E-Book, Deutsch, Band 4, 246 Seiten
Reihe: Mountain Men
Cooper Mountain Men 04: Bisonkrieg
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-95719-768-9
Verlag: Blitz Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, Band 4, 246 Seiten
Reihe: Mountain Men
ISBN: 978-3-95719-768-9
Verlag: Blitz Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
John F. Cooper ist das Pseudonym eines deutschen Autors, der zahlreiche Romane und Kurzgeschichten veröffentlicht hat: Thriller, Horror, Science-Fiction und Fantasy. Seine große Liebe gilt jedoch dem amerikanischen Westen zu einer Zeit, als es dort nur wenige weiße Männer gab. Er wohnt im Gebirge, wo die Luft dünn zu werden beginnt und in den langen Wintern das Blut gefriert. Sein Mountain-Men-Abenteuer 'Wind River Gold' sollte ursprünglich ein Heftroman werden, ist jedoch nie als solcher veröffentlicht worden, weil die Serie, für die er gedacht war, eingestellt wurde. Inzwischen ist aus dem Herzensprojekt eine eigene Buchserie geworden. Zunächst in drei dicken Büchern im Selfpublishing erschienen, wird sie im BLITZ-Verlag neu aufgelegt und mit neuen Romanen fortgesetzt.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Kapitel 1
Missouri River, Sommer 1821
Nach dem Ausschiffen zogen sie westwärts, wie Jed es vorgeschlagen hatte, vier Männer und sechs Pferde, von denen zwei mit Ausrüstung und Tauschwaren beladen waren. Als Packtiere wären Jed ein paar stoische Mulis lieber gewesen, aber Auguste Chouteau hatte auf Pferden bestanden. So würden sie schneller vorankommen, hatte er argumentiert, und wenn sich dieser Vorteil am Ende auf einige Tage summierte, mochte dies den Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg ihres Unternehmens ausmachen, den Unterschied zwischen Leben und Tod für Hannah Billings und ihre Begleiter.
Jed hatte es schulterzuckend hingenommen. Pferde waren nicht so genügsam wie Mulis, doch falls es nötig wurde, würden sie sich bei den Indianern besser gegen Informationen, Nahrung oder freies Geleit tauschen lassen.
Der Beginn ihrer Landexpedition stand unter keinem guten Vorzeichen. Kapitän Crittenden hatte sie ein wenig nördlich von der Einmündung des Platte River in den Missouri an Land gesetzt. Crittenden hatte einen Abschnitt gewählt, an dem eine Sandbank vom Ufer aus bis zur Flussmitte reichte. Die Pferde mussten nur wenige Meter schwimmen, um das Schwemmland zu erreichen. Auf der Sandbank ritten sie ans westliche Ufer und trieben die Reittiere die flache Böschung hinauf in ein Waldstück, wo Jed abrupt Halt machte.
„Verdammt!“
Die anderen sahen ihn verwundert an, doch dann dämmerte ihnen, in welchen Schlammassel sie hier geraten waren.
Das üppige Grün des Waldstücks wurde immer wieder von toten Bäumen durchbrochen, die wie silbrige Schlangen himmelwärts strebten. Auf den ersten Blick war dies nur ein verwilderter Wald. Allmählich aber wurde ein verhängnisvolles Muster erkennbar.
Abgestorbene Bäume verteilten sich normalerweise kreuz und quer im Dickicht: Aufrecht stehende Stümpfe, halb umgestürzte Stämme, die sich an andere Stämme lehnten und Totholz, das am Boden verrottete. Die toten Bäume in diesem Wald waren jedoch ausnahmslos nach oben gerichtet und ballten sich zu skelettartigen Pyramiden zusammen. Dies war Menschenwerk. Kein toter Wald, sondern Gerüste. Gerüste mit Plattformen aus Ästen und Zweigen, auf denen Ballen aus Decken und Büffelhäuten lagerten. Eine Begräbnisstätte.
„Ein verdammter Indianerfriedhof“, knurrte Jed.
„Oui, aber die Toten werden kaum heruntersteigen und uns den Durchgang verweigern“, sagte Breton. Doch er war erfahren genug, um das Problem zu erkennen. Falls die Sioux, denen dieser Friedhof gehören musste, einen Trupp weißer Männer an dieser heiligen Stätte erwischte, mussten sie sich um die Blackfeet keine Sorgen mehr machen, weil sie deren Jagdgründe niemals erreichen würden.
„Langsam im Schritt“, zischte Jed. „Und bleibt verdammt noch mal hinter mir.“
Er suchte nach einem Weg zwischen den Stangengerüsten, der sie möglichst rasch aus diesem Wald herausbringen würde. Doch das war nicht einfach. Immer wieder tauchten neue Hochgräber zwischen den Bäumen auf. Die Pfähle knarrten leise im Wind, der vom Missouri herüberwehte. Es klang, als würden die Toten mit den Zähnen knirschen.
Fasziniert starrte Mel nach oben und versuchte, die Bündel auf den Plattformen zu zählen. Es gelang ihm nicht, denn die Anordnung der Grabstätten war chaotisch. Hier mussten Hunderte Indianer bestattet liegen, der Größe der Bündel nach zu urteilen nicht nur Erwachsene, sondern auch viele Kinder. Mel fragte sich, woran sie gestorben waren. Entbehrungen? Seuchen? Oder waren sie Opfer feindseliger Auseinandersetzungen zwischen den Stämmen?
Jed schien seine Gedanken zu erahnen. „Ich habe mal von einer Pawnee-Horde gehört, die durch Büffel ausgelöscht wurde“, sagte er leise. „Die Krieger ritten zur Jagd, ihre Familien bereiteten sich darauf vor, die Büffel zu zerlegen. Irgendwer machte einen Fehler, die Herde floh in die falsche Richtung und trampelte alle Pawnee, die im Dorf geblieben waren, nieder, Alte, Frauen und Kinder.“
„Dann waren die Krieger ja noch am Leben, die Horde also überhaupt nicht ausgelöscht“, wandte Breton ein.
Jed zuckte nur mit den Schultern, und André, der die Stangengerüste nicht aus den Augen ließ, erklärte: „Der mächtigste Krieger ist nichts ohne seine Familie.“
„Genau“, sagte Jed, und Breton gab ein genervtes Knurren von sich. Mel musste schmunzeln.
Sie erreichten den Rand des Indianerfriedhofs und ritten aus dem Waldstück hinaus in die Prärie. Es war als würde eine Last von ihren Schultern genommen. Die Schwüle wich einer zunehmend klarer werdenden Luft. Weit und breit war kein Sioux zu sehen. Sie hatten Glück gehabt.
Aber ihr Glück hielt nicht an. Stattdessen mehrten sich die düsteren Omen.
Zwei Meilen vom Indianerfriedhof entfernt fanden sie Loomis und seine Trapper. Zumindest nahmen sie an, dass es sich bei den Toten um die Fallensteller handelte, auf die der Clerk in der Handelsstation am Missouri vergebens wartete.
*
Die Toten mussten seit vielen Tagen hier liegen, denn die Fliegen hatten ihre Herrschaft über die Leichen bereits an die Käfer und Ameisen verloren, die auf den verwesenden Körpern nun ihre eigenen Kämpfe ausfochten.
Wie die Trapper ihr Leben verloren hatten, war nicht zu übersehen. Die sieben Männer hatten ein Lager aufgeschlagen, ein Kochfeuer errichtet, und dann waren sie von Indianern überrumpelt worden. Ihre Leichen wiesen zahlreiche Speer- und Pfeilwunden auf, und kein einziger hatte seine Haare behalten. Zusammen mit den Skalpen hatte man den Toten die Ausrüstung, die Pelze und die Pferde abgenommen. Im niedergetrampelten Gras lagen nur noch die verstümmelten Körper.
„Sioux?“, fragte Breton.
„Anzunehmen“, erwiderte Jed. Die Angreifer hatten ihre Pfeile eingesammelt und mitgenommen, denn die Schäfte waren in der baumlosen Prärie zu wertvoll, um sie zusammen mit den Leichen der Feinde verrotten zu lassen. Es gab nichts, was Jed die Herkunft der Angreifer verriet, aber da sie sich in den Jagdgründen der mächtigen Sioux befanden, lag der Schluss nahe, dass Angehörige dieses Volks für den Überfall auf die Pelzjäger verantwortlich waren.
„Yankton-Sioux vielleicht, oder Oglala“, meinte Jed. „Ehrlich gesagt, kann ich die vielen Sioux-Stämme kaum auseinanderhalten. Ich hatte bisher so gut wie nie mit ihnen zu tun. Vielleicht waren’s sogar Pawnee. Deren Gebiet liegt hier auch irgendwo.“
Mel hielt das Eingeständnis seines Partners für bemerkenswert. Wann hatte Jed jemals zugegeben, dass er über irgendeine Sache, die das Leben im Westen betraf, nicht Bescheid wusste?
„Bei den Kosaken in Russland wusste man auch nie, von wo sie kamen“, brummte Breton. „Vom Don oder vom Dnjepr oder aus dem Ural, das war völlig egal. Wenn man sie sah, konnte man bloß noch eins tun.“
„Fliehen“, vermutete André.
Breton schüttelte den Kopf. „Schießen. Laden und immer wieder Schießen. Zum Fliehen hatte man keine Zeit, und wer es dennoch versuchte, kam nicht weit, bis er einen Kosakensäbel im Nacken spürte.“ Der Sergeant lachte plötzlich. „Aber wir von der Garde haben ihnen den Arsch aufgerissen. Wir sind keinen Meter gewichen und haben tausende Kosaken getötet. In den russischen Steppen weinen Mütter noch heute, wenn sie an die Alte Garde denken.“
Mel hielt Bretons Gerede für Prahlerei, und er fragte sich, mit welcher Geschichte Jed dagegenhalten würde. Aber sein Partner blieb stumm und blickte sich aufmerksam um.
„Wenn die Sioux auf dem Kriegspfad sind, wie groß sind dann unsere Chancen, an Land durchzukommen?“, fragte Breton. Ihm war anzumerken, dass er seine Zustimmung, den Landweg zu nehmen, inzwischen bereute.
„Ich glaube nicht, dass alle Sioux auf dem Kriegspfad sind“, sagte Mel. „Der Clerk sprach nur von diesem einen Kerl, Grauer Wolf. Vielleicht können wir ihm ein paar von unseren Tauschwaren überlassen, falls wir ihm begegnen.“
„Glaubst du?“, fragte Breton.
„Finden wir’s raus“, sagte Jed. Er deutete auf einen Hügel im Grasland, der eben noch leer gewesen war. Jetzt war eine Gruppe Indianer dort aufgetaucht. Ein Dutzend Krieger mit Lanzen, an denen Adlerfedern flatterten. Der Mann in der Mitte trug einen Kopfputz aus Wolfsfell.
Grauer Wolf.
*
Breton übernahm sofort das Kommando. „Waffen überprüfen und schussbereit machen. McGruder, du deckst unsere rechte Flanke, Jones nach links. André, bleib direkt neben mir und denk daran, dass deine Schrotflinte nur auf kurze Distanz wirksam ist. Also warten, bis ich dir den Feuerbefehl gebe.“
Mel nahm zögernd den ihm zugewiesenen Platz ein und machte seine Forsyth-Rifle scharf, indem er den Hahn spannte und den Flakon drehte, damit eine Prise Knallquecksilber in die Zündkammer fiel. Jed jedoch machte keine Anstalten, den Weisungen des Sergeants Folge zu leisten. „Was soll das werden?“, fragte er.
„Wir kämpfen, was sonst“, meinte Breton unwirsch. „Wir schießen, sobald wir das Weiße in ihren Augen sehen. Auf mein Kommando!“ Er wandte sich noch einmal an André. „Du nicht. Du wartest, bis wir nachladen müssen und holst den ersten Bastard vom Pferd, der durchbricht. Wenn du es richtig anstellst und sie dicht nebeneinander kommen, kannst du vielleicht mehrere auf einmal erwischen. Alles klar? Gut. Haltet eure Pistolen bereit, falls es zum Nahkampf kommt.“
Jed schüttelte den Kopf. „Warten wir doch erst mal, was sie zu sagen haben.“ Er deutete zu den Indianern, die fast dreihundert Meter entfernt...




