E-Book, Deutsch, Band 0050, 352 Seiten
Reihe: Historical Lords & Ladies
Cornick Historical Lords & Ladies Band 50
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-7337-6129-5
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 0050, 352 Seiten
Reihe: Historical Lords & Ladies
ISBN: 978-3-7337-6129-5
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
EIN GEFÄHRLICHER CHARMEUR von CORNICK, NICOLA
Deborah Stratton braucht dringend einen Mann! Natürlich nicht für ein verruchtes Stelldichein, sondern als Scheinverlobten, um eine Zwangsehe zu verhindern. Leider meldet sich auf ihre anonyme Anzeige ausgerechnet Lord Richard Kestrel: Charmant, verwegen - und gefährlich attraktiv. Ritterlich bietet er ihr seine Hilfe an ... aber Deborah muss befürchten, dass sie nur zu einer leidenschaftlichen Nacht verführen will!
AUF EWIG - IHRE POLLY von CORNICK, NICOLA
Mit dem Marquess of Hedingham durchbrennen? Das könnte Polly ihren Eltern niemals antun. Dennoch hört sie nie auf, sich nach ihm zu verzehren. Mitansehen zu müssen, wie der Marquess sich zu einem berüchtigten Lebemann entwickelt, schmerzt sie deshalb umso mehr. Und plötzlich macht er ihr erneut Avancen! Zu gern würde Polly sich ihm hingeben - doch kann sie einem mittlerweile stadtbekannten Herzensbrecher vertrauen?
Nicola Cornick liebt viele Dinge: Ihr Cottage und ihren Garten, ihre zwei kleinen Katzen, ihren Ehemann und das Schreiben. Schon während ihres Studiums hat Geschichte sie interessiert, weshalb sie sich auch in ihren Romanen historischen Themen widmet. Wenn Nicola gerade nicht an einer neuen Buchidee arbeitet, genießt sie es, durch die englische Landschaft zu spazieren. Sie freut sich über Leserzuschriften auf ihrer Webseite www.nicolacornick.co.uk.
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2. KAPITEL
Was hast du heute nur, Deborah?“, fragte Olivia Marney, als sie auf der Terrasse von Marney Hall beim Tee saßen. „Du hältst keine fünf Minuten still und wirkst so erregt.“
Deborah lehnte sich in die Kissen des Schaukelstuhles und spielte mit einem Stängel Spanischer Flieder, den sie achtlos von einem Busch abgebrochen hatte, obwohl sie wusste, dass ihre Schwester den Garten hingebungsvoll pflegte.
„Es tut mir leid, dass ich eine so langweilige Gesellschafterin bin“, erwiderte sie, „aber ich bin heute irgendwie gereizt. Vielleicht ist es die Sonne.“
Olivia goss der Schwester Tee ein und schob ihr die Platte mit dem hausgemachten Obstkuchen hin. „Die Sonne hat dich doch noch nie gestört. Bist du nicht heute Morgen ausgeritten?“
„Ja.“ Deborah trank einen Schluck von dem starken indischen Tee und musterte dabei das zu Ornamenten verschnittene Gebüsch auf der anderen Seite des Rasens. Dort musste es angenehm kühl sein.
„Hat dir das Reiten keinen Spaß gemacht?“, erkundigte sich Olivia. „Im Allgemeinen versetzt es dich doch in gute Stimmung.“
„Es hat mir überhaupt keinen Spaß gemacht“, entgegnete Deborah ärgerlich, „denn Richard Kestrel hat mir die Freude verdorben. Ich traf ihn unterwegs, und er bestand darauf, mich zu begleiten.“
„Ach, es war also Lord Richard, der deine schlechte Laune verursacht hat? Das hätte ich mir auch eigentlich gleich denken können. Niemand anderes kann dich derart aus der Fassung bringen.“
„Er hat mich geküsst“, sagte Deborah unvermittelt. „Kannst du dir diese Frechheit vorstellen?“
Klirrend fiel der silberne Teelöffel aus Olivias Hand auf die Fliesen der Terrasse. „Großer Gott, Deborah! Du hättest mich unbedingt warnen müssen, bevor du eine solche Mitteilung machst. Hier im Haus geschieht doch nichts annähernd so Aufregendes.“
„Wieso? Küsst dich Ross niemals?“
„Niemals“, räumte Olivia ein. „Wir streiten uns viel zu oft. Da bleibt keine Zeit dafür. Aber nun berichte mir, was vorgefallen ist.“
Deborah zuckte leicht mit den Schultern. Sie hatte eigentlich keine Lust, ihrer Schwester die ganze Geschichte zu erzählen. Olivia war sehr scharfsichtig und würde schnell merken, dass sie, Deborah, auf eine seltsame Art von Richard Kestrel angezogen wurde. Zudem hatte sie ihr vor einem Jahr von dem ungehörigen Antrag berichtet, den Richard ihr gemacht hatte, und sie schien überhaupt nicht überrascht gewesen zu sein, sondern hatte nur lächelnd bemerkt, sie habe so etwas seit Monaten erwartet.
„Da gibt es nicht viel zu sagen“, erklärte sie schließlich. „Lord Richard nutzte in einem abgeschiedenen Waldstück die Gelegenheit, um mir einen Kuss zu rauben.“ Sie seufzte kurz und scharf. „Ich hatte wahrscheinlich selbst Schuld, denn ich bin ohne Stallburschen unterwegs gewesen.“
Olivia wahrte bei diesen Worten ihre gewohnte kühle Haltung. Selten verlor sie die Contenance und erschien nach außen hin immer ruhig und gefasst. Deborah beneidete sie darum, denn sie selbst konnte ihre Gefühle nur recht schwer verbergen und handelte oft sehr impulsiv, insbesondere wenn sie von so einem Halunken wie Richard Kestrel provoziert wurde.
Aber vielleicht war Olivias Mangel an Temperament und Wärme auch der Grund für die Entfremdung zwischen den Eheleuten. Ross ähnelte in seinem Wesen Deborah sehr. Vielleicht verstand sie sich deshalb so besonders gut mit ihm. Olivias Selbstbeherrschung schien hingegen überhaupt nicht zu ihm zu passen.
Olivia hatte nachdenklich die Stirn gerunzelt. „Kann man denn zu Pferde küssen?“, erkundigte sie sich zweifelnd. „Das erscheint mir sehr schwierig, denn ihr habt doch sicherlich im Sattel gesessen, nicht wahr? Wie interessant!“
„Es war nicht interessant“, erwiderte Deborah missvergnügt. „Es war einfach schändlich.“
„Pah!“ Olivia schniefte verächtlich. „Schändlich, in der Tat! Ich wünschte, ich hätte deine Sorgen. Die meisten Damen hier hätten ihr bestes Kleid gegeben, um an deiner Stelle zu sein, und ihren ganzen Schmuck obendrein.“
„Was für ein Unsinn …“
„Du protestierst mir ein wenig zu viel, meine Liebe.“ Olivia schälte sorgfältig eine Orange. „Gib doch zu, dass er dir gefällt. Es hat keinen Sinn, mir etwas einreden zu wollen – oder auch dir selbst.“
Einen Augenblick lang herrschte eine ungemütliche Stille zwischen den Schwestern. Dann seufzte Deborah.
„Oh Liebes, ich gestehe, dass du recht haben könntest. Woher kennst du mich so gut?“
„Aus jahrelangen Beobachtungen“, erwiderte Olivia ruhig. „Aber du bist auch leicht zu durchschauen. Du magst Lord Richard, hast dich gern von ihm küssen lassen, obwohl du eigentlich entsetzt über dich warst, und du überlegst, wie weit du ihn gehen lassen kannst, ohne in Schwierigkeiten zu geraten.“
„Olivia!“, rief Deborah schockiert. Sie errötete heftig, denn die Einschätzung ihrer Schwester war vollkommen richtig.
„Nun?“
Deborah strich sich über die Stirn. In einer Art war sie erleichtert, einmal aufrichtig mit ihrer Schwester darüber sprechen zu können.
„Also gut, ich gebe zu, dass mir seine Gesellschaft angenehm ist. Er hat auf unverschämte Weise eine sehr einnehmende Art …“
„Und seine Komplimente sind sehr hübsch?“
„Ja, aber auch sehr routiniert.“
„Sind seine Küsse auch routiniert?“
Deborah malte mit dem Teelöffel Schlangenlinien über die Tischplatte. Obwohl sie wusste, dass Richard ein erfahrener Lebemann war, hatten seine Küsse eine Woge heftiger Gefühle in ihr ausgelöst.
„Ich weiß es nicht“, erwiderte sie zögernd. „Ich habe wenig Vergleichsmöglichkeiten. Aber es muss wohl so gewesen sein, denn ich fühlte mich so …“
„Wie?“
„So verwirrt und kribblig und aufgeregt.“ Deborah erschauerte ein wenig bei dieser Erinnerung. Von dem Augenblick an, da sie sich auf der Landstraße trafen, war ein Funke zwischen ihnen übergesprungen.
Olivia lachte. „Und trotzdem willst du vor ihm weglaufen? Oh Deborah!“
Mechanisch trank Deborah den kalt gewordenen Tee aus. „Es stört mich, dass ich mich zu einem Mann hingezogen fühle, dessen Lebenswandel ich verabscheue. Außerdem …“ Sie blickte nachdenklich über den Rasen. „Anfangs habe ich geglaubt, ich würde nie wieder einen Mann finden, den ich lieben könnte. Jetzt bin ich nicht mehr so naiv. Ich denke schon, dass ich wieder einen Mann lieben könnte, aber … aber ich könnte mich nie mehr dementsprechend verhalten.“
„Nie mehr?“
„Eine Heirat kommt nicht mehr infrage.“ Deborah schob die leere Teetasse nervös hin und her. Dann sah sie die Schwester an. „Weißt du, ich verstehe es ja selbst nicht … aber in letzter Zeit habe ich darüber nachgedacht, ob ich … ob ich Richard Kestrel vielleicht als Liebhaber nehmen sollte. Ist das nicht schrecklich schockierend?“
Ein warmes Lüftchen bewegte die Oberfläche des Goldfischteiches und trug den kräftigen Duft der blühenden Büsche zur Veranda.
Olivia war selbst nach diesem niederschmetternden Geständnis gelassen geblieben. „Es gibt Schlimmeres“, sagte sie ruhig. „Und wahrscheinlich ist ein Liebhaber weitaus angenehmer als eine unerfreuliche Ehe.“
Entsetzt starrte Deborah sie an. „Woher weißt du das?“
„Ich weiß es nicht. Ich denke es mir nur so.“
Deborah schüttelte den Kopf. „Nein, nein, es wäre zu skandalös. Diese Art Fantasien lässt man nicht Wirklichkeit werden. Im Übrigen ist Lord Richard nicht der einzige Grund für meine schlechte Laune. Ich habe einen Brief von Papa erhalten.“
„Aha.“ Bereitwillig ließ Olivia das bisherige Thema fallen. „Er will, dass du in den Schoß der Familie zurückkehrst?“
„Mehr als das.“ Deborah fegte mit der Hand die Krümel auf der Tischdecke zusammen. „Er befiehlt es und droht andernfalls, mir die Apanage zu entziehen.“
„Das ist allerdings hart, wenn du auch zugeben musst, dass er nur dein Bestes will.“
„Aber es geht ja nicht nur um meine Rückkehr. Er hat jetzt seinen alten Lieblingsplan wieder aufgegriffen und erwartet, dass ich nun Cousin Harry heirate.“ Entnervt verdrehte sie die Augen.
Mitleidig betrachtete Olivia die jüngere Schwester. „Aber er wird dich doch sicherlich nicht zwingen, wenn du nicht willst?“
Für einen Augenblick hingen beide Frauen ihren Gedanken nach. Dann sagte Deborah: „Wenn nicht Harry, dann eben irgendein anderer. Papa wird nicht eher Ruhe geben, bis er mich sicher und rechtmäßig verheiratet weiß. Ich mag gar nicht daran denken.“
„Und was willst du nun tun? Schließlich wirst du nicht umhinkönnen, zu Guys Hochzeit nach Bath zu reisen.“
Nachdenklich spielte Deborah mit der Kuchengabel. Sollte sie Olivia vielleicht von der Anzeige erzählen, die sie aufgegeben hatte? Aber rasch verwarf sie diesen Gedanken wieder. Es würde genügen, die Schwester einzuweihen, wenn sich ein passender Gentleman gemeldet hatte.
„Ich weiß noch nicht, was ich tun soll, aber es muss mir irgendetwas einfallen. Papa hat gehört, dass die Gefahr einer Invasion von Napoleons Truppen besteht, und will auch deshalb nicht, dass ich allein mit Clarrie in meinem Haus lebe.“
„Wenn du bei mir wohnen willst, dann hast du meinen Segen“, entgegnete Olivia trocken. „Du würdest niemanden stören.“
„Wirklich nicht? Aber … ihr … ihr wartet doch immer noch auf einen...




