E-Book, Deutsch, Band 10, 256 Seiten
Reihe: Historical Lords & Ladies
Cornick Ein unmoralisches Angebot
1. Auflage 2008
ISBN: 978-3-86349-978-5
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 10, 256 Seiten
Reihe: Historical Lords & Ladies
ISBN: 978-3-86349-978-5
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Für eine leichtlebige junge Dame hält Guy, Viscount Renshaw, die entzückende Sarah Sheridan. Und als er sie auf einem Ball in einem verschwiegenen Winkel entdeckt, reißt sein leidenschaftliches Begehren ihn dazu hin, sie stürmisch zu küssen. Verzaubert von den erregenden Zärtlichkeiten des Viscounts vergisst Sarah die Etikette. Sie lässt sich von ihren Gefühlen überwältigen und erwidert seine heißen Küsse. Doch jäh erwacht sie aus dem Taumel der Sinne, als der Mann, der sie schon lange fasziniert, ihr ein äußerst unmoralisches Angebot macht
Nicola Cornick liebt viele Dinge: Ihr Cottage und ihren Garten, ihre zwei kleinen Katzen, ihren Ehemann und das Schreiben. Schon während ihres Studiums hat Geschichte sie interessiert, weshalb sie sich auch in ihren Romanen historischen Themen widmet. Wenn Nicola gerade nicht an einer neuen Buchidee arbeitet, genießt sie es, durch die englische Landschaft zu spazieren. Sie freut sich über Leserzuschriften auf ihrer Webseite www.nicolacornick.co.uk.
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2. KAPITEL
„Sarah! Du kannst nicht nach Blanchland zurück! Ich verbiete es dir! Dein guter Ruf wäre sofort ruiniert, sobald du dort auch nur über die Türschwelle gehst!“
Lady Amelia Fenton, deren Gesicht tiefste Bekümmerung ausdrückte, ließ sich neben der Cousine auf das Sofa fallen. „Außerdem weißt du, dass du das, was Sir Ralph aus dem Haus gemacht hat, von Herzen verabscheust. Du hast gesagt, du willst nie mehr den Fuß hineinsetzen!“
Sarah seufzte und dachte, das einzig Positive an der augenblicklichen Situation sei, dass Amelia dadurch erfolgreich davon abgebracht worden war, über den Verlust der roten Rosen zu jammern. Die Cousine war so lange außer sich gewesen, nachdem sie erfahren hatte, dass ihr künstlerischer Mittelpunkt der Tafel ruiniert worden war, bis Sarah dann beiläufig die Absicht erwähnt hatte, am Tag nach dem Ball nach Blanchland reisen zu wollen.
Amelia stand wieder auf und ging mit energischen Schritten vor dem Kamin hin und her. Es wirkte ein wenig lächerlich, da sie viel zu klein war, um so aufgeregt auf und ab gehen zu können. Alles an ihr war klein, aber perfekt proportioniert, ganz im Gegensatz zu ihrem Vermögen, das groß genug war, um sie zu einer der begehrtesten Partien in Bath zu machen.
Durch Sarahs Miene darauf aufmerksam gemacht, dass sie albern wirkte, setzte sie sich stirnrunzelnd wieder hin. „Ich weiß, du denkst, dass ich mich zum Narren mache, Sarah, aber ich bin wirklich um dein Wohlergehen besorgt!“ Ihre Stimme hatte klein und verletzt geklungen. „Es wird dein Untergang sein, wenn du nach Blanchland fährst, ganz gleich, was du Gegenteiliges sagst!“
Sarah seufzte erneut. „Verzeih mir, Milly! Ich muss nach Blanchland. Frank hat mich darum gebeten …“
„Er ist seit drei Jahren tot!“, entgegnete Lady Amelia unbeirrt. „Meiner Ansicht nach ist es zu viel von dir verlangt, dass du seine Bitten auch noch nach seinem Tod erfüllst.“
Sarah dachte daran, dass ihre Cousine keine Ahnung hatte, wie viel Frank tatsächlich von ihr erwartete, und bemühte sich, sie zu beschwichtigen.
„Ich verspreche dir, dass ich nicht lange fort sein werde. Außerdem bin ich überzeugt, dass Sir Ralph wirklich nicht so schlimm ist wie …“
„Er hat Blanchland zum Inbegriff der Zügellosigkeit und Verkommenheit gemacht!“, entgegnete Amelia heftig. „Du weißt, dass es deinen Ruin bedeutet, wenn du diesen Auftrag ausführst! Was kann so wichtig sein, dass es dich zwingt, nach Blanchland zurückzukehren? Oh, ich könnte Frank umbringen, wäre er nicht schon tot!“
Sarah brach in Lachen aus. „Oh, Milly, ich wünsche mir ehrlich, ich könnte mich dir anvertrauen, aber ich habe geschworen, Schweigen zu bewahren! Es geht um eine sehr delikate Sache.“
„Unsinn!“, erwiderte Lady Amelia erbost. Sie schaute die Cousine an, und ihr Zorn verwandelte sich in Irritation. Sie konnte Sarah nie sehr lange böse sein.
„Oh, es tut mir leid, mein Schatz! Ich weiß, du hast sehr an deinem Bruder gehangen und glaubst jetzt, das Richtige zu tun, aber …“ Unglücklich ließ sie den Satz in der Luft hängen.
„Ich weiß!“ Sarah tätschelte ihr die Hand. Mit ihren vierundzwanzig Jahren war sie fünf Jahre jünger als Amelia, kam sich jedoch häufig älter vor. Amelia war diejenige, die ungestüm das Leben genoss und deren Unbesonnenheit so oft zu Schwierigkeiten geführt hätte, wäre sie nicht durch den klugen Rat ihrer jüngeren Cousine zur Vernunft gebracht worden. Sie war seit fünf Jahren verwitwet, benahm sich jedoch immer noch so sorglos wie eine junge Debütantin. Nun war sie indes diejenige, die zur Vorsicht mahnte, und Sarah diejenige, die etwas Törichtes vorhatte.
„Und ausgerechnet jetzt willst du reisen!“, sagte Amelia vorwurfsvoll. „In zwei Wochen ist Weihnachten, und ich bin sicher, es wird schneien!“
„Es tut mir leid, Milly. Aber ich habe das Gefühl, ich muss das tun.“
Sarah schwieg, weil Chisholm leise in den Raum gekommen war.
„Entschuldigen Sie bitte, meine Damen. Zwei Gentlemen möchten Sie sprechen, Lady Fenton.“
„Ich bin nicht zu Haus!“, rief sie gereizt aus. „Hören Sie, Chisholm! Sie wissen, dass ich heute niemanden empfangen will!“
„Ja, Madam, aber Sie haben Anweisung gegeben, dass Sir Greville …“
„Baynham!“, rief sie entzückt aus. „Warum haben Sie das nicht gleich gesagt, Chisholm! Worauf warten Sie? Bitten Sie ihn sofort herein!“
Der Butler verzog keine Miene. „Sehr wohl, Madam.“
Sarah unterdrückte ein Lächeln und fragte sich, ob Amelia die endlose Geduld ihres Personals zu würdigen wisse. Die Angestellten waren ihr trotz ihres sprunghaften Wesens sehr ergeben.
„Sir Greville! Wie geht es Ihnen? Ich hatte keine Ahnung, dass Sie schon aus London zurück sind!“
Amelia dachte nicht mehr an ihre Verärgerung und lächelte strahlend, als die Besucher in den Raum gebeten wurden. Sarah war überzeugt, dass ein weniger gutmütiger Mann als Sir Greville Baynham viel mehr aus dem herzlichen Empfang gemacht hätte, als von Amelia beabsichtigt war. Sir Greville war in den letzten Jahren Amelias beharrlichster Verehrer gewesen. Sie hatte jedoch, obwohl sie stets zu erkennen gab, dass sie seine Gesellschaft genoss, keinen seiner Heiratsanträge angenommen. Sarah glaubte, Amelia werde ihn sehr vermissen, falls er aufhören sollte, ihr den Hof zu machen. Leider ließ ihre Cousine nicht erkennen, dass ihr das bewusst war.
„Bitte, erlauben Sie mir, Lady Amelia, Ihnen Viscount Renshaw vorzustellen“, sagte Greville förmlich. „Er ist einige Tage bei mir in Chelwood zu Gast. Guy, das ist Lady Amelia Fenton, und das ist …“ Lächelnd drehte er sich zu Sarah um. „… die ehrenwerte Miss Sarah Sheridan, Lady Amelias Cousine. Ich glaube, Sie beide haben sich bereits getroffen.“
Sarah hatte den hoch gewachsenen Herrn, der Sir Greville in den Salon gefolgt war, sofort erkannt. Ihr Herz hatte einen Schlag lang ausgesetzt. Viscount Renshaw! Welch fürchterliches Pech, dass er genau in dem Moment wieder aufgetaucht war, als sie es geschafft hatte, ihn sich samt seinem boshaften Lächeln und seinem sie beunruhigenden Blick aus dem Kopf zu schlagen! Schlimmer noch! Sie hatte sich offensichtlich nicht in der Annahme getäuscht, ihn zu kennen, wenngleich zwischen dem schlaksigen Jüngling, der sie früher gnadenlos geneckt hatte, und dem sehr stattlichen Mann kaum Ähnlichkeit bestand.
Guy verneigte sich formvollendet. „Wie geht es Ihnen, Lady Amelia? Ich habe so viel über Sie gehört!“ Seine Stimme war dunkel timbriert und klang sehr angenehm, so melodisch, wie Sarah sie vom Vormittag her in Erinnerung hatte. Sie spürte das Herz schneller klopfen und musste tief durchatmen, um sich etwas zu beruhigen.
Amelia errötete und reichte dem Viscount lächelnd die Hand. Sarah bemühte sich, nicht zu lachen. Sir Grevilles betrübter Miene nach zu urteilen, bedauerte er, dass er seinen Freund der Dame, die er so glühend zu heiraten wünschte, hatte vorstellen müssen! Amelia war schrecklich flatterhaft und hatte seine Verehrung nicht verdient, wohingegen man dem Viscount, wie Sarah jetzt wusste, kaum trauen durfte.
„Und Miss Sheridan.“ Lord Renshaw drehte sich zu ihr um. Um seine Mundwinkel spielte ein Lächeln. Er war wirklich ungemein attraktiv und Sarah überzeugt, dass er das wusste. Der Gedanke führte dazu, sie ruhiger zu stimmen. Sie war nicht gewillt, dazu beizutragen, dass Lord Renshaw sich bestätigt fühlte!
„Wir sind uns nicht nur schon früher begegnet, Madam“, sagte er. „Ich würde sogar so weit gehen zu behaupten, dass wir Freunde aus Kindertagen sind!“
„Wart ihr das wirklich, Sarah?“ Starke Neugier sprach aus Amelias Augen, während sie zwischen dem Viscount und der Cousine hin und her blickte. „Wie aufregend!“
Sarah sah sehr betont Lord Renshaw an und bemerkte, dass sein Lächeln herausfordernd wurde, während er auf ihre Reaktion wartete.
„Lord Renshaw irrt sich“, erwiderte sie bedächtig. „Wir waren nie befreundet.“
Es verursachte ihr eine gewisse Genugtuung zu sehen, dass flüchtig ein überraschter Ausdruck in seinen Augen erschien. Er war, wie sie fand, viel zu selbstsicher und sich seiner Ausstrahlung zu sehr bewusst.
„Wie hätten wir befreundet sein können“, fuhr sie in süßlichem Ton fort, „da Lord Renshaw doch die ganze Zeit damit verbrachte, mich mit Spinnen und Kröten zu ärgern? Ich glaube, ich fand ihn unausstehlich!“
Amelia lachte hell auf. „Du meine Güte, Lord Renshaw! Mir scheint, meine Cousine hat, was kindliche Streiche angeht, ein sehr langes Gedächtnis! Sie werden sich sehr bemühen müssen, damit Sie ihre Sympathie erringen!“
„Das werde ich tun, Madam, falls sie mir eine zweite Chance einräumt!“ Der Blick, den Guy Sarah zuwarf, war so spekulativ wie belustigt. Sie fröstelte innerlich, ganz so, als habe er soeben eine Herausforderung geäußert, von der sie nicht sicher war, ob sie sich ihr stellen könne. Sie wandte absichtlich den Blick ab.
Amelia klopfte neben sich auf das Sofa. „Wie lange haben Sie vor, in Bath zu bleiben, Renshaw? Im Vergleich zu London werden Sie unsere Kreise hier reichlich langweilig finden!“
„Das bezweifele ich, Madam“, murmelte er und warf noch einen Blick zu Sarah. Er setzte sich neben die Hausherrin. „Ich befürchte jedoch, dass ich nur einige Tage hier sein werde. Ich bin erst kürzlich aus dem Krieg zurückgekehrt und sehne mich danach, meine Familie wiederzusehen. Ich werde übermorgen nach Woodallan...




