E-Book, Deutsch, 847 Seiten
Cole Die Tochter
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-98952-643-3
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Thriller: Er beobachtet sie. Er jagt sie. Er tötet sie.
E-Book, Deutsch, 847 Seiten
ISBN: 978-3-98952-643-3
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Martina Cole ist eine britische Spannungs-Bestsellerautorin, die bekannt für ihren knallharten, kompromisslosen und eindringlichen Schreibstil ist. Ihre Bücher wurden für Fernsehen und Theater adaptiert und in zahlreiche Sprachen übersetzt. Martina Cole hält regelmäßig Kurse für kreatives Schreiben in britischen Gefängnissen ab. Sie ist Schirmherrin der Wohltätigkeitsorganisation »Gingerbread« für Alleinerziehende und von »Women's Aid«. Die Website der Autorin: martinacole.co.uk/ Die Autorin bei Facebook: facebook.com/OfficialMartinaCole/ Bei dotbooks veröffentlichte Martina Cole ihre Thriller »Die Gefangene«, »Die Tochter«, »Kidnapped«, »Perfect Family«, »The Runaway« sowie die Spannungsromane »Eine irische Familie«, »Die Ehre der Familie«, und »Die Abgründe einer Familie«.
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Prolog
»Alles, worum ich dich gebeten hatte, war, deine matschigen Schuhe auszuziehen. Herrgott noch mal, George, bist du schwer von Begriff oder was? Kapierst du nicht mal die einfachsten Dinge?«
Elaine Markham sah in das ausdruckslose Gesicht ihres Mannes und bezwang den Drang, ihm ihre Faust hineinzuschlagen. Unwillkürlich biss sie die Zähne zusammen und unternahm einen konzentrierten Versuch, sich zu entspannen. Erneut wanderte ihr Blick zu der feuchten Erde, die überall auf dem Küchenboden verschmiert war.
Mit einem tiefen Seufzer holte sie den Scheuerlappen unter der Spüle hervor, knallte die Tür des Küchenschranks zu und füllte einen Plastikeimer mit Wasser. George Markham beobachtete, wie seine Frau ein paar Spritzer Domestos ins Wasser gab. Dann ließ er sich auf einem der Küchenstühle nieder und begann seine Gartenschuhe auszuziehen, wobei er sorgsam darauf achtete, den Boden nicht noch mehr zu beschmutzen.
Elaine drehte sich mit dem Wassereimer in der Hand um und kreischte ihn an: »Kannst du das nicht über einem Blatt Zeitungspapier machen? Bist du so blöd, dass du nicht einmal an so etwas Simples denken kannst?«
George starrte seine Frau einige Sekunden lang an und kaute auf seiner Unterlippe.
»Es tut mir leid, Elaine.« Seine Stimme war leise und verunsichert. Ihr Klang ließ seine Frau die Augen zusammenkneifen.
George streifte seine Schuhe ab, ging zur Küchentür und stellte sie nach draußen. Vorsichtig schloss er die Tür und wandte sich zu seiner Frau.
»Gib schon her, Elaine. Ich mach die Sauerei selbst weg.« Er lächelte sie traurig an und rief damit ein Schnaufen hervor. Verärgert schüttelte sie den Kopf.
»Nein. Du machst es nur noch schlimmer. Mein Gott, George, kein Wunder, dass du auf der Arbeit nicht weiterkommst. Fällt einem ja schon schwer zu verstehen, warum sie dich überhaupt jeden Tag hinkommen lassen.« Sie stellte den Eimer mit dem dampfenden Wasser auf den Boden und kniete sich nieder. Während sie anfing, den Boden zu schrubben, schimpfte sie weiter.
»Ehrlich, du schaffst es wirklich, einen zur Weißglut zu bringen. Nichts kannst du anpacken ... überhaupt nichts ..., ohne es irgendwie zu vermasseln. Erinnere dich nur an letzte Woche ...«
George beobachtete, wie die üppigen Pobacken seiner Frau sich unter ihrem Kittel bewegten, während sie arbeitete und redete. Die Fettrollen an ihren Hüften schwabbelten bedenklich, als sie den Boden schrubbte. Vor seinem geistigen Auge sah er sich von seinem Stuhl aufstehen und sie mit aller Kraft in den Hintern treten, sodass sie mitsamt ihrem Wassereimer durch die Küche flog. Die Vorstellung brachte ein Grinsen auf seine Lippen.
»Was grinst du denn so?« Es fiel ihm schwer, in die Wirklichkeit zurückzukehren und sich auf Elaines Gesicht zu konzentrieren. Sie starrte ihn über ihre Schulter hinweg an. Ihr knallgrüner Lidschatten und die rubinroten Lippen leuchteten grell im Licht der Neonröhre.
»Nichts ... nichts, Liebling.« Er klang verlegen.
»Ach, hau einfach ab, George. Geh mir aus den Augen.«
Er starrte weiter seine Frau an, ihre starken Arme und Hände, die den Putzlappen auswrangen, ihre Finger, die zudrückten, bis der letzte Tropfen Wasser entwichen war. Er wünschte sich, es wäre Elaines Hals, den er so zudrückte. Stattdessen wandte er sich zur Hintertür.
»Wohin gehst du denn jetzt?« Ihre Stimme war hoch und gereizt.
George blickte sie an.
»Ich muss noch ein paar Dinge im Schuppen erledigen.«
Elaine drehte ihre Augen zur Decke.
»Prima, und warum um alles in der Welt bist du dann überhaupt schon reingekommen, verdreckst hier den Boden und richtest so ein Chaos an?« Sie breitete ihre Arme zu einer fragenden Geste aus.
»Ich wollte nur eine Tasse Tee. Aber ich seh ja, dass du beschäftigt bist ...«
Hastig stürzte er aus der Küche und zog sich draußen vor der Hintertür wieder seine Gartenschuhe an. Elaine starrte ein paar Sekunden lang die geschlossene Tür an. Wie immer, nachdem sie sich George ›vorgeknöpft hatte‹ – wie sie es insgeheim nannte –, fühlte sie sich schuldig. Schuldig und erschöpft. Er war einfach zu nichts zu gebrauchen. Sein träges Einverständnis mit der Art und Weise, wie sie lebten, machte sie nach all den Jahren wahnsinnig. Seufzend fuhr sie damit fort, den Boden zu wischen.
Im Schuppen verriegelte George die hölzerne Tür und lehnte sich für einen Moment dagegen. Kalter Schweiß stand ihm auf der Stirn. Er schloss die Augen, fuhr sich mit der Zunge über die Lippen und atmete tief durch.
Eines Tages würde Elaine einen Schlaganfall bekommen. Sie würde ihren Mund einmal zu oft aufreißen. Er konnte spüren, wie sein Herz gegen die Rippen hämmerte, und legte seine Hand darüber, als wollte er es damit beschwichtigen.
Er ging zur gegenüberliegenden Seite der Hütte, nahm einen Stapel Gartenmagazine von einem ausrangierten Schulpult und klappte dessen Deckel hoch. Im Innern des Pults lagen ein paar schmuddelige Pullover – seine Gartenpullover. Mit einem Lächeln zog er sie heraus. Darunter kamen seine Hefte zum Vorschein. Seine richtigen Hefte, mit richtigen Frauen darin. Frauen, die nicht herumnörgelten, schimpften und Forderungen stellten. Frauen, die einfach ruhig dalagen und lächelten. Was auch immer man mit ihnen anstellte.
Er nahm das oberste Heft in die Hand. Das Titelbild zeigte eine Frau von etwa zwanzig Jahren. Ihre Arme waren hinter dem Rücken zusammengebunden, und um ihren Hals schlang sich ein Lederband. Die langen blonden Haare hingen ihr über die Schultern und verdeckten teilweise ihre Brüste. Die behaarte Hand eines Mannes riss ihren Kopf nach hinten und brachte die lieblichen Locken mit männlichem Griff in Unordnung. Sie lächelte.
George betrachtete eine Weile das Bild. Er lächelte schwach, und seine kleinen, ebenmäßigen Zähne wurden sichtbar. Während er auf seinem Sessel Platz nahm, fuhr er sich mit der Zunge über die Lippen. Bedächtig, als wäre es das erste Mal, schlug er das Heft auf. Er wollte jedes Bild in Ruhe genießen.
Er blickte das Mädchen vor ihm an. Diesmal war es ein anderes Mädchen, orientalisch aussehend, mit winzigen spitzen Brüsten und dichtem schwarzem Haar. Sie kniete auf allen vieren. Das Lederband um ihren Hals war mit ihren Füßen verbunden. Man konnte erkennen, dass sie sich erwürgen würde, sobald sie sich gegen die Fessel wehrte. Hinter ihr befand sich ein Mann. Er trug eine schwarze Ledermaske und stand kurz davor, seinen erigierten Penis in den Anus des Mädchens zu schieben. Ihr Rücken war gewölbt und sie sah direkt in die Kamera. Ein glückseliges Lächeln lag auf ihrem Gesicht.
George seufzte vor Zufriedenheit. Langsam durchblätterte er das Magazin. Hier und da hielt er inne und streckte das Heft etwas von sich, um die Bilder aus einem anderen Winkel zu betrachten. Er spürte das vertraute Gefühl der Erregung in sich aufsteigen. Seine Hand schob sich in die Polsterfalte des Sessels. Einen Moment tastete er dort herum, dann fand er das Armeemesser, nach dem er gesucht hatte. Sorgfältig breitete er das Magazin über seinen Knien aus, dann ließ er das Messer aus der Scheide gleiten. Es war ein großes Messer mit einer achtzehn Zentimeter langen, gezackten Klinge. Er drehte das Messer in dem Sonnenlicht, das durch das Fenster fiel, und bewunderte sein Funkeln. Dann sank sein Blick auf das Mädchen, dessen Bild die Mittelseiten des Magazins füllte. Mit einer Mischung aus Leiden und Verzückung sah sie zu ihm auf, während ein Kapuzenmann in ihr Gesicht ejakulierte und der Samen an ihrem Kinn hinunter bis auf die Brüste lief.
Gewissenhaft und präzise begann George sie zu zerstückeln. Er zog das Messer über ihren Hals und schlitzte dabei das Papier auf. Danach ritzte er an ihren Brüsten und an ihrer Vagina. Die gesamte Zeit über blickte sie ihn an. Lächelte ihn an. Ermunterte ihn. Er spürte, wie seine Erektion wuchs, spürte den kalten Schweiß unter seinen Armen und auf seinem Rücken und fing an, auf das Heft einzustechen, das Messer in das Papier zu rammen. Es rauschte in seinen Ohren, als würde er unter Wasser schwimmen, und schließlich steigerte sich das Rauschen zum Crescendo, und die schwungvollen, beinahe ekstatischen Wellen des Orgasmus erfassten ihn.
Zurückgelehnt hing George in seinem alten bequemen Sessel und atmete in keuchenden, kleinen Schüben. Langsam beruhigte sich sein Herzschlag wieder. Er schloss seine Augen. Nach und nach nahm er die alltäglichen Geräusche und Ereignisse um sich herum wieder wahr.
Er hörte den Rasentrimmer seines Nachbarn neben seinem Schuppen und die Geräusche der Kinder, die nebenan in ihrem Planschbecken spielten. Ihr piepsiges Babylachen drang in sein Bewusstsein. Eine salzige Schweißperle tropfte in sein Auge, und er blinzelte sie fort. Bedächtig schüttelte er seinen Kopf und sah in seinen Schoß hinunter. Da bemerkte er das Blut.
Einige Sekunden lang blinzelte er hektisch. Das Mädchen war blutüberströmt. Der Körper, den er zerstückelt hatte, färbte sich langsam purpurrot. George starrte gebannt auf das Heft.
Dann schob er das Magazin von sich fort, und all seine Nerven vibrierten vor Schock.
Er hatte sich selbst aufgeschlitzt! Er sah auf den Schnitt in seinem Oberschenkel hinunter. Blut quoll daraus in alle Richtungen. In seiner Panik sprang er vom Sessel auf. Das Messer hatte seine Jeans zerschnitten und war in sein eigenes Fleisch gedrungen!
Er musste es Elaine erzählen. Sie musste ihn ins Krankenhaus bringen. In blindem Entsetzen humpelte er zur Schuppentür.
Dann erinnerte er sich an die Hefte.
Während er mit einer Hand das verletzte Bein umklammerte, sammelte er die Magazine vom Boden auf. Zusammen mit den...




