E-Book, Deutsch, 415 Seiten
Cooper Der letzte Mohikaner
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-8496-0771-5
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 415 Seiten
ISBN: 978-3-8496-0771-5
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der letzte Mohikaner ist ein 1826 erstmals erschienener historischer Roman des amerikanischen Schriftstellers James Fenimore Cooper (1789-1851), dessen Handlung zur Zeit des Franzosen- und Indianerkriegs angesiedelt ist. Er ist der zweite Roman aus der 'Lederstrumpf'-Serie um den Trapper Natty Bumppo. Nicht nur im Titel thematisiert der Roman auch den Untergang nordamerikanischer Indianerstämme durch die vorrückenden europäischen Siedler. Schon im 19. Jahrhundert in Deutschland populär, wurde die Alltagsformulierung 'der letzte Mohikaner' für viele letztüberlebende Zeitzeugen oder Anhänger einer Idee sprichwörtlich. (aus wikipedia.de)
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Siebentes Kapitel.
– – – – Sie schlafen nicht.
Auf jenen Klippen dort seh' ich
Die schauerliche Rotte sitzen.
Gray.
»Es hieße einer zu unserer Rettung gegebenen Warnung nicht folgen,« sprach Hawk-eye, »wenn wir länger in dem Verstecke blieben, während sich solche Töne in dem Walde hören lassen. Die zarten Frauen mögen beisammen bleiben: aber die Mohikaner und ich wollen auf dem Felsen Wache halten, wo uns, wie ich vermuthe, ein Major vom sechzigsten Regiment Gesellschaft zu leisten wünschen wird.«
»Ist denn die Gefahr so dringend?« fragte Cora.
»Er, der so seltsame Laute schafft und sie dem Menschen zur Warnung gibt, kennt allein unsere Gefahr. Gottloses Auflehnen gegen seinen Willen wäre es, wollte ich bei solchen Warnungen in der Luft mich in eine Höhle verkriechen. Selbst die schwache Seele, die ihre Tage versingt, ist durch den Schrei aufgestört worden: der Singmeister sagt, er sey bereit, in die Schlacht zu gehen. Wenn's nur 'ne Schlacht wäre, so verstünden wir uns alle darauf und würden leicht zu Recht kommen; ich ließ mir aber sagen, wenn solche Töne sich zwischen Himmel und Erde vernehmen ließen, so deut' es auf eine andere Art von Krieg.«
»Wenn all' unsere Gründe zur Furcht, mein Freund, sich nur auf Übernatürliches beschränken, so dürfen wir uns darob nicht so sehr beunruhigen,« versetzte die unerschrockene Cora: »seyd ihr gewiß, daß unsere Feinde kein neues, sinnreiches Mittel gefunden haben, uns zu schrecken, um sich den Sieg zu erleichtern?«
»Lady,« sprach der Kundschafter feierlich, »ich habe seit dreißig Jahren auf alle Töne in den Wäldern gehört, als ein Mann, dessen Leben und Tod von der Schärfe seines Ohrs abhängt. Kein Winseln des Panthers, kein Pfeifen der Spottdrossel, keine Erfindung der teuflischen Mingos kann mich berücken! Ich hörte die Wälder wehklagen, wie sterbliche Menschen in großen Nöthen: oft habe ich der Musik des Windes gelauscht, wie er in den verschlungenen Aesten der Bäume sauste: habe den Blitzstrahl durch die Lüfte krachen hören gleich dem brennenden Holzstoß, der Funken und gezackte Flammen spie: nimmer aber hab ich geglaubt, daß ich Anderes hörte, als Ihn, der mit den Werken seiner Hände spielt. Aber weder die Mohikaner noch ich, der ich ein Weißer von reiner Abkunft bin, vermag den so eben vernommenen Ton zu erklären. Wir glauben deshalb, daß es eine Weisung zu unserem Heile ist.«
»Etwas Außerordentliches ist es,« sprach Heyward, seine Pistolen von der Stelle nehmend, wohin er sie bei seinem Eintritt gelegt hatte, »mag es nun ein Zeichen des Friedens oder des Krieges seyn, man muß darauf achten. Geht voran, mein Freund, ich folge euch.«
Aus ihrem Verstecke tretend, fühlten Alle sogleich die wohlthätige Stärkung ihres Geistes, indem sie die eingeschlossene Luft der Höhle mit der kühlen, stählenden Atmosphäre vertauschten, welche um die Wirbel und Spitzen des Wasserfalles säuselte. Ein starker Abendwind schwebte über der Oberfläche des Flusses und schien das Brausen der Wasserfälle in die Winkel ihrer eigenen Höhlen zu treiben, aus denen es schwer und ununterbrochen gleich dem rollenden Donner hinter entfernten Hügeln wiedertönte. Der Mond war aufgegangen und sein Licht schimmerte bereits hie und da auf die Gewässer über ihnen. Der untere Theil des Felsens aber, wo sie standen, lag noch im Schatten. Außer den Tönen, welche die herabstürzenden Wasser hervorbrachten, und einem gelegentlichen Luftstoß, der an ihnen vorüber fuhr, war die Scene noch so ruhig, als Nacht und Finsterniß sie machen konnten. Vergeblich waren Aller Augen auf die entgegengesetzten Ufer gerichtet, um einige Lebenszeichen zu suchen, welche die Ursache der vernommenen Unterbrechung erklären konnten. Aber ihre ängstlich forschenden Blicke täuschte das trügerische Licht, oder fielen sie blos auf nackten Felsen und hohen, unbeweglichen Bäumen.
»Hier ist nichts zu sehen als das Dunkel und die Ruhe einer lieblichen Nacht,« flüsterte Duncan. »Wie sehr würden wir in jedem andern Augenblick eine solche Scene in ihrer athemlosen Einsamkeit bewundern, Cora! Stellen Sie sich vor, Sie wären in Sicherheit und das, was jetzt vielleicht Ihren Schrecken vermehrt, dürfte vielleicht Ihren Genuß erhöhen!« –
»Horcht!« unterbrach Alice.
Die Aufforderung war unnöthig. Noch einmal erscholl derselbe Laut, als ob er aus dem Flußbette käme und aus den engen Klüften der Klippen brechend durch die Wälder in entfernten und dahin sterbenden Cadenzen fortwogte.
»Kann einer,« fragte Hawk-eye, als sich das letzte Echo in den Wäldern verlor, »einem solchen Ton einen Namen geben, so spreche er: ich für meinen Theil glaube, daß er nicht der Erde angehört.«
»Hier ist Jemand, der euch enttäuschen kann,« sprach Duncan: »mir ist der Ton recht wohl bekannt, oft hab ich ihn auf dem Schlachtfeld gehört, und in Lagen, die sich im Soldatenleben nicht selten wiederholen. Es ist der schreckliche Angstschrei eines Pferdes in dem Todeskampf, oft durch Schmerz, zuweilen durch Angst ihm ausgepreßt. Mein Pferd ist entweder in den Krallen der Bestien des Waldes, oder sieht es die Gefahr, ohne ihr entrinnen zu können. Der Ton konnte mich täuschen, so lange ich in der Höhle war, aber hier in freier Luft erkenne ich ihn zu gut, um mich zu irren.«
Der Kundschafter und seine Gefährten hörten dieser einfachen Erklärung mit der Aufmerksamkeit von Leuten zu, die eine neue Idee begierig auffassen, zugleich aber der alten, die ihnen unangenehm wird, sich noch nicht entschlagen können. Die beiden Letztern stießen ihr gewöhnliches, ausdruckvolles »Hugh!« aus, als die Wahrheit des Gesagten ihnen einzuleuchten anfing, während der Erstere nach kurzem Nachdenken antwortete:
»Ich kann euern Worten nicht widersprechen, denn ich verstehe mich wenig auf Pferde, obgleich ich in einem Lande geboren bin, wo man sie in Menge findet. Die Wölfe müssen über ihren Köpfen am Ufer umherschwärmen, und die furchtsamen Geschöpfe rufen den Menschen um Hülfe an, so gut sie können, »Uncas« – hier sprach er delawarisch – »fahr' mit dem Canoe hinunter und wirf einen Feuerbrand unter das Pack; sonst thut die Furcht, was die Wölfe nicht thun können, und wir haben morgen keine Pferde, wo wir sie am nöthigsten brauchen, um unsere Reise möglichst zu beschleunigen.«
Der junge Eingeborne war schon an das Wasser hinabgestiegen, um seinem Befehle zu folgen, als ein langes Geheul vom Ufer des Flusses sich hören ließ und sich schnell in die Tiefen des Waldes entfernte, als ob die Raubthiere, von plötzlichem Schrecken ergriffen, ihre Beute freiwillig im Stiche ließen. Uncas kam mit instinktmäßiger Eile zurück, und die drei Waldbewohner hielten wieder leise ihre ernstliche Berathung.
»Es ging uns, wie den Jägern, welche die Richtungspunkte am Himmel verloren, und vor denen sich die Sonne den ganzen Tag verborgen hatte,« sprach Hawk-eye, von seinen Gefährten sich abwendend.
»Jetzt fangen wir wieder an die Kennzeichen unseres Weges zu gewahren, und die Pfade sind von Dornen gereinigt. Setzt euch in den Schatten, welchen der Mond von jenem Ufer her wirft – er ist dunkler als der von den Fichten – und laßt uns erwarten, was dem Herrn gefallen wird, über uns zu verfügen. Wir wollen einander nur noch zuflüstern, und vielleicht wäre es noch besser, wenn jeder eine Weile sich nur mit seinen eigenen Gedanken unterhielte.«
In dem Tone des Kundschafters lag hoher Ernst, aber ohne länger ein Zeichen unmännlicher Furcht zu verrathen. Offenbar war seine augenblickliche Schwäche mit der Erklärung des Wunders, das seine eigene Erfahrung nicht ergründen konnte, verschwunden, und wenn er auch die Gefahr ihrer jetzigen Lage wohl erkannte, so war er doch bereit, ihr mit der ganzen Energie seines entschlossenen Charakters Trotz zu bieten. Dies Gefühl schienen auch die Eingebornen zu theilen: sie setzten sich so, daß sie beide Ufer überschauen konnten, während sie selbst der Beobachtung aus der Ferne entzogen waren. Unter solchen Umständen verlangte die gewöhnliche Klugheit Heywards und seiner Begleiter, eine Vorsicht nachzuahmen, die aus einer so verständigen Quelle floß. Der junge Mann holte aus der Höhle ein Bündel Sassafras, legte es in die Felsenspalte, welche sich zwischen beiden Höhlen befand, und hieß die Schwestern sich darauf niederlassen, die so durch die Felsen vor jederlei Geschoß geschützt waren, während man ihre Besorgnisse durch die Versicherung hob, daß keine Gefahr ohne vorherige Warnung herannahen könne. Heyward selbst stellte sich in ihre Nähe, so daß er mit ihnen sprechen konnte, ohne seine Stimme auf eine gefährliche Höhe zu erheben, während David, dem Beispiele der Waldmänner folgend, seine Person in den Spalten der Felsen auf eine solche Weise unterbrachte, daß seine...




