die die Macht hat.«
»Nun, das dürfte eigentlich nicht zu schwierig sein. Lenken Sie ihn ab, wenn er die Gazette liest. Knabbern Sie an seinem Ohr, küssen Sie seinen Nacken, beißen Sie ihn. Warum bloß haben Sie das nicht schon längst getan?«
Totenstille.
»O je, Sie sind ja feuerrot, Alexandra.«
»Ich habe ihn gebissen, Helen, glauben Sie mir. Aber das war in einer anderen Umgebung. Da lag keine Gazette herum.«
»Eine Umgebung, die Douglas bestimmt hat?«
»Ja, wissen Sie, Douglas muss mich nur ansehen, mich nur eben berühren und ich verliere auch noch das letzte Fünkchen Verstand. Ich sinke vor seinen Füßen zu Boden. Es ist immer das Gleiche. Helfen Sie mir, Helen. Mein Gott, wenn er das vorhin gehört hat, dann weiß er auch noch, welche Macht er über mich hat.«
»Glauben Sie mir, meine Liebe, das weiß er bereits. Aber Sie haben natürlich ganz Recht. Wäre es Douglas gewesen, er stünde jetzt vor uns und würde sich totlachen. Dann allerdings würde er Sie vielleicht bitten, gleich heute Nacht mit der Züchtigung zu beginnen, meinen Sie nicht?«
Alexandra seufzte gequält.
»Du meine Güte. Sie haben also wirklich nicht übertrieben, Alexandra? Douglas hat Ihnen noch nie die Kontrolle überlassen? Acht Jahre Ungleichgewicht in ehelichen Dingen? Nach allem, was ich gelesen habe, Alexandra, ist das nicht gut. Die Italiener zum Beispiel glauben daran, dass es im Liebesleben vollkommen gleichberechtigt zugehen muss. Sie müssen etwas unternehmen.«
»Das ist gar nicht so einfach, Douglas ... Ich würde diese Schriften der Italiener sehr gern lesen.«
»Ich werde Ihnen eine Abhandlung zukommen lassen. Sie dürfen sich Douglas wirklich nicht immer unterwerfen. Reißen Sie sich zusammen, Alexandra.«
Alexandra starrte ins Leere. »Er hat noch nie über Züchtigung gesprochen. Douglas hat so etwas noch nie mit mir gemacht.«
Milde lächelnd tätschelte Helen Alexandras Wange. »Glauben Sie mir, er wendet sicherlich einige...




