Christie | Die vergessliche Mörderin | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 208 Seiten

Christie Die vergessliche Mörderin

Ein Fall für Poirot
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-455-00871-5
Verlag: Atlantik Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Ein Fall für Poirot

E-Book, Deutsch, 208 Seiten

ISBN: 978-3-455-00871-5
Verlag: Atlantik Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Wie löst man einen Fall, wenn die Mörderin sich an nichts erinnern kann?   Norma Restarick ist felsenfest davon überzeugt, eine Mörderin zu sein. Das Problem ist jedoch, dass sie sich nicht daran erinnern kann, wen sie umgebracht hat und auch nicht wie sie es getan haben soll. Hercule Poirot und seine gute Freundin Ariadne Oliver erklären sich dennoch bereit, in diesem durch und durch sonderbaren Fall zu ermitteln. Lediglich ein Selbstmord hat sich in Norman Restaricks Apartmenthaus zugetragen. Könnte das der Mord sein, den die junge Frau meint begangen zu haben? 

Agatha Christie begründete den modernen britischen Kriminalroman und avancierte im Laufe ihres Lebens zur bekanntesten Krimiautorin aller Zeiten. Ihre beliebten Helden Hercule Poirot und Miss Marple sind - auch durch die Verfilmungen - einem Millionenpublikum bekannt. 1971 wurde sie in den Adelsstand erhoben. Agatha Christie starb 1976 im Alter von 85 Jahren.
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Cover
Titelseite
Für Norah Blackmore
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Über Agatha Christie
Impressum


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Das Telefon klingelte. Hercule Poirot nahm es nicht einmal wahr.

Es klingelte schrill und anhaltend weiter.

George kam ins Zimmer, ging auf den Apparat zu und warf dabei einen fragenden Blick auf Poirot.

Der machte eine Handbewegung: »Nein.«

Gehorsam entschwand George wieder. Das Telefon schrillte penetrant weiter und verstummte unvermittelt. Doch kaum zwei Minuten später klingelte es erneut.

»Ach, ! Das muss eine Frau sein – dazu ist nur eine Frau fähig.« Er seufzte, stand auf und ging zum Apparat.

»Sind Sie – ist da Monsieur Poirot?«

»Ja, ich bin’s.«

»Hier ist Mrs Oliver – Sie klingen so komisch! Ich hab Sie gar nicht erkannt.«

«, Madame – es geht Ihnen gut, hoffe ich?«

»Oh, glänzend, danke.« Ariadne Olivers Stimme war fröhlich wie immer. Die bekannte Autorin von Kriminalromanen und Hercule Poirot waren gute Freunde.

»Entschuldigen Sie, dass ich Sie so früh anrufe, aber ich habe ein Attentat auf Sie vor.«

»So?«

»Ja, es geht um das Festessen des Clubs der Kriminalromanautoren. Ich wollte Sie fragen, ob Sie nicht dieses Jahr die Festrede bei uns halten können. Es wäre ganz besonders reizend von Ihnen, wenn Sie das tun würden.«

»Wann ist das?«

»Im nächsten Monat, am dreiundzwanzigsten.«

Ein tiefer Seufzer, dann: »Ach! Ich bin zu alt.«

»Zu alt? Ja, um alles in der Welt, was soll das? Sie sind doch gar nicht alt.«

»Meinen Sie nicht?«

»Natürlich nicht. Sie werden es großartig machen. Und Sie können uns so viele fabelhafte Geschichten über echte Verbrechen erzählen.«

»Und wer soll mir zuhören wollen?«

»Na, alle. Sie – Monsieur Poirot, ist irgendwas? Ist etwas passiert? Sie klingen so – so verstört.«

»Ja, ich bin verstört. Meine Gefühle – ach, lassen wir das.«

»Nein. Es ist nicht egal. Was ist los?«

»Ach nichts. Ich stelle mich nur an …«

»Das glaube ich nicht. Wissen Sie was? Kommen Sie zu mir und erzählen Sie es mir. Wann kommen Sie? Heute Nachmittag?«

»Sie sind rührend, Madame. Was für eine Mühe Sie sich geben. Ich trinke gern eine Tasse Schokolade bei Ihnen.«

»Gut. Und dann erzählen Sie mir, worüber Sie sich so aufgeregt haben.«

Poirot dachte eine Weile nach, dann wählte er eine Nummer. Gleich darauf fragte er: »Mr Goby? Hier ist Hercule Poirot. Sind Sie gerade sehr beschäftigt?

»Ziemlich«, sagte Gobys Stimme. »Ziemlich, man könnte fast sagen sehr. Aber für Sie, Monsieur Poirot, könnte ich mich freimachen. Sie haben es doch immer so eilig. Meine jungen Männer können mal allein weiterarbeiten. Natürlich kommt man heutzutage nicht mehr so leicht an gute junge Männer wie früher. Die denken immer nur an sich. Die glauben, sie wissen schon alles, ehe sie überhaupt mit dem Lernen anfangen. Na ja, junge Leute sind wohl so. Ihnen stehe ich selbstverständlich zur Verfügung, Monsieur Poirot. Vielleicht kann ich sogar ein oder zwei von meinen besten Leuten für Sie abzweigen. Es geht doch sicher um das Übliche – sollen wir Auskünfte für Sie einholen?«

Während Poirot ihm bis ins kleinste Detail erklärte, worum es sich handelte, lauschte er aufmerksam. Nach dem Gespräch mit Goby rief Poirot einen guten Freund bei Scotland Yard an. Nachdem der ihm eine Weile zugehört hatte, frage er: »Bisschen viel verlangt, findest du nicht? Sämtliche Morde – egal, wo. Zeit, Ort und Opfer unbekannt. Genauso gut könntest du Mondkälber jagen, mein Lieber.« Abfällig fügte er hinzu: »Du scheinst ja wirklich zu wissen!«

Um Viertel nach vier saß Poirot in Mrs Olivers Wohnzimmer und nippte genießerisch an einer großen Tasse Schokolade, auf der sich ein Berg Schlagsahne türmte. Eben brachte seine Gastgeberin ihm noch einen Teller mit Löffelbiskuits.

« Madame, Sie sind reizend.« Dann blickte er über den Rand der Tasse mit mildem Staunen auf Mrs Olivers Frisur und auf ihre neue Tapete. Beides war ihm neu. Als er Mrs Oliver zum letzten Mal gesehen hatte, trug sie das Haar glatt und streng frisiert. Jetzt türmte es sich in Locken und Wellen, die auf dem ganzen Kopf verschlungene Muster bildeten. Er hatte den starken Verdacht, dass diese üppige Fülle zum großen Teil falsch sein müsse. In Gedanken suchte er sich auszurechnen, wie viele Haarlocken herunterfallen würden, wenn Mrs Oliver plötzlich in lebhafte Erregung geriet, was bei ihr jeden Augenblick vorkommen konnte. Und dann die Tapete …

»Diese Kirschen – sie sind neu?« Er zeigte mit dem Teelöffel auf die Wand. Er hatte das Gefühl, in einem Obstgarten zu sitzen.

»Meinen Sie, es wären zu viele Kirschen?«, fragte Mrs Oliver. »Ich weiß bei Tapeten nie, wie sie nachher aussehen. Fanden Sie die alten schöner?«

Poirot erinnerte sich schwach an viele grellbunte Tropenvögel in einem Urwald. Am liebsten hätte er laut gesagt: , aber er beherrschte sich.

»Und jetzt«, erklärte Mrs Oliver, als ihr Gast mit einem zufriedenen Seufzer die Tasse absetzte und sich den Rest der Schlagsahne aus dem Schnurrbart wischte, »müssen Sie erzählen, was los ist.«

»Da gibt’s nicht viel zu erzählen. Heute Morgen ist ein junges Mädchen gekommen, das mich sprechen wollte. Eigentlich empfange ich um diese Zeit keinen Besuch. Sie kennen ja meine Gewohnheiten. Aber sie sagte meinem Diener, sie müsse mich unbedingt sprechen, denn sie habe vielleicht einen Mord begangen.«

»Wie merkwürdig! So etwas weiß man doch!«

»Allerdings! George brachte sie herein. Sie blieb stehen! Sie lehnte es ab, Platz zu nehmen. Sie stand da und starrte mich an. Sie sah fast schwachsinnig aus. Ich wollte ihr gut zureden. Aber da erklärte sie plötzlich, sie hätte es sich anders überlegt. Sie wolle nicht unhöflich sein, aber ich –  …«

Mrs Oliver begann sofort, ihn zu trösten. »Unsinn, junge Mädchen sind nun mal so. Wer über fünfunddreißig ist, ist für sie ein Greis. Junge Mädchen haben einfach keinen Verstand …«

»Es hat mich gekränkt.«

»An Ihrer Stelle würde ich mich nicht darüber aufregen. Natürlich war es ungehörig und taktlos.«

»Darum geht es nicht. Und es dreht sich auch nicht nur um meine Gefühle. Ich bin beunruhigt. Ja, sehr beunruhigt.«

»Schwamm drüber. Vergessen Sie’s«, riet Mrs Oliver.

»Sie missverstehen mich. Ich bin wegen des Mädchens beunruhigt. Sie kam zu mir, weil sie Hilfe brauchte. Und dann war ich ihr zu alt. Zu alt, um ihr zu helfen. Natürlich war das Unsinn, das ist klar. Aber sie ist eben fortgerannt. Und dieses Mädchen braucht Hilfe, das weiß ich.«

»Davon bin ich gar nicht so überzeugt«, sagte Mrs Oliver besänftigend. »Junge Mädchen stellen sich oft schrecklich an!«

»Nein. Sie irren sich.

»Ja, glauben Sie denn, dass sie wirklich einen Mord begangen hat?«

»Warum nicht? Sie hat es behauptet.«

»Ja, aber …« Mrs Oliver unterbrach sich. »Sie sagte, sie habe es vielleicht getan. Was kann sie denn damit meinen?«

»Das ist es eben. Das hat keinen Sinn.«

»Wen hat sie ermordet oder glaubt sie ermordet zu haben?«

Poirot zuckte die Achseln.

»Und warum hat sie jemand ermordet?«

Wieder zuckte Poirot die Achseln.

»Da gibt’s natürlich viele Möglichkeiten.« Mrs Oliver wurde lebhaft. »Sie könnte jemand überfahren und nicht angehalten haben. Sie könnte von einem Mann auf einer Klippe angefallen worden sein, mit ihm gekämpft und ihn über den Rand gestoßen haben. Sie könnte jemand aus Versehen die falsche Medizin gegeben haben. Sie könnte zu einer von diesen Tablettenpartys gegangen sein und mit jemand Krach bekommen haben. Vielleicht hat sie, als sie aus dem Rausch erwachte, entdeckt, dass sie jemand erstochen hat. Sie …«

Aber Mrs Oliver war im besten Zug. »Sie könnte als Krankenschwester bei einer Operation assistiert haben, und dann hat sie die Narkotika verwechselt …« Sie hörte auf, um genauere Details zu erfragen. »Wie sah sie aus?«

Poirot überlegte eine Weile: »Wie Ophelia, aber ohne das gewisse Etwas.«

»Meine Güte«, rief Mrs Oliver. »Komisch, ich seh sie direkt vor mir. Nur nach Ihrer Beschreibung.«

»Sie ist nicht lebenstüchtig in meinen Augen. Sie gehört nicht zu den Menschen, die mit Schwierigkeiten fertigwerden oder die Gefahren voraussehen können, die auf sie zukommen. Sie ist eine leichte Beute für alle, die ein Opfer suchen. Nach dem ersten Blick werden sie sagen: ›Wir nehmen die da.‹«

Aber Mrs Oliver hörte nicht mehr zu. Sie vergrub beide Hände in der Lockenpracht. Poirot kannte diese Bewegung. »Warten Sie«, rief sie gequält. »Warten Sie!«

Poirot wartete mit hochgezogenen Brauen.

»Sie haben mir nicht gesagt, wie sie heißt.«

»Sie hat sich leider nicht vorgestellt.«

»Warten Sie«, flehte Mrs Oliver noch einmal. Sie lockerte den Griff um den Kopf und seufzte tief auf. Die Haare lösten sich, fielen offen über ihre Schultern, und eine Partie besonders prächtiger Locken landete auf dem Fußboden. Poirot hob sie auf und legte sie kommentarlos auf den Tisch.

Mrs Oliver hatte sich plötzlich wieder beruhigt. Sie steckte ein paar Haarnadeln fest und nickte...


Christie, Agatha
Agatha Christie begründete den modernen britischen Kriminalroman und avancierte im Laufe ihres Lebens zur bekanntesten Krimiautorin aller Zeiten. Ihre beliebten Helden Hercule Poirot und Miss Marple sind - auch durch die Verfilmungen - einem Millionenpublikum bekannt. 1971 wurde sie in den Adelsstand erhoben. Agatha Christie starb 1976 im Alter von 85 Jahren.

Agatha Christie begründete den modernen britischen Kriminalroman und avancierte im Laufe ihres Lebens zur bekanntesten Krimiautorin aller Zeiten. Ihre beliebten Helden Hercule Poirot und Miss Marple sind - auch durch die Verfilmungen - einem Millionenpublikum bekannt. 1971 wurde sie in den Adelsstand erhoben. Agatha Christie starb 1976 im Alter von 85 Jahren.



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