E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
Coughlin Wetten, dass!
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-7337-5499-0
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
ISBN: 978-3-7337-5499-0
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Völlig verblüfft über dieses Chaos kann Owen Rancourt erst gar nichts sagen. Nur eins ist ihm sonnenklar: Olivia Ashfield muss noch viel lernen, um eine tüchtige Arbeitskraft zu werden. Eigentlich hat er gar nicht die Zeit, sich mit solchen Problemen herumzuschlagen - trotzdem wird er sie nicht entlassen. Olivia ist die schönste Frau, die er jemals gesehen hat! Er ahnt nicht, dass seine Traumfrau anfangs nur aus einem Grund nach Danby gekommen ist: Die Millionenerbin will eine Wette gewinnen! Ihr Bruder Brad glaubt nicht, dass sie, die noch nie einen Handschlag getan hat, sich acht Wochen lang ohne fremde Hilfe über Wasser halten kann. Dass Olivia mittlerweile aus einem ganz anderen Grund bei Owen bleibt, wagt sie sich noch nicht einmal selbst einzugestehen ...
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2. KAPITEL
„Wie schön, dass du anrufst, Olivia! Ich bin ja so erleichtert.“
Olivia freute sich, die vertraute Stimme ihrer Mutter zu hören. War sie wirklich schon eine Woche lang von zu Hause weg?
„Ich kann nicht lang reden“, erklärte sie ihrer Mutter. „Auf der Telefonkarte ist nicht mehr viel drauf.“
Helen Ashfield seufzte. „Aber ich kann dir doch welche schicken. Am besten gleich einen Scheck …“
„Mom, wage es nicht! Das ist gegen die Regeln, außerdem schaffe ich das allein. Ich rufe gerade von der Arbeit aus an. Du sprichst mit der Sprechstundenhilfe der erfolgreichsten Ärztin in Danby.“
„Ärztin?“ Pause. „Wie hast du das denn gemacht?“
„Ich bin bei Dr. Allison Black, oder Doc Allison, wie sie von allen genannt wird. Sie ist Tierärztin. Ich arbeite im Danby Animal Hospital. Bis jetzt geht alles sehr gut.“
„Ist das heute dein erster Tag?“
Olivia packte den Hörer fester. „Eigentlich arbeite ich, seit ich hier bin.“ Das war fast die Wahrheit. Nur nicht im gleichen Job. „Aber sag Brad nichts davon, ich will es ihm selbst erzählen. Ich mache hier Telefondienst und nehme die Patienten auf, solche Sachen. Aber es ist ein bisschen langweilig. Vielleicht brenne ich mit dem Arzneimittelvertreter durch, das hat jedenfalls die letzte Sprechstundenhilfe getan“, witzelte sie.
„Aha.“ Ihre Mutter schwieg einige Sekunden. „Spaß beiseite, Olivia, wie geht es dir wirklich?“
„Du hast ein gutes Gespür, weißt du das?“ Olivia seufzte. „Mir geht es nicht so gut. Erst habe ich keinen Job gefunden, und als ich dann einen hatte, als Bedienung in einem Diner, musste ich eine grässliche Uniform tragen. Und bin am ersten Tag schon wieder rausgeflogen, weil ich einem Typen Kaffee über die Hose geschüttet habe.“
„Wieso das denn?“
„Weil er mir an den Po gefasst hat, deshalb. Und als die anderen Typen am Tisch das Johlen anfingen, habe ich rot gesehen, und bevor ich mich’s versah, war die Kaffeekanne leer.“
„Und deswegen haben sie dich gefeuert? Ist ja allerhand. Olivia, ich hätte dir sagen können, dass du nicht fürs Kellnern geschaffen bist.“
„Nun, ich wollte nicht gerade Karriere in der Branche machen, aber wenn man nicht weiß, wofür man geschaffen ist, muss man eben einiges ausprobieren.“
„Mhm. So erklärt sich vielleicht auch, warum du jetzt für eine Tierärztin arbeitest, obwohl du nie besonders scharf auf Haustiere warst.“
„Aber das spielt doch keine Rolle! Die nächsten sechseinhalb Wochen werde ich schon überstehen.“
„Und wie läuft es so?“
„Na ja. Abgesehen davon, dass ich es versäumt habe, Doc Allison über einen Notfall zu informieren, ganz gut. Da war ein Dobermann, er hieß Bozo, mit einer Augenentzündung, der sofort zu einem Spezialisten gemusst hätte. Es ging gerade noch einmal gut, aber Doc Allison sagte, wenn so etwas noch einmal vorkommt, müsste sie mich entlassen.“
„Ist das nicht ein bisschen übertrieben?“, fragte Helen Ashfield. „Schließlich hast du gerade erst angefangen.“
„Stimmt, aber sie war immer noch etwas wütend wegen des Igels.“
„Igels?“, wiederholte ihre Mutter argwöhnisch.
„Ja. Ich habe mich draufgesetzt. Aber nicht absichtlich. Er saß auf meinem Stuhl, aber zum Glück bin ich gerade noch rechtzeitig wieder hoch gekommen. Aber mach dir keine Sorgen, Mom“, tröstete sie ihre Mutter und drehte sich auf dem Drehstuhl zum Fenster, mit dem Rücken zur Eingangstür. „Das war gestern. Heute habe ich mir noch nichts zu Schulden kommen lassen.“
„Olivia, findest du nicht, dass du lieber nach Hause kommen solltest? Ich bin sicher, dein Bruder versteht …“
„Nein, auf keinen Fall!“
„Sei doch vernünftig, Olivia.“
„Nein. Ich habe mein Wort gegeben und ich werde es auch halten.“ Ihre Stimme wurde vor Empörung lauter. „Und lieber laufe ich nackt über die Planke, als dass ich meinem Bruder die Genugtuung gönne, mir eine Glatze zu scheren.“
Ein belustigtes Räuspern hinter ihr verriet Olivia, dass jemand unbemerkt hereingekommen war und ihre letzten Worte mit angehört hatte.
Sie flüsterte: „Ich muss jetzt Schluss machen. Ich liebe dich.“ Sie wirbelte herum und hängte den Hörer ein, bevor sie geschäftig nach dem Terminkalender griff.
„Tut mir leid, dass ich Sie habe warten lassen“, sagte sie mit ihrem zauberhaftesten Sprechstundenhilfelächeln, bevor sie dem Besucher in die Augen sah – dunkle, tief liegende graue Augen, die sie schon einmal gesehen hatte und so bald nicht vergessen würde.
„Weil er mir an den Po gefasst hat“, hatte sie ihrer Mutter erzählt. Was sie nicht erwähnt hatte, war, dass der Mann nicht mit der Wimper gezuckt hatte, als sie den Kaffee über ihn kippte, sondern dass sein ernster Blick ihren getroffen hatte und ihr eine Ewigkeit standgehalten hatte. Und genauso wenig, dass er, über und über voller Kaffee, einen Fünfdollarschein als Trinkgeld hingelegt hatte und ohne ein Wort gegangen war.
Diese Reaktion hatte sie erst recht aus der Bahn geworfen. Normalerweise wusste sie, wie sie mit Männern umgehen musste, aber so jemand war ihr noch nicht begegnet. Es gefiel ihr nicht. Und die Tatsache, dass er nur ein Hinterwäldler aus Danby war, machte das Ganze noch schlimmer. Seit ihrer Kündigung hatte sie den Mann aus ihrem Gedächtnis gestrichen. Oder es zumindest versucht.
„So, so“, murmelte er schließlich, einen spöttischen Zug um den Mund, der sie nicht im Zweifel darüber ließ, dass er sich genauso lebhaft wie sie an den Vorfall erinnerte.
Seit wann stand er schon da und hörte mit? Olivia wartete, dass er etwas sagte, aber er betrachtete sie nur mit einem unergründlichen Blick.
Er war groß und schlank. Das gebräunte Gesicht und die rauen Hände ließen einen Job im Freien vermuten, und die lockigen kurzen Haare sahen so aus, als würde er nicht viel Zeit beim Friseur verschwenden.
Sein Mund war groß und faszinierend, die Wangenknochen hoch, der Kiefer wirkte entschlossen. Wahrscheinlich gilt er hier als gut aussehend, dachte Olivia, der Typ „harte Schale, weicher Kern“, den manche Frauen für unwiderstehlich hielten.
Aber etwas an ihm war anders. Wie er sich bewegte und wie er schwieg. Hier handelte es sich um einen Mann, der eine ungezwungene Natürlichkeit ausstrahlte. Solche Männer waren sehr selten.
Während sie ihn in Augenschein nahm, ließ er gleichfalls nicht den Blick von ihr. Da kannst du lange gucken, dachte Olivia. Männerblicke waren eine alltägliche Tatsache für sie. Wie ihr Talent, mit diesen hormongesteuerten Reaktionen umzugehen.
Olivia wusste sehr genau, wie sie auf Männer wirkte. Dazu musste sie nur in den Spiegel sehen. Sie hatte früh gemerkt, welche Macht ihr ihre Schönheit verlieh, und hatte bald gelernt, diese Waffe klug einzusetzen.
Wenn dieser Kleinstadt-Don-Juan also dachte, er könnte sie ein zweites Mal aus der Fassung bringen, hatte er sich geschnitten.
„Was ist mit Ihnen los, Lady?“, fragte er, nachdem er sich offensichtlich satt gesehen hatte. Sein Ton war verbindlich, fast freundlich, aber seine Stimme war tief und klang so aufregend, dass sie fast eine Gänsehaut bekam. „Sind Sie total durchgedreht?“
„Wie kommen Sie darauf?“, konterte sie mit ihrem extra-unterkühlten Tonfall und einem abschätzigen Blick, womit sie schon so manchen aufdringlichen Schürzenjäger in die Flucht geschlagen hatte.
Bis jetzt.
Zum ersten Mal in ihrem Leben passierte gar nichts. Kein Gestotter oder Verwirrung, nicht einmal ein Hauch von Verlegenheit.
Konzentrier dich, befahl sie sich und setzte ein spöttisches Lächeln auf. „Und jetzt stelle ich Ihnen eine Frage“, sagte sie. „Betatschen Sie jede Bedienung, die Ihnen das Essen hinstellt? Oder können Sie Ihre Finger nur nicht von den Durchgedrehten lassen?“
Zuerst lachte er. Dann ging er um die brusthohe Rezeptionstheke herum und stemmte die Hände auf ihren Schreibplatz. Über dem schwarzen T-Shirt und den Jeans trug er eine offene lederne Bomberjacke. Seine Wangen schmückte ein Dreitagebart, und sie wettete, dass er verknautschte Stiefel trug. Das ganze „Bad Boy“-Ensemble also. Wahrscheinlich bildete er sich ein, in dieser Aufmachung sexy zu wirken.
Und aus gutem Grund, musste Olivia zugeben. Als er sich langsam vorbeugte, unterdrückte sie den Wunsch, auf ihren Stuhl ein Stück zurückzurollen.
„Ich glaube, mein Geschmack bei Frauen tut hier nichts zur Sache“, sagte er mit seiner tiefen Stimme, jetzt ganz nahe. „Ich sage Ihnen nur so viel: Wenn ich Sie jemals wieder anfassen sollte, versichere ich mich vorher, dass Sie wissen, dass ich da bin. Ich habe eine Heidenangst davor, dass sie mich vor Schreck das nächste Mal töten könnten.“
Seltsamerweise wirkte er nicht im Geringsten verängstigt. Sondern eher verdammt belustigt, stellte Olivia verärgert fest. „Da wollen wir doch mal etwas klarstellen. Ich habe Ihnen den Kaffee nicht vor Schreck übergekippt. Es war eine Frage des Prinzips.“
„Ach?“ Seine Mundwinkel hoben sich. „Was denn für ein Prinzip?“
„Das Prinzip, das besagt, dass ein Mann seine Hände bei sich zu behalten hat, außer ich lade ihn dazu ein.“
Sein Grinsen breitete sich übers ganze Gesicht. „Außer? Oder bis? Aber wie Sie möchten, Lady, wenn Ihnen daran liegt.“
Leider hatte sie keine Gelegenheit, etwas zu erwidern, denn in diesem Moment kam Doc Allison hereingeschossen....




