E-Book, Deutsch, Band 1, 608 Seiten
Reihe: Festa CRIME
Coes Power Down - Zielscheibe USA
1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-86552-237-5
Verlag: Festa Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Thriller
E-Book, Deutsch, Band 1, 608 Seiten
Reihe: Festa CRIME
ISBN: 978-3-86552-237-5
Verlag: Festa Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der us-amerikanische Bestsellerautor Ben Coes schreibt Action-Thriller vom Feinsten. Er begann seine Karriere im öffentlichen Dienst, arbeitete u.a. im Weißen Haus unter Präsident Ronald Reagan. Ben lebt heute in Boston mit seiner Frau und vier Kindern. Seine Website: www.bencoes.com Die Dewey-Andreas-Serie: 1 - POWER DOWN - Zielscheibe USA 2 - COUP D'ÉTAT - Der Staatsstreich 3 - THE LAST REFUGE - Welt am Abgrund 4 - EYE FOR AN EYE - Auge um Auge 5 - INDEPENDENCE DAY - Ein Tag zum Töten 6 - FIRST STRIKE - Geiselnehmer 7 - TRAP THE DEVIL - Verschwörung 8 - BLOODY SUNDAY - Blutiger Sonntag 9 - THE ISLAND Die Rob-Tacoma-Serie: 1 - THE RUSSIAN - Der Russe
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
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1
CAPITANA-TERRITORIUM
PAZIFISCHER OZEAN
460 KILOMETER VOR DER KOLUMBIANISCHEN KÜSTE
160 Kilometer nördlich des Äquators, per Schiff eine Tagesreise von der nächstgelegenen Küste entfernt, trafen vor einer Kulisse aus düsterem Wasser und sternenübersätem Himmel heftige Meeresströmungen aufeinander. An dieser Stelle schwelten aus der Öffnung eines Aluminiumrohrs wütend zwei Flammenspiralen gut 450 Meter hoch in die Luft.
Es war Mitternacht. Kilometerweit konnte man die Flammen der Gasfontäne in allen Richtungen erkennen. In den trostlosen Wassermassen boten die orangefarbenen und schwarzen Rauchwolken ein atemberaubendes Schauspiel. Obwohl das Feuer und die wogenden Schwaden wie das reinste Chaos wirkten, handelte es sich doch um eine kontrollierte Verbrennung. Auf der größten Offshore-Ölplattform der westlichen Hemisphäre wurde die wie Helium über dem wesentlich dichteren, wertvolleren Erdöl treibende Schicht aus Naturgasen abgefackelt. Zu diesem Zweck hatte man die acht Milliarden Dollar teure Bohrinsel errichtet.
Dies war das Capitana-Territorium, der größte je da gewesene Ölfund außerhalb der arabischen Halbinsel, ein 68 Milliarden Barrel umfassendes Vorkommen – ein »Superriese«, wie Ölleute es nennen. Es befand sich unter einem Abschnitt des Meeresbodens vor der Westküste Südamerikas. Vor noch nicht einmal zehn Jahren hatte eine mittelständische texanische Ölgesellschaft den Fund gemacht – Anson Energy, mittlerweile ein Gigant, selbst nach Maßstäben der amerikanischen Energiewirtschaft.
Vom daruntergelegenen Deck aus beobachtete ein hochgewachsener, bärtiger Mann mit eingesticktem ANDREAS-Namenszug auf dem Jeanshemd die Fackeln. Sein braunes Haar war lang, zerzaust und seit Tagen nicht mit Shampoo in Berührung gekommen. Erstaunlich blaue Augen und eine sonnengebräunte Adlernase bahnten sich den Weg an einem von Bartwuchs überdeckten Schnauzer vorbei. Ein gut aussehender Mann, der auf Äußerlichkeiten oder das, was seine Mannschaft über ihn dachte, keinen Wert legte. Er zog ein letztes Mal an seiner Zigarette und schnippte sie in den finsteren Ozean unterhalb der Plattform.
Hätte es sich um eine Papiermühle in den Wäldern Maines gehandelt, hätte man Dewey Andreas wohl als Werksleiter, in einer Stahlhütte in Pennsylvania als Vorarbeiter bezeichnet. Doch sie befanden sich auf einer Bohrinsel mitten im Meer und die 420 Roughnecks, die hier rund um die Uhr lebten und arbeiteten, Gesichter und Kleidung von Schmiere, Salz, Schweiß und Öl bedeckt, nannten Dewey bloß »Kolonnenführer«. Oder einfach »Chief«.
Kaum einer der Arbeiter mochte Dewey Andreas, aber sie respektierten ihn alle. Auf der Bohrinsel galt sein Wort als Gesetz. In Nordeuropa hatte Dewey gelernt, worauf es beim Ölbohren ankam – auf den wackeligen, dem Tod trotzenden Bohrtürmen direkt vor dem bitterkalten Nordseeschelf. Er führte Capitana wie ein Colonel der US-Marines ein Bataillon in Kriegszeiten. Mit kompromissloser Disziplin, Entscheidungen im Sekundentakt und absoluter Autonomie. Deweys Augen verrieten seinen Männern, dass er nicht beabsichtigte, sich von irgendjemandem etwas gefallen zu lassen. Das unterstrichen auch seine kräftigen, muskelbepackten Arme, ein Ergebnis jahrelanger harter Arbeit auf Ölplattformen. Obendrein war er stets bereit, seine Fäuste einzusetzen, um der ständigen Herausforderung, der sich jeder Vorarbeiter auf jeder Bohrinsel der Welt tagtäglich gegenübersieht, zu stellen: die Herde im Zaum zu halten.
Dewey ließ weder Schwäche noch Unzulänglichkeiten, Faulheit oder Ungehorsam durchgehen. Wer ihm dumm kam, musste damit rechnen, dafür mit seinem Job – oder Schlimmerem – zu bezahlen. Unter den Männern kursierten Gerüchte, wie brutal und gewalttätig Dewey sein konnte. Aber dafür lag die Bezahlung für den Haufen ungebildeter Rohlinge, die das Capitana-Feld am Laufen hielten, weit über dem Schnitt.
Die Plattform, auf der Dewey stand, war der zentrale Überbau für das gesamte Gebiet. Die Anlage selbst glich einer riesigen Industriestadt aus Rohrleitungen, Metall, Leitern und Kaminen zum kontrollierten Abfackeln, die sich wie ein Zentaur auf starken Stahlpfählen aus den dunklen Wassern des Pazifischen Ozeans erhob.
In der Ferne konnte man eine Reihe von 30 kleineren, unbemannten, mit Stahltrossen verankerten Produktionsplattformen ausmachen. Diese sogenannten Mini-TLPs speisten die zentrale Anlage und trugen dazu bei, dass das Öl stetig floss, um zu Raffinerien in ganz Nordamerika transportiert zu werden. Capitana galt als zentrale Verbindungsstelle in einem unüberschaubaren Netzwerk aus Rohrleitungen, das auf einer Fläche von rund 360 Quadratkilometern knapp 200 Meter unter der Wasseroberfläche am Meeresboden verlief. Mehr als 2000 Anschlussrohre verteilten sich auf dem düsteren kalten Grund des Ozeans. Durch die Leitungen sprudelte ein hoch verdichtetes, äußerst wertvolles Gemisch aus Rohöl und Erdgas und strömte in das zentrale Pumpwerk unterhalb von Capitana, wo es getrennt und anschließend zurück an die Oberfläche gedrückt wurde.
Das Gewirr aus Röhren, Hochfackeln und Stahldecks sah aus wie ein gigantischer Kranbaukasten. Unentwegt schossen die Flammen in den Himmel. Und doch gewann Dewey dem dichten orangefarbenen Inferno etwas Friedvolles ab. Die Flammen bestätigten ihm, dass seine Bohrinsel auf Hochtouren lief.
Er ging zum Marine-Deck und starrte ein letztes Mal zu den Fackeln hinauf, ehe er sein Büro betrat. Er fühlte sich zwar müde, wollte aber trotzdem noch einmal einen Blick auf die Tabellen mit den Durchsatzraten werfen, bevor diese an die Firmenzentrale nach Dallas gefaxt wurden. Die monatlichen Berichte hielten fest, wie viel Öl aus dem Reservoir herausgeholt wurde.
Die Novemberzahlen dokumentierten, weshalb das Capitana-Territorium für Anson Energy von so entscheidender Bedeutung war. Der letzte 30-Tage-Zyklus summierte sich auf eine Menge von 54,6 Millionen Barrel Öl. Das entsprach einem jährlichen Volumen von ungefähr 650 Millionen Barrel. Bei anderen Ölgesellschaften beliefen sich die Aufwendungen für die Förderung auf durchschnittlich 19 Dollar pro Barrel. Deweys Männer schafften es für elf – eine Ersparnis von acht Dollar pro Barrel. In Verbindung mit einem durchschnittlichen Marktpreis von 55 Dollar bedeutete das für das Capitana-Feld allein in diesem Jahr einen Nettogewinn von rund 28,6 Milliarden Dollar, was Dewey einen enormen Spielraum bei der Leitung seiner Bohrinsel verschaffte.
Mitternacht war vorbei. Dewey sah zu, wie die Sendebestätigung aus dem Faxgerät kam – der Beleg dafür, dass sein Bericht die Zentrale von Anson in Dallas erreicht hatte, wo er auf dem Schreibtisch eines Mannes namens McCormick landete, den er nicht einmal persönlich kannte.
Er griff hinter sich und zog ein Buch aus dem Regal, eine dicke, gebundene Ausgabe von Moby Dick, die ihn zu allen Einsätzen begleitete. Er hatte das Buch nie gelesen, nahm es aber trotzdem immer mit, weil sich dahinter eine Flasche Jack Daniel's verstecken ließ. Er schraubte den Deckel ab und nahm einen anständigen Schluck. Noch ein, zwei Minuten, dachte er, dann würde er nach nebenan in seine Kajüte gehen, um zu schlafen.
Auf dem Regalbrett darunter stand eine gerahmte Schwarz-Weiß-Fotografie. Er hatte sie schon lange nicht mehr angesehen. Nun warf er einen kurzen Blick darauf, schaute weg und nahm einen weiteren großen Schluck aus der Flasche. Langsam, wider besseres Wissen, nahm er das Foto in die Hand und stellte den Whiskey zur Seite.
Er hielt es in der Linken und wischte mit dem rechten Ellenbogen den Staub von der Glasscheibe. Die Aufnahme zeigte einen wesentlich jüngeren Dewey mit einer hübschen blonden Frau und einem kleinen Jungen, hinter ihnen ein verschnörkeltes Schild mit dem Logo von Disneyland. Daneben ein Standbild von Micky Maus. Der Junge hockte auf Deweys Schoß, ein breites Lächeln im sommersprossigen Gesicht. In den Mundwinkeln klebten Reste von Schokoladeneis.
Dewey trug eine Uniform, das weiß umrandete Rangerabzeichen auf seiner Schulter war deutlich zu sehen. Kurz danach hatten sie ihn darum gebeten, sich für die Delta Force zu bewerben. Sein Haar war kurz geschnitten, den Arm hatte er um seine Frau geschlungen. Im Vergleich zu ihm wirkte sie winzig. Beschützt, wunderschön, glücklich.
Dewey dachte nicht gern über seine Vergangenheit nach. Meist musste er das auch nicht tun. Er erledigte einfach seinen Job, und wenn die Erinnerung an das frühere Leben durchbrach, nahm er sich selbst und seine Männer nur umso härter ran. Mehr als zehn Jahre war es jetzt her, und seitdem hatte er sich körperlich so sehr verausgabt, wie er konnte, um vor seinen inneren Gespenstern davonzulaufen. Der Anblick seiner alten Uniform versetzte ihm stets einen Stich, eine Mischung aus unermesslichem Stolz und tiefstem Hass. Hass darauf, was sie ihm angetan, welche Verbrechen sie ihm fälschlicherweise angelastet hatten. Hass auf die Kleingeister, die ihn aus der Delta Force vertrieben hatten, aus den Streitkräften, aus dem Land, das er liebte. Er konnte all das inzwischen ausblenden – die Erinnerungen und alles, was mit der Geschichte zusammenhing.
Das Öl hatte ihn gerettet. Das Öl und der brutale, anonyme Darwinismus, der das Leben auf einer Bohrinsel ausmachte.
Mit dem schwieligen rechten Zeigefinger rieb er über das winzige Schwarz-Weiß-Gesicht des Jungen auf dem Foto. Er hielt den Rahmen dicht ans Gesicht, wenige Zentimeter vor seine Nase. Damals war Robbie so jung gewesen. So vollkommen. Er liebte Robbie mehr als alles andere in seinem Leben. Er erinnerte sich daran, wie er seinen Sohn immer gehalten hatte, das Köpfchen auf dem Arm und die...




