E-Book, Deutsch, Band 4, 368 Seiten
Reihe: Young Bond
Cole Young Bond – Rot wie Rache
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7336-0211-6
Verlag: Fischer Kinder- und Jugendbuch Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 4, 368 Seiten
Reihe: Young Bond
ISBN: 978-3-7336-0211-6
Verlag: Fischer Kinder- und Jugendbuch Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Steve Cole wurde 1971 geboren und studierte an der University of East Anglia, England. Er war Herausgeber einer Zeitschrift, Lektor für verschiedene Verlage und ist heute ein erfolgreicher Autor. Er ist schon sein Leben lang großer Fan von James Bond und führt nun die Young-Bond-Serie weiter, auf deren Fortsetzung Fans weltweit sehnsüchtig gewartet haben.
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Kapitel 3 Grosse Bauwerke und ihre Geheimnisse
Eigentlich hatte James vorgehabt, in den Sommerferien eine Taucherausrüstung zu konstruieren und sie in der St. Margaret’s Bay auszuprobieren, aber jetzt schwebte ihm eine ganz neue Aufgabe vor: Er wollte herausfinden, was sein Vater seinem Bruder, dem Spion, hatte sagen wollen.
Wenn die Postkarte und der Brief tatsächlich zwei Teile eines geheimnisvollen Rätsels darstellten, was war dann die Lösung? , hatte Andrew Bond an seinen Bruder geschrieben. Aber James hatte doch nie ein Musikinstrument besessen. Er wusste wirklich nicht, was er damit anfangen sollte, zumindest noch nicht. Falls Tante Charmian recht hatte – und das, was der maulwurfsartige Henson im Zusammenhang mit einer Mühle und einer Bank zu erledigen hatte, irgendwie mit dem Wiederaufbau von Millbank zusammenhing –, vielleicht war dann der Angelausflug mit der falschen Jahreszahl auch nur ein Hinweis. Max hatte doch bestimmt das korrekte Datum gekannt. Und sein Vater hatte geschrieben, dass sie auf einen Biss gewartet hatten und damit die Aufmerksamkeit auf die Zahl 97 gelenkt …
Und wenn damit eine Adresse gemeint war? Millbank Nummer 97?
Das klang zwar ziemlich weithergeholt, aber da James ansonsten keinerlei Idee hatte, musste er diese Möglichkeit zumindest überprüfen.
Charmian hatte beschlossen, die rätselhaften Nachrichten an einen Bekannten von Onkel Max beim Secret Intelligence Service weiterzuleiten, nur für den Fall, dass sie dort von Interesse sein könnten. Darum bot James sich als Kurier an. Das würde ihm Zeit und Gelegenheit geben, selbst ein paar Nachforschungen anzustellen.
Die SIS-Zentrale befand sich am Broadway, unweit der Haltestelle St. James’ Park. Es war ein unauffälliges Bürogebäude. Dort hatte der SIS den dritten und vierten Stock belegt – inoffiziell natürlich. Auf dem Schild an der Eingangstür stand der Name einer Feuerlöscherfirma. Die Öffentlichkeit sollte ja nicht wissen, wer sich wirklich hinter dieser Tür verbarg. James war ausdrücklich gesagt worden, dass er seinen Reisepass mitbringen sollte, um sich auszuweisen.
Er klingelte, und es dauerte nicht lange, bis ein junger Mann mit zurückgekämmten Haaren, einem grauen Anzug und ebenso grauer Hautfarbe ihm die Tür öffnete. James zeigte seinen Ausweis vor, und der Mann untersuchte ihn sehr gründlich, bevor er James in einen grauen, nüchternen Flur bat, der nicht einen Funken Glanz verströmte.
»Du hast etwas für uns«, sagte der Mann ohne jede Spur von Begeisterung.
Zögerlich übergab James ihm den Umschlag mit dem Brief und der Postkarte. Er hatte sich vorher noch alles fein säuberlich abgeschrieben, trotzdem fiel es ihm schwer, die Originale aus der Hand zu geben.
Schweigend nahm der junge Mann den Umschlag entgegen.
»Ist … Adam Elmhirst vielleicht gerade da?«, erkundigte sich James. Im letzten Jahr war er in Los Angeles in große Gefahr geraten, und Agent Elmhirst hatte ihm das Leben gerettet. James hatte gehofft, dass er ihn vielleicht um Hilfe bitten konnte. »Ich kenne ihn persönlich …«
»Da hast du heute kein Glück«, fiel ihm der junge Mann ins Wort. »Aber ich richte ihm aus, dass du hier warst. Auf Wiedersehen.«
Noch bevor James etwas dagegen einwenden konnte, wurde er unsanft nach draußen geschoben. Die Tür fiel ins Schloss, und dann stand er gedemütigt wieder in der Sonne.
, dachte er.
Er warf einen Blick in Tante Charmians zerschlissenen und spazierte den Broadway entlang, dann weiter geradeaus durch den Strutton Ground und die Horseferry Road, bis er nach rechts auf die Regency Street gelangte. Das Haus Nummer siebenundneunzig in der Millbank war jetzt keine zwanzig Minuten mehr entfernt.
Die Millbank war ein Teil der Uferstraße am Nordufer der Themse, und die Nummer siebenundneunzig war ein Neubau. Er beherbergte eine internationale Schule: die Mechta-Akademie für Darstellende Künste.
Nachdem die Millbank von einer Flutkatastrophe verwüstet worden war, hatte man das gesamte Areal abgerissen und mit neueren, hochwassersicheren Häusern bebaut. Die Mechta-Akademie hob sich jedoch von den anderen Gebäuden ab: ein stufenförmiger Bau aus riesigen, weißen Betonblöcken, die rund um einen ovalen Turm angeordnet waren. , hatte sein Vater vor Jahren geschrieben. Nun, die Stützpfeiler am Fuß des Gebäudes sahen jedenfalls so aus, als könnten sie jeder Flut die Stirn bieten.
Das Grundstück wurde von einem schwarzen, gusseisernen Zaun umgeben. Auf dem parkähnlich angelegten Gelände sah James Kinder in rotgelben Uniformen unter Aufsicht der Lehrer Sportübungen machen.
, fragte er sich.
Aber vielleicht galten an internationalen Schulen ja andere Regeln.
Als jemand, der oft gegen Regeln verstieß, nahm James sich vor, ein wenig mehr in Erfahrung zu bringen.
In der nächsten Woche fuhr James wieder nach London. Er hatte einen Termin beim Nationalarchiv in der Chancery Lane abgemacht, um sich dort über die Akademie zu informieren. Er musste seinen Ausweis vorzeigen und war froh, dass er ihn seit seinem letzten Besuch in der Hauptstadt nicht aus der Tasche genommen hatte.
… Ob damit die pädagogischen Grundlagen der Akademie gemeint waren?
, dachte James. Obwohl sein Vater das eigentlich gar nicht hatte wissen können. Der Neubau der Nummer 97 hatte 1931 begonnen und war bei Andrew Bonds Tod 1932 noch gar nicht fertig gewesen. Auf den Bauplänen wurde ein gewisser Ivan Kalaschnikow als Architekt genannt. Gut möglich, dass es sich um einen Russen handelte. James wusste, dass die diplomatischen Beziehungen zwischen Großbritannien und der Sowjetunion seit Jahren schon angespannt und schwierig waren. Jede Seite warf der anderen Spionage, Sabotage und noch Schlimmeres vor. Eine solch auffällige Arbeit eines russischen Architekten im Herzen von Westminster musste bei der einen oder anderen Regierungsstelle für Stirnrunzeln gesorgt haben.
, hatte Andrew Bond geschrieben, …
Aus den Unterlagen ging hervor, dass Kalaschnikow noch drei weitere Gebäude am Ufer der Themse konstruiert hatte – alles Bürogebäude, die eine brutale, funktionelle Eleganz verströmten und in jedem Fall ungewöhnlich waren. James sah sich die Pläne ganz genau an und prägte sich die wichtigsten Merkmale ein. Aber von den Fundamenten war nirgendwo etwas zu erkennen.
, fragte er sich schließlich. Und trotzdem drängte ihn sein Instinkt, sein Gefühl, die Suche fortzusetzen, mehr zu erfahren. James hatte gelernt, dieser inneren Stimme zu vertrauen.
Wenn die Baupläne ihn nicht weiterbrachten, dann musste er sich eben aus erster Hand informieren. Die Akademie hatte ja eindeutig geöffnet, obwohl eigentlich Sommerferien waren. , dachte James.
Nachdem er mit dem Bus von der Chancery Lane an die Millbank gefahren war, überlegte James, wie er sich Zugang zur Akademie verschaffen konnte. Vermutlich war es am besten, wenn er den Leuten dort gehörig auf die Nerven ging. Also schlang er sich den alten, mit Rostflecken übersäten Rucksack seines Vaters über die Schulter, marschierte bis vor das Tor und drückte in regelmäßigen Abständen auf die Klingel.
Irgendwann trat ein großer, düster wirkender Mann mit hohen Wangenknochen aus dem Hauptgebäude ins Freie. Er war vielleicht Mitte zwanzig und näherte sich mit einschüchternden Schritten dem Tor. Trotz seines schmutziggrauen Anzugs sah er nicht aus wie ein Lehrer, sondern eher wie ein Soldat. Er sagte kein Wort, sondern starrte James lediglich fragend an.
»Ich habe mit Ihrem Direktor eine Führung vereinbart«, sagte James beherzt und beschloss, dass er für seine Geheimmission auch einen richtigen Decknamen brauchte. »Ich heißt Grande … Hugo Grande. Mein Vater findet, dass ich mich hier anmelden soll. Wenn es mir gefällt, was ich zu sehen bekomme, dann könnte ich vielleicht der neueste und bedeutendste Schüler dieser Akademie werden.«
Der Mann starrte James weiterhin an und bedeutete ihm mit dem Finger, dass er verschwinden sollte.
Kopf schüttelnd warf James einen Blick auf seine Armbanduhr. Es war kurz vor halb vier. »Die Führung soll um 15.30 Uhr losgehen. Ich würde Ihnen ja die schriftliche Zusage zeigen, aber die hat mein Vater behalten. Er will mich erst um sechs Uhr hier abholen. Vielleicht könnten Sie ja einmal nachfragen?«
Der Mann machte auf dem Absatz kehrt und stolzierte davon.
»Ich gehe hier nicht weg!«, rief James ihm hinterher. »Nicht, bevor ich mit jemandem gesprochen habe!« , dachte er, Darum blieb er einfach stehen und drückte zehn Minuten lang immer wieder auf den Klingelknopf. Endlich kam der slawisch wirkende Soldat wieder, schloss das Tor auf und begleitete James...




