E-Book, Deutsch, Band 3, 200 Seiten
Reihe: Mountain Men
Cooper Mountain Men 03: Stadt der Pelze
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-95719-767-2
Verlag: Blitz Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, Band 3, 200 Seiten
Reihe: Mountain Men
ISBN: 978-3-95719-767-2
Verlag: Blitz Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
John F. Cooper ist das Pseudonym eines deutschen Autors, der zahlreiche Romane und Kurzgeschichten veröffentlicht hat: Thriller, Horror, Science-Fiction und Fantasy. Seine große Liebe gilt jedoch dem amerikanischen Westen zu einer Zeit, als es dort nur wenige weiße Männer gab. Er wohnt im Gebirge, wo die Luft dünn zu werden beginnt und in den langen Wintern das Blut gefriert. Sein Mountain-Men-Abenteuer 'Wind River Gold' sollte ursprünglich ein Heftroman werden, ist jedoch nie als solcher veröffentlicht worden, weil die Serie, für die er gedacht war, eingestellt wurde. Inzwischen ist aus dem Herzensprojekt eine eigene Buchserie geworden. Zunächst in drei dicken Büchern im Selfpublishing erschienen, wird sie im BLITZ-Verlag neu aufgelegt und mit neuen Romanen fortgesetzt.
Autoren/Hrsg.
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Kapitel 1
Die Great Plains, Frühsommer 1821
Erst kamen die Wölfe, dann die Indianer, und es musste sich erst noch erweisen, welches das kleinere Übel war.
Es war an einem Ort, an dem die Berge auf das endlose Grasmeer der Prärie stießen, einem Ort ohne Namen in einem weithin einsamen Land. Es war früher Morgen, der Nachttau auf den Gräsern verflüchtigte sich zu weißem Dunst, der in sanft wogenden Schleiern aus Bodensenken und flachen Mulden stieg, bis er von der aufstrebenden Sonne verzehrt wurde. Eine Gruppe Gabelantilopen äste friedlich auf einer mit Blumen gesprenkelten Wiese. Die Tiere fraßen sich die Bäuche voll, denn in den wenigen Stunden, in denen die Sonne noch Kraft schöpfte, schmeckte das Grün am frischesten. Bereits am Vormittag würde es drückend heiß werden. Die Antilopen zogen es dann vor, träge im Schatten eines Baumes, einer Buschgruppe oder eines Felsblocks zu dösen und auf die befreiende Abendkühle zu warten.
Plötzlich hob eines der Tiere witternd den Kopf und blickte aufmerksam in eine Richtung. Ein Geräusch aus den Hügeln am Fuß der Berge hatte die Antilope, einen Bock mit stattlichem Gehörn, aufgeschreckt. Die Geräusche schwollen an, und immer mehr Angehörige der Herde wurden aufmerksam. Etwas näherte sich ihrem Futterplatz. Antilopen waren neugierige, verspielte Tiere. Stießen sie auf etwas Unbekanntes, wollten sie es näher in Augenschein nehmen. Heute aber überwog ihre Vorsicht, und so gaben sie das Äsen auf und rannten davon.
Die Quelle ihres Misstrauens war ein kleiner Trupp aus Menschen und Pferden, der eine Viertelstunde später den Lagerplatz der Antilopen erreichte: Zwei bärtige weiße Männer und zwölf Pferde, überwiegend kräftige Indianerponys. Außer den beiden Reittieren und einem Pony, das die Ausrüstung der Männer trug, waren alle mit dicken Ballen Biberpelzen beladen, wohl an die tausend Pfund. Erstklassige Ware, gewiss viereinhalbtausend Dollar wert. Ein Vermögen, aber nicht hier draußen in den Bergen.
Die beiden Trapper waren auf dem Weg nach St. Louis, der Stadt der Pelzhändler am Mississippi, und um die Felle zu Geld zu machen, mussten sie die Prärie überqueren, was Wochen dauern konnte. Sie waren spät dran, die meisten Pelztierjäger würden ihre Ware längst zu den Handelsposten gebracht haben, und das würde die Preise drücken, aber darum machten sich die Männer keine Sorgen. In ihren Taschen klickten leise je eine Handvoll Goldnuggets, und sie wussten, wo es mehr davon gab. Das Gold war der Lohn eines gemeinsam bestandenen Abenteuers im letzten Winter, das sie Blut und das Leben guter Freunde gekostet, sie aber auch fest zusammengeschweißt hatte. Sie waren Männer der Berge, Überlebende der Wildnis, und sie wussten, dass sie aufeinander zählen konnten.
„Müssen Antilopen gewesen sein“, sagte Jedediah Jones, der ältere der beiden, nachdem er das niedergetretene Gras betrachtet hatte. Er war wettergegerbt und etwa vierzig Jahre alt, von denen er mehr als die Hälfte in den Bergen verbracht hatte. Jedes einzelne Jahr hatte Narben hinterlassen und seine Haut so dunkel wie die eines Indianers gemacht. Jedediah Jones wirkte verwittert wie ein Berg, der seit tausenden von Jahren den Elementen trotzte, aber nach weiteren tausend Jahren noch immer da sein würde. Das war natürlich Unfug, aber sein Partner hatte entschieden, dass er Jed so sehen wollte. Als einen Berg, den nichts erschüttern konnte.
Malcolm McGruder war zwanzig und entstammte einer wohlhabenden Familie aus Philadelphia. Statt als Buchhalter in die Firma seines Vaters einzutreten, war er in den Westen gegangen, wo er sich die finanzielle Notlage des erfahrenen Trappers Jones zunutze gemacht hatte, um sich in dessen Unternehmung einzukaufen. Mel wollte dorthin gehen, wo der Westen wirklich war: In die unerforschten Täler und Schluchten der Rocky Mountains, wo es nur Biber, Bären und Indianer, aber kaum Weiße gab. Der Ferne Westen war für die meisten Männer nur eine Legende. Malcolm McGruder hatte sie gefunden und mit knapper Not überlebt.
„Antilopen?“ Mit gerunzelter Stirn betrachtete Mel den Boden. Hufeindrücke waren hier keine zu sehen, aber einige der Tiere hatten dagelegen und Umrisse ihrer Körper im Gras hinterlassen. „Wie unterscheidet man Antilopen von Hirschen? Sie sind kleiner, nicht wahr?“ Nach einem harten Jahr in der Wildnis war Mel kein Greenhorn mehr, aber er wusste, dass er noch viel lernen musste.
Der ältere Trapper kniff die Augen zusammen. „Kann schon sein, McGruder. Aber ich schau mir immer als Erstes ihre Scheiße an.“ Er wies auf einen Kothaufen, der dem jungen Mann entgangen war. „Die Scheiße verrät dir alles, was du über ein Tier wissen musst. Ob es jung oder alt ist, voller Kraft oder verletzt, männlich oder weiblich und was es zum Frühstück hatte.“
„Zum Frühstück?“
„Genau. Natürlich musst du dafür von der Scheiße kosten.“ Er grinste breit.
„Wieso sollte ein Trapper wissen wollen, was ein Tier zum Frühstück hatte?“
Jed warf einen kurzen Blick zurück auf ihre Packpferde, die gehorsam hinter ihnen her trotteten.
„Na ja, könnte doch sein, dass das Wild, das du verfolgst, Beeren von einem seltenen Strauch gefressen hat. Dann müsstest du bloß den Strauch finden und kannst dort deiner Beute auflauern. Ist besser, als stundenlang durch den Wald zu stolpern und einer Fährte zu folgen.“
Soweit Mel wusste, war sein Partner bisher immer Fährten gefolgt, wenn er jagen ging. Nach seltenen Futterpflanzen hatte er nie Ausschau gehalten. Mel sagte ihm das.
„Hatte keine Lust, Scheiße zu fressen“, brummte der ältere Trapper achselzuckend.
„Ach, Jed“, meinte Mel, wie immer, wenn er nicht sicher war, ob ihn der andere auf den Arm nahm.
Jedediah Jones verfügte über einen schier unerschöpflichen Fundus an Geschichten, von denen die Hälfte stimmen mochte, die andere Hälfte nicht, und jede einzelne genug Übertreibung enthielt, um einen wahrheitsliebenden Mann in Verzweiflung zu stürzen.
Mel konnte sich keinen besseren Gefährten als Jedediah Jones vorstellen, wenn es um das Überleben in der Wildnis ging, aber er war nicht immer glücklich damit, wie Jed die Dinge regelte. Es hatte ihn bestürzt, als sein Partner im letzten Herbst einen verwundeten Blackfoot-Krieger ohne Gefühlsregung erschoss, aber er hatte einsehen müssen, dass sie dadurch einer Entdeckung durch andere Krieger entgangen waren. Und als die Blackfeet sie schließlich doch fanden, war es Jeds kompromisslose Art zu kämpfen gewesen, die sie ein um das andere Mal gerettet hatte.
Mel dachte an Tis-see-wpp-na-tis, die junge Crow-Indianerin, die er geliebt hatte und die an seiner Seite gestorben war, ermordet von weißen Männern, die auf Pelze aus waren. Mel hatte um Tis-see-wpp-na-tis gekämpft, aber er war nicht imstande gewesen, ihr Leben zu retten. Er war mit einer Kriegslist gegen seine Feinde vorgegangen, die fast funktioniert hatte, und immer wieder fragte er sich, ob die junge Crow noch leben würde, wenn Jed mit all seiner Unerbittlichkeit an ihrer Seite gewesen wäre.
Nachts lag Mel häufig wach und dachte an Tis-see-wpp-na-tis, an den Duft ihres rabenschwarzen Haares, das nach Wildkräutern roch, an ihren muskulösen und doch so zerbrechlichen Körper und an die Berührung ihrer samtweichen Haut. Er erinnerte sich an Tis-see-wpp-na-tis’ kindliche Begeisterung auf ihrem ersten und einzigen gemeinsamen Ausritt, bei dem sie ihn in ein Geheimnis ihres Stammes eingeweiht hatte.
Tis-see-wpp-na-tis hatte ihn zur Begräbnisstätte des rätselhaften Eisenmannes geführt, eines spanischen Konquistadors im Kürass, der vor langer Zeit ins Land der Crow und der Blackfeet gekommen war. Mel hatte dann gefunden, wonach die Spanier dreihundert Jahre vor ihm gesucht hatten: eine Höhle mit einem unterirdischen Fluss, an dessen Ufer das Skelett eines der Riesenbiber aus indianischen Legenden ruhte, und dessen Grund mit goldenen Steinen übersät war, einer anderen Legende, der einst die Konquistadoren hinterhergejagt waren.
Dann hatte er Tis-see-wpp-na-tis verloren und ihren Mörder getötet, und nun war er selbst ein Mann der Berge. Wie Jed, und doch nicht so wie Jed, der nachts nie voller Zweifel wach lag und nie zu trauern schien, selbst dann nicht, als er seinen besten Freund Bear Hopkins bestattet hatte.
Mel fragte sich oft, ob es für ihn eine Zukunft an der Seite von Tis-see-wpp-na-tis gegeben hätte. Wäre er mit ihr bei den Crow geblieben? Und was wäre dann aus seiner Freundschaft zu Jed geworden?
Müßige Gedanken, denn Tis-see-wpp-na-tis war tot, der Stamm von Brave Crow auf dem Weg ins Sommerlager, und er selbst ritt an der Seite von Jed nach St. Louis, wo sie ihre Beute zu Geld machen und für eine Weile in den Annehmlichkeiten der Zivilisation schwelgen wollten wie fette Heilige im Paradies. Und danach?
Das würde sich zeigen; sie hatten noch keine Pläne. Sie mussten nicht planen. Sie waren reich.
Nach einer Weile, die sie schweigend nebeneinanderher geritten waren, drehte sich Mel zu ihren Packpferden um. Sein Blick glitt über die ausladenden Ballen dicht gepresster Biberpelze in die Ferne, wo sich die schroffen Berge des großen Felsengebirges erhoben. Dann fesselte etwas anderes seine Aufmerksamkeit.
Weiße Tupfen zwischen den grünen Hügeln des Vorgebirges. Sie bewegten sich. Schnell.
Mel kniff die Augen zusammen.
„Die Antilopen sind fort, aber vielleicht sollten wir uns eines dieser Schafe schießen“, sagte er.
„Schafe?“, brummte Jed.
„Dort hinten. Sind ganz schön flink, die Viecher.“
Jed...




