E-Book, Deutsch, Band 5, 244 Seiten
Reihe: Mountain Men
Cooper Mountain Men 05: Das alte Volk
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-95719-769-6
Verlag: Blitz Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, Band 5, 244 Seiten
Reihe: Mountain Men
ISBN: 978-3-95719-769-6
Verlag: Blitz Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
John F. Cooper ist das Pseudonym eines deutschen Autors, der zahlreiche Romane und Kurzgeschichten veröffentlicht hat: Thriller, Horror, Science-Fiction und Fantasy. Seine große Liebe gilt jedoch dem amerikanischen Westen zu einer Zeit, als es dort nur wenige weiße Männer gab. Er wohnt im Gebirge, wo die Luft dünn zu werden beginnt und in den langen Wintern das Blut gefriert. Sein Mountain-Men-Abenteuer 'Wind River Gold' sollte ursprünglich ein Heftroman werden, ist jedoch nie als solcher veröffentlicht worden, weil die Serie, für die er gedacht war, eingestellt wurde. Inzwischen ist aus dem Herzensprojekt eine eigene Buchserie geworden. Zunächst in drei dicken Büchern im Selfpublishing erschienen, wird sie im BLITZ-Verlag neu aufgelegt und mit neuen Romanen fortgesetzt.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Kapitel 1
Die Great Plains, Spätsommer 1821
Little Eagle steckte in einem Dilemma. Es hatte vor Wochen mit dem Besuch von Bloody Buffalo begonnen und hielt bis zum heutigen Tag an, denn Little Eagle war kein Befürworter des Bündnisses mit den Blackfeet. Er hatte sich gefügt, weil es die Entscheidung der Ältesten war und weil er einsah, dass der Pakt den Crow Vorteile brachte.
Auch den Crow waren die Jäger von jenseits der Berge ein beständiges Ärgernis, doch bislang hatten sie nicht die Mittel besessen, die Bisonräuber zu vertreiben. In manchen Jahren hatten sie ihren Zorn hinuntergeschluckt, in anderen hatten sie gekämpft. Mal hatten sie gewonnen, mal verloren. So war es über Generationen gewesen, und so würde es bis in alle Ewigkeit bleiben, doch dann war Bloody Buffalo gekommen und hatte ihnen einen Ausweg angeboten. So absurd der Gedanke an ein Bündnis mit ihren Erzfeinden anmutete, so verlockend war er auch. Gemeinsam würden sie die fremden Bisonjäger in die Ewigen Jagdgründe schicken, und danach konnten Crow und Blackfeet wieder ihre eigenen Pfade beschreiten. Nicht selten würde es der Kriegspfad sein.
Little Eagle hatte sich noch aus einem anderen Grund gefügt. Nach dem Tod von Hunting Coyote schien die Rivalität unter den Blackfoot-Stämmen überwunden, und Bloody Buffalo konnte viele Krieger in die Schlacht führen. Little Eagle fürchtete Bloody Buffalos Zorn, sollten die Crow nicht an seiner Seite reiten. Es war besser, einen zweifelhaften, aber mächtigen Freund zu haben als einen übermächtigen Feind. Also hatte er zugestimmt, die Krieger von Brave Crow an der Seite der Blackfeet gegen die Bisonräuber der Shoshonen, Flathead, Pend d’Oreilles und aller anderen Banden zu führen, die sich in diesem Sommer über die Berge wagten.
Ihr Kriegszug war bisher erfolgreich verlaufen, aber Little Eagles Zweifel waren nicht verflogen. Es hatten sich keine anderen Crow-Stämme ihrem Bündnis angeschlossen, Bloody Buffalo hatte nicht die versprochenen fünftausend Krieger mobilisieren können, und jetzt standen sie zum ersten Mal Männern gegenüber, die Little Eagle nicht töten wollte. Er betrachtete die weißen Trapper Jones und McGruder als Freunde. Über die Jahre hatte Little Eagle dem älteren Mountain Man ein paar Mal Pferde gestohlen, und Jones hatte sich auf gleiche Weise revanchiert. Aber sie hatten immer Respekt füreinander empfunden.
Im letzten Herbst hatten die Trapper Little Eagles Sohn vor einem durchgehenden Büffel gerettet, und auch wenn sein Sohn inzwischen nicht mehr unter den Lebenden weilte, so war es doch eine Tatsache, dass Grey Otter im Kampf an der Seite des jungen Mountain Man gefallen war. Das machte diesen Malcolm McGruder beinahe zu einem Ersatzsohn für Little Eagle. Er wollte ihn nicht töten müssen.
Doch was konnte er tun? Er hatte den Ältesten sein Wort gegeben. Auch Bloody Buffalo gegenüber stand er in der Pflicht. Ritt er mit seinen Kriegern fort, erwies er sich als Feigling. Stellte er sich auf die Seite der Trapper, würde er für seine Feinde, die Flathead, Shoshonen und Pend d’Oreilles kämpfen müssen. Undenkbar und selbstmörderisch dazu, denn die Blackfeet waren stark. Stärker als ihre Gegner annahmen.
Es kam Little Eagle gerade recht, dass Bloody Buffalo heute besondere Pläne mit seiner Crow-Streitmacht hatte. Früh am Morgen hatte er die achtzig Krieger auf einen langen Ritt geschickt. Bloody Buffalo hatte vorhergesehen, dass ihre Feinde sich vor ihrem Lager aufstellen und das Lager selbst nur durch eine kleine Gruppe absichern würden. Die Crow sollten einen weiten Bogen schlagen, außer Sichtweite ihrer Feinde von den Pferden steigen und durchs hohe Gras zum Lager schleichen. Der Plan war aufgegangen.
Als Little Eagle sich jetzt halb aufrichtete und über die sanft wogenden Halme des Präriegrases spähte, sah er das feindliche Lager direkt vor sich. Alte, Frauen, Kinder und die zur Bewachung abgestellten Krieger starrten in die Richtung, aus der das Gejohle und die Jubelrufe der Hauptstreitmacht zu ihnen herüberdrangen. Nicht einmal die Hunde achteten auf die Crow, sondern liefen unruhig winselnd zwischen den Zelten umher und richteten ihre Ohren immer wieder auf den Kampflärm aus, als könnten sie die Stimmen ihrer Herren aus der Kakofonie herausfiltern.
Die Crow näherten sich dem Lager von der Seite. Es wurde von Shoshonen bewacht. Gut, dachte Little Eagle, diese Kojoten hatten sie gestern schon einmal besiegt.
Die tags zuvor noch weit auseinandergezogene Zeltstadt war zum großen Teil abgebaut worden, viele Tipis lagerten zusammengeschnürt am Rand des Lagers, wo die Packen eine Brustwehr gegen Angreifer bildeten, aber natürlich konnten auch die Angreifer diese Ballen als Deckung nutzen, wenn sie als Erste dort Stellung bezogen.
Was Little Eagle vorhatte.
Ein Shoshone schlenderte außen an der Barrikade entlang. Er rechnete nicht mit einem Überfall und reagierte zu spät, als ein Crow aufsprang und ihm seinen Tomahawk in die Stirn hieb. Der Schädel des Shoshonen klappte auseinander wie ein Kürbis, und Blut und Hirnmasse spritzten im hohen Bogen über die aufgereihten Packen. Eine Flathead-Frau auf der anderen Seite bekam etwas davon auf die Wange. Verwirrt blickte sie sich um, und als sie über die Ballen schauen wollte, wurde sie von zwei Crow hinübergezerrt. Der eine hielt der Frau den Mund zu, der andere stieß ihr ein Messer in den Leib, dreimal, viermal, bis sie nicht mehr zuckte.
Fast alle Crow hatten die Barrikade jetzt erreicht. Neben der Ballenreihe stand ein Tipi, und davor erkannte Little Eagle einen alten Flathead-Krieger mit einer ramponierten Muskete im Schoß. Der Lauf der Waffe war abgesägt worden, und der beschädigte Schaft wurde von straff gespannter Tierhaut zusammengehalten. Der Flathead schien völlig versunken dem Lärm des nahen Schlachtfelds zu lauschen, als könne er den Verlauf des Kampfes anhand der Geräusche bestimmen.
Little Eagle schlich zur Rückseite des Tipis, schlitzte leise die Zelthaut auf und kroch ins Innere. Er näherte sich dem alten Krieger von hinten, legte ihm einen Arm um den Hals und zerrte ihn rücklings ins Zelt, wo er ihm sein Messer über die Kehle zog. Es ging schneller als bei der Frau, aber das Blut des Alten spritzte hoch an die Zeltwände und in Little Eagles Gesicht.
Zwei Crow waren ihm gefolgt. Einer brachte Little Eagles Kentucky-Rifle mit. Little Eagle nickte ihm zu, dann spähte er durch die Zeltöffnung ins Lager seiner Feinde. Die meisten Familien schienen alles für einen raschen Aufbruch vorbereitet zu haben. Ihre Habseligkeiten lagerten auf Travois, Transportgestängen, die von Pferden gezogen wurden. Frische Büffelhäute, obwohl noch nicht vollends bearbeitet, lagen zu Ballen verschnürt bei der anderen Ausrüstung. Nur das frische Bisonfleisch war noch nicht soweit. Die langen Fleischstreifen hingen auf den Trockengestellen, die man vom Schlachtplatz weggeholt und im Lager aufgestellt hatte. Das Fleisch würde noch einige Tage in der warmen Luft benötigen, ehe es zu Pemmikan verarbeitet werden konnte, den haltbaren und nahrhaften Rationen aus Fleisch, Beeren und Fett, die den Stamm über den Winter bringen würden.
Little Eagle sah aber auch etliche Zelte, deren Bewohner keine Vorkehrungen für einen Abmarsch getroffen hatten. Er wusste, dass sie realistisch dachten. Für die Flathead und ihre Verbündeten hieß es, an diesem Ort zu siegen oder zu sterben. Auf dem Weg in die Ewigen Jagdgründe würden sie kein Gepäck mitnehmen können.
Little Eagle zielte mit der Muskete des Alten auf einen kräftigen Shoshonen, der aussah, als könne er den Crow einigen Ärger machen. Dann drückte er ab. Der Feuerstein schlug Funken, das Pulver in der Pfanne entzündete sich zischend, und einen Herzschlag später raste die Kugel aus dem Lauf und fuhr dem Shoshonen in den Rücken. Little Eagle hatte nur grob gezielt, aber das Bleistück traf das Rückgrat des Kriegers, brach es und fällte den Mann wie einen Baum.
Little Eagle warf die erbeutete Muskete weg, griff nach seiner eigenen Waffe und erschoss einen weiteren Shoshonen, der sich nach seinem gefallenen Stammesbruder umsah. Gleichzeitig richteten sich die Crow an der Außenseite der Brustwehr auf und schossen mit Musketen und Bogen ins Lager. Sie töteten viele Feinde. Shoshonen-Krieger fielen unter dem Hagel aus Blei und Stein ebenso wie Flathead-Frauen und alte Pend d’Oreilles. Dann sprangen die Crow über die Zeltballen hinweg und griffen mit Tomahawks und Messern an. Es war ein Gemetzel.
Little Eagle sah einen Shoshonen, der gegen ein Holzgestell gelehnt im Gras saß und ihn anstarrte. Es war Drei Federn. Little Eagle kannte den Namen nicht, doch er erkannte den Mann wieder. Es war ein Häuptling. Einer der Crow hatte ihn am gestrigen Tag mit einem Pfeil verwundet, aber der Shoshone lebte noch immer. Er machte eine abfällige Bemerkung über Little Eagles Eltern. Little Eagle erwiderte, es sei eine geringere Schande, eine läufige Wölfin zur Mutter zu haben als die blumenhafteste Shoshonen-Prinzessin. Aber er bewunderte die trotzige Tapferkeit des Shoshonen-Häuptlings, der wusste, dass er sterben würde.
Zwei Krieger stellten sich Little Eagle entgegen, um ihren Häuptling zu verteidigen. Little Eagle erschoss den ersten mit seiner wieder geladenen Kentucky Rifle, wehrte den Tomahawk des zweiten mit dem Lauf ab, und stieß ihm sein Messer in den Bauch. Der Shoshone sank zusammen. Dem Schlitz in seinem Unterleib entwich der Gestank von warmen Därmen wie eine Wolke, die die Welt verpesten will.
Der Shoshonen-Häuptling hielt den Blick unentwegt auf den Crow gerichtet. Seine Augen funkelten hasserfüllt, und Little Eagle...




