Christie | Morphium | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 224 Seiten

Christie Morphium

Ein Fall für Poirot
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-455-00337-6
Verlag: Atlantik Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Ein Fall für Poirot

E-Book, Deutsch, 224 Seiten

ISBN: 978-3-455-00337-6
Verlag: Atlantik Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Hat die schöne Elinor wirklich aus Habgier und Eifersucht den Mord an Mary begangen?  Im Leben der schönen Elinor läuft alles perfekt: Gerade erst verlobt, sieht sie nun auch einem beträchtlichen Erbe entgegen, da ihre Tante Laura im Sterben liegt. Doch dann verliebt sich Elinors Verlobter ausgerechnet in Mary, der Elinor dem letzten Wunsch der Tante folgend einen Teil des Erbes überlässt, und schließlich wird Mary ermordet. Die Beweise gegen Elinor sind erdrückend - nur Dr. Lord ist sich sicher, dass etwas anderes dahinter steckt und beauftragt Poirot mit dem Fall.  Kann der berühmte Ermittler herausfinden, wer Mary mit Morphium vergiftet hat?

Agatha Christie begründete den modernen britischen Kriminalroman und avancierte im Laufe ihres Lebens zur bekanntesten Krimiautorin aller Zeiten. Ihre beliebten Helden Hercule Poirot und Miss Marple sind - auch durch die Verfilmungen - einem Millionenpublikum bekannt. 1971 wurde sie in den Adelsstand erhoben. Agatha Christie starb 1976 im Alter von 85 Jahren.
Christie Morphium jetzt bestellen!

Weitere Infos & Material


Cover
Titelseite
Widmung
Prolog
Teil I
Teil II
Teil III
Über Agatha Christie
Impressum


Teil I


Erstes Kapitel


I


Ein anonymer Brief!

Elinor Carlisle starrte auf das Blatt in ihrer Hand. So etwas war ihr noch nie untergekommen. Es bereitete ihr ein unangenehmes Gefühl. Schlecht geschrieben, wimmelnd von orthographischen Fehlern, auf billigem rosa Papier.

Das ist zu Ihrer Wahrnung (stand da zu lesen),

Ich nenn keine Namen aber da ist Jemand wo sich bei ihrer Tante einschleimt und Wenn sie nicht aufpassen Sind sie ihre Erbschaft Los. Mädchen sind Sehr Gerissen und Alte Dahmen fallen leicht draufrein wenn Junge sich bei Ihnen einschleimen und Ihnen schön tun Was ich damit sagen will ist Sie sollten besser kommen und Selber sehn was Da abläuft weil es ist nich richtig das Sie und der Junge Herr um ihr Gutes Recht betrogen werden – und Sie ist Sehr Gerissen und die Alte Dahme kann Jeden Moment apkratzen.

Jemand wo es gut mit Ihnen meint

Elinor starrte noch immer, die gezupften Brauen unwillig zusammengezogen, auf das Schreiben, als die Tür aufging. Das Hausmädchen meldete »Mr Welman«, und Roddy trat ein.

Roddy! Wie immer, wenn sie Roddy sah, verspürte sie ein leichtes Schwindelgefühl, ein plötzliches freudiges Herzklopfen, gepaart mit dem Bewusstsein, dass es sich jetzt empfahl, möglichst sachlich und nüchtern zu erscheinen. Denn es war allzu offensichtlich, dass Roddy sie zwar liebte, für sie aber nicht so empfand wie sie für ihn. Sein Anblick ließ ihr Herz jedes Mal so zusammenzucken, dass es fast wehtat. Absurd, dass ein Mann – ein gewöhnlicher, ja, ein ganz gewöhnlicher junger Mann – eine derartige Wirkung auf ein Mädchen haben sollte! Dass sein bloßer Anblick die Welt ins Schlingern brachte, dass man beim Klang seiner Stimme ein ganz kleines bisschen das Bedürfnis verspürte zu weinen … Liebe sollte doch wohl ein angenehmes Gefühl sein – nichts dermaßen Intensives, dass es schmerzte …

Eines war klar: Man musste sehr, sehr darauf achten, dass man einen lässigen, nonchalanten Eindruck machte. Männer mochten es nicht, angeschmachtet und angebetet zu werden. Roddy jedenfalls mochte es nicht.

Sie sagte leichthin:

»Hallo, Roddy!«

Roddy sagte:

»Hallo, Liebling. Du ziehst ja so ein tragisches Gesicht. Ist das eine Rechnung?«

Elinor schüttelte den Kopf.

»Wäre ja möglich gewesen – Mittsommer, du weißt ja, die Zeit, wo die Elfen tanzen und die Gläubiger aus ihren Löchern kriechen!«

Elinor sagte:

»Es ist richtig widerlich. Es ist ein anonymer Brief.«

Roddys Brauen schossen in die Höhe. Sein vornehm kritisches Gesicht erstarrte zur Maske. Degoutiert stieß er hervor:

»Nein!«

Elinor sagte noch einmal:

»Es ist richtig widerlich …«

Sie ging einen Schritt auf ihren Schreibtisch zu.

»Ich sollte ihn vielleicht am besten zerreißen.«

Sie hätte es tun können – tat es auch fast, denn Roddy und anonyme Briefe waren zwei Dinge, die sich äußerst schlecht vertrugen. Sie hätte den Schrieb wegwerfen und schlicht vergessen können. Roddy hätte sie nicht daran gehindert. Seine Vornehmheit war weit stärker ausgeprägt als seine Neugier.

Doch aus einem Impuls heraus entschied sich Elinor anders. Sie sagte:

»Vielleicht wäre es aber besser, wenn du ihn zuerst liest. Und dann verbrennen wir ihn. Er betrifft Tante Laura.«

Roddy hob erneut verblüfft die Augenbrauen.

»Tante Laura?«

Er nahm den Brief, las ihn, verzog angewidert das Gesicht und gab ihn ihr zurück.

»Ja«, sagte er. »Gehört eindeutig verbrannt! Was es für Leute gibt!«

Elinor sagte:

»Was glaubst du – jemand vom Hauspersonal?«

»Vermutlich.« Er zögerte. »Ich frage mich, wer – wer die Person ist, von der da die Rede ist.«

Nachdenklich entgegnete Elinor:

»Es müsste eigentlich Mary Gerrard sein.«

Stirnrunzelnd kramte Roddy in seinem Gedächtnis.

»Mary Gerrard? Wer ist das?«

»Die Tochter von den Pförtnerleuten. Du musst dich doch von früher her an sie erinnern! Tante Laura hatte schon immer eine Schwäche für die Kleine und hat sie unter ihre Fittiche genommen. Sie hat ihr die Schule bezahlt und noch allerlei Extras – Klavierstunden und Französisch, und was weiß ich noch alles.«

»Ach ja, jetzt fällt’s mir wieder ein: ein spilleriges Kind, nur Arme und Beine und eine ungekämmte blonde Mähne.«

Elinor nickte.

»Ja, du hast sie wahrscheinlich seit diesen Sommerferien, wo Mama und Papa im Ausland waren, nicht mehr gesehen. Du bist natürlich nicht so oft wie ich in Hunterbury gewesen, und zuletzt war sie Au-pair in Deutschland, aber als wir noch Kinder waren, haben wir sie immer gerufen, damit sie mit uns spielte.«

»Wie ist sie denn jetzt so?«, fragte Roddy.

Elinor antwortete:

»Sie sieht mittlerweile sehr nett aus. Gute Umgangsformen und so weiter. Dank ihrer Erziehung würde man sie nie für die Tochter des alten Gerrard halten.«

»Ganz die feine Dame geworden?«

»Ja. Mit dem Resultat, dass sie, wie mir scheint, im Pförtnerhaus ein wenig aneckt. Mrs Gerrard ist vor ein paar Jahren gestorben, und Mary und ihr Vater kommen nicht gut miteinander aus. Er macht sich ständig über ihre Schulbildung und ihre ›feinen Manieren‹ lustig.«

Roddy sagte gereizt:

»Die Leute machen sich einfach keine Vorstellung, welchen Schaden sie anrichten, indem sie jemanden ›zivilisieren‹! Oft genug handelt man damit nicht wohltätig, sondern schlicht grausam!«

Elinor sagte:

»Ich könnte mir vorstellen, dass sie wirklich viel Zeit im Herrenhaus verbringt … Ich weiß auf jeden Fall, dass sie Tante Laura vorliest, seit sie ihren Schlaganfall hatte.«

Roddy fragte:

»Warum kann ihr nicht die Krankenschwester vorlesen?«

Lächelnd sagte Elinor:

»Schwester O’Brien hat einen Akzent wie ein irischer Dorftrampel. Ich kann’s Tante Laura nicht verdenken, dass sie lieber Mary zuhört.«

Roddy ging ein, zwei Minuten lang rasch und nervös im Zimmer auf und ab. Dann sagte er:

»Weißt du, Elinor, ich glaube, wir sollten hinfahren.«

Elinor zuckte leicht zusammen.

»Wegen dieses …?«

»Nein, nein – absolut nicht. Ach, verdammt, man sollte immer ehrlich sein: Ja! So widerwärtig diese Mitteilung auch sei, könnte sie doch ein Körnchen Wahrheit enthalten. Ich meine, dem alten Mädchen geht es wirklich ziemlich schlecht …«

»Ja, Roddy.«

Er sah sie mit seinem bezaubernden Lächeln an – einem Lächeln, das die Fehlbarkeit der menschlichen Natur anerkannte. Er sagte:

»Und das Geld eine Rolle, Elinor – für dich und für mich.«

Das räumte sie schnell ein.

»Oh, durchaus.«

Er sagte ernst:

»Nicht, dass ich habgierig wäre. Aber schließlich hat Tante Laura selbst immer wieder gesagt, du und ich seien ihre einzigen Angehörigen. Du bist ihre leibliche Nichte, die Tochter ihres Bruders, und ich bin der Neffe ihres Mannes. Sie hat uns von jeher zu verstehen gegeben, dass nach ihrem Tod alles, was sie hat, einem von uns – oder wahrscheinlicher beiden – zufallen würde. Und – und es ist eine ganz schöne Summe, Elinor.«

»Ja«, sagte Elinor nachdenklich. »Höchstwahrscheinlich.«

»Einen Besitz wie Hunterbury zu unterhalten ist keine Kleinigkeit.« Er schwieg kurz. Dann fuhr er fort: »Onkel Henry war das, was man vermutlich wohlhabend nennen würde, als er deine Tante Laura kennenlernte. Aber sie war eine richtige reiche Erbin. Sie und dein Vater erbten beide ein Vermögen. Schade, dass dein Vater mit seinem spekulierte und den größten Teil davon verlor.«

Elinor seufzte.

»Der arme Papa hatte nie viel Geschäftssinn. In den letzten Wochen vor seinem Tod machte er sich große Sorgen.«

»Ja, deine Tante Laura war diesbezüglich viel gescheiter. Sie heiratete Onkel Henry, und sie kauften Hunterbury, und neulich sagte sie zu mir, sie habe bei ihren Geldanlagen immer ein glückliches Händchen gehabt. Sie habe praktisch nie etwas verloren.«

»Onkel Henry hinterließ ihr doch, als er starb, sein gesamtes Vermögen, nicht?«

Roddy nickte.

»Ja, tragisch, dass er so früh sterben musste. Und sie hat nie wieder geheiratet. Eine treue Seele. Und sie ist immer sehr gut zu uns gewesen. Mich hat sie so behandelt, als wäre ich ihr leiblicher Neffe. Und wenn ich gelegentlich in der Klemme saß, hat sie mir immer unter die Arme gegriffen; zum Glück ist mir das nicht allzu häufig passiert!«

»Auch mir gegenüber ist sie immer unglaublich großzügig gewesen«, sagte Elinor dankbar.

Roddy nickte.

»Tante Laura ist ein Schatz. Aber weißt du, Elinor, du und ich führen, vielleicht ohne es zu wollen, doch einen recht aufwendigen Lebenswandel, gemessen an unseren tatsächlichen Mitteln!«

Schuldbewusst sagte sie:

»Du hast wohl recht … Alles kostet so viel, Kleider und Kosmetik und so alberne Dinge wie Kino und Cocktails – selbst Schallplatten!«

Roddy sagte:

»Liebling, du bist aber auch wirklich eine Lilie auf dem Felde! Du arbeitest nicht, und ebenso wenig spinnst du – oder täusche ich mich?«

Elinor fragte:

»Meinst du, ich sollte, Roddy?«

Er schüttelte den Kopf.

»Mir gefällst du gerade so, wie du bist: zart, distanziert und ironisch. Ich fände es entsetzlich, wenn du plötzlich gesetzt würdest. Ich wollte damit nur sagen, dass du, wenn Tante Laura nicht wäre, in irgendeinem...


Christie, Agatha
Agatha Christie begründete den modernen britischen Kriminalroman und avancierte im Laufe ihres Lebens zur bekanntesten Krimiautorin aller Zeiten. Ihre beliebten Helden Hercule Poirot und Miss Marple sind - auch durch die Verfilmungen - einem Millionenpublikum bekannt. 1971 wurde sie in den Adelsstand erhoben. Agatha Christie starb 1976 im Alter von 85 Jahren.

Agatha Christie begründete den modernen britischen Kriminalroman und avancierte im Laufe ihres Lebens zur bekanntesten Krimiautorin aller Zeiten. Ihre beliebten Helden Hercule Poirot und Miss Marple sind - auch durch die Verfilmungen - einem Millionenpublikum bekannt. 1971 wurde sie in den Adelsstand erhoben. Agatha Christie starb 1976 im Alter von 85 Jahren.



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.