Christ | Das Gauklerparadies | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 224 Seiten

Christ Das Gauklerparadies


1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-7528-4592-1
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 224 Seiten

ISBN: 978-3-7528-4592-1
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Das Gauklerparadies ist unsere Welt, sowie auch die all jener, die sich am Ende vielleicht irgendwo wiedersehen: Menschen aller Völker und verschiedener Religionen, Menschen aller Art. Das Buch: Ist es Glaube, Hoffnung, eine Überlebens-Philosophie aus der ewig währenden Sehnsucht nach Liebe und Frieden? Egal! Die Begegnungen in jenem anderen Paradies bringen aus der Distanz heraus mannigfaltige Diskussionen über das Erdenleben mit sich. Namhafte Menschen mit Welterfahrung und Wissen beurteilen das Weltgeschehen mit wachem Geist und mit Herz. Es wird beurteilt, gespöttelt und gemahnt. Auch die Sehnsucht spielt mit nach dem Leben auf einer schönen blauen Erde - oder einer zurückgelassenen Liebe; denn sie lebt in der Seele. Ein Buch, über das sich nachdenken lässt.

geb. 1940 in Kalenborn/Eifel, verh., Kinder und Enkelkinder, wohnhaft in Lindau/Bodensee. • Handelsschulabschluß, Sekretärin • Malerin seit 1978 • dreijährige Autorenausbildung in München • Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften und Gemeinschaftsbänden in Wien, Salzburg, Stuttgart, Köln und in Madras/Indien in einem sprachlich international gestalteten Band.
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Die Gesellschaft

Mariann führte sie durch die Menge, vorbei an all denen, die sich am heutigen Tag eingefunden hatten. Menschen aller Länder der Kontinente waren gekommen. Das Thema „Welt-Frieden“ interessierte noch in der Ewigkeit. Zu viele hatten im Unfrieden ihr Leben lassen müssen und fragten sich immer noch nach dem Sinn, und ob es sich gelohnt hatte, die Welt zu verbessern.

Im kleinen Vorraum zum großen blauen Mosaik-Tempel trafen sie auf eine kleine Gesellschaft, von der sie fröhlich und herzlich begrüßt wurden, auch Magdalena. Kam sie doch mit Mariann!

Es waren da:

Lady Mrs. Summerville, englische Lehrerin ex office in Indien, Salvatore, ein Künstler aus Florenz,

Joe, der Farmer aus Kanada,

der alte Cunimba, einst Stammesoberhaupt der Inkas, mit Pia, seiner jungen Tochter,

Robert, ein Wissenschaftler in den besten Jahren aus Boston, Zarah, die sanfte Griechin von Andros,

die junge Nadja aus Jerewan, und

Francois, als Monsieur Armagnac, aus Marseille.

Monsieur war ein alter verschmitzter Charmeur, ein Franzose, immer noch lebensfroh scheinend, jedoch mit etwas lachender Tristesse. Schon mit seinem „Enchantez-Mesdames!“ und seiner hundertjahralten tiefen Stimme verstand er es gleich, Sympathie zu gewinnen.

„Ca va?“ – „Wie geht’s?“ fragte er aufmunternd, legte seinen Arm liebevoll um Magdalenas Schultern und integrierte sie in die Gruppe. Sie wurde herzlich aufgenommen.

Von Mariann erfuhr sie leise, dass M. Armagnac ein Spitzname sei, den ihm einige zugedacht hatten, weil ihn die Gelüste nach einem guten alten Armagnac noch bis in die Ewigkeit verfolgt hätten.

„Ich glaube, er vermisst ihn heute noch“, foppte sie ihn. „Seine Augen haben immer einen so sehnsüchtigen Blick!“

„Ach, Mariann! Lass mir doch neben dir meine alte Liebe!“ entgegnete er lächelnd, und ließ sich nicht aus der Reserve locken.

Aus einem stillen Winkel ihres Raumes klang Geigenmusik.

„Es ist Xavor aus dem Ungarland!“ sagte Mr. Armagnac.

„Seit Gott ihm seine alte Geige wieder schenkte, mit der er hier ankam, sitzt er in allen Ecken mit seiner Chérie und streichelt verliebt ihre Saiten.“

Er spielte so andächtig schön, doch sie mußten über seine hingebungsvolle Art lächeln.

Mrs. Summerville, die englische Lady, hatte eine freudige Nachricht für den florentinischen Künstler.

„Wie ich erfahren habe, hat man dir einen Brunnen als Denkmal gebaut, worauf du sehr stolz sein kannst, Salvatore!

So bleibst du der Nachwelt erhalten!“

„Ach nein, ein Denkmal!“ spottete er ironisch, „sieh an! Habe ich meiner selbst nicht genüge getan, und ein Denkmal von ihnen gebraucht? Was nützen mir die nachgeworfenen Lorbeeren? Sie rücken doch nur sich selbst damit ins rechte Licht und finden immer einen Stummen, den sie dazu missbrauchen können!“

„Aber sei nicht undankbar!“ mahnte die Lady. „Ein Denkmal bekommt nicht jeder. Wir alle sind im Lebensstrom geschwommen und am anderen Ufer gelandet, weil wir Lebenskünstler waren, Salvatore“, gab sie ihm zu bedenken.

„Auch ich habe damals meine indischen Kindern nicht nur das Einmaleins gelehrt, sondern ihnen auch noch guten Herzens meine Güter hinterlassen, damit sie in ihrem armen Land ein besseres Leben haben sollten. Auch das war vorbildlich!

Aber ein Denkmal haben sie mir nicht gesetzt“, sagte sie enttäuscht, und fügte etwas leiser hinzu: „obschon es mich sehr ehren würde!“

Für Salvatore aber war ihre Nachricht nichts Erfreuliches. Der Gedanke an das Denkmal dort unten auf irgendeiner Piazza, die er womöglich nicht einmal bewohnt hatte, regte ihn auf.

„Ja ja, ich sehe ihn schon vor mir, diesen Brunnen, in dem sie im Vorübergehen ihre schmutzigen Hände waschen und ihre verschwitzten Füße darin baden, während die Tauben ungeniert auf meinem Haupte sitzen, und von oben herab mit ihrem Dreck dazu beitragen, dass mit der Zeit ein Jedermann, der vorübergeht lächelnd auf mich begossenen Narren zeigt und sagt: „Ah, seht nur, der große Meister Salvatore!“ spottete er mit großen Gesten.

Lachend nahmen alle an dem Dialog teil. Doch Zarah wollte beruhigen:

„Vergiss das Symbol, Salvatore! Die wahren Denkmäler hast du ihnen doch mit jeder geformten Büste hinterlassen, die man in Ehren hält, damit jeder der kommt sich daran erfreue!“ Er nickte und gab sich zufrieden.

Nur die Lady gab nicht auf:

„So ein Denkmal“, beharrte sie, „ist wie ein rührender Nachruf, und ist außerdem eine dankbare Sache! In guter Bauweise übersteht es Generationen.“

„Meine Werke auch, wenn man sie zu schätzen weiß!“ hielt er dagegen.

„Ja, man muss immer an die Generationen denken, wenn man etwas Belehrendes übermittelt!“, betonte sie mit schulisch erhobenem Zeigefinger.

„Und in deinem Fall ist es ja zudem eine Anregung für den künstlerischen Appetit, Salvatore! Da sind selbst die Denkmäler etwas Schönes!“ fand die Lady abschließend.

Doch damit ging sie zu weit. Ein südländisches Temperament sollte man nicht kitzeln. Und erst recht nicht Salvatores feine Künstlerseele berühren! Er blähte sich vor ihr auf, in seinem Stolz gekränkt, eitel und aggressiv wie ein Pfau:

„Aber Senora!“ empörte er sich. „Das sind ja Steinwürfe ins Glashaus meiner empfindsamen Seele! Jener Anblick, grob und seelenlos?“ fragte er und sah sie blitzend an.

„Den Gesichtern, die ich einst hinterließ, habe ich meine Seele eingehaucht. Sie lebt und spricht aus ihnen. Aber davon scheinen Sie nichts zu verstehen, dear Lady!

Aber ein Denkmal ist wichtig für sie, so ein fragwürdiges Monument, ausdruckslos nichtssagend, verwittert und voller Dreck!“ konterte er ironisch und schüttelte den Kopf.

„Non capisco! No!“

Sein Kopf zuckte zur Seite vor Empörung: „Wo ich doch die Ästhetik in persona bin!“ Die Selbstgefälligkeit hatte ihn eingeholt. Da stand er nun, gekränkt statt geschmeichelt, mit ausgebreiteten Armen in seinem kunstvollen, himmlichen Gewand und verstand die Weltnicht mehr.

Niemand wollte seinen Stolz noch einmal verletzen, und der Sache auch nicht den Ernst nehmen, den Salvatore darin sah.

So wurde das Thema mit einem verständnisvollen Nicken beendet, wie auch mit einem allseits unterdrückten Lachen in der Kehle.

Sogar Mrs. Summerville hielt sich zurück und bedachte in aller Ruhe ihre Meinung über die Denkmäler. Nach einer angemessenen Pause meinte sie dann doch recht leise:

„Mag schon sein, dass sie sich mit den Denkmälern auch nur selbst ein Ehrenmal setzen wollen, und davon in der Gesellschaft zu profitieren gedenken“, mutmaßte sie und schimpfte:

„Diese Scheinwelt! Im Großen und Ganzen ist wirklich alles eine eigene Beweihräucherung und Geschäftemacherei auf Erden, egal unter welchem Namen diese Denkmäler entstehen!“

Apropos Geschäfte:

Monsieur Armagnac erinnerte sich an die Geschichte, die man sich damals in der Bretagne erzählte, als er für einige Zeit dort war. Sie handelte von dem fragwürdigen Versprechen eines Priesters, der einer alten Madame für 6000 Francs einen Platz im Himmel verkauft hatte. Als die Frau sich später vergewissern wollte, ob es denn auch ein Sitzplatz sei, hatte er unsicher seine Schultern gezuckt und wäre der Antwort gern aus dem Weg gegangen.

„Madame aber bestand darauf“, erzählte er.

Der Priester versuchte sie zu besänftigen. „Sehen Sie sich, Madame, doch den Heiligen Franziskus an! Wie glanzvoll steht er nun da mit seinem prächtigen Gewand, dank Ihrer Spende! Das ist sicherlich einen himmlichen Lohn wert!“ meinte er.

Madame aber blieb skeptisch:

„Ob das so richtig war, ausgerechnet dem Heiligen Franz zu diesem Glanz zu verhelfen? Es muss seiner Bescheidenheit sehr widerstrebt haben!“ Verständnislos schüttelte sie den Kopf.

Der Priester spürte ihre Bedenken, auch bezüglich ihres Geschäfts. Und dem war auch so! Madame war nicht zufrieden mit dem Handel. Es schien, als habe sie sich keine unanzweifelbare Zufriedenheit erkauft.

„Schauen Sie doch“, erklärte er ihr: „ich bin ein gehorsamer Diener des Herrn und halte mich streng an die Regeln der Kirche, gespendetes Geld in ihrem Sinne zu verwenden.

Und das tat ich!“ versicherte er. „Das Geld ist gut angelegt!

Auch die Madonna, zu der Sie beten, wurde herausgeputzt. Ihr Kleid war schon dunkel verraucht von den vielen Kerzen, die unter ihr brennen“, sagte er und sah sie mitleidig an.

„Zudem brauchte ich selbst einen neuen Rock, um standesgemäß und würdig am Altar zu stehen“, fügte er etwas beschämt hinzu und meinte: „Ich arbeite zwar im Dienste des Herrn, habe aber hier im Land nicht das Einkommen, das ich mir wünsche.“

Madame dachte über alle nach und gab sich zufrieden!

Der...



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