E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
Conrad So schön kann Küssen sein
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7337-4656-8
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
ISBN: 978-3-7337-4656-8
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Für Randi Cullen ist klar, dass sie helfen muss: Der FBI-Agent Manny Sanchez möchte für einige Zeit auf ihrer Ranch wohnen, um einen Baby-Schmugglerring auffliegen zu lassen. Weil sie seine Ermittlungen nicht gefährden will, gerät Randi schon bald in eine heikle Situation: Sheriff Wade Reese wundert sich über den plötzlich aufgetauchten fremden Mann auf ihrer Ranch, sodass Randi einfach zu einer Notlüge greift! Sie gibt Manny als ihren Verlobten aus. Um ihre intime Nähe zu demonstrieren, geht sie sogar noch ein Stück weiter und küsst ihn vor Wades Augen stürmisch. Beruhigt zieht der Sheriff davon, aber mit Randis Ruhe ist es vollkommen vorbei: aufregende Träume jede Nacht - Sex pur mit Manny! Dass muss ein Ende haben! Bisher gab es noch keinen Mann, bei dem Randi den Wunsch verspürt hat, mit ihm die Liebe kennen zu lernen. Aber jetzt weiß sie, wer ihr zeigen soll, wie man Leidenschaft richtig genießen kann ...
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1. KAPITEL
Einen Vorteil hatte der Wolkenbruch. Manny Sanchez wurde bei der nächtlichen Verfolgungsjagd auf seiner Harley nicht so leicht entdeckt. Trotzdem verwünschte er das Unwetter und den Schneeregen.
Im nächsten Moment flammten die Bremslichter des Minivans vor ihm auf und wirbelten von einer Straßenseite zur anderen. Blitzartig kamen Erinnerungen an schreckliche Unfälle in Manny hoch, die er in seinen vierunddreißig Lebensjahren schon gesehen hatte – auch sehr persönliche, schmerzvolle Erinnerungen.
Nein, nicht noch einmal! In dem Van befand sich ein kleiner Junge. Das Leben an sich war grausam genug, wie Manny oft erfahren hatte, doch das Leben dieses Kindes durfte noch nicht enden. Nicht so. Das konnte er nicht zulassen.
Durch den Regenschleier, der über das Visier seines Motorradhelms floss, beobachtete er entsetzt, wie der Minivan mit dem „Kojoten“ und seiner Fracht vor einer Brücke auf der vereisten Straße ins Schleudern geriet.
¡Ay, Dios mío! Das überstand niemand lebend!
Im nächsten Augenblick verlor Manny auf dem Glatteis die Kontrolle über das Motorrad, obwohl er das Gas zurückgenommen hatte. Mit der durch die dicke Lederjacke geschützten linken Schulter prallte er voll auf den Seitenstreifen neben der Straße, spürte jedoch wegen des Schocks und der Kälte kaum etwas. Das würde erst später kommen.
Die schwere Maschine schleuderte Funken sprühend über den Asphalt und landete zum Glück im Feld, während Mann in die andere Richtung rutschte. Die derbe Jeans bewahrte ihn dabei vor ernsthaften Verletzungen durch kleine Steine auf der nassen Fahrbahndecke.
Kaum wurde er nicht mehr vom eigenen Schwung herumgewirbelt, als Manny auch schon aufsprang. Wenigstens konnte er noch gehen. Um gebrochene Knochen und offene Wunden musste er sich später kümmern. Er riss sich den Helm vom Kopf, ließ ihn fallen und rannte zur Brücke.
Wie in Zeitlupe rutschte der Minivan von der Straße ins dahinschießende Wasser, kippte auf die Seite und wurde von der heftigen Strömung mitgerissen.
Für einen Moment stockte Manny der Atem. Schock und Schuldgefühle lähmten ihn. Wieso hatte er diesen Auftrag nicht schon gestern oder wenigstens heute abgeschlossen, bevor alles dermaßen außer Kontrolle geraten war?
Metall schrammte kreischend über Steine. Das Wasser rauschte und zischte, und der Regen prasselte auf die Straße.
Jetzt war keine Zeit für Selbstvorwürfe. Manny reagierte, wie man ihm das beigebracht hatte – nicht zögern, sondern handeln.
Der Minivan blieb an einem Haufen Treibholz hängen, das gegen die Weiden am Ufer gespült worden war. Manny wollte das ausnutzen und stürmte los, bevor der Wagen sich wieder losreißen und weitergetrieben werden würde.
Der Van lag auf der Seite, war schon etwa einen Meter im schwarzen Wasser versunken und sackte immer tiefer ab. Manny überlegte blitzschnell, was er machen könne und ob in dem Fahrzeug überhaupt noch jemand lebte. Vom Ufer aus sah er nur das Wagendach und konnte daher nichts feststellen.
Ohne auf seine schmerzende Schulter zu achten, kletterte er auf die Motorhaube und schob sich auf dem im Wasser schwankenden Wagen weiter vor. Der nasse Lack war glatt und erschwerte zusätzlich das Vorankommen.
Wertvolle Zeit ging verloren, bis er es zur Beifahrertür geschafft hatte, sich hinkniete und an der Tür zerrte. Erst nach Sekunden ließ sie sich öffnen.
„Hören Sie mich?“, rief er in den dunklen Innenraum und beugte sich tiefer.
Hinter dem Steuer war niemand. Nichts regte sich im Wagen. Manny wollte sich gerade ins Fahrzeug gleiten lassen, als ein Kind schrie.
Der Kleine lebte also noch, doch in der Dunkelheit konnte er ihn nicht ausmachen.
Hastig fasste Manny ins schlammige Wasser. Der Fahrer war nicht da. Offenbar war der Schmuggler aus dem Fahrzeug geschleudert worden.
So schnell wie möglich stemmte Manny sich wieder hoch und rüttelte und zerrte an der seitlichen Schiebetür. Je mehr er sich anstrengte, desto schlimmer schmerzte seine Schulter, doch endlich glitt die Tür zur Seite. Jetzt sah er auch das Kind, das in der schräg hängenden Tragetasche festgeschnallt war.
Das Wasser stieg unaufhörlich. Manny tastete nach dem Sicherheitsgurt, fand den Verschluss und zog. Doch nichts tat sich. Das Ding klemmte.
Mit den Beinen voran glitt Manny in den Wagen, vorbei an dem beängstigend stillen Kind und hinein ins eisige Wasser. Er landete auf dem linken Seitenfenster und stand bis zu den Hüften im Wasser, als er das Taschenmesser aus der Jeans zog. Gerade wollte er die Klinge aufklappen, als ein Händchen seine Wange berührte.
„Hi, Kleiner, tut dir was weh?“, fragte er möglichst ruhig. „Ich hole dich hier gleich heraus.“
Das dunkelhaarige Kind hatte nichts am Leib außer einem roten Sweater und einer Windel. Es begann zu weinen, nicht laut, aber herzzerreißend.
„Papa?“, fragte der Kleine und versuchte, sich an Mannys Jacke festzuhalten.
„Ich bin nicht dein Papa, hijo, aber du brauchst trotzdem keine Angst zu haben. Dir passiert nichts.“
Die Eltern hatte der Kleine bereits verloren. Das reicht, dachte Manny und schwor sich, dass von jetzt an er für seine Sicherheit sorgen würde, egal, was es ihn kosten würde und wie andere darüber dachten.
Ohne Rücksicht auf seine schmerzende Schulter schnitt er den Sicherheitsgurt nun kurzerhand durch. Sobald der Kleine freigekommen war, schlang er Manny die Ärmchen um den Nacken und hielt sich verzweifelt an ihm fest.
Manny klappte das Taschenmesser zusammen, steckte es wieder ein und wehrte sich gegen die aufkommende Panik. Denn wie sollte er sich mit der verletzten Schulter und mit dem Jungen auf dem Arm aus dem Wagen stemmen?
„Geben Sie mir das Kind!“
Beim Klang der Frauenstimme erschrak Manny fürchterlich. Er blickte hoch, sah aber nur Arme, die sich ihm entgegenstreckten. Woher kam die Frau? Hatte sie vielleicht im Van gesessen und sich selbst befreit? Nein, unmöglich. Aber wie …
„Schnell, wir haben nicht viel Zeit!“
Mit dem gesunden Arm hob er das Kind hoch, das sich dabei jedoch schreiend an ihm festhielt.
„Schon gut, Schatz, ich habe dich“, sagte die Frau sanft und beruhigend.
Manny löste den Klammergriff des Kleinen so behutsam wie nur möglich, während die Frau beschwichtigend weitersprach und das Kind hochzog. Kaum waren die beiden aus seiner Sicht verschwunden, als Manny sich auch schon mit dem rechten Arm und den Beinen aus dem Wagen stemmte.
Die Frau stand auf dem glatten Dach, drückte das Kind an sich und blickte unsicher zum Ufer. Der Regen prasselte unvermindert heftig auf sie alle herunter und machte jede Bewegung noch schwerer und gefährlicher.
Manny traf rasch eine Entscheidung, ließ sich vom Wagendach gleiten und fand auf dem nassen Treibholz und den Zweigen einen einigermaßen festen Halt. „Geben Sie ihn mir wieder“, sagte er und streckte der Frau den Arm hin. „Ich stütze Sie, wenn Sie herunterkommen.“
Sie zögerte. „Sie haben sich am Arm verletzt. Können Sie das Kind denn halten?“
„Es ist nur eine Prellung.“
Die Frau wirkte nicht überzeugt, reichte ihm aber den Jungen, der sich sofort wieder an seiner schwarzen Lederjacke festkrallte. Die Fremde stieg vom Wagendach und Manny gab ihr Halt. Schließlich standen sie beide am schlammigen Ufer.
„Ist noch jemand im Wagen?“ Sie schrie, um das Rauschen von Wind und Wasser zu übertönen.
Manny schüttelte den Kopf.
Die Frau wandte sich zum Wagen und drehte sich dann wieder zu ihm um. Erst jetzt konnte Manny sie genauer betrachteten. Sie reichte nicht ganz an seine eins achtzig heran. Das nasse lange Haar klebte ihr auf dem Rücken. Die neongelbe Regenjacke wirkte an ihrer schlanken Gestalt drei Nummern zu groß. Er schätzte sie auf Mitte zwanzig, womöglich war sie auch jünger. In der Dunkelheit erkannte er nicht, welche Farbe ihre Augen hatten – große, faszinierende Augen, die Sanftheit und gleichzeitig Stärke verrieten. Im Moment war sie jedoch sichtlich verstört.
Manny überlegte, ob der Mann, der den Minivan gefahren hatte, vielleicht doch noch lebte. Der Kerl war in Del Rio in Panik geraten und hatte vermutlich direkt zu seinem Boss fahren wollen.
In all den Jahren, in denen Manny nun schon als verdeckter Ermittler in der Operation „Wiegenlied“ Kinderschmuggler jagte, war er keinem von ihnen so weit von der Grenze weg gefolgt. Normalerweise wurden die Kinder in Mexiko entführt, und nachdem sie über die Grenze geschleust worden waren, in den texanischen Großstädten verkauft. Die Vorstellung, dass Entführer, die auch vor einem Mord nicht zurückschreckten, und ihre Handlanger in einer vermeintlich sicheren Kleinstadt lebten, beunruhigte ihn.
Da es jedoch unmöglich wäre, sich noch in dieser Nacht Gewissheit zu verschaffen, schob Manny seine Bedenken beiseite. Das Kind war jetzt viel wichtiger. Während er den Kleinen mit dem gesunden Arm festhielt, stützte er mit der verletzten Schulter die Frau.
„Wir müssen schnell aus dem Regen heraus“, sagte er.
„Gehen wir zu meinem Wagen“, erwiderte die Frau knapp.
Er führte sie zur Straße. Sie hatten erst wenige Schritte getan, als das schäumende Wasser den Minivan losriss und wegspülte. Das Kreischen von Metall auf Steinen und das dumpfe Poltern gingen Manny durch Mark und Bein und trieben ihn an.
Oben auf der Straße stand das Fahrzeug der Frau, ein etwa fünfzehn Jahre alter...




