E-Book, Deutsch, Band 182023, 144 Seiten
Reihe: Julia
Colter Traumhaus am Meer - Liebe inklusive?
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7515-1878-9
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 182023, 144 Seiten
Reihe: Julia
ISBN: 978-3-7515-1878-9
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Völlig überraschend erbt Abby ein Traumhaus am Meer! Doch die Sache hat zwei Haken: Das geheimnisvolle Testament schreibt vor, dass sie innerhalb eines Jahres verheiratet sein muss. Und es gibt einen verboten attraktiven Mieter in ihrer neuen Immobilie. Shane McCall will zuerst sofort ausziehen - dann aber bleibt er und flirtet heiß mit ihr! Doch selbst in ihren kühnsten Träumen weiß die alleinerziehende Mutter, dass Shane ihre größte Sehnsucht niemals erfüllen wird. Denn eine Heirat oder gar eine Familie sind für den bindungsscheuen Witwer ausgeschlossen ...
Cara Colter hat Journalismus studiert und lebt in Britisch Columbia, im Westen Kanadas. Sie und ihr Ehemann Rob teilen ihr ausgedehntes Grundstück mit elf Pferden. Sie haben drei erwachsene Kinder und einen Enkel. Cara Colter liest und gärtnert gern, aber am liebsten erkundet die begeisterte Reiterin auf ihrer gescheckten Stute Dakota die kilometerweiten Waldwege, die direkt an ihrem Haus vorbei- und in die freie Natur führen. Als Autorin von insgesamt 40 Büchern wurde Cara Colter mehrfach ausgezeichnet. 2006 erhielt sie von der Romantic Times einen Sonderpreis für ihre humorvollen Romane, 2007 kam sie erstmalig auf die Bestellerliste von Waldenbooks.
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1. KAPITEL
Nach all den Jahren verbrachte er die Nächte immer noch so, als bestünde die Möglichkeit, dass sich jemand in den Raum schleichen und ihm eine Waffe an den Kopf halten könnte.
Sogar hier in Miracle Harbor, wo so etwas natürlich nicht vorkam.
Hellwach lag er da – jeder Muskel war angespannt –, lauschte ins Dunkel und fragte sich, welches Geräusch ihn mitten in der Nacht aus dem Schlaf gerissen hatte. Das grüne Leuchtzifferblatt seiner Uhr verriet ihm, dass es kurz nach drei Uhr war.
Es musste das Nebelhorn gewesen sein, entschied er für sich, und nicht das Knarren seines Eingangstors, das dringend geölt werden sollte. Also erlaubte er sich, etwas herunterzufahren und zu entspannen … und dann noch etwas mehr, bis seine Augen zufielen und er sich zwang, wieder einzuschlafen.
Er hasste die Nächte, denn während der dunklen Stunden reichte seine gewohnte Disziplin nicht aus, um sein Unterbewusstsein zu manipulieren oder – noch besser – abzuschalten. Aus irgendeinem Grund suchten ihn genau in diesen Phasen unwillkommene Erinnerungen heim und …
Da war er wieder, dieser verdächtige Laut.
Das Geräusch zögerlicher Schritte … eindeutig von jemandem, der sich den Gehweg hinaufschlich. Er hielt den Atem an, lauschte angestrengt und hörte das Knirschen des losen Bretts auf der zweiten Verandastufe. Als dann auch noch das Geräusch der heruntergedrückten Haustürklinke dazukam, bewegte er sich schnell und lautlos aus dem Bett und in Richtung Fenster.
Unten auf der Straße parkte ein altes Auto samt Anhänger. Diebe? Wollten sie ihn ausrauben und ihre reiche Beute gleich aufladen und abtransportieren? Aber sie würden enttäuscht sein in Anbetracht seiner spartanischen Einrichtung und dem Fehlen etwaiger Luxusgüter. Er hatte kein Interesse an all diesem Zeug. Kein Fernseher, keine Stereoanlage, nur sein PC.
Habe ich mich je für sogenannte Luxusgüter interessiert? An derartige Kleinigkeiten konnte er sich kaum erinnern, obwohl ihm genau in dieser Sekunde seine Frau Stacey vor Augen stand, wie sie lachend mit ausgestrecktem Finger in ein Schaufenster wies und sich über einen viel zu hohen Preis amüsierte. Aber auch eine Spur Wehmut in ihrem Blick war nicht zu übersehen gewesen.
Er zuckte zusammen wie unter einem Schlag, als ihm einfiel, was sie an diesem Tag betrachtet hatten. Eine Wiege …
Undurchdringliche Schwärze, die nichts Gutes für den Störenfried verhieß, senkte sich auf ihn wie ein bleiernes Gewicht. Nur mit den Boxershorts am Leib, in denen er geschlafen hatte, schlich er die Stufen hinunter und durch das dunkle Haus – lautlos, kaltblütig und emotionslos, wie es ihm zur zweiten Natur geworden war.
Er öffnete die Hintertür nur so weit, dass sie nicht quietschte, und schlüpfte ins Freie, im Kopf bereits einen fest umrissenen Plan. Er würde den Gehweg neben dem Haus nutzen, um nach vorn zu gelangen, und den dreisten Eindringling auf der vorderen Veranda stellen.
Um zu entkommen, musste der Kerl dann erst an ihm vorbei … Sein Pech, er würde schnell merken, dass er sich das falsche Objekt ausgesucht hatte: das Zuhause von Shane McCall, Agent der Drogenfahndungseinheit im Ruhestand.
Der aufgezogene Nebel war nahezu undurchdringlich, die Steinplatten unter seinen nackten Füßen eiskalt und die Rhododendren entlang des Seitenwegs so dicht, dass seine nackte Haut auf der einen Seite nass von den gummiartigen Blättern der Büsche war und auf der anderen Seite an den rauen Schindeln der Hausfassade entlangschrappte. Doch das bekam er kaum mit.
An der Hausecke angekommen, hielt er sich im Schatten der Sträucher, lauschte und versuchte aus schmalen Augen, den Nebel zu durchdringen.
Dann sah er die gebeugte Gestalt an der Haustür. Es war zu dunkel und der Nebel zu dicht, um sie richtig ausmachen zu können. Baseball-Cap und ein schmächtiger Körperbau, der keine Bedrohung für ihn darstellte.
Ein Jugendlicher? Oder gar ein Kind?
Shane stutzte, fuhr sich mit der Hand über die Augen und spürte, wie seine kalte Wut sich verflüchtigte, während er zusah, wie der Eindringling erneut an der Türklinke rüttelte. Versuchte er etwa auf diese Weise das Schloss zu knacken?
Warum hatte er nicht einfach die Polizei gerufen, wie jeder normale Bürger es getan hätte? Wahrscheinlich schob sogar sein alter Kumpel Morgan heute Nachtdienst. Dann hätten sie nach dem Einsatz noch Kriegsgeschichten austauschen können, was auf jeden Fall besser gewesen wäre, als wieder zurück ins Bett gehen zu müssen, nachdem er das hier erledigt hatte. Zurück zu den Erinnerungen, die dort auf ihn warteten …
Es war immer noch eine Option, die Polizei zu rufen, doch da er wusste, dass er es nicht tun würde, trat Shane aus seiner Deckung und bewegte sich lautlos auf den Eindringling zu.
Vielleicht hätte er seinen Dienstrevolver mitnehmen sollen, der sich allerdings ebenfalls im Ruhestand befand. Und gegenüber einem Halbstarken, der versuchte, um drei Uhr morgens in ein Haus einzubrechen, und sich dabei offenbar gnadenlos überschätzte, war das wohl eine überzogene Maßnahme.
Shanes Verstand arbeitete mit der distanzierten Kälte und Präzision, die typisch für ihn war. Spontan entschied er sich, Abstand zu halten und es so aussehen zu lassen, als würde er eine Waffe bei sich führen. Nicht gerade üblich, wenn man nur Boxershorts trug, aber auch nicht unmöglich. Lautlos schlich er weiter bis zum Fuß der Verandatreppe.
„Halt die Hände so hoch, dass ich sie sehen kann, und dreh dich nicht um“, befahl er mit fester Stimme.
Die Gestalt fuhr zusammen und erstarrte.
„Du hast mich schon verstanden, also … Hände hoch.“
„Ich kann nicht.“ Angst und Panik ließen die Stimme klingen wie von einem Mädchen oder Kind.
„Du kannst nicht? Es wäre aber besser für dich.“
„Dann müsste ich das Baby fallen lassen.“ Die Stimme bebte.
Das Baby?
Shane nahm zwei Stufen auf einmal, legte seine Hand auf die Schulter des Eindringlings und wirbelte ihn herum.
Oder … besser gesagt sie …
Eine ausgewachsene Sie mit einem Baby auf dem Arm. Beide starrten ihn aus blauen Augen an. Blaue Augen mit einem Hauch von Bernsteinbraun, wie er im Schein der Wandleuchte ausmachen konnte.
Shane zog seine Hand zurück, fuhr sich durchs Haar und fluchte unterdrückt.
Erst als ihre Schuhspitze auf sein Schienbein traf, wurde er schmerzlich daran erinnert, dass er Regel Nummer eins vergessen hatte: Niemals die Deckung außer Acht lassen.
„Hilfe, Feuer!“, schrie die Frau. „Feuer!“
Ohne nachzudenken, legte er eine Hand über ihren Mund, bevor sie noch die gesamte Nachbarschaft auf den Plan rief, wofür er kaum angemessen gekleidet war.
Sie war wunderschön. Blondes kurzes Haar, das unter dem Baseball-Cap hervorlugte, und ein zartes Gesicht. Perfekter Porzellanteint, hohe Wangenknochen, eine wohlgeformte Nase. Doch die Augen waren zweifellos das dominierende Merkmal. Riesig und in der Farbe des Meeres, wie er es vor langer Zeit nur einmal vor der Küste von Kailua-Kona auf Hawaii gesehen hatte. Dazu goldbraun gesprenkelt … eine ungewöhnliche Kombination.
In diesen faszinierenden Augen funkelten wütende Tränen.
Er fluchte erneut, und sie begann zu zittern. Jetzt fing auch noch das Kleinkind auf ihrem Arm zu weinen an.
Shane wagte einen unbehaglichen Rundumblick in Richtung seiner Nachbarschaft. „Nicht noch einmal Feuer schreien, versprochen?“, knurrte er grimmig, und die Fremde nickte nach kaum merklichem Zögern.
Sie war unbestreitbar wunderschön, aber offensichtlich geistesgestört. Als er die Hand hob, wich sie vor ihm zurück, bis sie mit dem Rücken an die Türfüllung prallte, die Augen weit aufgerissen, ihre Arme schützend um das Baby gelegt, das eigentlich keines mehr war.
„Halt dich von uns fern, du … du Perversling!“
„Perversling?“, echote er verdutzt. „Ich?“
„Sich in Unterhose zwischen den Büschen zu verstecken und eine wehrlose Frau zu überfallen, die nur in ihr Haus will, das nenne ich pervers.“
„Die in ihr Haus will?“, echote er erneut, diesmal noch fassungsloser.
Als er sich eine Spur bewegte, wurden ihre Augen schmal. Das zarte, aber feste Kinn hob sich. Sie wog wahrscheinlich nur halb so viel wie er, doch er wusste, sie würde versuchen, es mit ihm aufzunehmen, wenn er sich jetzt falsch bewegte.
Die Fremde nickte und fuhr sich nervös mit der Zungenspitze über die Lippen. Ihr Blick huschte hin und her und glitt über seine Schulter, als suche sie verzweifelt nach einem Ausweg.
Shane verschränkte die Arme vor der nackten Brust. „Dies ist zufällig mein Zuhause, und ich habe dich für einen Eindringling beziehungsweise Dieb gehalten.“
Ihr Mund klappte auf, dann zu, und ihre Augen verengten sich vor Argwohn.
Fast hört er, was sie von ihm dachte, sah aber auch Verwirrung auf den zarten Zügen. Ihr Blick suchte und fand die schwarze Hausnummer aus geschmiedetem Eisen unter der an der Wand montierten Verandalampe.
Pervers! Er war nicht sicher, ob er jemals derart beleidigt worden war. Und sie? Bei genauerer Betrachtung erschien sie ihm weniger wirr als eher erschöpft und todmüde.
Sekundenlang musterten sie einander kritisch und stumm, dann sah er, wie ihre Anspannung merklich nachließ. Dafür liefen zu seinem...




