Claudius | Gedichte und Prosa | E-Book | www2.sack.de
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E-Book, Deutsch, 655 Seiten

Claudius Gedichte und Prosa


1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-8496-0799-9
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 655 Seiten

ISBN: 978-3-8496-0799-9
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Dies ist eine umfangreiche Sammlung von Gedichten und Prosa des bekannten deutschen Schriftstellers und Lyrikers.

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Ich war erst sechszehn Sommer alt,

Unschuldig und nichts weiter,

Und kannte nichts als unsern Wald,

Als Blumen, Gras, und Kräuter.

Da kam ein fremder Jüngling her;

Ich hatt ihn nicht verschrieben,

Und wußte nicht wohin noch her;

Der kam und sprach von Lieben.

Er hatte schönes langes Haar

Um seinen Nacken wehen;

Und einen Nacken, als das war,

Hab ich noch nie gesehen.

Sein Auge, himmelblau und klar!

Schien freundlich was zu flehen;

So blau und freundlich, als das war,

Hab ich noch keins gesehen.

Und sein Gesicht, wie Milch und Blut!

Ich hab's nie so gesehen;

Auch, was er sagte, war sehr gut,

Nur konnt ich's nicht verstehen.

Er ging mir allenthalben nach,

Und drückte mir die Hände,

Und sagte immer Oh und Ach,

Und küßte sie behende.

Ich sah ihn einmal freundlich an,

Und fragte, was er meinte;

Da fiel der junge schöne Mann

Mir um den Hals, und weinte.

Das hatte niemand noch getan;

Doch war's mir nicht zuwider,

Und meine beide Augen sahn

In meinen Busen nieder.

Ich sagt ihm nicht ein einzig Wort,

Als ob ich's übelnähme,

Kein einzigs, und – er flohe fort;

Wenn er doch wiederkäme!

An die Nachtigall



Er liegt und schläft an meinem Herzen,

Mein guter Schutzgeist sang ihn ein;

Und ich kann fröhlich sein und scherzen,

Kann jeder Blum und jedes Blatts mich freun.

Nachtigall, Nachtigall, ach!

Sing mir den Amor nicht wach!

 Älteste Urkunde des Menschengeschlechts



I.T. Eine nach Jahrtausenden enthüllte heilige Schrift. II. T. Schlüssel zu den heiligen Wissenschaften der Ägypter. III. T. Trümmer der ältesten Geschichte des niedern Asiens.

Ein orientalischer Laut ist ein Laut aus Orient, und in Orient waren bekanntermaßen die 5 Pforten am Menschen in vollem Besitz aller ihrer Gerechtsame, und man hatte nicht den Mark aus den Knochen der Sinne und Imagination durch landsübliche Abstraktion herausgezogen; schlug nicht die Natur übern Leisten eines Systems, und reckte sie nicht darüber aus; löste sie nicht zu einen leichten Ätherduft auf, der zwar die Windmühle der allgemeinen Vernunft behende umtreibt, übrigens aber nicht Kraut noch Pflanzen wachsen machen kann; sondern in Orient hielt man unsers lieben Herrn Gotts Natur, wie sie da ist, in Ehren; ließ ihre Eindrücke sanft eingehen, und bewegte sie in seinem Herzen; in Orient präsidierten bekanntermaßen über Sonn und Mond, Morgenrot und Berg und Baum und ihre Eindrücke, Geister, die den zarten einfältigen Menschen durchwandelten und lehrten, und sein Herz mit Wallung füllten, die mehr wert war, als alle Q.E.D.-s, die, seitdem jene Geister von der Philosophie ihre Dimission in Gnaden erhalten haben, an ihrer Statt wieder Mode geworden sind; in Orient lehrte man durch Bilder; usw. Ein dergleichen orientalischer Laut ist nun diese Schrift, und ist, man mag dem Verfasser recht geben wollen oder nicht, immer eine schöne Erscheinung hoch in der Wolke und ein Weben des Genies.

Sie betrifft aber die Schöpfungsgeschichte Moses', die unser Verfasser auf Adlerflügeln von einem neuen und äußerst simpeln Mechanismo aus allem Bedruck der tausend und tausend Ehrenschändungen und Ehrenrettungen und Kommentations und Ehrenerklärungen allerlei gelehrter Zünfter und Handwerker heimholen, oder vielmehr auf ihren eignen Flügeln, die ihr bisher niemand angesehen hat, selbst heimfliegen lassen will, wie folget.

Nur noch vorher eine Glosse:

»Diese Analogie des Menschen zum Schöpfer erteilt allen Kreaturen ihr Gehalt und ihr Gepräge, von dem Treue und Glauben in der ganzen Natur abhängt. Je lebhafter diese Idee, das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, in unserm Gemüt ist; desto fähiger sind wir, Seine Leutseligkeit in den Geschöpfen zu sehen und zu schmecken, zu beschauen und mit Händen zu greifen. Jeder Eindruck der Natur in den Menschen ist nicht nur ein Andenken, sondern ein Unterpfand der Grundwahrheit; wer der herr ist. Jede Gegenwürkung des Menschen in die Kreatur ist Brief und Siegel von unserm Anteil an der göttlichen Natur, und daß wir Seines Geschlechts sind.« Diese Glosse eines alten Rhapsodisten und Schriftgelehrten mag die Seele der Leser zur Fassung der wahren Idee der Urkunde in Bewegung setzen, zumal gesagt wird, daß darin viel Finsternis und Dunkel sei. Und nun zum Werk:

Einige Herren Deisten also und chinesische Spitzköpfe haben aus Aristoteles' Organon, Graf Wellings Salzlehre, Descartes' Mathematik, Wolffens Experimentalphysik, Guerikens Luftpumplehre etc. etc. ein Heer von Einwendungen und Zweifeln ausgerüstet, in der Mosaischen Schöpfungsgeschichte einen Riß zu machen; so hätte zum Exempel am ersten Tage nicht Licht dasein sollen, und die Sonne drei Tage zu spät kommen; so hätte der dritte Tag der Welt nicht Gras, Bäume, Laub und Kraut geben, und am vierten erst das Firmament gebaut werden sollen usw. – und einige Herren Theologen, und philosophische Breitköpfe haben ihnen, aus Guerikens Luftpumplehre, Wolffens Experimentalphysik, Descartes' Mathematik, Graf Wellings Salzlehre, Aristoteles' Organon etc. etc. ein Heer von Antworten und Auflösungen entgegengestellt, und dadurch den Riß noch größer gemacht, angesehen Moses' Schöpfungsgeschichte weder nach Aristoteles' Organon, noch Guerikens Luftpumplehre, noch Descartes' Mathematik, noch Graf Wellings Salzlehre, noch Wolffens Experimentalphysik abgezirkelt ist, und also nicht darnach angefochten, noch gerechtfertigt werden soll noch muß. Wenn aber die Schöpfungsgeschichte Moses' noch von keinem gerechtfertigt worden ist, so ist das nicht die Schuld des Schlosses, sondern des Schlössers. Sie bedarf keiner so künstlichen Rechtfertigung, und schwebt auf Flügeln der Morgenröte über alle Einwendungen und Zweifel hoch daher und triumphiert. So nämlich: Gott wollte den unverdorbenen Urahnen offenbaren, daß Er Himmel und Erde, und alles das Gute und Schöne, was sie an Himmel und Erde um sich sahen, erschaffen habe, und, weil die ersten Menschen Sinne und Leidenschaften waren, und Sinne und Leidenschaften, wie der Rhapsodist sagt, nichts als Bilder reden noch verstehen, so knüpfte Gott seine Offenbarung an die Morgenröte, das schönste und freundlichste Bild unterm Himmel, das allen Völkern der Erde aufgeht, und sie jeden Morgen an die Offenbarung, und an ihren Schöpfer und Vater – gnädig, barmherzig und von großer Güte – mit Kraft und Leben erinnern könnte; oder vielmehr, Gott webte diese seine Offenbarung in die Buchstaben der Morgenröte, ins rötliche dramatische Gewand der Tagwerdung, daß sie zugleich in und mit der Schöne des Gewandes dem Menschen sinnlich würde, und ihm tief in Auge und Herz fallen sollte. Nach diesem Gesichtspunkt fallen die Einwendungen und Zweifel von selbst weg, und alles geht natürlichen Gang, wie ein jeder, der Augen hat, alle Morgen sehen kann. Licht...



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