Claus | Narziss – verbrannte Erde | E-Book | www2.sack.de
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E-Book, Deutsch, 259 Seiten

Claus Narziss – verbrannte Erde


1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-86361-417-1
Verlag: Himmelstürmer
Format: PDF
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)

E-Book, Deutsch, 259 Seiten

ISBN: 978-3-86361-417-1
Verlag: Himmelstürmer
Format: PDF
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)



Nicolas von Sydow ist 32 Jahre alt. Mit sieben Geschwistern in einem sozialen Brennpunkt Hamburgs aufgewachsen, hat er nur zwei Ziele – sein eigenes Wohlergehen und Geld. Um diese Ziele zu erreichen, geht er schon lange stur seinen Weg und wurde schon oft narzisstisch oder sogar soziopathisch genannt. Für ihn selbst steht jedoch fest, er hat lediglich einen unbeugsamen Charakter und weiß, was er will und wie er es bekommt.
Mit seiner überdurchschnittlichen Attraktivität und Intelligenz, der Fähigkeit zur Beeinflussung von Menschen, ein wenig krimineller Energie und absoluter Gleichgültigkeit den Gefühlen anderer gegenüber kam er bisher einigermaßen durch. Jetzt jedoch ist seine wirklich ersehnte, große Chance gekommen, denn Benjamin L'Arronge verliebt sich in ihn. Benji ist der Sohn eines reichen Industriellen, erst 22 und völlig arglos, was das Zwischenmenschliche angeht. Ein ideales Opfer auf Nicos Weg zu bequemem Reichtum und Prestige und er hat nicht vor, diese Gelegenheit ungenutzt verstreichen zu lassen.

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Es war ein Samstagabend, wie man ihn in einer sommerlichen Großstadt kennt. Köln leuchtete aus sich selbst heraus - Laternen, Fenster und Windlichter strahlten unter einem dunkelblauen Samthimmel, Tische und Stühle wirkten wie aus unzähligen Gaststätten auf die Straßen und Plätze gespült. Ein sanfter, warmer Wind trieb Stimmen und verschiedene Düfte vor sich her, umschmeichelte die Menschen, die ihr Wochenende genossen, aßen, tranken und lachten. Einer hatte jedoch keinen Blick für diese sommerliche Leichtigkeit. Nicolas von Sydow lief über die Gehwege der südlichen Altstadt, schaute weder rechts noch links. Der 32jährige war auf der Jagd und steuerte auf eine weitere Schwulenkneipe zu. Bisher war er niemandem begegnet, der einen zweiten Blick wert gewesen wäre, deshalb nagte zu diesem Zeitpunkt der Frust bereits an ihm. Er war jetzt einen knappen Monat in Köln und wusste eigentlich, wo er Gespielen für seine Nächte fand. Heute allerdings schien ihm das gewohnte Glück tatsächlich abhanden gekommen zu sein, interessante Gleichgesinnte liefen ihm einfach nicht über den Weg. So kam er dann bei der vierten Kneipe an diesem Abend an. Er bahnte sich einen Weg durch die Raucher vor der Tür der Gaststätte, wie überall schien dort mehr los zu sein als drinnen. Er ging trotzdem hinein, setzte sich an die Theke und bestellte ein Wasser. Er ließ seinen Blick durch den Raum schweifen, aber die Männer, die er kurz taxierte, passten alle nicht in sein Beuteschema. Hieß das, er musste heute Nacht allein bleiben und womöglich auch noch in seinem eigenen, schäbigen Apartment in Chorweiler übernachten? Als er aufstand und in Richtung der Waschräume ging, folgte ihm so mancher Blick. Keiner der Männer interessierte ihn, deshalb übersah er sie schlicht. Später, während des Händewaschens, schaute er in den Spiegel. Das Neonlicht fiel kalt von der Decke und irgendetwas zwang ihn zur genaueren Betrachtung seines schmalen Gesichtes. Es gab einiges, was ihn dort immer mehr störte. Natürlich, er sah noch verteufelt gut aus und seine unterschiedlichen Augenfarben, links braun, rechts stahlblau und das ohne Kontaktlinsen, machten ihn zusätzlich interessant. Auch seine neue Frisur mit ausrasierten Seiten und dem dunkelbraunen, vollen Haaren oberhalb gefiel ihm. Dabei hatte er lange gezögert, seine einstmals schulterlange Mähne abschneiden zu lassen, musste das aber bisher nicht bereuen. Trotzdem … er studierte jeden Zentimeter und erkannte im unvorteilhaften Licht die feinen Linien auf der Stirn und an den Augen. Um den Mund begann sich sein Sarkasmus einzugraben, um irgendwann für alle sichtbar zu werden. Das würde sein Leben erschweren. Ein Dreitagebart sollte zumindest bei Letzterem übergangsweise Abhilfe schaffen, trotzdem musste er den Anfängen unbedingt trotzen, wenn er sein Gesicht nicht irgendwann vollständig mit Haaren abdecken wollte. Nur wie? Es sah zurzeit nicht so aus, als könne er sich ein Minilifting leisten. Aber er musste sich beeilen, verdammt noch mal! Aussehen und sexuelle Anziehung hielten nicht ewig und eigentlich verschwendete er schon viel zu viel Zeit mit unnützen, kleinen Gaunereien oder in betrügerischen Beziehungen. Sie halfen ihm zwar beim Überleben und einer seiner Freunde finanzierte ihm den Führerschein, aber das waren Almosen. An das große Geld war er durch diese Männer nicht herangekommen. So hatte er bisher mit kleinkriminellen Jobs lediglich für ein paar lumpige Euro Knast riskiert und sein außergewöhnliches Potential an Loser vergeudet. Das war sein Fazit, welches ihn jetzt plötzlich richtig sauer machte. Warum war er in diese zehnköpfige Assi - Familie hineingeboren worden? Dadurch hatte er nie die Möglichkeit bekommen, die richtigen Leute kennenzulernen. Es war nicht seine Schuld, dass man die Grenzen zur sogenannten guten Gesellschaft nicht so einfach durchbrach! Und hier in diesem Schuppen fand er mit Sicherheit auch keine Kerle, die es wert waren, auch nur den kleinen Finger zu rühren! Wütend trat er den Papierkorb weg und die zerknüllten, feuchten Tücher flogen durch den Waschraum. Er stieg darüber hinweg und ging zurück in die Gaststätte, wo sich nicht viel verändert hatte. Lediglich Nicos Gedanken waren aggressiver geworden und am liebsten hätte er jedem im Raum in die Eier getreten. Was für überflüssigen Wichser! Er ging zurück an die Bar, sein Mineralwasser schmeckte inzwischen schal und er beschloss, sich vom Acker zu machen. Er hatte gerade bezahlt, als ein junger Kerl hereinkam und sich gegenüber an die Theke setzte. Er schien etwas jung für Nicos Geschmack, er hatte bisher die Erfahrung gemacht, dass der Sex schlechter wurde, je jünger die Männer waren. Zu viel Gefühl, zu wenig Routine. Er hatte keine Lust, den Lehrmeister zu spielen, wollte lediglich auf seine Kosten kommen. Bei dem mangelnden Angebot am heutigen Abend käme der Junge jedoch durchaus in Frage, zumindest besaß er einen durchtrainierten Körper, soweit die Kleidung eine Beurteilung zuließ. Das Gesicht unter den braunen Haaren war gefällig, aber nichtssagend, niemand, an den er sich lange erinnern würde, aber darauf war Nico auch nicht aus. Er suchte den Augenkontakt und es dauerte nicht lange, bis sein Gegenüber darauf einging. Eine kurze, seitliche Kopfbewegung Nicos und der andere nahm sein Glas und kam herüber. „Hi! Bist du zum ersten Mal hier?“ Er sprach mit einem Akzent, den Nico nicht gleich zuordnen konnte. Aber wozu auch? Der Bengel würde vielleicht ganz unterhaltsam sein, deswegen wollte er sich trotzdem keine Konversation aufdrängen lassen. Darum kam er sofort zur Sache. „Ich bin auf der Suche nach einem One-night-stand, war heute Abend schon in vier Läden! Aber bei dem Angebot fällt mir eher der Schwanz ab! Was ist, hast du Lust?“ „Bei mir fällt dir nicht der Schwanz ab?“ „Würde ich dann fragen?“ „Keine Ahnung! Ich weiß ja nicht, wie nötig du es hast!“ Nico schwoll der Kamm. „Pass auf, was du sagst, Schätzchen. Du bist der Einzige, der hier und jetzt in Frage kommt, aber wenn du nicht willst, ist es auch gut! Das wäre dann dein Pech!“ „War das jetzt so etwas wie ein Kompliment?“ „Sieh es, wie du willst! Aber beeil dich mit deiner Entscheidung!“ „Okay, reicht die Zeit wenigstens, mir deinen Namen zu sagen? Ich bin Jeton Camaj.“ „Nico!“ „Ich komme aus Lushnja in Albanien.“ „Ich nicht!“, antwortete Nico desinteressiert und bestellte sich doch noch ein Wasser. „Wieso trinkt du etwas, mit dem andere Leute sich waschen?“ „Es reicht doch, wenn du Bier säufst!“ Nico trank niemals Alkohol, weil er es hasste, die Kontrolle zu verlieren. Er fand es aber stets amüsant, anderen dabei zuzusehen, wie sie mit jedem Glas mehr ihr Benehmen änderten und meist wusste er deren Zustand dann auch auszunutzen. Das musste er Jeton aber nicht auf die Nase binden. Stattdessen fragte er: „Wie alt bist du eigentlich?“ „Dreiundzwanzig! Und du?“ „Zweiunddreißig.“ „Normalerweise werde ich von Leuten über dreißig bezahlt.“ Nico schlug sich vor die Stirn. „Na klar, du bist Stricher! Hätte ich mir auch denken können! Aber vergiss es, von mir kriegst du keinen Cent.“ „Will ich auch gar nicht! Die meisten in deinem Alter sehen nicht so geil aus … naja, die meisten jüngeren auch nicht!“ „Dann kannst du ja froh sein, dass du nicht mich bezahlen musst!“ Kurz schweiften Nicos Gedanken in eine Zeit ab, als er selbst versucht hatte, mit Sex Geld zu machen. Damals schien das ein einfacher Weg zu sein, er wollte als Edelcallboy Geld scheffeln. Allerdings kam er nicht an die wirklich großzügigen Kunden ran. Er verdiente nicht viel, wurde dafür jedoch gedemütigt und ausgenutzt. Den letzten Freier schlug er aus purem Hass hinter dem Bahnhof mit einem Stein nieder und hatte das Glück, dass seine Notwehrgeschichte bei Gericht geglaubt wurde. Jedenfalls ließ er dieses Gewerbe schon nach wenigen Wochen hinter sich, es musste andere Möglichkeiten geben. Seither suchte er mehr oder weniger erfolglos nach diesen Gelegenheiten, schnell an viel Geld zu kommen. Fünf Minuten später machten sie sich auf den Weg zu Jetons Wohnung. Nicos erster Eindruck war, dass der andere ganz gut verdienen musste, denn er lebte weder in einer WG noch wie er selbst in einem heruntergekommenen Apartmenthaus. Er bewohnte eine manierlich eingerichtete Zweizimmerwohnung, die auch noch nahe der Altstadt lag. Nicos erster Gedanke war, dass es Jeton nicht zustand, mehr zu haben als er selbst. „Willst du was trinken? Wasser?“ „Ja.“ Nico setzte sich auf einen der billigen, anscheinend aber ziemlich neuen Sessel. „Sag mal, wie kommst du zu so ’ner Wohnung? Hast du einen großzügigen Stammfreier?“, rief er dann Richtung Küche. „Ich habe einige ganz gute Freier!“ Jeton stellte ein Glas und die Flasche Mineralwasser vor Nico auf den Couchtisch. „Wie bist du denn da rangekommen? Also ich …“ Gerade konnte er noch stoppen und fuhr fort: „… kann mir nicht vorstellen, dass jemand so viel springen lässt! Jungs wie dich findet man doch an jeder Ecke!“ „Sehr freundlich, danke. Gut, dass die Männer anders...



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