E-Book, Deutsch, Band 2, 208 Seiten
Reihe: Mountain Men
Cooper Mountain Men 02: Der goldene Fluss
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-95719-766-5
Verlag: Blitz Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, Band 2, 208 Seiten
Reihe: Mountain Men
ISBN: 978-3-95719-766-5
Verlag: Blitz Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
John F. Cooper ist das Pseudonym eines deutschen Autors, der zahlreiche Romane und Kurzgeschichten veröffentlicht hat: Thriller, Horror, Science-Fiction und Fantasy. Seine große Liebe gilt jedoch dem amerikanischen Westen zu einer Zeit, als es dort nur wenige weiße Männer gab. Er wohnt im Gebirge, wo die Luft dünn zu werden beginnt und in den langen Wintern das Blut gefriert. Sein Mountain-Men-Abenteuer 'Wind River Gold' sollte ursprünglich ein Heftroman werden, ist jedoch nie als solcher veröffentlicht worden, weil die Serie, für die er gedacht war, eingestellt wurde. Inzwischen ist aus dem Herzensprojekt eine eigene Buchserie geworden. Zunächst in drei dicken Büchern im Selfpublishing erschienen, wird sie im BLITZ-Verlag neu aufgelegt und mit neuen Romanen fortgesetzt.
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Prolog
Schatten folgten ihrer Fährte, seit einer Nacht und einem Morgen schon, und als der Tag in den Abend überging, hatten die Eisenmänner noch immer nichts bemerkt.
Eine kleine Reitergruppe zog auf schmalen Pfaden durchs Gebirge, auf Wegen, die vor ihnen kein weißer Mann gegangen war. Die Anmut des Landes machte die Männer blind für Gefahren. Grüne Täler dehnten sich vor dem Hintergrund schwarzer Berge, deren Gipfel selbst jetzt, im Sommer, mit gleißendem Schnee bedeckt waren, der in den Augen schmerzte, wenn man zu lange hinsah.
Es war das großartigste Land, das die Fremden je zu Gesicht bekommen hatten. Gigantisch in seiner Weite, majestätisch in seiner Schönheit, unermesslich in seiner Einsamkeit. Rauschende Bäche wanden sich durch dichte Fichtenwälder. Ihr Wasser war klar wie Kristall, so rein, dass die Schuppen der Fische in der Sonne glitzerten.
„Silberne Fische“, scherzte einer der Männer. „Vielleicht erweisen sich die Legenden ja doch noch als wahr.“
Der Sprecher hieß Fernán Ortega. Seine Haut war von zu vielen Jahren in der Glut Neuspaniens erdig braun geworden, ein dichter Bart wucherte in seinem Gesicht. Er ritt ein großes, knochiges Pferd, das nach entbehrungsreichen Wochen abgemagert, aber noch immer stark genug war, um einen Reiter in voller Rüstung zu tragen. Brustharnisch und Helm aus Eisen, dazu ein stählernes Rapier.
„Silberne Fische, warum nicht?“ Der Mann an Ortegas Seite lachte. „Ich kenne kein besseres Land als dieses hier.“
Hernando Delgado, der zweite Reiter, machte eine Geste, die den Horizont mit einschloss. Berge, Wälder, Wasser und Einsamkeit im Überfluss. Fürwahr, dies war das prächtigste aller Länder, und sie hatten bei Gott schon viele gesehen. Die Insel Fernandia und das Reich der Azteken, das nun Teil der spanischen Welt war, und Kastilien natürlich, ihre Heimat, um nur die angenehmeren der Länder zu nennen, in denen sie gelebt und gekämpft hatten. Was die letzten Jahre anging, hatten sie vor allem gekämpft, mit Hunger und Durst und verschlagenen Eingeborenen, denen man nur so lange trauen konnte, wie man ihnen nicht den Rücken zuwandte.
Das war in Cibola und Quivira gewesen, den geheimnisvollen Ländern des wilden Nordens, in denen sie nichts als Pech und Täuschung gefunden hatten. Bis sie letzte Woche auf einen Stamm freundlicher Eingeborener getroffen waren, der sie in sein Dorf einlud, eine kleine Stadt aus Zelten. Der Häuptling hatte die Fremden willkommen geheißen, und sie verbrachten mehrere Tage an seinem Feuer. Alte Krieger erzählten ihnen vom goldenen Fluss.
Vor vielen Menschenaltern war er ein reißender Strom gewesen, der oft verheerende Überschwemmungen brachte. Aber die Götter hatten ihn unter die Erde gezwungen, um das Land für ihre Kinder, die Vogelmenschen, bewohnbar zu machen. So nannten sich die Eingeborenen: Ap-sa-ro-ke, die Kinder des Vogels mit dem großen Schnabel, und sie befanden sich auf einer Wanderung nach Westen, um das neue Land für ihr Volk zu erkunden, das dem kleinen Stamm nachfolgen würde.
Der Vogel, eine riesige Krähe, war ausgestorben, ehe die Weißen in die Welt des roten Mannes kamen, aber die Erinnerung an ihn lebte in den Alten fort, genau wie die Erinnerung an den reißenden Fluss fortleben würde. Einige der Ap-sa-ro-ke behaupteten, sie hätten den Fluss in seinem unterirdischen Bett gesehen. Angeblich waren sie dort gewesen, in einer großen Höhle voll seltsamer Tiere. Der Fluss floss dort unten träge dahin, denn sein Bett war mit großen Steinen gefüllt, die vom Wasser umspült wurden, sodass sich sein Lauf verlangsamte. Gelb glänzende Steine. Metallische Brocken. Gold.
Hernando zügelte sein Pferd. Er hatte etwas wahrgenommen, eine schemenhafte Bewegung zwischen den Bäumen. Oder irrte er sich? Als er hinsah, war da nichts.
Sie ritten am Ufer eines schäumenden Wildbachs entlang, der kein Gold enthielt. Hier lebten braune Pelztiere, die Höhlen in die Uferhänge gruben und Bäume fraßen. Vielleicht war es der Schatten eines dieser Tiere gewesen.
Die anderen Reiter schlossen auf. „Was gibt es?“, fragte einer der Männer. Sein Harnisch war zerkratzt, sein Helm verbeult. Er war meist mürrisch, aber ihr bester Kämpfer. Pedro de Leiva, ein alter Soldat. Rotsilbernes Haar drängte unter seinem Helm hervor. Er sah nicht aus wie ein Spanier, führte seine Abstammung aber auf eine der edelsten andalusischen Familien zurück. Es gab niemanden, der diesem unerschrockenen Kämpfer widersprochen hätte.
„Ich weiß nicht“, räumte Hernando ein. „Ich glaube, ich habe etwas gesehen. Auf der anderen Seite des Baches.“
Sie starrten zu dritt zwischen die Bäume, aber nichts regte sich. Zu hören war ebenfalls nichts; das Rauschen des Bachs war viel zu laut. De Leiva gab ein gereiztes Schnaufen von sich. Er sah aus, als wolle er sein Rapier aus der Scheide reißen, um das andere Ufer zu erstürmen und alles niederzumachen, was sich dort drüben vielleicht versteckte.
„Da ist nichts“, sagte Fernán. „Wir sollten weiter reiten, damit wir vor der Dämmerung einen Lagerplatz finden.“
Hernando nickte. Ein Lager, gut. Sie würden Holz sammeln müssen, denn in den Nächten wurde es in den Bergen empfindlich kalt. Doch es würde ihr letztes Lager sein, ehe sie den goldenen Fluss fanden. Er hatte sich die Beschreibung des Häuptlings fest eingeprägt. Einen Tagesritt noch, höchstens, dann mussten sie die Stelle erreichen.
Den Zugang zur Höhle mit dem Gold. Der einzige Grund, aus dem sie seit Jahren durch die Fremde irrten.
*
Fernán Ortega und Hernando Delgado hatten zur Streitmacht des Fancisco Vazques de Coronado gehört. Im Jahre des Herrn 1540 waren dreihundert schwer bewaffnete spanische Krieger, achthundert indianische Verbündete und tausend Packtiere von Compostela im Norden Neuspaniens aufgebrochen, um die sieben goldenen Städte von Cibola zu erobern. Ein paar Jahre zuvor hatte Cortez Tenochtitlán geplündert, die Hauptstadt der Azteken, Pizarro hatte Cuzco erobert, die Metropole des Inkareiches. Die Konquistadoren schickten Berge von Gold und Silber nach Spanien. Doch ihre Eroberungen waren nichts im Vergleich zu dem Reichtum, der in den sieben Goldstädten von Cibola auf Männer wartete, die entschlossen waren, sich anzueignen, was ihre Vorfahren einst hinterlassen hatten.
Die Legende berichtete von sieben christlichen Bischöfen, die vor fünfhundert Jahren aus Iberien geflohen waren, in dem damals die Mauren herrschten. Um ihren Verfolgern zu entkommen, segelten die heiligen Männer über das Meer der Dunkelheit, bis sie das Gesegnete Land erreichten. Sie fanden Flüsse, die über goldenen Sand flossen und deren Ufer von goldenen Kieseln gesäumt wurden, und sie errichteten sieben Städte aus Gold, für jeden Bischof eine.
Kein weißer Mann hatte seitdem das Gesegnete Land betreten, doch Francisco de Coronado war überzeugt, die goldenen Städte finden zu können.
Fray Marcos, ein düsterer Franziskaner, hatte Coronado zu seinem Feldzug ermutigt. Auf einer seiner Wanderungen wollte der Mönch Cibola gesehen haben. Aber sie fanden nur Dörfer aus Lehm, die in der unerbittlichen Sonne brieten. Überfüllte Siedlungen, die aussahen, als habe sie ein Riese zusammengeknüllt und in die Landschaft geworfen. Fernán und Hernando kannten Haziendas, die stattlicher waren.
Der Vizekönig Antonio de Mendoza hatte ihnen Ländereien in allen Territorien versprochen, die sie für die spanische Krone gewannen. Doch wer würde sich in diesem tristen Land niederlassen wollen? Ein Mann hatte hier nur größte Unbilden zu erwarten. In den Wüsten, die sie durchquerten, war es so heiß, dass die Hidalgos in ihren Harnischen gegart wurden. In den Bergen froren ihnen die Rüstungen am Fleisch fest. Falls sie je über die Berge kamen.
Das Land war eine bittere Enttäuschung, und dennoch war es voller Wunder. Fernán und Hernando hatten zusammen mit einer kleinen Gruppe einen Wasserlauf nach Westen erkundet. Nach zwanzig Tagen beschwerlichem Wüstenmarsch musste die Schar unvermittelt Halt machen. Vor ihnen öffnete sich eine riesige Kluft in der roten Erde, und ganz tief unten, zwischen steil abfallenden Wänden aus geschichtetem Felsen, wand sich ein schmales Flüsschen. Drei Tage suchten sie nach einem Abstieg. Als sie unten ankamen, erwies sich das Flüsschen als breiter Strom, der nur aus der Höhe unbedeutend ausgesehen hatte.
Eine Möglichkeit, den riesigen Spalt zwischen den Felsformationen zu überwinden, fanden sie nie. Ein Naturwunder, wahrhaftig, aber deswegen waren sie nicht hergekommen. Sie waren auf Reichtümer aus, doch statt Gold fanden sie nur Türkise, statt mit Silber wurden sie von umgänglichen Indios mit Pelzen beschenkt, und oft schlichen sich nachts die weniger umgänglichen Eingeborenen ins Lager und stahlen ihnen die Pelze wieder.
Coronado hatte nicht aufgegeben und war immer weiter nach Norden gezogen, aber das goldene Cibola war nichts als ein Schwindel. Fray Marcos musste nun des Nachts inmitten der Offiziere schlafen, da die einfachen Soldaten auf eine Gelegenheit warteten, dem verlogenen Mönch die Kehle durchzuschneiden.
Nur El Turco war ein noch größerer...




