Christ | Bittermandelkuchen | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 232 Seiten

Christ Bittermandelkuchen

Roman
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7557-2962-4
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

E-Book, Deutsch, 232 Seiten

ISBN: 978-3-7557-2962-4
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Das estländische Gut 'Tonga' ist für seine Menschen ein ruhender Pol, der in allen Erschütterungen und Stürmen Geborgenheit schenkt, und beständig bleibt in den Wirren der Zeit. St. Petersburg dagegen, die schöne, geschichtsträchtige russische Stadt am Finnischen Meer, beschenkt mit vagem Glück. An den Ufern der Newa werden Wünsche geboren; aber auch herausfordernde Ideen. Sie führen in das ferne gegensätzliche Leben eines armen nepalesischen Bergdorfs im Himalaya, wo nicht nur der Mensch, sondern auch das Schicksal manchmal entscheidet. Wie überall in der Welt führen die Geschicke der Menschen durch Höhen und Tiefen, und nicht jeder Traum endet gleich in Seligkeit! Denn Bittermandel ist in süßen Kuchen!

geb. 1940 in Kalenborn/Eifel, verh., Kinder und Enkelkinder, wohnhaft in Lindau/Bodensee. • Handelsschulabschluß, Sekretärin • Malerin seit 1978 • dreijährige Autorenausbildung in München • Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften und Gemeinschaftsbänden in Wien, Salzburg, Stuttgart, Köln und in Madras/Indien in einem sprachlich international gestalteten Band.

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Treffen in St. Petersburg
Ein eisiger Wind zog durch die Straßen von St. Petersburg, als sie über die Brücke zum Uferweg der Newa lief. Die kalten Nordwinde aus dem Finnischen Meerbusen fegten besonders kalt und rau über die Brücken. Sie zog die Ohrenklappen ihrer Pelzmütze herunter und band den warmen Schal bis über die Nase, so wie damals in ihrer Studienzeit in der Stadt. Die russischen Winter konnten unbarmherzig kalt sein! Unten auf den Uferwegen war es nicht mehr so frostig. Katharina nahm gern diesen stillen Weg. Er war eine Abkürzung, wenn sie zu Alexej ging. Hier an der Newa kam man auch nach den Einkäufen im lauten Zentrum zur Ruhe. Da gab es nur den Fluss mit seinem typischen Geruch, sein stetiges Vorbeifließen, das Geplätscher der Wellen am Ufer und den Glanz der Sonne auf der Wasserfläche. In der Abendsonne war er golden. So golden wie die lange Fassade der prächtigen Eremitage, die im Schein der Lichter Abend für Abend ins Wasser fiel. Besonders schön war ihr Glanz in der Newa in den Weißen Nächten von Petersburg. Dann schien der Palast darin versunken zu sein und aus der Tiefe zu strahlen. Es war jedesmal ein Schauspiel gewesen: im Wasser, auf dem Wasser und in der Luft. Die Lichter des Feuerwerks hatten seine Oberfläche bunt gefärbt. Wenn sich dann nach Mitternacht die ersten aller Brücken zum Himmel hoben, und die wartenden Schiffe von klein bis groß auf freie Fahrt Richtung Meer zogen, war es für alle ein besonderes Erlebnis. Wie oft hatte sie in jenen Nächten im Juni, in denen die Sonne über St. Petersburg nicht unterging, in Gesellschaft ihrer Studienfreunde an diesem Ufer gefeiert und getanzt. In einer dieser Nächte hatte sie sich in Alexej verliebt; denn eine solche Nacht war zum Lieben geschaffen! Wie die Newa in ihrem Glanz, blieben jene Nächte unvergessen. Katharina liebte die Stadt. Sie kam gerne her, Alexejs und ihretwegen. Zu Hause in der Stille ihres estnischen Landguts „Tonga“ sehnte sie sich oft nach dem Lärm und dem geschäftlichen Trubel. Aber es war auch so, dass sie ihm gern schon nach wenigen Tagen wieder entfloh, und war es nur bis hier an die stillen Ufer der Newa. Alexej hingegen gefiel dieses laute, turbulente Leben der Großstadt. Er war daran gewöhnt, wie sie an die estnische Stille. Auf dem Landgut in der Nähe von Törva wurde er schon nach wenigen Tagen unruhig; Katharina spürte es, wenn er ihr nicht mehr zuhörte und mit seinen Gedanken schon wieder woanders war. Es war traurig, für sie selbst, und besonders für ihre kleine Tochter Julia, die sich jedesmal auf ihren Vater freute und ihn mit ihren kindlichen Wünschen und gemeinsamen Vorhaben überraschte und überrumpelte, und manchmal überforderte. Mit vielen Versprechungen wurden sie dann aufgeschoben bis zum nächsten Besuch, der immer seltener war. Mehr und mehr begriff Katharina, dass nicht ihr Landgut, sondern St. Petersburg Alexejs Zuhause blieb, obwohl er bei ihrer Heirat davon begeistert gewesen war, und dazu große Pläne für ein gemeinsames, geruhsames Alter auf dem Lande gemacht hatte. Außer ihr hatte es wohl niemand auf dem Gut geglaubt, am wenigsten Victor, ihr Vater. Er war dem Schwiegersohn ablehnend begegnet. Zweifellos hatte er sich für seine Tochter einen anderen vorgestellt. Absolut unvorstellbar war es ihm gewesen, das schwer erarbeitete bewirtschaftete Gutsvermögen in diese „ungeschickten Hände“ weiterzugeben. „Was willst du mit diesem Bolschewiken?“ hatte er gesagt. „Wir können ihn hier nicht brauchen!“ Nein, Victor war nicht überaus glücklich mit der Wahl seiner Tochter; aber er respektierte sie und sprach nie mehr darüber, weil er wusste, dass sie ihn liebte. Und das tat sie! Immer noch! Und jedesmal, wenn er ihr mit festen Schritten in seinen Stiefeln und seiner feschen russischen Uniform entgegenkam, die seiner großen, sportlichen Figur auf den Leib geschnitten war, und er sie mit einem Lachen in den dunklen Augen seines schönen Gesichts begrüßte. Er erwiderte ihre Liebe und sparte nicht an Zärtlichkeiten, und genoss ihre estnische Schönheit. Es war nur schade, dass sie sich so selten sahen! Alexej war in einem der russischen Staatsdienste beschäftigt, und seine Aufgaben beanspruchten ihn sehr, manchmal auch am Wochenende. Sie begriff, dass ihm nicht seine Familie, sondern sein Beruf wohl das Wichtigste war. In diesem Sinne führte er sein Eigenleben. Es galt zu akzeptieren, oder nicht! Und ebenso damit zu leben! Selma, ihre schwedische Freundin hatte sie vor dieser Belastung gewarnt. Der Ablauf auf dem Landgut lag in ihren und des Vaters Händen. Und in denen von León und all ihrer dort untergebrachten Familien, die gute und zuverlässige Arbeit leisteten, nicht nur wegen der guten Behandlung von Seiten der Gutsfamilie, sondern auch aus Verbundenheit und Verpflichtung dem ganzen Geschehen gegenüber. „Guten Dienstleuten steht eine gute Belohnung zu!“ sagte Victor, und behandelte sie so, das sie alle zufrieden waren. Alexej blieb außen vor, als sei er der Familie nicht zugehörig. Und nicht dem ganzen Geschehen! Auf dem Landgut Tonga vermisste ihn keiner. Außer Katharina! Ihr fehlte seine Nähe. Und weil sie Alexejs Frau war, brauchte es keiner Worte, wenn sie von Zeit zu Zeit für einige Tage nach St. Petersburg hinauf fuhr. Nur die kleine Julia sollte währenddessen liebevoll versorgt sein. Und das war sie bei Mascha, die schon lange in ihren Diensten stand. Heute war sie wieder in der Stadt. Und bald bei Alexej! Aus der Ferne hörte sie bereits die Abendglocken der Isaakskathedrale. Sie klangen weithin; denn sie war die Mächtigste der Stadt. Keine übertraf sie in ihrer Größe, und ihre riesige Kuppel in ihrem Glanz. In der untergehenden Sonne strahlte sie wie die Sonne selbst. Katharina eilte die Treppenstufen vom Uferweg der Newa hinauf. Oben in den Geschäften des Viertels, in dem Alexej wohnte, wollte sie noch ein paar köstliche Dinge für ein schnelles Essen besorgen; denn er hatte sicher nichts vorbereitet; wusste er ja heute nicht, dass sie kam. Darum würde er auch nicht in der Türe stehen und sie sogleich umarmen. Mit einigen Sakuskis, Kaviar und Brot, Pelmenis, den Teigtaschen, die sie beide liebten, lief sie von einem zum anderen Laden in den Straßen. Zum Glück gab es auch im Café Bize noch ein paar kleine köstliche Törtchen für eine Nascherei am Abend. Nachdem sie auch noch Alexejs liebsten Wein bekommen hatte, eilte sie den Jugendstil-Häusern zu, in denen er wohnte. Stilvolle Ornamente schmückten die Fassaden und erweckten den Eindruck, dass ihre Bewohner geachtete und betuchte Leute waren, die sich ein besseres, gesichertes Leben leisten konnten. In ihnen würde es am Sonntag keine Eintöpfe, keine Soljanka-Suppen und keinen Borschtsch geben, das „Arme-Leute-Essen“, wie Mascha, ihre russische Köchin auf dem Gut, sagte, wenn sie von ihrer Kindheit sprach. Vor einem der schönen Häuser zog sie den großen Schlüssel aus ihrer Tasche und trat hinein. Der Geruch des alten Hauses war unverwechselbar. Eine breite Treppe führte bis ins obere Stockwerk, in dem Alexej wohnte. Die hölzernen Stufen rochen nach frischem Bohnerwachs. Katharina liebte diesen Geruch; er verband sich mit Alexej. Wie auch das laute Knacken des Schlüssels im Schloss seiner großen Türe, die mit ihren massiven Metallbeschlägen auf dem dunklen Holz uneinnehmbar schien. Man musste aufpassen, dass sie nicht hinter dem Rücken zuschlug; sie würde einem die Rippen brechen. Wie vermutet, war sie abgeschlossen, und Alexej war noch nicht zu Hause. Sie öffnete die Fenster der Wohnung und erfrischte sich im Bad. In einem eigenen Schrank hatte sie alles, was sie brauchte, wenn sie in Petersburg war, so dass sie jedesmal ohne große Vorbereitungen und lästiges Gepäck reisen konnte. Sogleich begann sie einen festlichen Tisch zu decken; denn es war die gewohnte Zeit, in der er kam. Mit dem, was sie besorgt hatte, ließ sich eine Tafel mit lauter Köstlichkeiten decken. Sie entkorkte den Wein und zündete die Kerze zwischen den Gedecken an. Was fehlte noch? Ach ja: das Bild, das Julia für den Papa gemalt hatte, durfte nicht fehlen. Alles sah gut aus. Dafür würde Alexej sie morgen sicher wieder zu einem Gourmet-Essen ins Severyanin einladen. Darin war er genereux! Prüfend warf sie noch einmal einen Blick über den Tisch; er war einladend und wartete auf seine Gäste. Er wartete lange! Im Laufe des Abends verloren die blumigen und fruchtigen Dekorationen um die Sakuskis ihre Frische. Ihr Duft aber hielt sich noch im Raum. Das Brot begann trocken und hart zu werden; seine knackigen, leicht würzigen Krusten wurden langsam zäh. Und die köstlichen kleinen Sahnetörtchen aus ihrem Lieblingscafé, dem Bize, fielen mehr und mehr in sich zusammen – wie Katharinas eigene Frische. Eine allgemeine Erschöpfung machte sich breit. Die frühe lange Fahrt von Tonga bis Petersburg, die Einkäufe und die Stadt selbst, und Freude der Erwartung hatten müde gemacht. Draußen wurde es schon dunkel, und der Abend ging durch die Straßen. Sie hatte...



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