E-Book, Deutsch, 350 Seiten
Clemenz Samstag ist Badetag
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-8192-5223-5
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Aufbruch - Hoffnung -Zuversicht
E-Book, Deutsch, 350 Seiten
ISBN: 978-3-8192-5223-5
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Gerhard hat einfach Lust am Schreiben und das schon viele Jahre. Es war und ist nicht sein Beruf, er macht es weil es im Freude bereitet. Er passt auch nicht in bestimmtes Genre. Rund 30 Fachbücher, viele Jahre regelmäßige Beiträge in Fachzeitschriften und Magazinen, 50 Berichte über mittelständische von Eigentümer*innen geführte Unternehmen,
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Fritz, also der alte, kommt kurz nach Ende des Ersten Weltkrieges auf diese Welt
Eine Zeit der Entbehrungen, der Selbsthilfe, kurzer politischer und wirtschaftlicher Lichtblicke. Es sind Lichtblicke, die aber sehr schnell wieder ihr Licht verlieren, in der Dunkelheit der Realität verschwinden, abtauchen. Zusammenbruch der Wirtschaft, Geldentwertung, hohe Arbeitslosigkeit, Hunger.
Wie die meisten seiner Altersgenossen verbringt er während des Naziregimes mehrere Jahre beim Arbeitsdienst und wird dann planmäßig Soldat. 1940.
Nein, er geht nicht in den Widerstand und nicht in den Untergrund, ebenso wenig wie die meisten Menschen in dieser Zeit. Er schlägt aber auch keine militärische Karriere ein, wird kein Offizier oder ähnlich Hochdekoriertes, trägt keine braune Uniform mit auf Hochglanz polierten Stiefeln wie die Schlägertrupps der SA. Er wird Soldat. Einfach Soldat.
Mutlos, zu ängstlich für den Widerstand, Mitläufer und einfach eingetaucht in die große Masse? Letzteres trifft wohl am ehesten zu, so wie für die meisten, die vielen hunderttausend anderen.
Als klassisches Landei kommt er nicht etwa zur Infanterie oder sonstigem Bodenpersonal der Deutschen Wehrmacht, nein Seemann soll er werden. Eigentlich wird er aber doch keiner oder zumindest kein richtiger. Eine Art Seemann ohne Schiff und Meer.
Die Voraussetzungen hätte er. Wenn auch nur in sehr kleinem Rahmen. Durch seinen kleinen Heimatort, also eigentlich ein Dorf, fließt ein Fluss und es gibt viele Weiher.
Die Familie besitzt sogar ein Paddelboot. Ein wunderschönes klassisches Faltboot. Der Boden aus Gummi, die Oberfläche aus dunkelblauem Stoff und die Form wird durch ein Gestänge aus hell lackiertem Holz erzeugt. Ein Boot von Klepper.
Die Geburtsstunde für diese Boote war 1907 als der Rosenheimer Schneidermeister Johann Klepper die Lizenz zur Alleinfertigung des Bootstypen Delphin von Alfred Heurich zum Bau erwarb. Heurich war der Pionier moderner Faltboote. Mit der Gründung der Klepper Faltbootwerft GmbH im Jahre 1919 begann eine Erfolgsgeschichte, die bis heute andauert. 1929 war Klepper der Marktführer in diesem Bootssegment. Kapitän Romer schrieb Geschichte, als er mit einem 6,40 m langen Faltboot von Klepper den Atlantik überquerte. Als Erster mit so einem Boot. 58 Tage benötigte er von Lissabon in Portugal nach Virgin Island in den USA. 1956 überquerte Dr. Hannes Lindermann mit einem Serien-Faltboot der Serie Aerius II in 72 Tagen diese Strecke. Diese Alleinüberquerung ist bis heute die Einzige mit dieser Bootsgröße. Das Unternehmen gehört seit 2020 zur Klepper Lifestyle AG in Hamburg, die Produktion erfolgt nach wie vor in Rosenheim.
Aber was hat das mit der Seefahrt zu tun? Nichts, überhaupt nichts. Aber wirklich gar nichts.
Offenbar holt man Wehrdienstleistende aus dieser Region gerne zur Marine. Absolut fern von jeglicher See. Fern von Sturmgebraus, hohen Wellen und wehmütigen Abschiedsszenen beim Ablegen der Schiffe. So etwas kennen sie nicht, haben sie noch nie gesehen.
Kurzer Blick nach vorne.
Dem Fritzchen wäre es später fast ebenso gegangen als er mit achtzehn Jahren für die Bundeswehr als voll tauglich gemustert wird. Als sich der gestrenge Offizier, Major oder sonst was in voller Größe mit eingezogenem Bauch und geschwellter Männerbrust vor ihm aufbaut und ohne jede erkennbare Regung in seinem Gesicht fragt, wo er denn gerne dienen möchte. Fritzchen, leicht eingeschüchtert von der militärischen Größe seines Gegenübers antwortet nur kleinlaut „überall, nur nicht bei der Marine“. Also gut, die Frage seines Gegenübers war ohnehin nur von rhetorischer Natur und seine Antwort „Ich beglückwünsche Sie, Sie haben die Ehre bei der Marine dienen zu dürfen“, stand ebenfalls bereits fest. Na bravo, signalisiert sein Gehirn, auf diese Ehre kann ich nun wirklich verzichten. Warum nicht bei den Gebirgsjägern, schließlich bin ich doch seit Kindesbeinen mit meinen Eltern im Gebirge unterwegs, liebe die Berge und habe gerade mit dem Klettern begonnen, rotiert es in seinem Gehirn. Nein, er soll zum Meer. Muss zum Meer, wird einberufen zur Ausbildung für das Meer. Auf Masten klettern, in den Ausguck, nach Seeräubern Ausschau halten, Segel bergen, Deck schrubben und was sonst noch alles.
Bestanden hätte er einen etwaigen Intelligenztest, warum Gebirgsjäger eigentlich Gebirgsjäger heißen, ohnehin nicht. Wer oder was, soll denn da gejagt werden? Gämsen, Steinböcke oder gar die berühmten Wolpertinger?
Matrose ist einfacher. Das sind die Jungs mit den schicken blauen und weißen Anzügen, den stolzen Mützchen und den weinenden Mädchen, wenn die Jungs in See stechen.
Dass ihm das Ganze erspart blieb, verdankt er eher seiner vorhandenen Unfähigkeit eines Fahranfängers. Diese Unfähigkeit katapultiert ihn und sein Motorrad, das offenbar ein etwas gestörtes Verhältnis zu Kurven hat, auf direktem Weg in einen Acker. Der Grenzstein hätte nun auch nicht unbedingt in seiner Flugbahn stehen müssen. Ergebnis, ein angeknackster Wirbel.
Fritz, also der alte, bewahrt ihn zum Glück davor, dass ihm die Ärzte in der Klinik seinen harten Schädel aufsägen. Diagnose Schädelbruch. Fritz, inzwischen Fachmann in der Röntgentechnik und Diagnostik, nimmt den Herren im weißen Kittel die Aufnahmen einfach aus der Hand und zeigt ihnen, was wirklich Sache ist. Alles nur kein Schädelbruch. Fehldiagnose. Die Herren im weißen Kittel nicken und folgen brav. Zum Glück. Der harte Schädel bleibt zu.
Dafür haben sie aber zunächst den angeknacksten Wirbel übersehen. Hätte es auch nicht unbedingt gebraucht, aber die Marine bleibt ihm wenigstens erspart. Ausgemustert oder militärisch umgebettet. Ersatzreserve 2 steht im Bericht. Keine Ahnung, was das sein soll. Ist ihm auch egal, Hauptsache, er ist die Marine los.
Blick wieder zurück.
Fritz, also der alte, kann weder einen geknacksten Wirbel noch einen eingedellten Schädel vorweisen. Also, ab zum Leuchtturm und zur Marine. Nur Seemann wird er nie, denn seine Einheit fährt nicht zur See. Sicher sein großes Glück, sonst hätte er vermutlich irgendwo auf dem Meeresgrund seine letzte Ruhe gefunden. Und die See kennt bekanntlich keine Kreuze und keine Gräber und auf einem Seemansgrab blühen bekanntlich auch keine Rosen.
Jedenfalls lautet so der Text dieser alten Seemannsschnulze, was aber zu stimmen scheint.
Nein, er dampft nicht über die Meere und taucht nicht ab in einem U-Boot. Braucht keine Angst vor Torpedos anderer Schiffe zu haben, keine Angst vor Wasserbomben, die U-Boote zerstören können. Nein, er hat die ehrenvolle Aufgabe der Flugabwehr. Kurz als Flak bezeichnet. Flak kommt von dem Wort Flugabwehr-Kanone.
So wartet er also, gemeinsam mit seinen Kameraden, an der Nordseeküste am plattdeutschen Strand, wo die Fische meistens im Wasser sind und selten an Land. Wenn der Schöpfer eines Liedes aus dem Genre Schnulze, Recht hat.
So sitzen sie also auf einem Wachturm und warten auf die angreifenden Flugzeuge der Feinde. Engländer, Franzosen, Russen und Amerikaner. Zusätzlich bewaffnet mit einem Karabiner. Geflogen kamen nur Engländer. Während seiner Anwesenheit kommt aber überhaupt nichts angeflogen. Sein Glück.
Karabiner hat hier nichts mit einem Karabiner zu tun, wie man ihn zur Sicherung beim Klettern, auf dem Bau oder beim Anleinen eines Hundes verwendet. Es war die Bezeichnung für das Gewehr.
Und wie steht es um die Kanone aus dem Wort Flak? Nichts, die gibt es nicht. Jedenfalls nicht in seiner Stellung. Keine Kanone weit und breit. Keine Kanonenkugeln zum Losfeuern. Nichts.
Nachdem die großen Feldherren in ihren sicheren Kommandozentralen offenbar vermuten, dass es keine Luftangriffe von der See aus geben wird, verlegt man die Einheit, in der unser Fritz dient, ganz weit weg. Weg vom Meer. Weit weg von den Wellen, weit weg vom Strand und den Fischen im Wasser. Nicht gleich in die Wüste, aber immerhin rund 1200 Kilometer Richtung Süden. In die Stadt des Walzers, der Musik, der ehemaligen Kaiserfamilie aus dem Geschlecht der Habsburger.
Zunächst unverständlich, denn außer der bekannten blauen Donau ist auch hier weit und breit kein Wasser in Sicht. Allenfalls der nahe Neusiedler See, aber der ist zu flach, dass von ihm ein Angriff mit Kriegsschiffen ausgehen könnte. Allenfalls mit Segeljollen, Ruderbooten oder Tretbooten, was aber militärstrategisch eher untauglich erscheint. U-Boote würden bei durchschnittlich zwei Meter Wassertiefe auch nicht vollständig verschwinden und im Schlamm stecken bleiben.
Von dort droht keine Gefahr. Aber die großen Kriegsstrategen vermuten Angriffe aus der Luft auf diese Stadt. Kluge Burschen offenbar, denn die lassen nicht lange auf sich warten. Hier sind die Marinesoldaten aus dem Landrattenregiment offenbar genau richtig.
Die Deutsche Wehrmacht errichtete in den Jahren 1942 bis 1945 in Wien sechs Türme aus




