Clark | Black Memory | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 385 Seiten

Clark Black Memory

Thriller
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-98690-657-3
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Thriller

E-Book, Deutsch, 385 Seiten

ISBN: 978-3-98690-657-3
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Wem kann sie vertrauen? Der abgründige Psychothriller »Black Memory« von Janet Clark jetzt als eBook bei dotbooks. Als Claire orientierungslos in einem Boot vor der indonesischen Küste zu sich kommt, hat sie jede Erinnerung an ihr früheres Leben verloren. Kurz darauf wird sie beschuldigt, ein Kind entführt zu haben. Nur ein Fremder scheint auf ihrer Seite zu stehen: Paul Brent, der behauptet, ihr Ehemann zu sein. Kann es wirklich sein, dass es sich bei dem entführten Mädchen um ihre gemeinsame Tochter handelt? Verzweifelt versucht Claire, sich zu erinnern, was wirklich mit Bonnie geschehen ist - und muss bald erkennen, dass hinter ihrem Schutzwall des Vergessens eine Wahrheit lauert, die möglicherweise zu schrecklich ist, um sie ertragen zu können ... »Mörderisch gut«, urteilt die Zeitschrift Bunte. Jetzt als eBook kaufen und genießen: Der packende Thriller »Black Memory« von Janet Clark wird alle Fans von Joy Fielding und Claire Douglas begeistern. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.

Janet Clark arbeitete als wissenschaftliche Mitarbeiterin, Dozentin und Marketingchefin in Belgien, England und Deutschland, bevor sie sich ganz ihrer Leidenschaft, dem Schreiben, widmete. Sie lebt mit ihrer Familie in München und engagiert sich für AutorInnenrechte. Die Website der Autorin: janet-clark.de/ Die Autorin auf Instagram: instagram.com/janetclarkautorin/ Bei dotbooks veröffentlichte die Autorin ihre Thriller »Ich sehe dich«, »Black Memory« und »Rachekind«.
Clark Black Memory jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Kapitel 2


Trampelgeräusche schrecken mich aus einem unruhigen Halbschlaf. Ich spüre, wie mich Hände an den Armen packen, noch bevor ich richtig wach bin. Jemand zerrt mich über die Planken, und alles, was ich denken kann, ist: Was will er von mir?

Es ist zu dunkel, um zu sehen, wer an mir zerrt, aber die Hände sind die eines Mannes. Hektische Stimmen rufen sich etwas zu, und das Schlingern und Wackeln verrät, dass wir noch auf dem Boot sind. Grob schleift der Mann mich mit sich. Da greift eine weitere Hand nach mir.

Ich werde verschleppt, schießt es mir panisch durch den Kopf. In dem Moment geht ein Ruck durch meine Arme, dann spüre ich festen Boden unter den Füßen.

»Wer sind Sie?«, frage ich ängstlich und versuche, mehr Kraft in meine zittrige Stimme zu legen. »Wo bin ich? Wo bringen Sie mich hin?«

Einer der Männer sagt etwas. Wieder die schnellen Laute, die ich nicht verstehe. Ich stolpere einen unbeleuchteten Steg entlang, geführt von einer kräftigen Männerhand. Als wir an dessen Ende angekommen sind, blitzen Scheinwerfer auf. Die Männer steuern direkt darauf zu. Schritt um Schritt, und je näher wir dem Auto kommen, desto fester wird der Griff um meinen Arm. Instinktiv stemme ich mich dagegen. Reiß dich los!, schreit es in mir. Lauf weg!

Doch schon werde ich in das Auto gestoßen, und die Tür fällt zu. Es riecht nach Schweiß und einem Gewürz. Nach Curry, glaube ich. Meine Finger tasten über die zerschlissene Rückbank. Der Wagen rollt an, fährt einen Weg entlang, dann hinaus auf eine schmale Straße.

Wieder drängen sich Fragen in meinem Kopf: Wer sind diese Männer? Wo bringen sie mich hin? Unauffällig rücke ich näher an die Tür, weg von dem Mann mit den kurzen schwarzen Haaren. Ich taste nach dem Griff, ziehe daran, doch nichts rührt sich. Fieberhaft checke ich die Fluchtmöglichkeiten, aber ich begreife schnell: Es gibt keine.

Mit einem Mal werde ich ruhiger, meine Gedanken präzisieren sich, als hätte mein Gehirn von Panik- auf Überlebensmodus geschaltet. Beobachten, analysieren – dann handeln. Der Befehl kommt von irgendwo in meinem Kopf, und er überzeugt mich sofort. Also beobachte ich.

Der Mann sieht asiatisch aus, und wir sind in einer Küstenregion. Ich tippe auf Südostasien. Philippinen, Malaysien oder Indonesien. Eine Urlaubsgegend. Denn ich muss hier im Urlaub sein – würde ich hier wohnen, müsste ich wenigstens ansatzweise die Sprache verstehen.

Im Licht der Scheinwerfer erhasche ich Blicke auf dürftig zusammengeschusterte Häuser, manche nicht mehr als Bretterverschläge, umgeben von Schrott und Müll. Mit jedem Kilometer werden die Häuser größer und die Müllberge kleiner. Wir überqueren unübersichtliche Kreuzungen, die Straßen füllen sich mit klapprigen Autos, unzähligen knatternden Mopeds und Fußgängern, die wie wandelnde Hindernisse die Straße bevölkern. Immer öfter fahren wir an Straßenhändlern vorbei, die ihre Ware auf Tischen oder am Boden darbieten, notdürftig beleuchtet von Kerosinfackeln oder weiß schimmernden Solarlampen.

Ich sehe mich erneut im Wageninneren um und bemerke auf einmal die einheitliche Kleidung der Männer: helle Hosen und Hemden, am Ärmel ein Emblem. Uniformen.

Erleichtert atme ich auf. Alles wird gut. Der Mann aus dem Boot hat mich der Polizei übergeben. Bald wird man herausfinden, wer ich bin.

»Wie heißen Sie?«

Unruhig rutsche ich auf dem harten Holzstuhl hin und her. Wie oft will der Polizeichef mir diese Frage noch stellen? Ich habe ihm erklärt, dass ich mich nicht erinnern kann. An nichts. Denkt er, ich habe auf wunderbare Weise mein Gedächtnis zurückerhalten, weil seine Leute mich wie eine Verbrecherin fotografiert und mir Fingerabdrücke abgenommen haben?

»Ich weiß es nicht.«

Sein Lächeln ist freundlich. Doch das Lauern in seinen Augen verrät, dass er mir nicht glaubt. Das ist schlecht. Sehr schlecht. Panik steigt in mir auf wie Luftblasen in Sodawasser und bringt meinen Magen zum Kribbeln. Es muss einen Grund geben, dass er mich wie eine Tatverdächtige behandelt.

»Wo kommen Sie her?«

»Ich weiß es nicht.«

Immerhin weiß ich inzwischen, wo ich bin – auf der indonesischen Insel Sumba. Und ich weiß nun, dass der Mann in dem Ruderboot mich etwa zwölf Kilometer vor der Küste aus dem Meer gefischt hat. Ich blicke zu dem surrenden Ventilator über meinem Kopf – ein Relikt, genauso vorsintflutlich wie der intarsienverzierte Schreibtisch und das überlebensgroße Porträt eines Mannes in Uniform an der Wand hinter dem Polizeichef. Aber ich darf mich von der fehlenden Fortschrittlichkeit nicht täuschen lassen. Der Polizeichef ist schlau. Mein Blick fällt auf die ordentlich aufgereihte Büchersammlung: T. S. Elliot, Dylan Thomas, James Joyce, Samuel Beckett. Er ist gebildet. Sein Englisch ist fehlerfrei, auch wenn sein Akzent so stark ist, dass ich mich auf jedes Wort konzentrieren muss.

»Wer ist Ihr Auftraggeber? Was haben Sie mit der Ware gemacht?«

Aha. Daher weht der Wind. Auftraggeber. Ware. Es bedarf keiner besonderen Denkleistung, um zu erraten, von welcher Ware er spricht: Drogen. Er hält mich für einen Kurier, meine Geschichte für eine müde Ausrede, die Prellungen am Rücken und an den Beinen und die blauen Flecken für den Beweis eines Kampfes. Das Kribbeln in meinem Magen wird stärker, unentwegt suche ich nach einer Antwort auf meine stumme Frage: Bin ich tatsächlich ein Drogenkurier?

Ich hoffe, dass er meine Unsicherheit nicht bemerkt, denn langsam kann ich sein Misstrauen nachvollziehen: Warum sollte eine unschuldige Touristin in einen Kampf geraten und wie Treibgut im offenen Meer landen? Er vermutet mehr dahinter, das würde ich wahrscheinlich auch an seiner Stelle. Und so wie er sich auf mich einschießt, hat er nicht vor, seinen vermeintlichen Fang so ohne Weiteres von der Angel zu lassen.

Ich muss ihn davon überzeugen, dass ich nur eine harmlose Touristin bin. Eine Geschichte erzählen, die plausibel klingt. »Ich weiß nichts von einem Auftraggeber«, sage ich überdeutlich. »Vielleicht war ich segeln, und der Seitenbaum hat mich erwischt und ins Wasser geschleudert. Daher die Prellungen.«

»Und die blauen Flecken? Stammen die auch von dem Seitenbaum?« Das Lächeln verschwindet. »Glauben Sie, Sie sind die Erste, die diese Show hier abzieht?«

»Ich weiß es doch nicht!«, rufe ich, und die Verzweiflung in meiner Stimme ist so real, wie sie nur sein kann. Denn ich begreife nun, dass ich auf verlorenem Posten stehe. Es ist völlig egal, was ich sage, ich werde ihn nicht davon überzeugen können, dass ich nur eine harmlose Touristin bin. Wie auch, wenn nicht einmal ich selbst das mit Sicherheit behaupten kann. Meine Hand rutscht vom Sitz ab, und mein Ellenbogen stößt gegen die Hüfte. Ich zucke vor Schmerz zusammen und wundere mich, warum ich die Schmerzen vorher nicht wahrgenommen habe. Von irgendwo kullern Worte wie bunte Murmeln durch meinen Kopf: retardiertes Schmerzempfinden, eine Schockreaktion. Ich verbanne die Wortmurmeln in eine Ecke und konzentriere mich auf meine Antwort: »Vielleicht wurde unser Boot ja überfallen und ich über Bord geworfen.«

»Daran erinnern Sie sich?« Wie ein lauerndes Raubtier springt er auf meine Vermutung an.

»Nein! Ich erinnere mich an gar nichts! Aber so könnte es gewesen sein. Vielleicht ...« Ich halte inne. Eine entsetzliche Erkenntnis zieht mir das Blut aus den Wangen. Kein normaler Tourist geht alleine auf dem Meer segeln. War ich mit meinem Mann unterwegs, und jetzt ist er ... tot? Schnell blicke ich auf meine Hand. Kein Ehering. Vielleicht war ich mit meinem Freund unterwegs. Oder einer Freundin. Was ist mit meiner Begleitung passiert? Meine Brust zieht sich zusammen. Ist sie gestorben? Ertrunken? Wenn nun niemand weiß, wo wir hingefahren sind, niemand uns vermisst, weil man uns noch wochenlang auf einer Urlaubsreise vermutet, wer soll mich dann hier herausholen?

Hinter mir öffnet sich quietschend die Tür. Ein junger Polizist eilt herein und legt seinem Chef zwei Blätter auf den Schreibtisch. Aufgeregt redet er auf ihn ein, immer wieder huschen verstohlene Blicke zu mir. Der Polizeichef greift nach dem ersten Dokument, liest es, und ein zufriedenes Lächeln umspielt seine Lippen.

»Sie wissen also nicht, wer Sie sind?«, fragt er.

»Nein.«

»Dann werde ich es Ihnen sagen.« Er beugt sich über den Tisch. In seinen Augen sehe ich Verwunderung, aber auch Triumph, und das Kribbeln in meinem Magen wird unerträglich. Wer zum Teufel bin ich, dass mein Name bei ihm eine solche Reaktion hervorruft?

»Sie sind ... Clare Brent.«

Clare Brent?

Ich warte auf ein Bild in meinem Kopf. Doch da ist nichts. Kein Bild und keine Stimme, die dem Namen ein Leben eingehaucht hätte. Er löst weder Regung noch Erinnerung in mir aus, er steht als belanglose Aneinanderreihung von Buchstaben im Raum, die mir nichts über mich verrät. Clare Brent.

Enttäuscht beobachte ich den Polizeichef. Dieser Triumph in seinen Augen ... Im Gegensatz zu mir sagt ihm der Name offensichtlich etwas. Ja, ganz eindeutig. Aber was? Bin ich bekannt? Prominent?

Er tippt auf das Blatt vor ihm, ein Fax. Ich recke den Hals und starre auf seinen tippenden Finger, auf das unscharfe Schwarz-Weiß-Foto im rechten oberen Eck. Ein ovales, gleichmäßiges Gesicht. Die hellen Haare straff nach hinten gebunden. Große Augen, schmale Nase, volle Lippen. Das also bin ich. Unwillkürlich hebe ich die Hand und taste über mein Gesicht. Die Lippen fühlen sich rau und aufgesprungen an, die Nase heiß und sonnenverbrannt, die Haare kraus und spröde.

»Das ist ein Fahndungsaufruf von Interpol. Man sucht Sie wegen Kindesentführung.«

Ich brauche einen Moment, um...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.