Buch, Englisch, Deutsch, 301 Seiten, ENGLBR, Format (B × H): 145 mm x 230 mm, Gewicht: 450 g
Geschichte einer Ausbreitung
Buch, Englisch, Deutsch, 301 Seiten, ENGLBR, Format (B × H): 145 mm x 230 mm, Gewicht: 450 g
ISBN: 978-3-89528-671-1
Verlag: Aisthesis
Seit etwa einem Jahrzehnt gibt es eine geradezu drohende mediale Präsenz des Amok. Amok ist eine aktuelle Chiffre der Angst. Dem Leser, der auf dieses Buch und seinen Titel stößt, wird vielleicht für einen kurzen Augenblick der Schreck in die Glieder fahren, denn die bekannten und unbekannten Bilder und Geschichten vom Amok werden hier zunächst unter dem Begriff der Ausbreitung versammelt. Das trägt nicht gerade zur Beruhigung bei.
Andererseits wird sich auch Skepsis breitmachen. Wie kann die Geschichte einer Ausbreitung rekonstruiert werden, wenn kein eindeutiges medizinisches Problem vorliegt? Wie kann die Ausbreitung von etwas konturiert werden, das keine festen Konturen hat? Wie kann sich überhaupt ein so extremes und so voraussetzungsreiches Verhalten wie das Amoklaufen ausbreiten? Das vorliegende Buch versucht Antworten auf solche Fragen zu geben und gleichzeitig einzuführen in eine weit zurück reichende Dimension des Amok – seine Geschichte. Diese wird als Medien- und Kulturgeschichte von der Frühen Neuzeit bis in die unmittelbare Gegenwart rekonstruiert.
Autoren/Hrsg.
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Vorwort
Kapitel 1
Amokwespen greifen an! – Die Ausbreitung der Metapher und die Metapher der Ausbreitung in der Gegenwart
I. Von Serientaten zu Tatserien
II. Forcierte Herzenskälte unter Heranwachsenden?
III. Der mediale Rahmen
IV. Ebenen der Ausbreitung
V. Amokmetaphorik historisch: Boulevard, Dichtung, Nachrichtengeschichte
VI. Kleine Phänomenologie der Nachrichten
VII. Sensation als Topos
VIII. Die Hierarchie der Medien
IX. Schlußnachrichten
Kapitel 2
Amokbiografien – Zwischen Nachahmungstrieb und Genrewahl
I. Strenge Abläufe
II. Alte und neue Medien: Unterweisung oder Unterhaltung?
III. Das Subjekt auf Rollensuche
IV. Identität, Kommunikation, Gerichtstag (G. H. Mead)
V. Öffentlichkeit als Bühne: Vom Niemand zum Jemand
VI. Nachahmung und Identität oder unreine Fiktionen (R. Girard)
VII. Heldenfieber
VIII. Ritterspiele. Von der Fantasy zur unirritierbaren Ersatzidentität
IX. Globalisierung der Vorbilder
Kapitel 3
Endlich Neuigkeiten – Bericht vom Amok oder die europäische Entdeckung Südostasiens
I. Das Fremde im Eigenen
II. Aus den Wörterbüchern und Lexika
III. Erste Überlieferungen von Reisen nach Südostasien
IV. Südostasien im Kopf
V. Gedruckte Neuigkeiten oder Enzyklopädik?
VI. Gewalt vor Ort
VII. Kriege mit den Entdeckten
VIII. Protestantismus meets Amok
Kapitel 4
Die abgelegne Leut und Ihre reiche Beut – Amok in ost-indianischen Reisebeschreibungen des 17. und 18. Jahrhunderts
I. Konkurrenzdruck? Amok im Empire
II. Frühe Textsammlungen
III. Erfahrung kommt von Fahren: Johann Jacob Saar
IV. Sklaven der Ehre: Elias Hesses Bericht
V. Rauschhafter Amok? Ein vorläufiges Tableau
Kapitel 5
Amok und Unterhaltung – Reisebericht und Roman auf einem Markt für Literatur
I. Quellenperspektiven
II. Gemachte Erfahrungen
III. Ein Markt für Wunderbares
IV. Wahrhaftige Abenteuer. Zur Logik neuerer Unterhaltung
V. Zwei bearbeitete Berichte
Kapitel 6
Andere Länder, andere Sitten – Zur Popularisierung des Amok im illustrierten Reisebericht des 19. Jahrhunderts
I. Ein neues Schreiben
II. Amok und Aufklärung
III. Romantische Amokforschung
IV. Amok im Völkerkabinett
V. Amok als Rassemerkmal
VI. Amok unter Kindern
VII. Amok und das Licht der Aufklärung
Kapitel 7
Malaiische Quellen – Die Geschichte Hang Tuahs oder Wie nahe kommt man dem Fremden?
I. Literatur und Krieg
II. Islamisierung und Literatur
III. Ritter Hang-Tuah und seine ersten Taten
IV. Overinterpretation?
V. Hang Tuahs Geschichte
VI. Amok von oben, Amok von unten
VII. Puputan
Kapitel 8
Der Kris – Medium des Amok.
I. Eine Frage der Ehre oder eine Frage der Konfession?
II. Mehr als eine Waffe
III. Amok und Tanz
IV. Der Kris als Totem?
V. Stationen und mythische Wanderung des Kris
Kapitel 9
Kohlhaas’ Erben – Amok und literarische Avantgarde (Wagner, Hesse, Handke)
I. Alte und neue Gewalt (Der Fall Kohlhaas)
II. Blutige Dramen (Der Fall Wagner)
III. Unfreiwillige Reisen (Hermann Hesse)
IV. Dosierungsexzesse
V. Ritual und Exzess oder Bist du fähig? (Peter Handke)
Kapitel 10
Ankunft in Neapel – Stefan Zweigs Novelle Der Amokläufer (1922) und ihr zeitgenössischer Kontext
I. Ausbreitung und Popularisierung
II. Novellierter Amok
III. Literarischer Amok
IV. Gefühlsamok
V. Bruchlandung im Hafen
VI. Amok mit Hagenbeck
VII. Tropensonne
VIII. Ein scharfer Trennungsstrich zwischen Braun und Weiß
Kapitel 11
Entkolonialisierung des Amok? – Reiseberichte der Kriegs- und Nachkriegszeit (1940-1970)
I. Differenzierung und action
II. Paradies in Schatten und Licht (Karl Helbig)
III. Unabhängige Berichterstattung
IV. Ärzte ohne Grenzen
V. Am Rande der Winde (A. E. Johann)
Kapitel 12
Populäre Schizophrenien – Amok zwischen Justiz und Ethnopsychiatrie (Georges Devereux)
I. Vor dem Irrsinn: Zwischenresümee
II. Standgericht oder Anstalt?
III. Neue Methoden, neue Diagnosen
IV. Kategorientafeln
V. Warum läuft Frau X. nicht Amok?
VI. Ein Wikinger kennt keinen Amok? (George Devereux)
Kapitel 13
Ich werde die Zitadelle angreifen! – Amok zwischen Pädagogik und Rechtsgeschichte (Pierre Legendre)
I. Kevin allein zuhaus’
II. Römisches Recht und Bestimmung der Vernunft
III. Der Gefreite Lortie
IV. Verhandelter Amok
V. Delirium: Der Sturz ins Handeln
Kapitel 14
All the king’s men. – Martin Scorseses Taxi Driver (1976)
I. Elite im Dunkeln
II. Noch einmal: Unreine Fiktionen
III. Mauersturz und Identität (Humpty Dumpty)
IV. Wahre Macht
V. Ritter Bickle
VI. Schöne Untaten? (Yukio Mishima)
VII. Exkurs zur Filmgeschichte des Amok
Kapitel 15
Existentielles Erlebnis, mimetische Ritualität, apokalyptischer Unfall? – Amok und Cultural Turn in den Geisteswissenschaften
I. Die Arbeit der Einfühlung (Wilhelm Dilthey)
II. Rituale (Victor Turner)
III. Das Ende der Einfühlung (Clifford Geertz)
IV. GAU und schwarzes Loch (Joseph Vogl)
V. Corporal turn und Amok (Gerhard Neumann)




