Cooper | Die Rose des Südens | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 416 Seiten

Reihe: Heather Cooper

Cooper Die Rose des Südens

Roman
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-641-20548-5
Verlag: Goldmann
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

E-Book, Deutsch, Band 2, 416 Seiten

Reihe: Heather Cooper

ISBN: 978-3-641-20548-5
Verlag: Goldmann
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Im Herbst 1862 überqueren Eveline und Thomas Armitage den Atlantik. In Amerika soll Thomas als Chefingenieur für die Eisenbahn arbeiten. Obwohl dort der Bürgerkrieg wütet, imponiert Eveline das aufregende New York. Hier kann sie unabhängig sein, und sie findet Anstellung in einem Fotostudio, dessen Besitzer Samuel und Joseph sie schnell ins Herz schließt. Doch als Thomas in den Südstaaten verschwindet, wo das Schienennetz zur Unterstützung der Unionstruppen ausgebaut wird, muss sich Eveline, als Kriegsfotograf getarnt, mit Sam und Joe auf eine abenteuerliche Reise begeben, um ihren geliebten Mann zu finden ...

Heather Cooper wuchs im Norden Englands auf. Sie hat zwei erwachsene Kinder und lebt auf der Isle of Wight. »Die Zeit der Rose« ist ihr erster Roman.
Cooper Die Rose des Südens jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Kapitel 2

Greenwich Street

Es war früher Abend, als sie von Bord gingen. Eveline hatte den Eindruck, dass die Erde unter ihren Füßen schwankte, als sie zusammen mit den über zweihundert weiteren Passagieren durch den großen Torbogen des Castle Garden Forts stakste. Die Sprachen, die sie auf dem Schiff vernommen hatte – Irisch, Deutsch, Englisch, Schottisch, Italienisch –, schwollen zu einem babylonischen Stimmengewirr an, das in der großen Empfangshalle widerhallte. Die Menschen standen Schlange, holten ihr Gepäck ab, legten Papiere vor oder erklärten, warum sie keine hatten. Eveline fragte sich, was die einzelnen Personen wohl bewogen hatte, solch eine weite Reise anzutreten. Vielleicht wollten sie, wie sie und ihr Ehemann, ein neues Leben beginnen und ein großes Abenteuer erleben. Oder sie flohen vor Hunger und Verfolgung, besuchten jemanden, packten eine Gelegenheit beim Schopfe oder erfüllten sich einen Traum.

Thomas nahm ihre Hand, steckte sie unter seinen Arm und schritt auf einen untersetzten, freundlich wirkenden Mann mit einem großen Hut zu. Der Mann winkte.

»Tom, mein werter Freund, es ist so schön, Sie wiederzusehen. Und das muss Mrs Armitage sein, nehme ich an?« Er schüttelte ihnen beiden herzlich die Hand.

»Dies ist Abraham Clemens, Eveline. Mit ihm habe ich mich in London getroffen, um über meinen Vertrag mit der Eisenbahngesellschaft zu reden«, erklärte Thomas ihr.

»Seien Sie herzlich willkommen, Ma’am«, sagte Mr Clemens. »Sie werden sicher müde sein von der langen Reise?«

»Überhaupt nicht, Mr Clemens«, erwiderte Eveline. »Die Reise war herrlich. Obwohl der Boden unter meinen Füßen immer noch zu schwanken scheint.«

Er lachte. »Mir ging es genauso, als ich letzte Woche zurückkam. Ein bisschen Ruhe, ein schönes Abendessen und eine Mütze voll Schlaf werden Ihre Lebensgeister wieder wecken. Kommen Sie, lassen Sie uns die Formalitäten erledigen, dann sitzen wir in null Komma nichts beim Dinner am Broadway. Sind das Ihre Sachen? Sie reisen ja wirklich mit leichtem Gepäck, muss ich sagen.«

»Wir haben uns Mühe gegeben«, sagte Eveline. »Allerdings steckt in dieser Kiste meine Kamera. In eine kleinere hatte sie nicht hineingepasst, tut mir leid, Mr Clemens.«

»Eine Kamera? Ihre Kamera? Nun, meine Liebe, Sie sind der Zeit voraus. Mir war gar nicht klar, dass die jungen englischen Damen so fortschrittlich sind. Aber nennen Sie mich doch bitte Abe. Alle tun das. Wir sind hier nicht so förmlich wie die Leute im Land unserer Vorväter.«

»Äußerst vernünftig«, sagte Eveline. »Ich glaube, ich werde mich in Amerika wohlfühlen.«

Thomas und Eveline würden bei Abraham Clemens und seiner Frau wohnen, bis sie eine eigene Unterkunft fanden. Das Haus der Clemens, das in einer breiten, eleganten Straße namens Greenwich Street lag, war ein großes, aus braunem Backstein errichtetes Gebäude; die hoch gelegene Eingangstür erreichte man über eine steile, imposante Treppe. Die Wohnräume waren groß, hell und geschmackvoll möbliert, mit hohen Spiegeln, riesigen gepolsterten Sofas, glänzenden Tischen und üppigen Vorhängen. Alles wirkte neu und elegant. Eveline und Thomas wurden in ein luftiges Schlafzimmer im Obergeschoss geführt.

»Die gesamte Etage steht Ihnen zur Verfügung, solange Sie sie brauchen«, sagte Abraham. »Fühlen Sie sich ganz wie zu Hause. Später feiern wir Ihre Ankunft mit dem versprochenen Dinner.«

Mit diesen Worten ließ er sie alleine, damit sie sich umsehen, ihr Gepäck auspacken und den Blick über die hohen Dächer auf den breiten Fluss genießen konnten.

»Das ist überwältigend!«, sagte Eveline. »Da sind wir nun, Thomas. In New York! In der Neuen Welt. Was für nette Gastgeber. So ein riesiger Raum, und alles ganz neu und frisch hergerichtet. Wir haben sogar ein eigenes Bad! Hast du je von so etwas gehört?«

»Und erst das Bett«, sagte Thomas. »Das ist vermutlich doppelt so breit wie das breiteste Bett, in dem ich je geschlafen habe.«

»Es wird erholsam sein, in einem zu schlafen, das nicht schwankt.« Eveline lachte.

»Ich hatte eher daran gedacht, dass ich meine Frau nun endlich in einem Bett lieben kann, das nicht nur einen knappen Meter breit ist, sodass man ständig herauszufallen droht. Von Stränden ganz zu schweigen.«

»Ich möchte kein schlechtes Wort über Strände hören«, neckte Eveline ihren Ehemann. »Werden wir wirklich am Broadway speisen?«

»Ich denke schon. Aber erst in ein, zwei Stunden.« Er streckte sich auf dem Bett aus. »Sehr, sehr bequem. Leinenwäsche, weiche Kissen, viel Platz. Warum kommst du nicht her und überzeugst dich selbst?«

Am Abend saßen Thomas und Eveline mit Abraham und Rose Clemens in einem Restaurant und beobachteten die Einwohner von New York durch eines der großen Fenster. Pferdebahnen klapperten über ihre Schienen; elegante Paare schlenderten vorbei; eine Menschenmenge hatte sich versammelt, um einem Redner zuzuhören; auf der gegenüberliegenden Straßenseite lockte ein Theater mit seinem Lichterglanz; eine Gruppe junger, herausgeputzter Männer stolzierte über den Broadway; Straßenverkäufer boten Orangen, Esskastanien und Bonbons feil; ein Mann spielte mit verwegener Miene Akkordeon.

Das Dinner war außerordentlich köstlich.

»Die Familie, die das Restaurant betreibt, stammt aus Italien«, berichtete Rose. »Die wissen, wie man kocht.« Sie schien eine intelligente Frau zu sein, mit dunklen Augen und einem breiten Lächeln. Eveline hatte sofort das Gefühl, willkommen zu sein. »Haben Sie die hier probiert, Eveline? Das ist irgendetwas aus Reis, gebraten und mit Käse gefüllt. Klingt komisch, aber es ist wirklich gut.«

»Es schmeckt alles ganz wundervoll«, bestätigte Eveline. »Ich muss mir unentwegt sagen, dass ich nicht träume, Rose. Außer einer Reise nach London bin ich in meinem Leben kaum je aus meinem Heimatstädtchen herausgekommen. Dies hier ist im wahrsten Sinne des Wortes eine Neue Welt für mich.«

»New York ist wirklich eine Stadt, in der man wunderbar leben kann«, bestätigte Abe und schenkte ihnen allen Wein nach. »Kaum zu glauben, dass wir uns im Krieg befinden, nicht wahr?«

»Der Krieg findet im Süden statt, nicht wahr?«, fragte Eveline. »Hier im Norden sind wir doch sicher nicht davon betroffen?«

Abe und Rose wechselten einen Blick.

»Die ganze Nation ist davon betroffen«, erklärte Abe schließlich. »Wir teilen die Meinung des Präsidenten, dass die Sklaverei keinen Platz in einer modernen Gesellschaft haben sollte. Aber es gibt auch viele hier, die mit den Konföderierten sympathisieren. King Cotton, sage ich nur. Der Baumwollhandel floriert in New York. Eine Menge Leute leben davon.«

»Aber es besteht doch nicht die Gefahr, dass der Süden sich durchsetzt, oder? Der Norden hat die Industrie … und die Truppen … die Ausrüstung … das Geld.« Thomas wirkte plötzlich ernst.

»Das stimmt schon. Aber die Konföderierten haben wichtige Siege errungen, in Bull Run und Richmond zum Beispiel. Mittlerweile ist es schon ein Jahr her, dass sich der Süden von uns losgesagt hat, und es sieht so aus, als würde er weiterkämpfen. Die Generäle der Südstaaten sind tüchtig. Sie haben schon recht, Thomas, wir haben die Ausrüstung. Aber wir müssen auch einen Weg finden, sie zu unseren Soldaten zu schaffen.«

»Und da soll die Eisenbahn Abhilfe schaffen, wenn ich es richtig verstanden habe.«

»Genau. Die Konföderierten nutzen die Eisenbahn, um ihre Leute zügig von einem Ort zum nächsten zu bringen und Lebensmittel und Waffen zu ihren Truppen zu transportieren. Darin waren sie bislang geschickter als wir, muss ich zugeben. Daher sind Ihre Fähigkeiten, Thomas, für die Eisenbahngesellschaft von unschätzbarem Wert, und damit auch für die Unionsstaaten. Zu einem günstigeren Zeitpunkt hätten Sie gar nicht kommen können.«

Eveline spürte, wie ihr ein Schauer über den Rücken lief. »Soll das heißen, dass du dich in Gefahr begibst, Thomas? Musst du an Orte reisen, wo gekämpft wird?«

»Das ist durchaus möglich«, antwortete Thomas. »Aber ich werde nicht in Schlachten hineingeraten. Höchstwahrscheinlich werde ich gebührenden Abstand halten können.«

»Sie müssen sich keine Sorgen machen, meine Liebe«, versuchte Rose zu besänftigen. »Hier in New York kann Ihnen nichts passieren, wenn die Männer bei der Arbeit sind. Abe ist manchmal wochen- oder sogar monatelang weg, aber wie Sie sehen, kehrt er stets wohlbehalten zurück.«

»In dem Fall werde ich ganz bestimmt nicht hierbleiben«, sagte Eveline bestimmt. »Wenn Thomas in die Südstaaten reist, begleite ich ihn.«

»Oh, Frauen haben im Krieg nichts zu suchen«, ergriff Abe das Wort. »Aber Sie werden nicht einsam sein, Eveline. Rose wird sich um Sie kümmern. Außerdem werden Sie hier in New York sicher schnell Freunde finden.«

Eveline fing Thomas’ Blick auf, sagte aber nichts mehr zu dem Krieg. Das Gespräch kam auf eine Wohnung, die in der Nähe des Hauses der Clemens lag und für das junge Paar interessant sein könnte.

»Sie liegt ein Stück die Greenwich Street hoch«, erklärte Rose. »Im Obergeschoss. Sie müssten also ein paar Treppen steigen. Dafür ist sie geräumig und die Aussicht fantastisch. Die Miete scheint auch akzeptabel zu sein.«

»Treppensteigen macht uns nichts aus«, meinte Thomas. »Wir schauen sie uns morgen an, wenn das möglich ist. Es ist wirklich nett von Ihnen, dass Sie sich so um uns bemühen.«

»Ingenieure mit einem derart guten Ruf laufen einem nicht alle Tage über den Weg, junger...


Cooper, Heather
Heather Cooper wuchs im Norden Englands auf. Sie hat zwei erwachsene Kinder und lebt auf der Isle of Wight. »Die Zeit der Rose« ist ihr erster Roman.



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.