Claus | Die Qual der Bestie | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 243 Seiten

Claus Die Qual der Bestie


1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-86361-437-9
Verlag: Himmelstürmer
Format: PDF
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)

E-Book, Deutsch, 243 Seiten

ISBN: 978-3-86361-437-9
Verlag: Himmelstürmer
Format: PDF
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)



1976... Der vierfache Kindermörder Jürgen Bartsch stirbt bei seiner Kastration, die ihn von seinen kranken, sexuellen Neigungen abbringen soll, an einer falschen Dosierung des Narkosemittels Halothan. Damit wurde die Akte der Bestie von Langenberg geschlossen, durch die in den Jahren zwischen 1962 und 1966 vier Jungen ihr Leben verloren. 2004... Der Journalist Viktor Brenner bekommt Besuch von einem aufdringlichen jungen Mann, der von Visionen gepeinigt wird. Eigentlich ist Viktor etwas ganz anderem auf der Spur, aber die Vorkommnisse nehmen den genervten Journalisten unerbittlich gefangen, führen ihn direkt bis zu jener Bestie und schließlich zur Aufklärung des Falles, die vollkommen anders verläuft als erwartet. Andy Claus begibt sich in diesem Mystery Roman in ein vollkommen anderes Genre. Zwar bleibt sie auch hier den Gays treu, die Ereignisse jedoch führen den Leser in eine Welt jenseits des Erklärbaren. Im Laufe der recht turbulenten Ereignisse lüftet die Autorin gekonnt das Geheimnis um die Bestie und führt, wie es nicht anders zu erwarten ist, die Leser mit sicherer Dramaturgie durch den Roman. Spannung und Gänsehaut sind garantiert!

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Kapitel 1
  Botschaften   EINS Köln, 25.08.2004   „Verflucht, ich kann die Story nur so recherchieren, wie sie passiert ist. Und wenn dieser Oberregierungsrat sich seine Nutten vom Staat finanzieren lässt, werde ich nicht behaupten, er hätte die Damen mit rosa Schleife von seinen vier minderjährigen Kindern und der blaublütigen Schwiegermutter zum Geburtstag bekommen. Es ist mir verdammt noch mal egal, ob seine Ehe hops geht und er seine Karriere einmotten kann. Ich bin Journalist und kein Märchenonkel! Das hätte er sich überlegen können, bevor er seinen Lümmel auf Abwege schickte!“ Viktor Brenner schlug mit der flachen Hand auf den Schreibtisch seines Chefredakteurs, der diese Ausbrüche scheinbar gewöhnt war und ruhig blieb. „Ich werde den Teufel tun und irgendwas beschönigen, damit du meine Arbeit endlich mit Veröffentlichung würdigst. Ich hab dir die Story verkauft, ich hab dir die Bilder verkauft. Und ich will, dass sie endlich gebracht werden. Und zwar auf der Titelseite!“ brüllte Viktor. „Vielleicht mit deiner Bankverbindung? Für Spenden von der Opposition?“ Georg Ulrich lehnte sich in seinem Stuhl zurück und nahm einen Schluck Kaffee. Über den Tassenrand hinweg beobachtete er den inzwischen nervös wie ein hungriger Tiger auf und ablaufenden Viktor. „Ich habe über ein halbes Jahr recherchiert, hatte meine Nase immer an seinem Arsch und glaub mir, es gibt weiß Gott attraktivere Ärsche zum schnüffeln. Und jetzt will ich, dass der Biedermann seine schmutzigen Hände nicht mehr verstecken kann.“ „Das wirst du wohl oder übel mir überlassen müssen. Und jetzt komm runter von deiner Palme. Mensch Viktor, du weißt, wir sympathisieren mit der Partei, in welcher er aktiv ist! Wir können es uns nicht leisten, das eigene Nest zu beschmutzen!“ „Bin ich hier im falschen Film oder was? Sag, wenn ich mich irre: Wir sind die freie Presse und berichten, egal ob wir der Partei nahe stehen ... ach was, wir haben keiner Partei nahezustehen!“ „Seit wann das denn?“ „Ist das dein letztes Wort?“ „Ja!“ „Dann vergiss die Story. Ich finde schon jemanden, der keine Rücksicht auf Abhängigkeiten nehmen muss und sie bringt!“ „Die Story gehört uns, du kannst sie nicht noch mal verkaufen! Das muss ich einem alten Hasen wie dir doch wohl nicht mehr erklären. Wenn ich sie in der Schublade verschimmeln lasse, ist das ganz allein mein Problem. Finde dich damit ab.“ Viktor warf die Tür hinter sich zu und augenblicklich verstummten alle Gespräche im Großraumbüro, das er durchquerte. Dreizehn Augenpaare folgten ihm. „Was ist? Noch nie ein idealistisches Arschloch gesehen?“ Im Vorbeigehen fegte er einen Stapel Papiere von der Platte irgendeines Schreibtisches und verschwand in seinem Büro. Dort warf er sich auf den abgewetzten Ledersessel, legte seine Fingerspitzen zusammen und versuchte sich zu beruhigen. Sein scharf geschnittener Unterkiefer mahlte und sein Blick fraß sich an den Fotos der Story fest, die so nicht gedruckt werden sollte. Seit fast zwanzig Jahren machte er nun den Job, war inzwischen vierzig Jahre alt geworden und hatte sich immer noch nicht daran gewöhnt, dass die Wahrheit nur eine Chance hatte, wenn sie auch nützlich war. Er zog die unterste Schreibtischschublade auf, nahm die Flasche Bourbon heraus und goss sich ein fleckiges Wasserglas randvoll. Er nahm einen großen Schluck und zündete sich anschließend eine filterlose Zigarette an. Immer noch drehten sich seine Gedanken um die Vorgänge im Büro seines Redakteurs. Wieder kochte die Wut in ihm hoch. Es stimmte, er hatte das Geld für die Story bekommen. Die Rechte waren futsch und er konnte nichts tun, damit sie auch wirklich veröffentlicht wurde. „Scheiße!“ Er griff den übervollen Aschenbecher, sprang auf und warf ihn quer durchs Büro an die Wand. Ein junger Redaktionsassistent, der soeben die Tür öffnete, konnte gerade noch abtauchen. „Hey, bist du bescheuert?“ „Was willst du?“ „Da draußen ist ein junger Mann. Er möchte mit dir reden!“ „Was für ein Mann? Sag ihm, ich bin verreckt.“ „Er glaubt, er habe eine Geschichte für dich.“ „Wieso für mich? Will er, dass die Story nicht gebracht wird? Sag ihm, der weltfremde Träumer Viktor Brenner schreibt ab heute nur noch Werbeslogans fürs Fernsehen. Da weiß wenigstens jeder, dass sie erstunken und erlogen sind!“ Der Assistent verdrehte die Augen. „Was ist jetzt? Soll ich ihn reinschicken?“ „Meinetwegen. Aber in fünf Minuten kommst du wieder und holst mich zu einer Konferenz!“ Der Redaktionsassistent enthielt sich eines Kommentars und schloss die Tür hinter sich. Es dauerte nur zwei Minuten, bis ein zaghaftes Klopfen erklang. Viktor runzelte die Stirn. Er hatte gehofft, der Besucher würde aus irgendeinem Grund doch nicht zu ihm durchdringen. Ihm war tatsächlich nicht danach, Konversation zu betreiben. „Was ist?!“ rief er unfreundlich. Die Tür öffnete sich zögernd, dann stand ein Mann Anfang zwanzig in Viktors unaufgeräumten Büro. Er war knapp einmeterfünfundsechzig groß, sehr schlank und wirkte ein wenig verloren. Viktor betrachtete ihn einen Moment lang aufmerksam. Seine halblangen, dichten Haare lagen ungebändigt um sein blasses Gesicht, sie waren genau wie seine Augen tiefschwarz. Er wirkte zart, fast zerbrechlich. Er spielte nervös mit seinen Händen und alles in allem strahlte er eine solche Hilflosigkeit aus, dass Viktor übergangslos wieder aggressiv wurde. Er stand auf, warf die Zigarette halb geraucht in den Rest Bourbon und kam auf seinen Besucher zu. Neben ihm kam er sich mit seinen einmeterzweiundneunzig wie ein Bär vor, der dabei war, eine Bergziege zu reißen. „Also los, wer sind Sie und was wollen Sie von mir? Und fassen Sie sich kurz, ich hab auch noch was anderes zu tun!“ „Mein Name ist Chris. Christopher Sadronitzki. Ich ... ich muss mit Ihnen sprechen. Es gibt da etwas, das sollen die Menschen unbedingt erfahren!“ „Und was habe ich damit zu tun?“ bellte Viktor und baute sich immer noch vor dem jungen Mann auf. Dieser schaute zu ihm hoch, dann sackte er plötzlich übergangslos und völlig lautlos in sich zusammen. Viktor war zu überrascht, um ihn festzuhalten. „Auch das noch! Womit hab ich das bloß verdient?!“ Einen Moment stand er unschlüssig vor ihm. „Hallo?“ Chris’ Augen blieben geschlossen, er reagierte nicht. „So ne verfluchte Scheiße!“ Viktor ging zur Tür. „Kann mir mal einer helfen? Mein Charme hat jemand aus den Socken gehauen.“ Einige Minuten später hatte man Chris ohne Viktors Mithilfe auf dessen Stuhl gesetzt. Er hielt ein Glas Wasser in der Hand und starrte schweigend vor sich hin. Es dauerte eine Weile, ehe er fragte: „Haben Sie hier irgendwo ein Bad? Ich möchte mich ein wenig frisch machen!“ „Was brauchen Sie noch außer Erster Hilfe? Einen Friseur? Vielleicht einen Psychiater? Oder einen Platz im Tierheim?“ Nun sah Chris ihn plötzlich voll an. Seine schwarzen, sonst sanft wirkenden Augen funkelten zornig. „Was ist los mit Ihnen? Hab ich Ihnen was getan? Habe ich Ihnen einen Anlass gegeben, mich wie den letzten Dreck zu behandeln?“ Viktor hockte auf der Ecke seines Schreibtisches und zum ersten Mal an diesem Tag fehlten ihm die Worte. Die Stimme des jungen Mannes war nicht laut gewesen, aber auf eine eigentümliche Art eindringlich. Und er hatte plötzlich ein schlechtes Gewissen, was er so natürlich nicht zugeben wollte. „Ich hab selbst Probleme und da kann ich mich nicht um die Zwangslagen anderer kümmern!“ brummte er. „ Wenn Sie wissen, was ich Ihnen zu sagen habe, wird es keine anderen Probleme mehr für Sie geben!“ „Das Bad ist am anderen Ende des großen Büros!“ murmelte Viktor und setzte sich auf seinen Stuhl. Als sein Besucher die Tür hinter sich geschlossen hatte, stellte er fest, dass sein Interesse geweckt war. Er spürte den gewohnten Jagdinstinkt, der sich immer dann einstellte, wenn er irgendwelchen Geheimnissen auf die Spur kommen konnte. Was würde es sein, das dieser Junge ausgerechnet ihm sagen wollte? Fast wurde ihm die Zeit zu lang, bis er wieder in sein Büro kam. „Setzen Sie sich. Was wollen Sie mir also so dringend sagen?“ „Werden Sie mir einen Gefallen tun?“ „Was denn noch?“ „Hören Sie mir bis zum Schluss zu und kommentieren Sie erst dann!“ „Meinetwegen auch das. Schießen Sie los und machen Sie’s kurz!“ „Kurz? Okay! Sie haben doch sicher schon von den verschwundenen Jungen rund um Wuppertal gehört. Sie sind tot und der Mörder ist nicht aus Fleisch und Blut.“ Na Mahlzeit, er war einer von denen. Viktor verzog das Gesicht. Er hatte die Nase voll von all den Verrückten, die sich durch frei erfundene Storys wichtig tun wollten. Von einer Minute zur anderen verlor er das Interesse, sein Jagdinstinkt schlief jäh wieder ein, er wollte es nur noch zu Ende bringen. „Und aus was ist er sonst? Stahl und Beton? Müsli und Milch? Was soll ...?“ „Sie haben versprochen, mich ausreden zu lassen!“...



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