Christie | Das Eulenhaus | E-Book | www2.sack.de
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E-Book, Deutsch, 224 Seiten

Christie Das Eulenhaus

Ein Fall für Poirot
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-455-17031-3
Verlag: Atlantik Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Ein Fall für Poirot

E-Book, Deutsch, 224 Seiten

ISBN: 978-3-455-17031-3
Verlag: Atlantik Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Hercule Poirot ist zur Wochenendparty auf das Anwesen von Lady Angkatell eingeladen. Als er eintrifft, liegt ein sterbender Mann am Pool. Über der Leiche steht dessen Frau, mit einem Revolver in der Hand. Die Gäste sind entsetzt. Doch was nach einer perfekten Inszenierung aussieht, ist keineswegs ein Schauspiel. Der Meisterdetektiv muss sich durch eine Vielzahl von Familiengeheimnissen kämpfen, um die Wahrheit herauszufinden.

Agatha Christie begründete den modernen britischen Kriminalroman und avancierte im Laufe ihres Lebens zur bekanntesten Krimiautorin aller Zeiten. Ihre beliebten Helden Hercule Poirot und Miss Marple sind - auch durch die Verfilmungen - einem Millionenpublikum bekannt. 1971 wurde sie in den Adelsstand erhoben. Agatha Christie starb 1976 im Alter von 85 Jahren.
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Titelseite
Für Larry und Danae – [...]
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Über Agatha Christie
Impressum


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An einem Freitag morgens um dreizehn Minuten nach sechs tat Lucy Angkatell ihre großen blauen Augen auf. Wieder ein neuer Tag, wieder war sie sofort hellwach und ebenso schnell bei den Problemen, die ihr unglaublich reger Geist hervorgesprudelt hatte. Rat und Rede waren dringend nötig, und dafür war ihre junge Kusine Midge Hardcastle, die am Vorabend im »Eulenhaus« eingetroffen war, genau die Richtige. Lady Angkatell schlüpfte aus dem Bett, warf sich ein Negligé um die noch immer anmutigen Schultern und machte sich auf zu Midges Zimmer. Sie hatte die Angewohnheit, aufreibend schnell zu denken, und fing das Gespräch mit Midge im Kopf schon allein an, wobei sie deren Antworten aus ihrer überschäumenden Fantasie gleich selbst lieferte.

Sie riss die Tür zu Midges Zimmer also mitten im Gespräch auf. »– insofern, Schatz, musst du mir einfach Recht geben: Das Wochenende steckt voller Schwierigkeiten!«

»Ähh – waaas?« Midge, die soeben abrupt aus einem zufriedenen Tiefschlaf gerissen worden war, gab undeutliche Grunzlaute von sich.

Lady Angkatell ging durch bis zum Fenster, schob die Fensterläden auf und zog rasch die Jalousie hoch. Das blasse Licht eines sehr frühen Septembermorgens fiel herein.

»Die Vögel!«, beobachtete sie fröhlich. »Wie süß.«

»Was?«

»Na, das Wetter wird immerhin keine Schwierigkeiten machen. Sieht aus, als ob es schön bleibt. Das ist ja schon mal was. Denn einen Haufen Leute, die sich nicht leiden können, in geschlossenen Räumen einzupferchen, macht die Sache zehnmal schlimmer, da stimmst du mir sicher zu. Womöglich bei Gesellschaftsspielen, wie letztes Jahr – also, ich verzeihe mir das mit der armen Gerda ja nie. Ich habe auch zu Henry hinterher gesagt, dass das furchtbar gedankenlos von mir war. Und natürlich muss man sie einladen, es wäre einfach rüpelhaft, John allein einzuladen. Aber das macht alles so schwierig – und das Schlimmste ist, sie ist ja so nett. Das ist doch wirklich drollig, dass jemand so Nettes wie Gerda so bar jeder Art von Intelligenz sein kann. Also, wenn das ausgleichende Gerechtigkeit sein soll, dann finde ich es jedenfalls sehr ungerecht.«

»Wovon redest du eigentlich, Lucy?«

»Vom Wochenende, Schatz. Von den Leuten, die morgen kommen. Ich habe mir die ganze Nacht den Kopf zerbrochen, ich bin furchtbar in Sorge. Also, es ist ja so eine Erleichterung, mit dir darüber zu reden, Midge. Du bist so praktisch und hast Verständnis.«

»Lucy«, fragte Midge aufgebracht, »weißt du eigentlich, wie spät es ist?«

»Nicht genau, Schatz. Weiß ich doch nie.«

»Viertel nach sechs.«

»Ja, Schatz.« Lady Angkatell war nicht mal andeutungsweise zerknirscht.

Midge sah sie finster an. Lucy konnte einen wahnsinnig machen, sie war unmöglich! Wieso nehmen wir das eigentlich alle hin?

Aber Midge wusste die Antwort, noch bevor sie die Frage zu Ende gedacht hatte. Lucy Angkatell lächelte, und Midge sah sie nur an und spürte wieder den überwältigenden Charme, über den Lucy ihr Leben lang verfügt hatte und der auch heute, wo sie über sechzig war, nicht nachließ. Wegen dieses Charmes hatten Leute in der ganzen Welt – ausländische Potentaten, Adjutanten und Regierungsbeamte – unangenehme, ärgerliche und peinliche Situationen hingenommen. Lucys kindliche Freude, ihr Vergnügen an ihrem eigenen Tun entwaffnete jede Kritik und machte sie wirkungslos. Lucy brauchte bloß die großen blauen Augen aufzuschlagen und einem die zierlichen Hände entgegenzustrecken und: »O nein! Das tut mir ja so leid …« zu sagen, und Übelnehmen war augenblicklich unmöglich.

»Schatz«, sagte sie jetzt, »es tut mir ja so leid. Das hättest du mir doch sagen müssen!«

»Ich sage es dir gerade – aber jetzt ist es sowieso zu spät! Ich bin hellwach.«

»Nein, wie peinlich! Aber du hilfst mir trotzdem, ja?«

»Mit dem Wochenende? Wieso? Was soll denn damit sein?«

Lady Angkatell setzte sich auf Midges Bettrand. So saß niemand sonst auf Betträndern, dachte Midge. Es war so immateriell, als habe sich eine Elfe ein Minütchen lang niedergelassen.

Lady Angkatell streckte ihr die zitternden weißen Hände entgegen – eine hilflos-liebliche Geste.

»Es kommen lauter falsche Leute – ich meine, Leute, die nicht zusammenpassen, sonst sind sie nicht falsch. Alle ganz charmant sogar.«

»Wer kommt denn?« Midge schob sich mit ihrem stämmigen braunen Arm drahtige schwarze Haare aus der kantigen Stirn. Immateriell oder elfengleich war an ihr nichts.

»Nun ja, John und Gerda. Das ist an sich in Ordnung. Ich meine, John ist ja hinreißend – äußerst attraktiv. Und was die arme Gerda angeht – nun ja, ich meine, wir müssen einfach alle freundlich zu ihr sein. Ganz, ganz freundlich.«

»Ach komm, so schlimm ist sie auch wieder nicht.« Midge wusste selber nicht, warum sie Gerda verteidigen musste.

»Ach, Schatz, sie ist eine Jammergestalt. Diese Augen. Sie begreift doch deutlich kein Wort von dem, was man sagt.«

»Nein«, sagte Midge, »jedenfalls nicht von dem, was du sagst. Aber ich finde, das kann man ihr nicht vorwerfen. Du denkst so rasend schnell, Lucy, wenn man mit dir mithalten will im Gespräch, muss man die seltsamsten Sprünge mitmachen. Du lässt jede Verbindung zwischen zwei Themen weg.«

»Wie Affen hüpfen, was?«, fragte Lady Angkatell zerstreut.

»Und wer kommt außer den Christows noch? Henrietta, nehme ich an?«

Lady Angkatells Gesicht klärte sich auf. »Ja – und sie wird ganz bestimmt der Fels in der Brandung sein. Ist sie immer. Weißt du, Henrietta ist ein richtig freundlicher Mensch – also durch und durch, nicht nur oberflächlich. Sie ist eine große Hilfe mit der armen Gerda. Letztes Jahr hat sie das einfach wunderbar gemacht. Weiß du noch, als wir beim Limerickspielen waren, oder war es beim Wörter- oder Zitatenraten? Na, irgend so etwas war es, und wir waren alle schon fertig und stellten fest, dass die liebe arme Gerda noch gar nicht angefangen hatte. Sie wusste gar nicht richtig, was gespielt wurde. War das nicht grässlich, Midge?«

»Ich weiß wirklich nicht, warum überhaupt Leute zu euch kommen«, war Midges Antwort. »So viel Hirnschmalz, wie die Gesellschaftsspiele und deine merkwürdige Art, Gespräche zu führen, erfordern, Lucy.«

»Ja, Schatz, wir sind wohl ziemlich anstrengend – und Gerda muss das doch hassen. Ich habe schon oft gedacht, wenn sie einen Funken Verstand hätte, würde sie wegbleiben – na, jedenfalls, so war es, und das arme Kind sah so entsetzt drein und so – nun ja, tief gekränkt, nicht? Und John wirkte so schrecklich ungeduldig. Und mir ist partout nichts eingefallen, um das wieder geradezubiegen – und deshalb war ich ja Henrietta so dankbar. Wie sie sich einfach zu Gerda gedreht und sie auf den Pullover angesprochen hat, den sie anhatte. Dieses wirklich grässliche Ding, grün wie welker Salat – deprimierend, richtige Ramschware, Schatz. Aber Gerda hat ja gleich gestrahlt, sie hatte den wohl auch noch selbst gestrickt. Henrietta hat nach dem Muster gefragt, und Gerda hat ganz glücklich und stolz dreingeschaut. Siehst du, das meine ich mit Henrietta. Die kann so etwas einfach. Da gehört ein bestimmtes Talent dazu.«

»Sie macht sich eben die Mühe«, sagte Midge bedächtig.

»Ja, und ihr fällt immer das richtige Wort ein.«

»Na, nicht nur das – weißt du, Lucy, dass eigentlich Henrietta den Pullover gestrickt hat?«

»Du liebe Güte.« Lady Angkatell sah sie nachdenklich an. »Getragen auch?«

»Getragen auch. Henrietta ist konsequent.«

»Und sah das sehr schlimm aus?«

»Nein. An Henrietta sah er sehr hübsch aus.«

»Nun ja, selbstverständlich. Das ist eben der Unterschied zwischen Henrietta und Gerda. Was Henrietta anfängt, wird immer etwas. Sie wird mit fast allem fertig, auch bei ihren eigenen Sachen. Ich muss wirklich sagen, Midge, wenn irgendjemand dieses Wochenende rettet, dann Henrietta. Sie wird nett zu Gerda sein, sie wird Henry Spaß machen, sie wird John bei Laune halten und ganz bestimmt gut sein für David.«

»David Angkatell?«

»Ja. Er kommt auf einen Sprung aus Oxford – oder war es Cambridge? Jungen in dem Alter sind so schwierig – vor allem wenn sie auch noch intellektuell sind. David ist sehr intellektuell. Man wünscht sich immer, sie würden damit warten, bis sie etwas älter sind. Aber so? Immer starren sie einen verdrießlich an und kauen Fingernägel und haben so viele Pickel und manchmal noch einen Adamsapfel obendrein. Und reden tun sie entweder keinen Ton oder sehr laut und immer in Opposition. Trotzdem, ich verlasse mich wie gesagt auf Henrietta. Sie ist so taktvoll und stellt die richtigen Fragen. Außerdem ist sie Bildhauerin, da haben sie Respekt, zumal sie ja auch keine Tiere oder Kinderköpfe modelliert. Sie macht ja solche avancierten Sachen wie das komische Ding aus Gips und Metall, das sie letztes Jahr bei den Neuen Künstlern ausgestellt hat. Für mich sah es irgendwie aus wie eine Trittleiter von Heath Robinson. Es hieß aber ›Aufsteigender Gedanke‹ – oder so ähnlich. Solche Dinge beeindrucken einen jungen Mann wie David … Ich fand es eher albern.«

»Lucy, bitte!«

»Aber ein paar von ihren Sachen sind wirklich ganz hübsch. Diese Traueresche, zum Beispiel.«

»Ich finde, Henrietta hat echte Genialität. Außerdem ist sie ein sehr netter, angenehmer Mensch«, verfügte Midge.

Lady Angkatell stand auf und schwebte wieder zum Fenster. Sie spielte gedankenverloren mit der Jalousiekordel. »Wieso eigentlich Eicheln?«, murmelte sie.

»Eicheln?«

»An der Kordel hier. Genau wie die Ananasse auf...


Christie, Agatha
Agatha Christie begründete den modernen britischen Kriminalroman und avancierte im Laufe ihres Lebens zur bekanntesten Krimiautorin aller Zeiten. Ihre beliebten Helden Hercule Poirot und Miss Marple sind - auch durch die Verfilmungen - einem Millionenpublikum bekannt. 1971 wurde sie in den Adelsstand erhoben. Agatha Christie starb 1976 im Alter von 85 Jahren.

Agatha Christie begründete den modernen britischen Kriminalroman und avancierte im Laufe ihres Lebens zur bekanntesten Krimiautorin aller Zeiten. Ihre beliebten Helden Hercule Poirot und Miss Marple sind - auch durch die Verfilmungen - einem Millionenpublikum bekannt. 1971 wurde sie in den Adelsstand erhoben. Agatha Christie starb 1976 im Alter von 85 Jahren.



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