Clarke | Aufbruch zu den Sternen | E-Book | www2.sack.de
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E-Book, Deutsch, 0 Seiten

Clarke Aufbruch zu den Sternen

Roman
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-641-12668-1
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

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Zum Mond und zurück

Die Prometheus ist das erste Raumschiff, das in der Lage ist, Astronauten zum Mond und wieder zurück zur Erde zu bringen. Dr. Dirk Alexson ist Historiker, er soll dem Aufbruch der Prometheus 1978 beiwohnen und zugleich das wichtigste Ereignis der Menschheitsgeschichte für die Nachwelt dokumentieren. En détail erfährt er auch die technischen Hintergründe der Mission, die er ebenso in seinen Bericht einfließen lässt wie die Aufbruchsstimmung vor dem Abflug und seinen eigenen Wandel vom bloßen objektiven Beobachter zu einem enthusiastischen Befürworter der Raumfahrt.

Arthur C. Clarke zählt neben Isaac Asimov und Robert A. Heinlein zu den größten SF-Autoren des 20. Jahrhunderts. Geboren 1917 in Minehead, Somerset, entdeckte er die Science-Fiction durch die Bücher von H. G. Wells und Olaf Stapledon. Nach dem Zweiten Weltkrieg, in dem er als technischer Offizier der Royal Air Force diente, studierte er Physik und Mathematik am King’s College in London. Gleichzeitig betätigte er sich als Autor: 1946 erschien seine erste Story im SF-Magazin Astounding, sein erster Roman zwei Jahre später. In den folgenden Jahrzehnten veröffentlichte er nicht nur weitere preisgekrönte Erzählungen und Romane, sondern auch etliche populärwissenschaftliche Artikel und Bücher, in denen er viele technische Entwicklungen vorwegnahm. Clarke starb im März 2008 in seiner Wahlheimat Sri Lanka.
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I


Dirk Alexson legte sein Buch aus der Hand und kletterte über die kurze Leiter zum Beobachtungsdeck hinauf. Land war noch nicht in Sicht, dazu war es noch zu früh, aber die Fahrt, die sich ihrem Ende näherte, hatte ihn unruhig gemacht, und er konnte sich nicht mehr recht konzentrieren. Er trat an die schmalen runden Fenster, die in den Vorderrand der großen Tragfläche eingelassen waren, und starrte hinunter auf den gestaltlosen Ozean.

Es war absolut nichts zu sehen; aus dieser Höhe wären selbst die gewaltigsten atlantischen Stürme unsichtbar geblieben. Für eine Weile ließ er seine Blicke über die leere graue Fläche unter sich schweifen und begab sich dann zu der für die Passagiere bestimmten Radaranlage.

Der in rascher Bewegung begriffene Leuchtstreifen auf dem Schirm hatte angefangen, die ersten schwachen Echos aufzuzeichnen, die in seinen Bereich kamen. Land lag voraus – jenes Land, das Dirk noch nie gesehen hatte, obwohl es für ihn manchmal wirklicher war als sein Geburtsland. Von jenen verborgenen Ufern waren seine Vorfahren im Laufe der vergangenen vier Jahrhunderte nach der Neuen Welt aufgebrochen, auf der Suche nach Freiheit und Glück. Und jetzt kehrte er zurück und bewältigte die wüste Strecke, zu der sie ebenso viele beschwerliche Wochen gebraucht hatten, in knapp drei Stunden. Und er kam mit einem Auftrag, an den sie nicht einmal in ihren wildesten Zukunftsträumen gedacht hätten.

Das leuchtende Abbild von Land's End hatte sich bereits halb über den Radarschirm geschoben, ehe Dirk die ersten Umrisse der vortretenden Küste erkannte – dunkle Flecken, die sich in nebligen Weiten verloren. Obgleich er nichts von einem Richtungswechsel verspürt hatte, wusste er, dass das Flugboot jetzt den langen Schräghang hinuntersausen musste, der zu dem vierhundert Meilen entfernten Londoner Flughafen führte. Noch ein paar Minuten, dann würde die Luft sich verdichten, und er würde wiederum das leise und beruhigende Rumpeln der großen Düsen vernehmen.

Cornwall war nichts als ein verwischter grauer Fleck, der so schnell hinter dem Schiff zurückblieb, dass keine Einzelheiten auszumachen waren. Man hätte meinen können, dass König Marke noch immer auf den grausamen Klippen dort unten stand und auf das Schiff mit Isolde wartete, während Merlin auf den Hügeln noch immer mit den Winden Zwiesprache hielt und an seinen Untergang dachte. Zu der Zeit, als die Maurer den letzten Stein in Tintagels Mauern fügten, hatte das Land aus dieser Höhe wahrscheinlich genauso ausgesehen.

Im Augenblick stürzte das Flugboot auf eine Wolkenlandschaft von derartig blendendem Weiß zu, dass es die Augen schmerzte. Zuerst schien es, als wäre diese Landschaft nur durch ein paar geringfügige Geländewellen unterbrochen, aber als sie sich ihm entgegenhob, merkte Dirk alsbald, dass die Wolkenberge himalajanische Ausmaße hatten. Einen Augenblick danach lagen ihre Gipfel bereits hoch über ihm, und die Maschine bahnte sich ihren Weg durch einen riesigen Pass, der beiderseits von überhängenden Schneewänden flankiert war. Als die weißen Klippen auf ihn zugerast kamen, lehnte er sich unwillkürlich zurück, nahm jedoch, als er sich rings von quirlenden Nebelmassen umgeben sah und nichts mehr erkennen konnte, seine alte Lage wieder ein.

Die Wolkenschicht war anscheinend sehr dick gewesen, denn von London selber erhaschte er nur einen flüchtigen Anblick und war noch gar nicht darauf vorbereitet, als die Maschine auch schon sanft zur Landung aufsetzte. Dann drangen die Geräusche der Außenwelt auf ihn ein – metallische Lautsprecherstimmen, Lukengeklirr und vor allem die ersterbenden Kadenzen der großen Turbinen, die langsam zur Ruhe kamen.

Der feuchte Beton, die wartenden Lastwagen und die grauen, tiefhängenden Wolken wirkten ernüchternd und vertrieben die romantischen und abenteuerlichen Eindrücke, die er während der Fahrt gehabt hatte. Ein Sprühregen fiel, und als der lächerlich kleine Traktor mit dem gewaltigen Schiff davonfuhr, ähnelte es mit seinen glänzenden Flächen mehr einem Tiefseeungeheuer als einem Geschöpf der Luft. Die Düsenhauben begannen zu dampfen, als das Wasser von den Tragflächen auf sie heruntertropfte.

An der Zollabfertigung wurde Dirk zu seiner Erleichterung bereits erwartet. Als sein Name von der Passagierliste gestrichen wurde, trat ein untersetzter Mann mittleren Alters mit ausgestreckter Hand auf ihn zu.

»Dr. Alexson? Freut mich, Sie kennenzulernen. Mein Name ist Matthews. Ich soll Sie zu unserer Dienststelle in Southbank bringen und mich überhaupt um Sie kümmern, solange Sie hier in London sind.«

»Mir nur lieb«, lächelte Dirk. »Ich nehme an, dass ich mich bei McAndrews dafür bedanken kann?«

»Richtig. Ich bin sein Assistent in Public Relations. Hier – geben Sie mir Ihre Tasche. Wir nehmen den Tunnelexpress; das geht am schnellsten und ist das einfachste. Man gelangt auf diese Art in die Stadt, ohne die Vororte zu berühren. Einen Haken hat es jedoch.«

»Was denn?«

Matthews seufzte.

»Ach, nichts weiter, nur dass eine überraschende Anzahl von Besuchern, die völlig sicher über den Atlantik gekommen sind, in den Untergrund verschwinden und nie mehr zum Vorschein kommen.«

Während Matthews diese unwahrscheinliche Mitteilung machte, huschte nicht einmal der Anflug eines Lächelns über sein Gesicht. Wie Dirk noch entdecken sollte, war sein merkwürdiger Sinn für Humor mit einer totalen Unfähigkeit zu lachen gekoppelt, eine Kombination, die einen immer wieder aus der Fassung brachte.

»Über eines bin ich mir noch gar nicht klar«, sagte Matthews, als der lange rote Zug anfuhr und die Flughafenstation hinter sich zurückließ. »Es tauchen zwar häufig amerikanische Wissenschaftler bei uns auf, aber soviel ich weiß, arbeiten Sie auf einem ganz anderen Gebiet.«

»Stimmt. Ich bin Historiker.«

Matthews' Augenbrauen stellten eine fast hörbare Frage dar.

»Das mag Ihnen seltsam erscheinen«, fuhr Dirk fort, »ist aber durchaus logisch. Wenn in der Vergangenheit irgendwann Geschichte gemacht wurde, war selten jemand zugegen, der sachliche Aufzeichnungen von den Vorgängen gemacht hätte. Natürlich haben wir heutzutage Zeitungen und Filme – aber es ist immer wieder verwunderlich, wie viele wichtige Einzelheiten trotzdem übersehen werden, einfach weil man sie als gegeben hinnimmt. Das Projekt, an dem ihr hier arbeitet, ist eines der größten in der Geschichte überhaupt, und wenn es gelingen sollte, dürfte es die Zukunft so entscheidend verändern, wie sie noch nie durch ein einziges Ereignis verändert wurde. Meine Universität hat deshalb beschlossen, dass ein berufsmäßiger Historiker dabei sein müsste, um die Lücken auszufüllen, die man sonst vielleicht übersieht.«

Matthews nickte.

»Das klingt ganz vernünftig. Und für uns, die wir ja auch keine Wissenschaftler sind, wird es außerdem eine angenehme Abwechslung sein. Wir sind es ziemlich überdrüssig, dauernd Unterhaltungen zu führen, in denen drei von vier Worten aus mathematischen Zeichen bestehen. Ich nehme aber trotzdem an, dass Sie über technische Dinge ziemlich gut Bescheid wissen, wie?«

Auf Dirks Gesicht spiegelte sich ein leichtes Unbehagen.

»Wenn ich die Wahrheit sagen soll«, gestand er, »so ist es schon fast fünfzehn Jahre her, dass ich mich mit wissenschaftlichen Fragen beschäftigt habe – und auch dann nur oberflächlich. Was ich brauche, werde ich mir hier erst wieder aneignen müssen.«

»Darüber machen Sie sich nur keine Sorgen; wir haben einen Hochdruck-Kursus für erschöpfte Geschäftsleute und geplagte Politiker eingerichtet, da können Sie alles Fehlende nachholen. Und Sie werden sich wundern, wie schnell das geht – Sie brauchen nur aufzupassen, was die Luftakrobaten sagen.«

»Die Luftakrobaten?«

»Mein Gott, kennen Sie diesen Ausdruck etwa nicht? Das Wort ist während des Krieges entstanden und gilt für alles, was mit langen Haaren und einem Rechenschieber in der Westentasche herumläuft und sich wissenschaftlich gebärdet. Ich muss Sie überhaupt gleich darauf aufmerksam machen, dass wir hier eine ganze Menge solcher rein privater Ausdrücke gebrauchen, die Sie sich schleunigst aneignen müssen. Sie hätten am besten gleich noch einen Philologen mitbringen sollen!«

Dirk schwieg. Es gab Augenblicke, da die Größe seiner Aufgabe ihn fast überwältigte. Seit einem halben Jahrhundert arbeitete eine nach Tausenden zählende Schar von Männern an diesem Projekt, das irgendwann innerhalb der nächsten sechs Monate seinen Höhepunkt erreichen würde. Und er würde bei diesem epochemachenden Ereignis zugegen sein, weit draußen in der australischen Wüste auf der anderen Seite der Welt – das war seine Pflicht und sein Vorrecht. Er durfte diese Ereignisse nicht anders als mit den Augen der Zukunft betrachten und musste auf alle Fälle so darüber berichten, dass noch die Menschen kommender Jahrhunderte etwas vom Geist dieses Zeitalters spüren konnten.

Auf New Waterloo Station stiegen sie aus und gingen die paar Schritte bis zur Themse zu Fuß. Matthews hatte recht gehabt, als er behauptete, dies wäre die beste Art, die erste Bekanntschaft mit London zu machen. Der weite Bogen des neuen Themsekais, der erst zwanzig Jahre alt war, gab den Blick stromabwärts frei, und Dirks schweifende Blicke wurden alsbald von der Kuppel der St.-Pauls-Kathedrale angezogen, die unter den Strahlen der plötzlich durchbrechenden Sonne vor Nässe glänzte. Dann schaute er stromaufwärts vorbei an den großen weißen Gebäuden vor Charing Cross, aber die Parlamentsgebäude waren nicht zu sehen und lagen hinter der Biegung des Flusses verborgen.

»Großartiger Ausblick, nicht wahr?«, sagte Matthews. »Wir...


Clarke, Arthur C.
Arthur C. Clarke zählt neben Isaac Asimov und Robert A. Heinlein zu den größten SF-Autoren des 20. Jahrhunderts. Geboren 1917 in Minehead, Somerset, entdeckte er die Science-Fiction durch die Bücher von H. G. Wells und Olaf Stapledon. Nach dem Zweiten Weltkrieg, in dem er als technischer Offizier der Royal Air Force diente, studierte er Physik und Mathematik am King’s College in London. Gleichzeitig betätigte er sich als Autor: 1946 erschien seine erste Story im SF-Magazin Astounding, sein erster Roman zwei Jahre später. In den folgenden Jahrzehnten veröffentlichte er nicht nur weitere preisgekrönte Erzählungen und Romane, sondern auch etliche populärwissenschaftliche Artikel und Bücher, in denen er viele technische Entwicklungen vorwegnahm. Clarke starb im März 2008 in seiner Wahlheimat Sri Lanka.



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