E-Book, Deutsch, Band 7, 184 Seiten
Reihe: Mountain Men
Cooper Mountain Men 07: Blutfrost
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-95719-357-5
Verlag: Blitz Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, Band 7, 184 Seiten
Reihe: Mountain Men
ISBN: 978-3-95719-357-5
Verlag: Blitz Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
John F. Cooper ist das Pseudonym eines deutschen Autors, der zahlreiche Romane und Kurzgeschichten veröffentlicht hat: Thriller, Horror, Science-Fiction und Fantasy. Seine große Liebe gilt jedoch dem amerikanischen Westen zu einer Zeit, als es dort nur wenige weiße Männer gab. Er wohnt im Gebirge, wo die Luft dünn zu werden beginnt und in den langen Wintern das Blut gefriert. Sein Mountain-Men-Abenteuer 'Wind River Gold' sollte ursprünglich ein Heftroman werden, ist jedoch nie als solcher veröffentlicht worden, weil die Serie, für die er gedacht war, eingestellt wurde. Inzwischen ist aus dem Herzensprojekt eine eigene Buchserie geworden. Zunächst in drei dicken Büchern im Selfpublishing erschienen, wird sie im BLITZ-Verlag neu aufgelegt und mit neuen Romanen fortgesetzt.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Kapitel 1
Die Rocky Mountains, Winter 1822/23
Hannah hatte Glück gehabt. Gedankenverloren hatte sie auf den Baumstamm eingehackt, doch um ihre Kräfte zu schonen, musste sie immer wieder kurze Pausen einlegen. In solch einem Moment, als die Axt gerade schwieg, war das Kanu wie ein träger Raubfisch vorbeigeglitten. Die Entfernung betrug keine dreißig Yards, doch Hannah war sicher, dass die Männer im Boot nichts gehört hatten.
„Wie viele waren es?“, fragte Mel.
„Drei, glaube ich.“ Hannah hatte sich hinter den Stamm geduckt und mehr darauf geachtet, nicht gesehen zu werden, als selbst zu beobachten.
„Waren Irokesen dabei?“ Mel befürchtete, dass die Waldindianer mit ihrem legendären Geruchssinn den Holzrauch aus dem Unterschlupf wahrgenommen haben könnten.
„Ich habe keine Rothäute gesehen.“ Mel fiel auf, dass Hannah die Indianer nur noch als Rothäute bezeichnete, seitdem der Irokese Delsy die kleine Hope ermordet hatte.
„Das ist gut“, meinte er, obwohl sie wussten, dass die Anwesenheit des Kanus ganz und gar nichts Gutes bedeutete. Es besagte, dass die Hommes du Nord die Verfolgung nicht aufgegeben hatten. Sie waren auf der Suche nach ihnen. Vielleicht jagten sie ganz allgemein Überlebende des Massakers, doch Mel nahm an, dass Gael Prevost sich nicht für einen einzelnen Trapper interessierte, der durch die Wildnis irrte. Er wollte ihn und Jed haben, um seine Rache zu vollenden. Wahrscheinlich war er auch hinter Hannah her, die eine wertvolle Geisel darstellte und außerdem die einzige weiße Frau im Umkreis von Hunderten Meilen war.
„Wir dürfen nicht hierbleiben“, erklärte er. „Sonst finden sie uns irgendwann. Wir sind nicht weit genug von unserem alten Lager entfernt.“ Die Hommes du Nord nutzten das Chouteau-Camp sicherlich als Basis.
„Für den Einbaum brauchen wir noch einige Tage“, wandte Hannah ein.
„Den Einbaum können wir vergessen. Irgendwann kommt dieses Kanu zurück. Auf dem Fluss finden sie uns am leichtesten.“
„Und wenn wir nun warten, bis sie zurückkehren? Wir lassen sie passieren, dann ist der Weg frei, und wir fahren los.“
Doch das Risiko erschien Mel zu groß. Was, wenn sie das Kanu verpassten und so nicht erfuhren, dass die Luft flussabwärts wieder rein war? Was, wenn die Besatzung sie bei ihrer Rückkehr doch noch entdeckte? Oder wenn Prevost weitere Boote den Fluss hinunterschickte? Nein, sie mussten zu Fuß weitergehen.
Insgeheim war Mel sogar froh über diese Entwicklung, denn er war nicht sicher, ob der Einbaum funktioniert hätte. Er hatte schon gehört, dass schlecht ausbalancierte Einbäume umschlugen wie Nussschalen auf hoher See und ihre Besatzungen in den Tod rissen. Ihr neuer Plan erschien ihm verlässlicher. Ein Fußmarsch war jedoch kräftezehrend, besonders wenn es wieder schneite.
„Wir brauchen Schneeschuhe“, sagte Mel.
„Klar. Aber die sind alle im Lager zurückgeblieben.“
„Wir bauen uns selber welche.“ Mel wusste, dass dabei weniger schiefgehen konnte als bei einem Einbaum. Nachts hatte er schon darüber nachgedacht, wie sich Schneeschuhe improvisieren ließen.
Mit dem Tomahawk schlug er daumenstarke Äste von den Bäumen, sechs Stück pro Schuh, dazu jeweils eine Handvoll Reisig. Die Äste brachte er auf unterschiedliche Länge. Jetzt benötigten sie nur noch Stricke. Hannah opferte ihr Haarband, Mel steuerte ein Tuch bei, in das er auf seinen Jagdausflügen Pemmikan eingewickelt hatte. Das Gewebe war durchtränkt mit Fett, was es nahezu reißfest machte.
Mit Hannahs handlichem Messer schnitt er das Tuch in Streifen. Jeweils zwei unterarmlange Stöcke legte er so auf den Boden, dass sie ein V bildeten. Als Querstreben, die das V zusammenhielten, verwendete er kürzere Stöcke. Er verband alles mithilfe der Stofffetzen und des Haarbandes. Auf diese Weise entstand ein keilförmiges Gitter. Zum Schluss flocht Mel Reisig zwischen die Streben. Das Ganze ergab eine Art übergroße Sohlen, mit denen sie im tiefen Schnee nicht versinken würden. Zu guter Letzt schnitt Mel lange Streifen aus dem Saum seines Capotes, mit denen sie die provisorischen Schneeschuhe an ihren Füßen festbanden.
„Alle Achtung“, sagte Hannah.
Mel zuckte mit den Schultern, als baue er jeden Tag Schneeschuhe und nebenher den einen oder anderen Einbaum. Insgeheim aber war er mächtig stolz auf seine Idee und auf Hannahs Lob.
*
Sie nahmen ihre wenigen Habe und gingen los. Das Wetter meinte es zunächst gut mit ihnen. Die Sonne schien, spendete ein wenig Wärme und hob ihre Stimmung. Allerdings kamen sie nur langsam voran. Auf weitläufigen Flächen waren die Schneeschuhe ein gutes Fortbewegungsmittel. Im Wald jedoch stießen sie häufig auf vom Sturm gefällte Bäume. Hier mussten sie die Treter abschnallen, um über die Stämme steigen zu können, die wild durcheinander lagen wie von Riesen verschüttete Schwefelhölzer.
Sie folgten dem Fluss in nördlicher Richtung. Mel hatte noch immer vor, den Handelsposten am Yellowstone River zu erreichen, obwohl er nicht wusste, ob es ihn wirklich gab. Doch sie konnten schlecht auf gut Glück durch die Berge streifen. Sie benötigten ein Ziel. Auf dem Weg zum Yellowstone mussten sie durch die Absaroka-Berge. Vielleicht fanden sie dort ein Lager der Crow. Mel hoffte außerdem, dass sie auf Überlebende aus ihrer Mannschaft stießen. Wo, zum Teufel, steckte Jed? Nachdem er Hedlunds Angriff abgewehrt hatte, war er verschwunden. Mel glaubte nicht, dass Prevosts Männer ihn erwischt hatten. Nicht Jed. Mel wünschte, sein Partner wäre bei ihnen.
„Warum hat Hedlund uns verraten?“, fragte Hannah, als sie rasteten.
„Ich nehme an, er hat es als Notwendigkeit angesehen“, sagte Mel.
„Verrat als Notwendigkeit?“
„Er hat sich bessere Chancen ausgerechnet, wenn er mit Prevost zusammenarbeitet.“
„So ein Schuft. Ich habe ihn stets respektvoll behandelt.“
„Ja, aber so denkt Hedlund nicht.“
Hannah schwieg verbittert. „Ihn werden wir ebenfalls töten“, erklärte sie nach einer Weile. „Delsy, Hedlund ... und natürlich diesen verdammten Prevost.“ Die Liste ihrer Rache wurde von Tag zu Tag länger. Aber Mel sah ein, dass sie erst sicher sein würden, wenn auch Gael Prevost tot war.
„Was ist euer Geheimnis?“, wollte Hannah plötzlich wissen.
„Geheimnis?“
„Dieser Prevost behauptet, ihr hättet ihm das Tal seines Vaters gestohlen, schön. Aber es gibt viele Täler, und die meisten sind voller Biber. Er hätte keinen tödlichen Streit anzetteln müssen. Was hat er mit dem Gold gemeint? Ich nehme an, es ging wirklich um Gold.“ Sie sah Mel forschend an. Er fühlte sich unbehaglich. Konnte er ihr das Geheimnis anvertrauen? Vielleicht nicht. Aber konnte er es ihr vorenthalten und riskieren, dass sich Misstrauen in ihre Beziehung schlich? Ganz sicher nicht. Sie brauchten einander.
Mel beschloss, Hannah gerade so viel zu erzählen, wie nötig war, damit keine Spannungen zwischen ihnen entstanden.
„Sein Vater, Jehan Prevost, hatte ein bisschen Gold gefunden. Er hat uns verraten, wo das war.“
„Und, wo war es?“
„In einem Gebiet, das die Crow für sich beanspruchen. Man kommt nur hin, wenn man ihr Freund ist. Aber Prevost würde es natürlich trotzdem versuchen.“
„Verstehe“, sagte Hannah. „Es würde zum Kampf kommen, bei denen auch eure Rothaut-Freunde Verluste zu beklagen hätten.“
„Genau.“ Ihm gefiel der Begriff Rothäute im Zusammenhang mit den Crow nicht, aber er ging darüber hinweg.
Sie zogen weiter. Mel hielt nach Wild Ausschau, doch als sie in der Ferne einen Weißwedelhirsch erblickten, wagte er keinen Schuss. Das Tier war zu weit weg, ein tödlicher Treffer unwahrscheinlich. Der Büchsenknall wäre jedoch weithin zu hören. Er fragte sich, wie lange sie ihren nagenden Hunger noch ignorieren konnten.
„Vielleicht sollten wir Prevost verraten, wo sich das Gold befindet“, sagte Hannah nach einer Weile.
„Das denke ich nicht.“
„Überlege mal: Wir gehen zu ihm und ergeben uns. Wir sagen, dass er im Tausch für unser Leben bekommt, was er will. Dann locken wir ihn auf das Gebiet der Crow und sehen zu, wie die roten Teufel Prevost und seine Bande fertigmachen. Dafür musst du nicht einmal die richtige Stelle preisgeben.“
Das war kein schlechter Plan. Doch was würde geschehen, wenn sie die Crow nicht fanden? Außerdem hatte Mel nicht vor, die Hommes du Nord auf den Stamm von Little Eagle zu hetzen. Das würde auch für ihre Indianerfreunde blutig enden.
Er dachte an ihren Feind Bloody Buffalo. Bei ihm würde er nicht zögern, aber er hatte keine Ahnung, wo sich der Kriegshäuptling der Blackfeet aufhielt. „Ich denke, wir schlagen uns lieber so durch“, sagte er.
Sie stapften weiter, und Hannah blieb für den Rest des Tages still. Mel wusste nicht, ob sie ihre Kräfte einteilte oder schmollte.
Abends entfernten sie sich vom Fluss, um in sicherem Abstand ein Feuer zu entfachen. Mel baute wieder einen Unterstand aus Reisig, und sie legten sich eng nebeneinander. Mel fühlte sich von Hannah angezogen, aber sie ließ durch nichts erkennen, ob das auf Gegenseitigkeit beruhte. Nach allem, was sie beim Alten Volk erduldet hatte, nach ihrer erzwungenen Schwangerschaft, konnte er sich vorstellen, dass sie nie wieder mit einem Mann zusammen sein wollte. Andererseits hatte Hannah in der sogenannten zivilisierten Gesellschaft von St. Louis allerlei Gerede über...




