Clarke | Der Himmel über Glastonbury | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 242 Seiten

Clarke Der Himmel über Glastonbury

Roman - Dunkle Familiengeheimnisse in einer englischen Kleinstadt
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-98690-353-4
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Roman - Dunkle Familiengeheimnisse in einer englischen Kleinstadt

E-Book, Deutsch, 242 Seiten

ISBN: 978-3-98690-353-4
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Das Echo längst vergangener Zeiten: Der fesselnde Familiengeheimnisroman »Der Himmel über Glastonbury« von Brenda Clarke jetzt als eBook bei dotbooks. Als Elaine in die entlegene britische Kleinstadt Glastonbury kommt, wäre es so einfach, sich von dessen ehrwürdiger Ausstrahlung verzaubern zu lassen, von den mittelalterlichen Ruinen und stillen Gassen. Aber die junge Frau will hier vor allem den Spuren ihres Halbbruders folgen, der unter mysteriösen Umständen verschwand. Je tiefer Elaine in die Geschichte des Dorfs eintaucht, desto mehr beschleicht sie das Gefühl, dass jemand um jeden Preis etwas vor ihr verbergen will. Während sie versucht, der Wahrheit auf die Spur zu kommen, führt das Schicksal sie immer wieder mit dem ebenso attraktiven wie geheimnisvollen Lance zusammen. Er scheint mehr über Gareths Verschwinden zu wissen - aber kann Elaine ihm wirklich trauen? Jetzt als eBook kaufen und genießen: Der spannungsreiche England-Roman »Der Himmel über Glastonbury« von Brenda Clarke. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.

Brenda Clarke, auch bekannt unter dem Pseudonym Kate Sedley, wurde 1926 in Bristol geboren. Sie gehört zu den erfolgreichsten englischsprachigen Autorinnen von historischen Romanen, ihre Bücher wurden zu internationalen Bestsellern. 1969 begann sie ihre schriftstellerische Karriere und hat seitdem über 50 Romane geschrieben. Bei dotbooks erscheinen Brenda Clarkes gefühlvolle Romane »Die Blume von Cornwall«, »Wie eine Rose im Frühling«, »Zeit der Ginsterblüte«, »Jahre des Sturms, Jahre der Hoffnung«, »Eine Zeit für die Liebe«, »Der Preis des Glücks«, »Schwestern für immer«, »Der Himmel über Glastonbury« und »Der Glanz der Sehnsucht«.
Clarke Der Himmel über Glastonbury jetzt bestellen!

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Kapitel 1
Elaine


Es war sehr heiß und sehr still. Das Sonnenlicht, das sich über die Wände des weißgekalkten Landgasthofes ergoß, ließ diese im Nachmittagslicht flirrend erzittern. Ein kleiner Hof zur Linken, der gleichzeitig auch als Parkplatz diente, glich einer leeren, glitzernden Muschel, und ein Garten zur Rechten, der von weißen Koppelumzäunungen umgeben war, verlor sich in undurchdringlichen, schwarzen Schatten. Der verführerische Duft von Geißblatt und Eisenkraut wehte aus der Dämmerung herüber und vermengte sich mit dem schwächeren Geruch frischgemähten Grases.

Der cremefarbig und grün bemalte Bus, der mich nach Shepton Episcopi gebracht hatte, hatte rumpelnd und polternd seine Fahrt fortgesetzt und ließ Staubwolken und eine Rauchfahne hinter sich aufsteigen, die sich über die Landschaft legten, und dann war ich allein mit meinen beiden Koffern, am Ende einer Reise angelangt, die früh an diesem Morgen im Lärm und in der Hektik des Paddington-Bahnhofes begonnen hatte. Ich starrte auf das schaukelnde Gasthofschild über der Tür. The Holly Bowl – hier war ich zweifellos richtig. Gareth hatte den Gasthof in seinen Briefen erwähnt.

Ich glaube, das ist es, Elaine. Es muß es sein: Ich fühle ganz deutlich, daß ich nahe dran bin. Der Gasthof im Dorf heißt THE HOLLY BOWL. Das Gebäude selbst stammt aus dem fünfzehnten Jahrhundert, aber schon lange vorher gab es hier eine Herberge. Ich glaube; sie wird sogar im DOMESDAY BOOK erwähnt.

Sir Arthur ist sehr freundlich. Er läßt mir so viel freie Zeit, wie es mit meinen Pflichten als Sekretär zu vereinbaren ist, damit ich auf eigene Faust in der Gegend herumstromern kann. Ich habe ihm nicht gesagt, wofür ich mich eigentlich interessiere, aber er weiß, daß es etwas mit seinen eigenen Forschungen zu tun hat. Weißt Du, falls ich es jemals finden sollte, dann möchte ich, daß es meine Entdeckung sein wird, und ich bin so sicher, auf der richtigen Spur zu sein…

Ich konnte lange Abschnitte aus Gareth’ Briefen auswendig: Ich hatte sie wieder und wieder gelesen. Wir hatten uns zwar nie sehr nahegestanden – er war sechs Jahre älter als ich aber seit Mutters Tod stellte er für mich meine ganze Familie dar, und nicht erst, wenn man alleine auf der Welt steht, beginnt man, die lebenswichtige Notwendigkeit familiärer Bande zu schätzen.

Zuverlässig wie ein Uhrwerk hatte Gareth einmal im Monat geschrieben, wo immer er sich auch in der Welt herumgetrieben hatte. Und dann, vor sechs Monaten, waren seine Briefe plötzlich und ohne Vorwarnung ausgeblieben. Meine Briefe an ihn waren nicht beantwortet worden, und Sir Arthurs Telefonnummer stand nicht im Telefonbuch. (Offensichtlich schätzte er seine Privatsphäre so hoch ein, daß er ein schon fast eremitenhaftes Dasein führte.) Ich hatte mit dem Gedanken gespielt, zur Polizei zu gehen, aber was hätte ich dort sagen sollen? »Mein Halbbruder hat mir seit einem halben Jahr nicht mehr geschrieben, und ich bin sehr beunruhigt«?

Und was wäre wohl die Antwort gewesen?

»Wie alt ist Ihr Bruder, Miss?«

»Dreißig.«

»Und wo arbeitet er?«

»Als Sir Arthur Mallorys Privatsekretär auf dessen Landsitz in Somerset.«

»Der Sir Arthur Mallory?«

»Ja.«

»Und was sollen wir nun Ihrer Meinung nach tun, Miss? Einen Durchsuchungsbefehl erwirken?« Vor meinem geistigen Auge tauchte eine Reihe höflicher, aber höhnisch grinsender Gesichter auf. »Wenn er krank geworden wäre oder einen Unfall gehabt hätte, dann hätte Sir Arthur Ihnen das doch sicher mitgeteilt?«

Sicher!

So war ich also nicht zur Polizei gegangen. Mehrere Male hatte ich versucht, mich durchzuringen, an Sir Arthur zu schreiben. Aber wenn mit Gareth alles in Ordnung und es einfach nur die viele Arbeit war, mit der ihn sein Arbeitgeber überhäufte und die ihm keine Zeit ließ, dann hätte ich einen schrecklichen Narren aus mir gemacht. Sir Arthur Mallory war eine solch legendäre Persönlichkeit, daß ihm zu schreiben dasselbe bedeutete wie dem Premierminister oder der Königin einen Brief zu schicken.

Aber wie sehr ich mir auch einredete, daß alles in Ordnung sei, es blieb trotzdem ein bohrendes Gefühl der Ungewißheit bestehen. Einige Zeilen aus Gareth’ letztem Brief, den ich kurz vor Weihnachten bekommen hatte, gingen mir nicht aus dem Kopf.

Ich glaube, ich hab’s, Elaine! Was war ich doch für ein Dummkopf! Das Ding war die ganze Zeit über direkt vor meiner Nase. Ich werde jetzt nicht mehr weiterschreiben.

Ich bin zu aufgeregt. Und außerdem könnte ich mich irren – obwohl ich das nicht glaube –, und dann hätte ich Dich umsonst mit Einzelheiten beunruhigt.

Schließlich, als mein zweiwöchiger Sommerurlaub vom Ministerium näher rückte und ich nicht mehr wußte, was ich tun sollte, hatte ich meine Buchung für Ibiza rückgängig gemacht, mich tausendmal bei meinen vorgesehenen Reisegefährten entschuldigt und mir ein Zimmer in The Holly Bowl reserviert. Und so war ich also an einem Samstagnachmittag in Shepton Episcopi in etwas hineingeraten, das eine ausgedehntere Hitzewelle zu werden versprach. Ich öffnete die Tür des Gasthauses und trat ein.

Ich befand mich in einer langen, schmalen Diele, deren schiefe Wände in einem blassen Türkisblau gestrichen waren. Ausgeblichene, aber makellos saubere Vorhänge von einem unbestimmbaren Grün bauschten sich in der leichten Brise, die aus einem offenen Fenster aus dem Garten hereinwehte. Die dunkelblauen Binsenmatten zu meinen Füßen sahen fast neu aus. Ein weißer Korbstuhl und ein weißer Tisch, der als Rezeption diente, waren die einzigen Möbelstücke, die in der Diele Platz hatten. Es war sehr still und sehr angenehm, und nach der Hitze und dem grellen Licht draußen war es, als tauchte man in eine Unterwasserhöhle.

Ich zögerte, aber gerade eben, als ich die Klingel, die rund und glänzend auf der Rezeption thronte, drücken wollte, steckte eine ältere Frau vorsichtig ihre Nase durch die Tür am Ende der Diele. Sie musterte mich abschätzend einige Augenblicke lang, aber dann, offensichtlich zufrieden mit dem, was sie sah, entspannten sich ihre Gesichtszüge, und sie näherte sich dem Tisch.

»Sie müssen die junge Dame aus London sein«, sagte sie in dem starken und rauhen Akzent, der in Nordsomerset gesprochen wird. »Die, die letzten Mittwoch angerufen und ein Zimmer für zwei Wochen bestellt hat.« Sie betrachtete mich, als sei ich ein sehr seltenes Exemplar, verrückt zwar, aber ganz nett.

»Das stimmt«, erwiderte ich. »Elaine Barnardson. Und Sie müssen Mrs. Compton sein.«

»Himmel, nein!« meinte sie grinsend. »Ich bin Mrs. Dando. Mein Mann und ich kommen tagsüber immer her und helfen ein bißchen aus. Mr. und Mrs. Compton sind nach Bristol zur Brauerei gefahren. Irgendwelcher Ärger mit dem Bier. Fragen Sie mich nicht!« Sie schob mir das Melderegister zu und fuhr fort: »Tut mir leid, daß ich etwas gezögert habe, als Sie hereinkamen. Ich dachte, Sie seien vielleicht eine von diesen Hippies aus Priddy. Ab und zu kommen die nämlich her, obwohl keiner weiß warum! Die trinken nie etwas.«

»Hippies?« fragte ich und trug mich ein.

»Irgend so was. Fragen Sie mich nicht! ’n komischer Haufen! Machen da so ein Love-in oder ein Sit-in oder so was.«

»Warum in – Priddy, sagten Sie?« fragte ich, mehr um etwas zur Unterhaltung beizusteuern als aus wirklichem Wissensdurst.

»Nun, ich weiß nicht so genau. Ich nehme an, weil dort Christus gelebt hat, als Er noch ein kleiner Junge war.« »Christus?« Ich trug meine Adresse vollständig ein und sah, jetzt tatsächlich interessiert, auf.

»Ja. Als Er noch ein kleiner Junge war. Dieser Joseph von Arimathäa hat Ihn hergebracht. Das weiß doch jeder. Es gibt sogar ein Lied darüber.«

»Ein Lied?«

»Ja, tatsächlich!« Sie nahm einen Schlüssel vom Brett hinter sich und ging zum Fenster. Den Kopf weit hinausgestreckt, schrie sie: »Joseph! Die junge Dame aus London ist da! Komm und trag ihre Koffer.« Dann kam sie zum Tisch zurück. »Wissen Sie«, fuhr sie fort, »dieses Lied singt man jedes Jahr in der letzten Nacht bei den Konzerten.« Sie sprach das letzte Wort wie »Gonzerde« aus.

In schneller Folge ging ich im Geist verschiedene Lieder durch und wählte zuerst aus und verwarf dann wieder Land of Hope and Glory und Rule Britannia, um schließlich bei Blakes Jerusalem innezuhalten. Und plötzlich begann ein Gedicht, das ich rezitiert, ein Lied, das ich mein Leben lang gesungen hatte, ohne seine Bedeutung zu begreifen, einen Sinn zu ergeben.

»›Und wandelten diese Füße in alten Zeiten‹«, zitierte ich leise, »›auf Englands grünen Hügeln‹… Das ist ein Gedicht von William Blake.«

»Nun, jetzt haben Sie’s! Er wußte davon.«

»Offensichtlich! Aber ich glaube nicht, daß viele Menschen das wissen. Ich meine, einige werden wissen, daß Joseph von Arimathäa die Abtei von Glastonbury gegründet haben soll, aber nicht einmal das könnte man als Allgemeinwissen bezeichnen. Wann soll er denn Christus hierhergebracht haben?«

»Fragen Sie mich nicht.« Mrs. Dando wiederholte mit sichtlichem Genuß den Satz, der anscheinend ihr Lieblingsspruch war.

Ein kräftiger, älterer Mann in Hemdsärmeln und mit Schmutz an den Händen kam durch die Tür. »Tut mir leid, Miss«, entschuldigte er sich. »Ich hab’ nur eben Unkraut gejätet. Und, wo sind die Koffer?«

»Ich nehme an, Sie möchten gerne Tee«, sagte Mrs. Dando. »Ich hab ’ne Kanne für Sie fertig, wenn Sie wieder runterkommen.«

Die bloße Erwähnung von Tee löschte jeden anderen Gedanken in mir aus. Ich wußte nur noch, daß ich...



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