Choy | Tief schweigendes Gebiet | Buch | 978-3-944643-84-7 | www2.sack.de

Buch, Deutsch, Band 8, 74 Seiten, Format (B × H): 120 mm x 190 mm, Gewicht: 100 g

Reihe: edition rote zahlen

Choy

Tief schweigendes Gebiet

Gedichte
Erscheinungsjahr 2018
ISBN: 978-3-944643-84-7
Verlag: Verlag Rote Zahlen

Gedichte

Buch, Deutsch, Band 8, 74 Seiten, Format (B × H): 120 mm x 190 mm, Gewicht: 100 g

Reihe: edition rote zahlen

ISBN: 978-3-944643-84-7
Verlag: Verlag Rote Zahlen


Um die Lyrik von Namyeun Choy zu beschreiben, muss man notwendiger Weise zu Paradoxien greifen: Eine sanfte Brise aus Stahl, ein Staubkorn von der Größe des Alls, ein schwebendes Blütenblatt mit dem Gewicht der ganzen Welt, die unendliche Weisheit der Dinge – Widersprüchlichkeiten, die in dieser Poesie nicht als Gegensätze auftreten, nicht unvereinbar sind, vielmehr eine untrennbare Einheit bilden. Alles ist in allem in diesen Zeilen und Wortgeflechten, und das ist keineswegs im Sinne einer abendländisch-klappernden und rumpelnden Metaphernmaschinerie zu verstehen, sondern als Axiom, als nicht hinterfragte und nicht hinterfragbare Voraussetzung für die Arbeit der Dichterin.
Eben dieses Axiom, diese innere Gewissheit, dass es ein Einzelnes gar nicht gibt, versetzt Namyeun Choy in die Lage, mit scheinbar leichter Hand selbst bleischwere philosophische Riesenklötze zum Tanzen zu bringen.
Anfangs schien es mir, als gäbe es Lücken und Leerstellen in den hier versammelten Gedichten. Aber wie bei jedem gelungenen Kunstwerk, das man betrachtet, betrachtet das Werk irgendwann denjenigen, der es anschaut. Und da wurde mir schlagartig klar: Diese Lücken gibt es nicht im Werk, es gibt sie ausschließlich in meinem Denken und Dasein! Als Folge nämlich eines naturwissenschaftlich konditionierten, mechanistisch-materialistisch geprägten Intellekts, der alles zerlegen, zersplittern, voneinander trennen muss, und dann bei der Analyse der Bruchstücke das Ganze nicht mehr zusammendenken kann.
Man kann bei Namyeun Choy viel lernen für das lyrische Handwerk. Noch mehr ließe sich aber lernen von dem, was da hinter, zwischen und über der lyrischen Melodie mitsingt und mitklingt: Eine Ganzheit, in der zugleich unendliche Trauer und unendlicher Trost zu finden ist.

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Weitere Infos & Material


Willaschek, RO
RO Willaschek, Kunstmacher und Dichter, geb. 1946 in Pots­dam. Aus­bildung zum Reproduk­tions-Fotografen. Studium der Freien Kunst an der FhS in Köln bei den Pro­fessoren Alfred Will und Pravoslav Sovak, begleitender Dozent: Jür­gen Klauke. Den Lebensunterhalt bestritt Willa­schek als Re­profotograf, Fotograf, Grafiker, Illus­trator/Karikatu­rist und Pädagoge in Köln, Berlin und Siegburg und leitete 25 Jahre lang im Rhein-Sieg-Kreis den Fachbereich Kunst & Litera­tur in einem Weiterbildungsinsti­tut. Zahlreiche Ausstellungen, Lesun­gen, Perfor­mances, Ver­öffentlichungen, Filme, Aktio­nen.
Auch literarisch betätigte sich Willaschek, bis 2010 – neben gelegent­lichen Artikeln über Kunst und Künstler – fast aus­schließlich auf dem Gebiet der Dichtung.
Neben der Zeichnung und der Malerei experimentiert Willaschek auf musikalischem Gebiet solo und in der Gruppe Tzara II (Klavier, Gitarre und Kornett). Vereinzelt begleitet er sich jazz-improvisierend bei Lesungen eigener Gedichte auf dem Klavier. Auf fotografischem Gebiet, das er bis zum Umbruch durch die Digitalisierung intensiv bediente, interessierte ihn ausschließlich die Verfremdung, und er entwickelte durch chemische Manipulationen die »Gemalte Fotografie«.

Choy, Namyeun
Namyeun Choy wurde 1952 in Seoul geboren, mitten in den schlimmsten Kampfhand­lungen. Ihre Eltern flüchteten in eine der südlichen Pro­vinzen und kämpften dort unter unsagbaren Leiden um das Überleben der Familie. Den­noch: Schon kurz nach Beendi­gung des Krieges ließen die Eltern sich scheiden.
Ab dem fünften Lebensjahr mutterlos, wuchs die Dichterin zu­sammen mit der zwei Jahre älteren Schwester in der Obhut des Vaters auf. Der war zwar ein angesehener Musiker und Künstler, fand aber in den Hunger- und Wiederaufbaujahren keine Arbeit. Namyeuns Kindheit war deshalb geprägt von bitterer Armut, aber auch von der bedin­gungslosen Liebe ihres Vaters.
Die Familie kehrte schließlich nach Seoul zurück, dort besuchte Namyeun Choy ein Mädchengymnasium und schrieb auch ihre ers­ten Gedichte. Mit 19, nach Beendigung der Schule, ging sie nach Deutschland und arbeitete fast vier­zig Jahre lang als Kran­kenschwester.
Erst danach nahm sie das Schreiben wieder auf und »ordnet« seit­her ihr Leben in Ge­dichten und in einer Biografie.
Bei allen Lebenswirrungen und -irrungen ist der Kontakt zur korea­nischen Kultur nie abgerissen. Vor allem die koreani­sche Musik hat und hatte im Leben der Dichterin immer einen her­ausragenden Platz. Sie pflegt und hegt diese Wurzeln und spielt in der Gruppe »Dassiragi« die traditio­nellen koreanischen Instrumente Buk und Kayagûm.



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