Conca / Giupponi | ADHS im Erwachsenenalter | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 240 Seiten, Format (B × H): 135 mm x 210 mm

Conca / Giupponi ADHS im Erwachsenenalter

Symptome, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten für einen besseren Umgang
1. Auflage 2024
ISBN: 978-88-6839-756-2
Verlag: Athesia-Tappeiner Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Symptome, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten für einen besseren Umgang

E-Book, Deutsch, 240 Seiten, Format (B × H): 135 mm x 210 mm

ISBN: 978-88-6839-756-2
Verlag: Athesia-Tappeiner Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Was heißt ADHS? Sind nicht nur Kinder davon betroffen? Welche Symptome treten bei Erwachsenen auf? Gibt es immer eine Ursache? Wenn der Verdacht einer Aufmerksamkeits-Defizit Hyperaktivitäts-Störung im Raum steht, stellen sich viele Fragen. Obwohl die Störung mittlerweile auch von der Gesellschaft mehr oder weniger anerkannt ist, gibt es erstaunlich wenig Wissen über AD(H)S im Erwachsenenalter, was zu langen Diagnosewegen führt. Insbesondere Mädchen und Frauen erhalten häufig späte oder ungenaue Diagnosen. Was kann ich tun, wenn ich ADHS bei mir oder anderen vermute? Wann und warum soll man ADHS behandeln? Wie halte ich mich unter Kontrolle? Denken Menschen mit ADHS anders? Dieses Buch sammelt die wichtigsten Fragen zu der Störung und zwei Experten beantworten sie mit Expertise und Erfahrung. Nachdem ein Selbsttest bei der ersten Diagnose hilft, finden Betroffene und Angehörige all ihre Fragen und die Antworten darauf in diesem Ratgeber – ein Buch, das aufklärt, Tipps gibt und den Alltag mit ADHS erleichtern kann.

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Weitere Infos & Material


WAS HEISST ADHS?
Vincenzo Florio, Niccolò Ghiotto
Liebe Leserin, lieber Leser, Sie halten dieses Buch in den Händen und haben wahrscheinlich vor, es zu lesen. Das bedeutet, dass Sie sich angemessenen Raum schaffen und die nötige Zeit finden, aber vor allem „Aufmerksamkeit schenken“ müssen. Sie dürfen sich nicht von allem ablenken lassen, was Ihren Geist daran hindern könnte, sich auf das zu konzentrieren, was Sie lesen. Und um eben diese Aufmerksamkeit geht es in diesem Buch! Genauer gesagt handelt es von einer Störung, über die bis vor einigen Jahren wenig oder gar nicht gesprochen wurde – ADHS. ADHS steht für „Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung“ und ist eine entwicklungsneurologische Störung, die vor dem 12. Lebensjahr auftritt. Vorschulkinder mit ADHS können Kommunikationsprobleme und vielleicht soziale Interaktionsprobleme haben. Wenn Kinder das Schulalter erreichen, erscheinen sie häufig abgelenkt. Viele von ihnen zappeln und bewegen sich ständig, sind ungestüm und antworten, wenn sie nicht an der Reihe sind. Während der späten Kindheit können diese Kinder ständig mit den Beinen wackeln, mit den Händen fuchteln, impulsiv sprechen, Dinge leicht vergessen und unorganisiert sein. 20–60 ?% der Kinder mit ADHS haben Lernstörungen, die Lesen, Mathematik oder schriftliche Sprache betreffen, und die meisten haben schulische Probleme wie schlechte Leistung aufgrund von Desorganisiertheit oder Nichterledigung der Hausaufgaben (exekutive Fähigkeiten). Die Schularbeiten sind unordentlich, mit oberflächlichen Fehlern und einem Mangel an reflektiertem Denken. ADHS-Kinder sind oft geistesabwesend und hören nicht zu. Es kann zu häufigem Wechsel zwischen unvollendeten Aktivitäten kommen. Etwa 60 % der betroffenen kleinen Kinder haben Probleme wie Wutausbrüche, während die meisten älteren Kinder eine geringe Frustrationstoleranz zeigen. In der Adoleszenz können betroffene Jugendliche Probleme mit dem Selbstwertgefühl, Depressionen, Ängste oder eine Abneigung gegen Autoritäten haben. Es gibt keine spezifische Ursache, jedoch sind oft genetische (vererbte) Faktoren vorhanden (siehe dazu auch S. ?, „Gibt es immer eine Ursache?“). Die Forschung deutet darauf hin, dass ADHS wahrscheinlich durch Veränderungen in Neurotransmittern wie Dopamin, dem „Motor des Vergnügens“, verursacht wird. Zudem kann ADHS mit traumatischen Ereignissen in der Kindheit verbunden sein, wie Gewalt, Missbrauch, Vernachlässigung. Die Diagnose von ADHS basiert auf der Anzahl, Häufigkeit und Schwere der Anzeichen. Kinder müssen sechs oder mehr Anzeichen von Unaufmerksamkeit oder Hyperaktivität und Impulsivität aufweisen bzw. sechs aus jeder Gruppe, um ADHS des kombinierten Typs (siehe S. ?) zu diagnostizieren. Die Anzeichen müssen in mindestens zwei getrennten Umgebungen vorhanden sein (normalerweise zu Hause und in der Schule), sodass die Reaktion der betroffenen Person auf spezifische Probleme in einer Situation nicht mit ADHS verwechselt wird. Wenn ADHS im Erwachsenenalter fortbesteht, kann das Leben der betroffenen Person in verschiedenen Bereichen stark beeinträchtigt sein. Chronische Unaufmerksamkeit kann zu Problemen und Missverständnissen im sozialen, beruflichen und persönlichen Bereich führen. Termine vergessen, sich ständig ablenken lassen, Hausschlüssel liegen lassen, Rechnungen nicht bezahlen – das alles sind Verhaltensweisen, die sehr behindernd sein können und Konflikte mit umgebenden Personen verursachen. In gravierenden Fällen verhindert die Unaufmerksamkeit die Planung der eigenen Zukunft, und man neigt dazu, die erforderlichen Aktivitäten ständig aufzuschieben. Aber zurück zur Aufmerksamkeit. Zuerst ist es wichtig zu definieren, was Aufmerksamkeit ist und wodurch unsere Fähigkeit zur Aufmerksamkeit beeinträchtigt werden kann. Wieso ist es überhaupt wichtig, aufmerksam zu sein und sich auf etwas konzentrieren zu können? Das lässt sich – wie so vieles – aus der Evolution erklären: Wie hätten unsere Vorfahren erfolgreich den vielzitierten Säbelzahntiger bekämpfen können, wenn sie vom Duft einer Blume abgelenkt worden wären? Und während viele Überbleibsel aus der frühen Menschheitsgeschichte heute zwar noch vorhanden sind, aber keine Funktion mehr erfüllen (oder wissen Sie, wozu genau der Blinddarm oder das Steißbein heute dienen könnten?), ist die Aufmerksamkeit auch heute noch ganz entscheidend. Wenn auch anders als früher, als für den Höhlenmenschen selbst die kleinste Unaufmerksamkeit Gefahr und Tod bedeuten konnte. Heutzutage müssen wir selten um unser unmittelbares Überleben in einer feindlichen Umgebung kämpfen, die Herausforderung ist dafür eine andere: Im heutigen Alltag sind wir ständig von unzähligen Reizen umgeben, von denen nur wenige wirklich wichtig sind. Um mit dieser Situation umzugehen, muss unser Gehirn eine fast automatische Auswahl der Reize vornehmen, indem es einer Rangordnung nach Interesse und Notwendigkeit folgt. Das Gehirn bringt daher unsere Aufmerksamkeit dazu, sich auf eine Information zu konzentrieren, die wir gegenüber dem Rest, welcher im Hintergrund bleibt, in den Vordergrund stellen. Dieser kognitive Prozess findet nicht nur hin und wieder statt, sondern wie ein Schrittmacher, ständig, in jedem Moment unseres Lebens. Er läuft so lange automatisch ab, bis etwas ins Stocken gerät. Es ist ein komplexer neuropsychologischer Mechanismus, der von persönlichen Faktoren (z. B. dem emotionalen Zustand), Umweltfaktoren (z. B. einer hohen Anzahl von Ablenkungen) oder Eigenschaften des Reizes selbst, dem Aufmerksamkeit geschenkt werden soll (z. B. das Verstehen eines komplexen Sachverhalts), beeinflusst ist. Aufmerksamkeit ist nicht gleich Aufmerksamkeit. Es gibt dabei folgende Unterscheidungen: Daueraufmerksamkeit / gehaltene Aufmerksamkeit: Dabei wird die Reaktion auf einen Reiz über die Dauer der Zeit aufrechterhalten. Selektive Aufmerksamkeit: Sie bezeichnet die Fähigkeit, auf einen bestimmten Reiz zu reagieren, während viele andere Elemente vorhanden sind, die störend sein könnten. Alternierende Aufmerksamkeit: Der Fokus wechselt zwischen zwei oder mehreren Reizen. Geteilte Aufmerksamkeit: Dabei wird auf mehrere Reize gleichzeitig reagiert. Bei ADHS sind nicht all diese Arten von Aufmerksamkeit beteiligt – die am meisten betroffene ist die gehaltene Aufmerksamkeit. Wir werden darauf noch genauer eingehen. Wer oder, besser gesagt, was kontrolliert nun aber überhaupt die Aufmerksamkeit? Hier kann auf die sogenannten exekutiven Funktionen verwiesen werden. Dabei handelt es sich um eine Reihe komplexer kognitiver Prozesse, die es uns ermöglichen zu planen, zu organisieren, unser Verhalten zu kontrollieren und an das anzupassen, was der Kontext von uns verlangt. Die Kontrollzentrale für diese Prozesse befindet sich in einem Teil unseres Gehirns, der sich in der Evolution zuletzt entwickelt hat und daher wahrscheinlich dazu beiträgt, unsere Spezies geschickter zu machen als die Hominiden, die uns vorausgingen. Sie befindet sich hinter der Stirn und umfasst Teile des Frontallappens und des Cingulums. Es wurde festgestellt, dass bei Personen mit ADHS in diesen Bereichen des Gehirns ein Dopaminmangel herrscht. Der Botenstoff Dopamin reguliert u. ? a. die Motivation und die Suche nach Belohnung – zwei Funktionen, die wiederum notwendigerweise eine Beteiligung der Aufmerksamkeit erfordern. Genau dieselbe Substanz wird übrigens von Kokain in massiven Dosen in unserem Gehirn freigesetzt, was zu einer paradoxen Reaktion führt: Konsumieren Personen mit ADHS Kokain, werden sie nicht unruhig, sondern sie fühlen sich ruhiger. Manchmal, wie Sie sich vorstellen können, ist es gut, dass unser Gehirn in der Lage ist, die Aufmerksamkeit von allem abzuwenden, was wir in einem bestimmten Moment überhaupt nicht benötigen. Auf etwas zu reagieren (oder etwas zu machen, zu handeln), bedeutet auch, auf etwas anderes nicht zu reagieren (oder etwas anderes nicht zu machen). Diese Fähigkeit, eine Handlung oder Antwort zurückzuhalten, eben nicht zu reagieren, wird als inhibitorische Kontrolle bezeichnet. Diese ist ebenfalls Teil der oben angesprochenen exekutiven Funktionen. In diesem Zusammenhang kommt auch ein weiterer wichtiger Aspekt bei ADHS ins Spiel, die Impulsivität. Impulsivität definieren wir als die Unfähigkeit, Impulse, die am ehesten mit Energieschüben vergleichbar sind, zu kontrollieren. Die Fähigkeit der kognitiven Hemmung, die darin besteht, unerwünschte oder in einem bestimmten Moment als unwichtig erachtete Gedanken zu umgehen oder zu unterdrücken, geht dabei verloren. Dies führt zu Hyperaktivität, die oft noch durch einen Zustand der Unruhe begünstigt wird. Denn durch die Einschränkung oder sogar den Verlust der Gedanken- und Verhaltenshemmung, welche komplexe psychomotorische Mechanismen hervorrufen, geraten nicht nur unsere Handlungen, sondern auch die Zustände unseres Körpers außer Kontrolle. Bereits in der...


Conca, Andreas
Univ. Prof. Dr. Andreas Conca ist Psychiater und Psychotherapeut, Vorsitzender der italienischen Gesellschaft für Psychiatrie (SIP) und Lehrbeauftragter an den Universitäten Innsbruck, Brixen und Bozen. Er ist Sekretär der italienischen nationalen Vereinigung der Psychiatrischen Abteilungen und hat zahlreiche Ausbildungen in Italien, Österreich, Deutschland und den USA absolviert sowie Fachmaterial publiziert. Langjährig war er Koordinator des landesweiten Dienstes für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie im Gesundheitsbezirk Bozen und Mitglied der Südtiroler Ethikkommission.

Giupponi, Giancarlo
Dr. Giancarlo Giupponi, Psychiater und Psychotherapeut, Stellvertretender Leiter des psychiatrischen Dienstes des Gesundheitsbezirks Bozen. Nach seiner klinischen Erfahrung in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am LMU Klinikum in München war Dr. Giupponi mehrere Jahre als Dozent an der Universität Graz tätig. Er erlangte die Habilitation zum außerordentlichen Professor beim MIUR in Rom. Derzeit hält er verschiedene Vorlesungen, insbesondere zu Themen wie ADHD und Suizidprävention, an mehreren Universitäten und ist derzeitiger Landesvorsitzender der Italienischen Gesellschaft für Psychiatrie (SIP). Er ist Autor zahlreicher wissenschaftlicher Publikationen, vor allem im Bereich der Suizidprävention.



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